Ann Hui

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crossroads:
Emigration, Gender, Identität, Krieg, Prostitution
genre(subgenre):
Film (Dokumentarfilm, Historienfilm, Komödie, Spielfilm)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
Hong Kong (China)
created on:
May 23, 2003
last changed on:
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Ann Hui
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Spurensicherung und Identitätssuche in Hongkong

Kulturelle Identität und innere Widersprüche sind die Themen der international renommierten Regisseurin und Produzentin Ann Hui, die ihre Inhalte in der chinesischen Gegenwart und Geschichte findet. Zusammen mit Yim Ho und Allen Fong stellt sie Ende der siebziger und in den achtziger Jahren die künstlerische Avantgarde und setzt den anspruchslosen Kampffilmen, Thrillern und Komödien inhaltlich ehrgeizige Projekte entgegen. Zensur und geringe Publikumserfolge erschweren die Arbeit in der Kronkolonie. Hui hält jedoch zwanzig Jahre lang an ihrem Anspruch fest, der international auf zahlreichen Festivals mit Preisen und Anerkennung honoriert wird. Ann Hui wurde 1947 in Anshan, Mantschurei, geboren und lebt seit 1952 in Hongkong.
Alle zwei Jahre legt der "Exportartikel Nummer Eins" (cahiers du cinéma, 1984) Ann Hui einen neuen Film vor. Seit ihrem Debüt 1979 mit "Fengjie" / "The Secret" spielen Frauen eine zentrale Rolle in den Filmen von Ann Hui. Sie selbst dementiert, dass das eine besondere Bedeutung habe, und wehrt sich dagegen, als Feministin etikettiert zu werden. Für sie ist die "Protagonistin" ihrer Filme die Stadt Hongkong, die Genug Stoff für Filme biete. Hongkong sei eine Stadt zum Überlebenstraining "eine Gesellschaft ohne Garantien".

Opernsänger und Gespenster stehen im Mittelpunkt ihres zweiten Kinofilms "Zhuang Dao Zheng" / "The Spooky Bunch" (1980), aber schon ein Jahr später wendet sich Ann Hui mit "Huyue de Gushi" / "The Story of Woo Viet" (1981) aktuellen Themen zu. Woo Viet, ein ehemaliger Soldat der süd-vietnamesischen Armee, flieht aus seiner Heimat nach Hongkong, um von dort sein Ziel Amerika anzusteuern. In Hongkong verliebt er sich in die schöne Vietnamesin Li, die ebenfalls in die USA will. Bei einem Zwischenstopp auf den Philippen wird Li als Prostituierte verkauft.

1982 entsteht "Tuoben Nuhai" / "Boat People" der als politischer Film gefeiert wird und Ann Hui auch in Europa bekannt macht. Ein japanischer Reporter fährt ins befreite Vietnam und ist entsetzt über die Realität, mit der er sich konfrontiert sieht. Ann Hui gesteht, dass sie damals aus reiner Naivität einen antikommunistischen und antichinesischen Film gedreht hätte, der in China wie nicht anders zu erwarten war, sofort in den Schränken verschwand.

1987 verfilmt Ann Hui mit "Shun Jian En Chou Lou" / "Die Romanze von Buch und Schwert" / "The Romance of Book & Sword" einen historischen Kung-Fu-Roman über die Nachfolgekriege der Quing-Dynastie, den sie mit großem Komparsenaufgebot als typischen Martial-Arts-Film realisiert. Seitdem erzählt Ann Hui nur noch Geschichten, die sie persönlich interessieren und in denen sie ihre Handschrift setzen kann. So zum Beispiel in "Xiatian De Xue" / "Sommerschnee" / "Summer Snow" (1994) in dem die Protagonistin May, eine berufstätige Mutter um die vierzig, nicht nur als Managerin gefordert ist, sondern auch die Familie zu versorgen hat, inklusive ihrem hochaggressiven Schwiegervater, der an Alzheimer leidet.

Der berühmte Action-Star Michelle Khan spielt die Hauptrolle in "Ah Kam" / "The Stunt Woman" (1996). Hui zeigt hier, wie die Trash-Produktion der Kung-Fu-Filme funktioniert und wie die Wirklichkeit aussieht, wenn die Protagonistin nach einem schweren Unfall nicht mehr einsatzfähig ist. Die Kampfsportexpertin Ah Kam aus China versucht ihr Glück bei der Hongkonger Filmindustrie, hat aber ohne Beziehungen wenig Chancen, in diese geschlossene Gesellschaft einzudringen. Nur bei Master Tung, einem erfahrenen Stuntman findet sie Unterstützung. Als Tung bei einer Auseinandersetzung mit einer Jugendbande ums Leben kommt, nimmt Ah Kam sich seines Sohnes an und beschließt, ihn zu rächen.

1990 verfilmt Hui einen Stoff, der autobiografisch geprägt ist. "Ke Tu Chin Hen" / "Lied der Verbannung" / "Song of Exile" spiegelt in der Darstellung der Protagonistin Hueyin wider, was auch Ann Hui erlebt hat: eine strenge Großmutter, das Leben in einer Klosterschule, ein chinesischer Vater und eine japanische Mutter, die
angefeindet wurde; Kindheit in Macao bei den Großeltern, eine Rückkehr aus London in die düsteren Räume der Kolonialbauten, Identitätskonflikte auf dem durch Krieg und Teilungen zerrissenen chinesischen Territorium.

Ann Hui verfilmt auch diese Geschichte mit großer Sorgfalt und Vorsicht, denn immer noch entscheidet die Zensur über die Freigabe eines Filmes. Ihr nächster Film "Shanghai Jiaqi" / "Ferien in Shanghai" / "My American Grandson" (1991) ist eine chinesisch-taiwanesische Koproduktion und kommt erst nach strengen Schnittauflagen der chinesischen Behörden heraus, obwohl Ann Hui das rückständige Festland positiv im Gegensatz zu Fortschritt und Entfremdung in Taiwan zeigt, weil es bei aller Rückständigkeit Muße und Menschlichkeit bietet.

1999 ist Ann Hui, wie schon oft zuvor, Gast der Berlinale und präsentiert dort im Wettbewerb "Qian Yan Wan Yu" / "Alltägliche Helden" / "Ordinary Heroes". Der Film erzählt die Geschichte von Sow, die in eine psychiatrische Klinik flüchtet, nachdem sie an völligem Gedächtnisschwund leidet. In Rückblenden erzählt der Film die Verwicklung von Politik, Liebe und Gewalt in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens ... Der Film wird wie schon vorher "Sommerschnee" (1996) als bester Film bei den "Hongkong Film Awards" ausgezeichnet.


Veranstaltungen im HKW:
Sonntag, 4. April 1993
Dienstag, 6. April 1993
Kinderkino
Fremde Kulturen im Kinderfilm
Shanghai Jiaqi / Mein amerikanischer Enkel
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Mittwoch, 7. April 1993
Mittwochskino
China
Ketu Quiuhen / Das Lied des Exils
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Author: Gabriele Gillner 

Bio

Geboren am 23.5.1947 in Anshan, Mantschurei, lebt seit 1952 in Hongkong. Bis 1972 absolviert sie ein Studium der Anglistik und Vergleichenden Literaturwissenschaften, auf das zwei Jahre an der London Film School folgen. Danach wird sie Assistentin des Regisseurs King Hu. Ab Mitte der siebziger Jahre realisiert sie Serien und Dokumentarfilme für das Fernsehen. Ihr Spielfilmdebüt kommt 1979. Ann Hui lebt in Hongkong - ohne Büro, ohne Schreibtisch und ohne Fax: "Ich lebe mit meinem Aktenordner unter Arm, der das jeweilige neue Projekt enthält."

Works

Tin shui wai dik yat yu ye / The Way We Are

Published Audio,
2008

Yi Ma De Hou Xian Dai Sheng Huo / The Postmodern Life of My Aunt

Film / TV,
2006

Pinyin: Yu Guân Yîn / Jade Goddess of Mercy

Film / TV,
2003

Laam yan sei sap /July Rhapsody

Film / TV,
2002

Youling Renjian / Visible Secret

Film / TV,
2001

Qian Yan Wan Yu / Alltägliche Helden / Ordinary Heroes

Film / TV,
1998

Bang Sheng Yuan / As Time Goes By

Film / TV,
1997

Ya Pian Zhan Zheng

Film / TV,
1997
Regie: Xie Jin, Associate Producer

Ah Kam / The Stunt Woman

Film / TV,
1996

Xiatian De Xue / Sommerschnee / Summer Snow

Film / TV,
1994

Tian Guo Ni Zi

Film / TV,
1994
Regie: Yim Ho, Executive Producer

Jidau Zhuizhong / Zodiac Killer

Film / TV,
1991

Shanghai Jiaqi / Ferienin Shanghai / My American Grandson

Film / TV,
1991

Ke Tu Chin Hen / Lied der Verbannung / Song of the Exile

Film / TV,
1990

Jiinwan Xinguang Canlan / Sterne der Nacht / Starry is in The Night

Film / TV,
1988

Shun Jian En Chou Lou / Die Romanze von Buch und Schwert / The Romance of Book & Sword

Film / TV,
1987

Quing Cheng Zhi Lian / Eine Liebe in Hongkong / Love in a Fallen City

Film / TV,
1984

Tuoben Nuhai / Boat People

Film / TV,
1982

Huye De Gushi / The Story of Woo Viet

Film / TV,
1981

Zhuang Dao Zheng / The Spooky Bunch

Film / TV,
1980

Fengjie / The Secret

Film / TV,
1979

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Festival of Vision: Hongkong – Berlin

(27 July 00 - 10 September 00)