China - Zwischen Vergangenheit und Zukunft

China - Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Ein Projekt zur zeitgenössischen Kunst Chinas

24 March 06 - 14 May 06

Seit dem Zweiten Weltkrieg nimmt das Nachdenken über Formen des kulturellen Gedächtnisses eine Schlüsselstellung in der europäischen Theoriebildung ein. Auch in China wird zu diesem Thema intensiv diskutiert, ist es von wachsender Bedeutung für die künstlerische und literarische Produktion. Wie in Europa scheint die Frage nach der eigenen Identität immer auch von der nach dem kulturellen Gedächtnis begleitet zu sein. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist damit essentiell, um Entwicklungen in diesem so wichtigen Land verstehen zu können - einem Land, das zu jenen Mächten gehört, welche die Kulturen der Welt immer nachhaltiger beeinflussen. Dabei ist China durch eine Vielzahl von Neuinterpretationen, aber auch Auslöschungen kultureller Überlieferungen gekennzeichnet: Die kommunistische Revolution und später besonders die Kulturrevolution griffen immer wieder gewaltsam in die unvergleichlich reichen Traditionen ein und zerstörten zahllose Kunstwerke und Gedächtnisorte. Auch die marktwirtschaftlich motivierten Veränderungen der letzten Jahre wirken in dieser Richtung. Dabei ist es interessanterweise erst der unwiederbringliche Verlust von historischen Monumenten und Kulturlandschaften, aber auch immateriellen Kulturzeugnissen, der die Öffentlichkeit (Chinas wie auch Europas) für die Vielfalt und Originalität der mittlerweile nahezu verschwundenen Traditionen sensibilisiert. Bereits die erste Künstlergeneration, die auf die Kulturrevolution folgte, reagierte darauf und fragte nach den kulturellen Traditionen und den Folgen ihrer Auslöschung – ein Impuls, der heute geradezu zu einem „Strom“ von Überlegungen, Debatten und künstlerischen Statements angewachsen ist. Im Programm ‚China - Zwischen Vergangenheit und Zukunft’ werden für China spezifische Fragestellungen diskutiert und zugleich auf eine internationale Perspektive hin erweitert. Das Projekt nimmt die Forderung nach künstlerischer Selbstbestimmung auf, die für die zeitgenössische Generation des Landes ohne Kenntnis ihrer kulturellen Wurzeln nur schwer erreichbar zu sein erscheint. Damit wehren sich die Kunstschaffenden auch gegen den weiterhin wirkenden Einfluss der kommunistischen Partei. Erinnerung offenbart sich in der Volksrepublik China immer als ein gleichzeitig ästhetisches wie auch politisches Projekt, das das öffentliche Leben in weiten Bereichen entscheidend prägt. Viele Künstler verwahren sich in diesem Zusammenhang gegen einen aufflammenden Nationalismus und die Versuchung, Formen eines staatlich diktierten kulturellen Gedächtnisses als das ihre anzuerkennen. Das Programm beschäftigt sich mit den vielfältigen und komplexen Fragen des kulturellen Gedächtnisses in den unterschiedlichsten künstlerischen Formen, von Oper, über Musik, Literatur bis hin zu Kunst und Film. Das Programm reagiert mit mehreren Projekten auf die Tatsache, dass Oper und Musik in China für die Thematik des kulturellen Gedächtnisses eine herausragende Stellung einnimmt. Nirgendwo sonst wurde das einmalig vielfältige traditionelle Wissen, von Generation zu Generation, durch alle politischen Systeme hindurch bis in die Gegenwart hinein lebendig gehalten. Gleichzeitig unterlag aber auch kein anderer Kunstbereich so starken politischen Restriktionen und den immer stärker werdenden Impulsen einer globalisierten Welt. Diesen vermeintlichen Widerspruch aufzulösen ist das erklärte Ziel der Programmkuratoren.

http://www.hkw.de/de/ressourcen/archiv2006/cultural_memory/_cultural_memory/projekt-detail_3.php

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