Mai Masri

Article Bio Works Projects www
crossroads:
Gender, Identität, Intifada, Kinder, Krieg
genre(subgenre):
Film (Dokumentarfilm)
region:
Middle East
country/territory:
Palestine
created on:
May 26, 2003
last changed on:
Please note: This page has not been updated since September 25, 2008. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:

Article

„Der Hintergrund all meiner Filme war der Krieg“

Die Dokumentarfilmerin und Produzentin Mai Masri wurde 1959 in Amman/Jordanien geboren, studierte Film in San Franciso und lebt heute in Palästina. Sie drehte – zum Teil gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem libanesischen Filmemacher Jean Khalil Chamoun – zahlreiche Filme über die Folgen des Krieges im Libanon sowie den palästinensischen Widerstand. Im Fokus ihrer Arbeit steht vor allem die Situation der Frauen und Kinder.
Über den biografischen Hintergrund und die zentralen Anliegen ihrer Arbeit als Dokumentarfilmerin berichtet Mai Masri: „Als Tochter eines palästinensischen Vaters aus Nablus und einer amerikanischen Mutter aus Texas habe ich dieses gespaltene Gefühl von Identität und Entfremdung durch mein gesamtes Leben getragen. Als Palästinenserin war ich schon früh der Enteignung ausgesetzt. Wir lebten in der Nähe des Flüchtlingslagers Shatila in Beirut und ich erinnere mich daran, als ich ein Kind war, wie unser Haus zitterte, wenn die israelischen Jets das Lager bombardierten. Ich wuchs mit einem tiefen Gefühl von Ungerechtigkeit auf. Dies zwang mich dazu, Fragen zu stellen, wie z.B: Wer bin ich? Warum lebe ich nicht in meinem eigenen Land? Die Gefühle von Zugehörigkeit und Entfremdung sind zwei gegensätzliche Gefühle, die Teil meiner Identität sind.
Ich habe in einem von Besetzung gezeichneten Land (Palästina) und in einem anderen von Bürgerkrieg gezeichneten Land (Libanon) Filme gemacht. Der Hintergrund all meiner Filme war der Krieg, ganz einfach weil es das ist, was ich mein ganzes Leben lang erlebt habe. Ich denke, dass der Krieg die besten und die schlechtesten Seiten der Menschen zum Vorschein bringt. Das interessiert und fasziniert mich. Ich habe den Tod geliebter Menschen miterlebt genauso wie die allmähliche Erosion meines Landes, aber dennoch bin ich erstaunt darüber, wie Leute es schaffen inmitten des Todes und der ganzen Zerstörung zu lachen, zu lieben und zu überleben.

Jeder Film, den ich gemacht habe (entweder alleine oder zusammen mit dem Filmemacher Jean Chamoun), basiert auf der Entwicklung einer sehr engen Beziehung zu den Personen, einer Art von Vertrauen bzw. Komplizenschaft, die ihnen dabei hilft sich zu öffnen und ihre Hemmungen vor der Kamera abzulegen. Ich führe keine konventionellen Interviews. Ich gebe die Stimmung vor und ermögliche eine natürliche Entwicklung der Geschichte durch Gespräche und narrative Sequenzen. Meine Herangehensweise hat mehr mit Erzählung zu tun als mit klassischen Dokumentarfilmen. Meiner Meinung nach geht es beim Dokumentarfilm nicht um eine reine Aufzeichnung von Realität. Es geht um die Entdeckung einer Welt, die sich aus vielen magischen Schichten zusammensetzt. Es ist die Kunst, durch die Augen anderer Leute zu sehen und die Poesie im Alltagsleben hervorzuheben.

Meine Filme sind die Antithese der Stereotypen, die die Palästinenser als ein Volk ohne gesetzmäßige Rechte entmenschlichen, dämonisieren und abtun. In meiner Trilogie ‚Children of Fire’ (1990), ‚Children of Shatila’ (1998) und ‚Frontiers of Dreams and Fears’ (2001) besitzen die Kinder den Schlüssel zu den gegensätzlichen und sich einander annähernden Elemente von Traum und Wirklichkeit. Ihre kleinen Geschichten über das Leben und die Liebe – inmitten von Zerstörung und Verzweiflung – durchschneiden die Grenzen, die sie von ihrem Heimatland und von den Herzen und dem Geist der Menschen in der Welt trennen. Diese Kinder haben mir die Bedeutung von Freundschaft beigebracht, die sowohl reale als auch imaginäre Grenzen überwindet.“

Bio

Mai Masri, geboren 1959 in Amman/Jordanien, studierte Film an der Universität von San Francisco. Sie ist Dokumentarfilmerin (Regie, Kamera, Schnitt) und Produzentin und hat zusammen mit ihrem Ehemann, dem libanesischen Filmemacher Jean Khalil Chamoun, zahlreiche Filme über die Folgen des Krieges im Libanon sowie den palästinensischen Widerstand gedreht. Im Fokus ihrer Arbeit steht dabei vor allem die Situation der Frauen und Kinder: „Sous les décombres“ (1983), „Fleur d´Ajonc“ (1986), „Femmes du Sud Liban“ (1986), „Beyrouth, génération de la guerre“ (1988), „Children of Fire“ (1990), ein Film über die Intifada, und „Suspended Dreams“ (1992). 1995 drehte sie das Porträt einer der führenden Politikerinnen Palästinas: „Hanan Ashrawi“ und 1998 dokumentierte sie das Leben von Kinder in Flüchtlingslagern: „Children of Shatila“. Ihr jüngster Film „Frontiers of Dreams and Fears“ (2001) wurde inspiriert von dem Wunsch, den Kindern wieder zu begegnen, die sie zuvor in „Children of Shatila“ porträtiert hatte.: „Ich wollte einen zweiten Film machen, um zu sehen, wie sich ihr Leben verändert hatte und was mit ihren Träumen geschehen ist“, sagt Masri.

Works

33 Days

Film / TV,
2007

Beirut Diaries

Film / TV,
2006

Frontiers of Dreams and Fears

Film / TV,
2001

Children of Shatila

Film / TV,
1998

Hanan Ashrawi

Film / TV,
1995

Suspended Dreams

Film / TV,
1992

Children of Fire

Film / TV,
1990

Beyrouth, génération de la guerre

Film / TV,
1988

Fleur d´Ajonc

Film / TV,
1986

Femmes du Sud Liban

Film / TV,
1986

Sous les décombres

Film / TV,
1983

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

DisORIENTation

Contemporary Artists from Middle East

(20 March 03 - 11 May 03)

Www