Willem Boshoff

Article Bio Works Projects
additional name:
Willem Hendrik Adriaan Boshoff
crossroads:
Apartheid, Erinnerung, Macht, Sprache
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Bildhauerei, Installation)
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Gedicht)
region:
Africa, Southern
country/territory:
South Africa
city:
Johannesburg
created on:
July 14, 2003
last changed on:
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Article

Visuelle Glossolalie

Willem Boshoff wurde 1951 in Vereeniging in Südafrika geboren und studierte Kunst und Pädagogik. Seit fast dreißig Jahren erforscht er Charakteristika und Möglichkeiten von Sprache, Gedächtnis und Macht, oft in konzeptuellen und langwierigen Projekten. Seine frühen Werke beinhalten Tagebücher im Miniaturformat und visuelle Gedichte. In jüngerer Zeit produzierte Boshoff großformatige Installationen, die von seiner lebenslangen Faszination von Wörterbüchern und Enzyklopädien geleitet sind. Er lebt und arbeitet in Johannesburg, Südafrika.
Boshoffs Frühwerk entspringt seiner persönlichen Erfahrung der Isolation während der Jahre der Apartheid sowie seinem Wunsch nach tieferem Verständnis von Meditation, Widerstand und künstlerischer Produktion. Seine frühesten Arbeiten erscheinen fast wie meditative Übungen, die ganz ohne einen Gedanken an einen Leser oder Betrachter entstanden sind. In einem Interview scherzte Boshoff, dass sein frühestes konzeptuelles Kunstwerk wohl der Versuch gewesen sei, das Neue Testament auswendig zu lernen. Die Übung war zur Erforschung der Eigenschaften der mündlichen Sprache gedacht, die Boshoff als Befreiung im Vergleich zu den eisernen Gesetzen der Schriftsprache erschien.

Während der gesamten siebziger Jahre produzierte Boshoff kleine, private Arbeiten, die oft die Gestalt konkreter Poesie annahmen, wie z. B. das „Bangboek” („Furchtbuch", 1971-81), ein kryptisches Tagebuch voller persönlicher pazifistischer Notizen, die in Protest zum Militärdienst in der südafrikanischen Armee entstanden. Ungefähr gleichzeitig produzierte er „Kykafrikaans” („Schauafrikaans“, 1977-80), einen Band mit 84 visuellen Gedichten, die aus mit der Schreibmaschine geschriebenen Worten und Sätzen in Afrikaans bestanden. Afrikaans als Sprache der weißen Regierung und Polizei wird hier einer Reihe von visuellen und sprachlichen Verdrehungen und Verschmutzungen unterworfen und die beschriebenen Seiten erscheinen als dichte, opake Bilder. Einzelne Seiten, wie z. B. das Gedicht „Pro Patria”, das aus Fragmenten von Marschbefehlen (Links – Rechts) komponiert ist, illustriert, wie er Sprache verunreinigt, um sprachliche Reinheit ad absurdum zu führen.

Anfang der achtziger Jahre begann Boshoff mit der Arbeit an langfristigen, prozessorientierten skulpturalen Projekten. Zwischen 1982 und 1983 arbeitete er am „370 Day Projekt”, einer Serie kleiner Holzskulpturen, die aus 370 verschiedenen Holzarten bestanden und jeweils ein unterschiedliches Symbol oder Zeichen darstellten. Eine andere Arbeit, die in dieser Tradition steht, ist das „Blind Alphabet ABC” (1991-96). Für diese Installation, die ein fortlaufendes Projekt ist, setzt Boshoff seine Untersuchung von skulpturaler Ausdifferenzierung sprachlicher Bedeutungen fort. „Blind Alphabet ABC” ist eine Art dreidimensionales Alphabet und besteht bisher aus 338 Plastiken. Jede Skulptur symbolisiert ein abstraktes Konzept oder Wort und kann nur durch Fühlen wahrgenommen werden. Die Skulpturen sind in Boxen aufbewahrt und so dem Blick entzogen. Sie sind ausschließlich blinden Ausstellungsbesuchern zugänglich. In einer Umkehrung der Machthierarchie schafft die Ausstellung eine Abhängigkeit der sehenden von den blinden Besuchern, ohne die das „Blind Alphabet” verloren bleibt.

Jüngst hat Boshoff eine Reihe von Skulpturen und Installationen produziert, die sich mit Sprache als einem Instrument des Wissenserwerbs aber auch der Unterdrückung beschäftigen, und sich besonders den kleinen, bedrohten Sprachen widmen. Die Installation „The Writing that Fell off the Wall” (1997) besteht aus vierzehn leeren Sockeln, die von kleinen Holztafeln umgeben sind, auf denen in sieben europäischen Sprachen (Englisch, Niederländisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Deutsch) jeweils ein Wort geschrieben steht (Wahrheit; Identität; Grenze; Ordnung; Glaube; Reinheit; Vernunft; Bestimmung; Fortschritt; Rettung; Grund; Standard; Perfektion). Die Arbeit nimmt auf koloniale Erklärungsmuster Bezug, die die Unterwerfung Afrikas zu begründen versuchten, kann aber auch als Mahnmal für die Schwierigkeit, eine eigene Sprache zu finden und zu bewahren, verstanden werden.

Für die Havanna Biennale im Jahr 2000 schuf Boshoff eine ephemere Installation, die wiederum das Thema sprachlicher Dominanz aufgriff. „Writing in the Sand” (2000) besteht aus zwei weißen Sandflächen, in die Boshoff mit schwarzem Sand einige Namen und Worte jüngst offiziell anerkannter südafrikanischer Sprachen schrieb (Sesotho sa Leboa, Sesotho, Setswana, siSwati, Tshivenda, Xitsonga, isiNdebele, isiXhosa und isiZulu). Diese Sprachen werden seit hunderten von Jahren gesprochen, waren jedoch von den europäischen Herrschern unterdrückt worden. Dennoch gewährt die gesetzliche Anerkennung keine Garantie für ihren Bestand, denn sie sehen sich anderen Formen linguistischer Dominanz ausgesetzt. Der zweite Teil der Arbeit nimmt auf diesen Aspekt Bezug, indem sie abstruse englische Worte, die auch dem gebildeten Muttersprachler fremd und unverständlich sein dürften – wie z. B. „pognology” (das Studium von Bärten) oder „carphology” (die unterdrückte Begierde, seinen eigenen Schlafanzug zu liebkosen) – ausschreibt und in „subalternen” Sprachen erklärt. Englische Muttersprachler, die seit jeher daran gewöhnt sind, Menschen anderer Muttersprachen zu gängeln, finden sich plötzlich auf die Hilfe anderer angewiesen, die ihnen Worte ihrer eigenen Sprache erklären müssen.

Author: Christian Rattemeyer

Bio

Willem Boshoff, geboren 1951 in Vereeniging, Südafrika, erhielt 1974 ein staatliches Diplom in Kunsterziehung vom Johannesburg College of Art (heute Technikon Witwatersrand), ein weiterführendes Diplom in Druckgraphik vom Technikon Witwatersrand im Jahr 1980 und einen Magister in Skulptur im Jahr 1984. Er arbeitete 23 Jahre lang als Lehrer in unterschiedlichen Fächern und Schulen: von 1973 bis 1976 arbeitete er als Teilzeitkraft an der Jeppe Boys High School und von 1975 bis 1977 am Johannesburg College for Advanced Technical Education.
Er unterrichtete Afrikaans, Religion und Kunst an der Parktown Boys High School von 1977 bis 1980 und war von 1980 bis 1982 Dozent am Technikon Witwatersrand. Zwischen 1983 und 1991 war er dort Institutsleiter und Associate Director, eine Position, die er bis 1996 innehatte. Seit 1996 arbeitet er ausschließlich als bildender Künstler. Er lebt in Johannesburg, Südafrika.

Works

Nonplussed

Published Written,
2004
Ohne Angabe. Goodman Gallery: Johannesburg

Licked : Willem Boshoff

Published Written,
2003
Ohne Angabe. Stevenson: Cape Town

Ausstellungen (Auswahl)

Exhibition / Installation,
2000
1981 Guest artist, Johannesburg Art Gallery 1982 Natalie Knight Gallery, Johannesburg, with Joe Tilson 1984 South African Association of Arts, Pretoria, with Hans Potgieter 1985 Work selected for Tributaries, an exhibition of South African art touring South Africa and West Germany, curated by Ricky Burnett 1994 State of the Art, Everard Read Contemporary Gallery, Johannesburg 1995 Inside/Outside, Africus Biennale 1995, Johannesburg Art Gallery FNB VITA Art Now, exhibition, Johannesburg Art Gallery Siyawela, Birmingham Museum and Art Gallery, Birmingham, England 1996 FNB Vita Art Now, Johannesburg Art Gallery South African Art, Atlanta, USA BAD FAITH CHRONICLES, Mermaid Theatre Gallery, London Don’t Mess with Mister In-between, Culturgest, Lisbon, Portugal 23rd International Biennale of São Paulo 1997 Unplugged, Rembrandt Gallery, Johannesburg TREE OF KNOWLEDGE, Alliance Francaise, Johannesburg; Important and Exportant, Johannesburg Biennale 1997, Johannesburg Art Gallery FNB Vita Award for Art, Sandton Municipal Gallery Purple and Green, Pretoria Art Museum. 1998 Sanlam Centre, Cape Town National Library for the Blind, Birmingham, England; Museu da Cidade, Pavilhao Branco, Lisbon, Portugal Dreams and Clouds, Kulturhuset, Stockholm, Sweden Triennale der Kleinplastik, Stuttgart, Germany 1999 Global Conceptualism: Points of Origin 1950’s - 1980’s, Queens Museum of Art, New York 8th Floralies Internationales, Nantes, France; Group Exhibition, Johannesburg Art Foundation Manuscript Exhibition, Carfax Gallery, Johannesburg Emergence, University of the Witwatersrand 2000 Museum van Hedendaagse Kunst Antwerp, Antwerp Belgium Translation/Seduction/ Displacement, White Box Gallery, New York, After New York, Johannesburg Civic Gallery Mnemosyne, University of the Witwatersrand Urban Futures 2000, MuseuMAfrica, Johannesburg Aardklop art festival, Potchefstroom Havana Biennale, Havana, Cuba Museo Nacional, Centro de Arte, Reina Sofia, Madrid, Spain 2001 The Short Century: Independence and Liberation Movements in Africa, Munich, Berlin, New York, Chicago Authentic/Ex-centric: Africa in and out of Africa, 49th Venice Biennale, Venice, Italy

Exhibitions (choice)

Exhibition / Installation,
2000
1981 Guest artist, Johannesburg Art Gallery 1982 Natalie Knight Gallery, Johannesburg, Südafrika, mit Joe Tilson 1984 South African Association of Arts, Pretoria, Südafrika, mit Hans Potgieter 1985 Work selected for Tributaries, Ausstellung südafrikanischer Kunst, die an verschiedenen Orten in Südafrika und Westdeutschland gezeigt wurde, kuratiert von Ricky Burnett 1994 State of the Art, Everard Read Contemporary Gallery, Johannesburg, Südafrika 1995 Inside/Outside, Africus Biennale 1995, Johannesburg Art Gallery, Südafrika FNB VITA Art Now, exhibition, Johannesburg Art Gallery, Südafrika Siyawela, Birmingham Museum and Art Gallery, Birmingham, Großbitannien 1996 FNB Vita Art Now, Johannesburg Art Gallery, Südafrika South African Art, Atlanta, USA BAD FAITH CHRONICLES, Mermaid Theatre Gallery, London, Großbritannien Don’t Mess with Mister In-between, Culturgest, Lissabon, Portugal 23rd International Biennale of São Paulo, Brasilien 1997 Unplugged, Rembrandt Gallery, Johannesburg, Südafrika TREE OF KNOWLEDGE, Alliance Française, Johannesburg, Südafrika Important and Exportant, Johannesburg Biennale 1997, Johannesburg Art Gallery, Südafrika FNB Vita Award for Art, Sandton Municipal Gallery Purple and Green, Pretoria Art Museum, Südafrika 1998 Sanlam Centre, Kapstadt, Südafrika National Library for the Blind, Birmingham, Großbritannien Museu da Cidade, Pavilhão Branco, Lissabon, Portugal Dreams and Clouds, Kulturhuset, Stockholm, Schweden Triennale der Kleinplastik, Stuttgart, Deutschland 1999 Global Conceptualism: Points of Origin 1950’s-1980’s, Queens Museum of Art, New York, USA 8th Floralies Internationales, Nantes, Frankreich Group Exhibition, Johannesburg Art Foundation, Südafrika Manuscript Exhibition, Carfax Gallery, Johannesburg Emergence, University of the Witwatersrand, Südafrika 2000 Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen, Antwerpen Belgien Translation/Seduction/ Displacement, White Box Gallery, New York, USA After New York, Johannesburg Civic Gallery, Südafrika Mnemosyne, University of the Witwatersrand, Südafrika Urban Futures 2000, MuseuMAfrica, Johannesburg, Südafrika Aardklop art festival, Potchefstroom Havana Biennale, Havanna, Kuba Museo Nacional, Centro de Arte, Reina Sofia, Madrid, Spanien 2001 The Short Century: Independence and Liberation Movements in Africa, first to be held in Authentic/Ex-centric: Africa in and Africa Out Africa, 49th Venice Biennale, Venedig, Italien

My African notebook

Published Written,
1992
Ohne Angabe. Bell Desk Top: Greenside

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)