Denise Stoklos

Article Bio Works
crossroads:
Gender, Körper, Macht, Sexualität
genre(subgenre):
Performing Arts (Performance, Tanz)
region:
America, South
country/territory:
Brazil
city:
São Paulo
created on:
May 28, 2003
last changed on:
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Denise Stoklos
"A Fax from Denise Stoklos to Christopher Colombus" © Bel Pedrosa

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Essential Theatre

Denise Stoklos ist die herausragendste Soloperformerin, Regisseurin und Autorin Brasiliens: neunmal wurde sie in ihrer Heimat zur besten Schauspielerin gewählt. In ihren Stücken lotet sie die Beziehungen von Geschlecht, Körper, Sexualität und Macht aus. Ihre Theorie des Theaters fasste sie in dem Buch „Essential Theatre“ zusammen.
Die Soloperformerin Denise Stoklos ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der brasilianischen Theaterlandschaft. Sie ist Schauspielerin, Regisseurin, Autorin und Produzentin in einer Person. 1968 begann sie mit ihrer Bühnenarbeit. Die „Denise Stoklos – One Woman Show“ zeigte sie 1978 auf einer der ersten Tourneen in Europa, seither tritt sie regelmäßig hier, aber auch im New Yorker „La MaMa“ auf. „Adult Orgasm escapes from the Zoo“, „Denise Stoklos in Mary Stuart“ und „Ziviler Ungehorsam“ sind ihre bekanntesten Produktionen der letzten Jahre.

Der Körper und die Stimme stehen im Zentrum ihrer Performances. Mit einem Minimum an Gesten, Bewegungen und Worten schafft sie eine Intensität, die den Zuschauer die reale Zeit vergessen lässt.

„Casa“ ist der letzte Teil einer Trilogie, die vom täglichen Leben einer Frau erzählt. Sie geht einfach ihren Gewohnheiten nach: kommt von der anstrengenden Büroarbeit, trinkt ein Glas Wasser, duscht, telefoniert, plündert den Kühlschrank, spielt mit den Kindern. Nichts Besonderes, aber Denise Stoklos kündigt den Alltäglichkeiten ihre Selbstverständlichkeit auf. Das Ganze gerät zur Groteske, zum häuslichen Melodram. Es entsteht eine „wundervoll choreographierte Kakophonie, die die Tonleiter der Gefühle durchläuft“, urteilte der New Yorker „Downtown“.

Stoklos Kraft und Originalität liegen in ihrem Humor und der Intensität, mit denen sie völlig disparate künstlerische und politische Traditionen zu einer sehr persönlichen Performance gestaltet. In allen Stücken arbeitet sie mit einer Mischung aus Pantomime, Kabarett, Jonglage bis hin zu Mitteln den epischen Theaters. Dabei stellt sie sich in eine humanistische Tradition. Denn immer bewegt sie die Frage: Können wir den historischen Weg der Gewalt in eine lebensbejahende Strategie umwandeln?

In ihrer Karriere hat sie schrullige Charaktere der brasilianischen Militärdiktatur genauso verkörpert wie sie postmoderne Entfremdung in „Casa“ vorgeführt hat. In ihrem „500 Jahre – Ein Fax von Denise Stoklos an Columbus“ (1992) hat sie sich mit dem weiter bestehenden Kolonialismus auseinandergesetzt. „Denise Stoklos in Mary Stuart“ (1987) zeigt die quälenden politischen und persönlichen Ansprüche an Frauen in politischen Führungspositionen, ein Themenkreis, den sie in „Des-Medéia“ (1994) auf die Situation von Müttern bezieht. Und in „Ziviler Ungehorsam“ (1999) untersucht sie politische Optionen am Ende des 20. Jahrhunderts.

In ihrem Grundlagenbuch „Essential Theatre“ schreibt sie: „Als Schauspielerin, Autorin und Regisseurin stelle ich immer die Macht, soziale Ungerechtigkeit, normatives Verhalten, Ästhetik und die Funktionsweise dieses kapitalistischen patriarchalen Systems in Frage. Die mikrokosmischen Bewegungen der Gesellschaft interessieren mich immer weniger... Ich werde immer mehr zur Anarchistin und lache immer häufiger über Politiker. Ich rette mich, indem ich meinem eigenen persönlichen Weg folge.“


Veranstaltungen im HKW:
5. und 6. September 1992
Denise Stoklos
Casa
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Bio

Denise Stoklos wurde in Irati, Paraná, geboren. Ihre Karriere als Schauspielerin, Autorin, Regisseurin und Produzentin begann 1968. Nach Tätigkeiten in Rio de Janeiro und São Paulo, emigrierte sie 1977 mit ihrem Mann nach London, wo sie den typischen Stil ihrer Soloperformances zu entwickeln begann. Nach Brasilien zurückgekehrt, trat sie in vielen eigenen Stücken auf, inszenierte und choreographierte. In Workshops gibt sie ihr Wissen weiter. 1999 fand in ihrer Heimatstadt São Paulo ein Festival mit ihren Stücken statt.
Denise Stoklos war die erste brasilianische Schauspielerin, die in Moskau und Peking auftrat. Sie hat ihre zwanzig Stücke in sieben Sprachen gespielt, ist in dreißig Ländern aufgetreten und hat sieben Bücher geschrieben. Ihre Theatertheorie ist in ihrem „Essential Theatre“ nachzulesen. Denise Stoklos hat zwei Kinder.

Works

Vozes Dissonantes

Production / Performance,
1999

Desobediênzia Civil

Production / Performance,
1997

Des-Medéia

Production / Performance,
1994

500 Anos - Um Fax de Denise Stoklos para Christovão Colombo

Production / Performance,
1992

Essential Theatre

Published Written,
1992

Casa

Production / Performance,
1990

Denise Stoklos in Mary Stuart

Production / Performance,
1987

Elis Regina

Production / Performance,
1982

One Woman Show

Production / Performance,
1980

Círculo na Lua, Lama na Rua

Production / Performance,
1968