Maruch Santiz Gomez

Article Bio Works Projects Images www
crossroads:
Alltag, Tradition, Vorfahren
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie, Text)
region:
America, Central
country/territory:
Mexico
city:
Romerillo (Chiapas)
created on:
May 9, 2003
last changed on:
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Article

Aufspüren und Bewahren des indigenen Erbes

Die 1975 geborene mexikanische Künstlerin Maruch Santiz Gomez kombiniert in ihren Arbeiten Sprache und Fotografie. In ihrer Heimat, dem indigenen Dorf Romerillo, sammelt sie mündlich überlieferte Traditionen, schreibt sie nieder und illustriert sie mit Fotografien. So bewahrt sie die vom Vergessen bedrohten alten Gebräuche, Riten und Weisheiten ihrer Vorfahren für die folgenden Generationen. Darüber hinaus stellen ihre subjektiven Zuordnungen von Bildern und Texten andere, interkulturelle Zusammenhänge her, die über die bloße Dokumentation hinaus weisen und sie in die Nähe der (westlich generierten) Konzeptkunst rücken.
Die 1975 geborene mexikanische Künstlerin Maruch Santiz Gomez kombiniert in ihren Arbeiten Sprache und Fotografie. In ihrer Heimat, dem indigenen Dorf Romerillo, sammelt sie mündlich überlieferte Traditionen, schreibt sie nieder und illustriert sie mit Fotografien. So bewahrt sie die vom Vergessen bedrohten alten Gebräuche, Riten und Weisheiten ihrer Vorfahren für die folgenden Generationen. Darüber hinaus stellen ihre subjektiven Zuordnungen von Bildern und Texten andere, interkulturelle Zusammenhänge her, die über die bloße Dokumentation hinaus weisen und sie in die Nähe der (westlich generierten) Konzeptkunst rücken.


Maruch Santiz Gomez´ Arbeit mit dem Medium der Fotografie hängt untrennbar mit der Gründung des „Archivo Fotografico Indígena“ zuammen: Im Jahr 1992 rief die amerikanische Fotografin Carlota Duarte ein ungewöhnliches Projekt in San Cristobal de las Casas im Bundesstaat Chiapas, im südlichen Mexiko, ins Leben. Rund ein Drittel der 3.5 Millionen Bewohner dieses Bundesstaates sind Nachfahren verschiedener Maya-Völker, die als Indígenas bezeichnet werden.

Duarte hatte sich mit ihrem Projekt zum Ziel gesetzt, den Indígenas freien Zugang zu fotografischen Werkzeugen und Materialien zu verschaffen und ihnen das Know How zu vermitteln, um selbst fotografieren und Fotos entwickeln zu können. Damit eröffnete sie den Indígenas die Möglichkeit, erstmals in der Geschichte ihre Kultur selbst zu präsentieren. Dabei wollte und will Duarte weder konzeptionell noch ästhetisch in die Motivauswahl und deren Umsetzung eingreifen – die Indígenas sollten ihre eigenen Themen und Motive wählen und sie nach ihren Vorstellungen verwirklichen, um sich den Menschen anderer Kulturen zu präsentieren. Diese „Neuschreibung“ von Geschichte in eigener Sache über das Medium der Fotografie sieht Duarte als eine weitere Etappe in dem 500 Jahren alten Kampf der Indígenas seit der spanischen Eroberung um das Recht auf die Ausübung ihrer Kulturen, Traditionen und Sprachen.

Auffällig an den Bildern der Foto-Kooperative, in der Indígenas verschiedener Ethnien und Sprachen zur Dokumentation und Bewahrung ihrer Kulturen arbeiten, ist, dass sie nicht primär den seit Jahren blutigen und grausamen bewaffneten Kampf in Chiapas aufzeichnen. Damit wird unser Blick von Chiapas um eine neue Perspektive erweitert. „Die indigenen Fotografen haben einen Zugang zu diesen Dingen, der sich sowohl inhaltlich als auch vom Blickpunkt her von dem des Fremden unterscheidet. Sie sind keine Fremden in ihrem eigenen Leben.“, schreibt die mexikanische Anthropologin Gabriela Vargas Cetina. (In: http://buerger.metropolis.de/madlen1976/november.txt)

Auch Maruch Santiz Gomez richtet ihr Objektiv nicht auf den seit Jahren schwelenden Kampf der Zapatisten gegen die Regierung, sondern auf das, was sie liebt: das Leben in ihrem Dorf, die Menschen dort, die Tiere und Alltagsgegenstände.

Als Maruch im Alter von 17 Jahren nach San Cristobal de las Casas kam, war sie bereits Mitglied von Sna Jtz´ibajom, dem Haus der Schriftsteller, einer Vereinigung indigener Autoren, die ebenfalls in San Cristobal de las Casas ihr Zentrum hat. Bereits wenige Monate nach ihrer fotografischen Ausbildung in Duartes Projekt, begann sie die Serie der „Creencias“, was so viel heißt wie Glaube, Religion, Volksglaube oder Glaubensüberzeugung. Diese Serie wurde in einem Buch zusammengestellt.

Mit ihren Arbeiten entreißt Maruch die mündlich überlieferten Maya-Traditionen der Vergessenheit und rettet sie in die Gegenwart und in die Zukunft – mit Worten und Bildern, die die Bräuche der Älteren beschreiben und illustrieren. „Es ist sehr wichtig, dass die Indígenas Fotos ihrer eigenen Kulturen machen“, sagt Maruch Santiz Gomez, „damit diese anderen Indígenas in Südamerika bekannt werden. Auf diese Weise bewahren und dokumentieren wir unsere traditionellen Kulturen und verbreiten sie, damit zukünftige Generationen sich erinnern und lernen können.“ (Maruch Santiz Gomez, in: http://buerger.metropolis.de/madlen1976/november.txt.)

Seit Anbeginn ihrer Arbeit ist für Maruch die Kombination von Text und Bild von großer Wichtigkeit: „Die Fotos können gelesen werden und das ist einfacher als das Verstehen eines Textes, weil viele Menschen nicht lesen können.“ (Maruch Santiz Gomez, in: www.arts-history.mx/maruchsantiz)

Ihre Fotos zeigen unter anderem Töpfe, Feuer, Kinder und Tiere – Bilder, die Gomez als Illustration ihrer für den Außenstehenden oft kurios anmutenden Texte arrangiert. Diese Texte beruhen auf den Erzählungen ihrer Eltern, Groß- und Urgroßeltern sowie der Nachbarn und stellen die traditionell mündlich überlieferten Gebräuche der Älteren dar. Diese werden den nachfolgenden Generationen als Ratschläge und Lebensweisheiten mit auf ihren Weg gegeben. Sie sind in Kombination mit den Fotos immer in drei Sprachen aufgeführt: in Tzotzil, ihrer Muttersprache, die sie damit als kulturelles Erbe erhalten möchte, in Spanisch und in Englisch.

Eine ihrer schwarz-weiß Fotografien zum Beispiel zeigt einen abgeschnittenen oder abgebrochenen Ast, an dessen Zweigen noch einige Beeren und Blätter hängen. Der Ast, dessen Zweige mit einer Schnur zu einer Art Besen gebündelt wurden, steht an einer Bretterwand. Die diesem Bild zugeordnete Volksweisheit lautet „Es ist schlecht, das Haus am Nachmittag auszufegen, weil man so unglücklich werden kann, dass man all sein Geld verliert.“ (Maruch Santiz Gomez, in: www.arts-history.mx/maruchsantiz)

Die Bilder der „Creencias“ visualisieren das gesprochene Wort der Vorfahren Maruchs und weisen zugleich darüber hinaus. Vargas Cetina nennt die „Creencias“ eine Brücke zwischen den Zeiten und Kulturen. Sie sind fähig, eine Verständigung zwischen den Generationen zu schaffen sowie Brücken zwischen Maruchs Kultur und der Kultur der industrialisierten, westlichen Welt aufzuzeigen: die Möglichkeit, einen Weg der Verständigung zu finden, der über die eigene individuelle Existenz hinaus geht (vgl. Gabriela Vargas Cetina. In: www.arts-history.mx/maruchsantiz). Indem Maruch Texte und sehr ausdrucksstarke Fotos kombiniert, zeigt sie uns ihre Interpretation der „Creencias“ – und eben dieser Punkt transformiert das Erbe ihrer Vorfahren zu einem ganz besonderen Vermächtnis.

Maruch komponiert jedes einzelne Bild der „Creencias“ mit heterogenen Elementen. Ihre Fotos sind ein kreativer Diskurs, der mit Emotionen und Urwissen aufgeladen ist und immer noch eine Vielfältigkeit von Deutungen zulässt. Mit der Kombination von Text und Bild rückt sie in die Nähe der Konzeptkünstler. Zugleich dokumentiert sie das Wissen ihrer Vorfahren und erstellt eine Art Ikonografie des Gedankengutes der Maya. (vgl. Bellinghausen, Hermann, in: www.arts-history.mx/maruchsantiz)
Author: Julia Schnitzler

Bio

Maruch Santiz Gomez wurde 1975 in der Nähe von Cruztón in San Juan Chamula geboren. In ihrer Kindheit hütete sie die Schafe ihrer Familie. 1993 traf sie auf das Projekt „Archivo Fotografico Indigena“ und arbeitet seitdem mit Fotografie und Sprache. Ihre Arbeiten wurden bereits in Mexiko, in den USA und auch in Europa ausgestellt. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

Works

SAMMLUNGEN

Exhibition / Installation,
2003
Archivo General de la Nación, Mexiko Centro de la Imágen, Mexiko The Ford Foundation, Mexiko Würth Museum, Künzelsau, Deutschland Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Spanien Sammlung Daros Latinoamérica, Zürich, Schweiz

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2004 „Do You Believe in Reality? 2004 Taipei Biennial“, Taipei Fine Arts Museum, Taipei, Taiwan „Shanghai Biennale 2004“, Shanghai Art Museum, Shanghai, China 2003 „Mexiko Iluminado”, Albright College Center for the Arts, Reading, USA „Imágenes Subtituladas”, Fundació Espais d’art contemporani, Girona, Spanien „Text Message“, Galería Helga de Alvear, Madrid, Spanien 2002 „Imágenes Subtituladas“, Fundació Espais, Girona, Spanien „Mexico Iluminado”, Freedman Gallery, Reading, USA „La Mirada”, Fotografia en la Colección Daros, Zürich, Schweiz „FIAC 02”, Stand Galeria OMR, Paris, Frankreich „Mensaje de Texto”, Galeria Helga, Alvear, Spanien „Money and Value”, Swiss National Bank, Basel, Schweiz 2001 „Lifestills”, Galerie Carousel, Paris, Frankreich „ArtBasel 01”, Stand Galeria OMR, Basel, Schweiz „ReMediated Memories”, Australian Centre for Photography, Sydney, Australien „Más allá del minimalismo”, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid, Spanien 2000 „Art Forum 2000”, Stand Galeria OMR, Berlin 1999 „Nostalgia, un grupo de fotografia”, Galeria OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko 1998 „Fotofest’98, Looking at the 90’s”, Vine Street Studios, Houston, USA „Creencias”, Casa de la Mujer Rosario Castellanos, Oaxaca, Mexiko „Campo visual”, Latin American Center, Amsterdam, Niederlande „Visión indigena: fotografias por indigenas de Mexiko”, Centro Cultural de los Altos de Chiapas y HAH, San Cristobal de las Casas, Mexiko 1997 „Campo visual: Visión indigena de la Vida Campesina en Chiapas”, Café La Selva, San Cristobal de las Casas, Mexiko „Territorios singulares: Fotografia Contemporánea Mexicana”, Sala de Exposiciones del Canal de Isabel II, Madrid, Spanien „Visión indigena de Chiapas”, Guadalupe Cultural Arts Center, San Antonio, USA „Una familia de Cruztón”, Café la Selva, San Cristobal de las Casas, Mexiko „Naturaleza muerta”, El Centro Integral de Fotografia-Galeria Pedro Meyer, Puebla, Mexiko 1996 „Mayan views”, Cambridge Multicultural Arts Center, Cambridge, USA „Dia de los muertos”, Mexican Fine Arts Center Museum, Chicago, USA „Somos mujeres indigenas de Chamula”, Café La Selva, San Cristobal de las Casas, Mexiko 1995 „Africus 95”, Johannesburg Biennale, Johannesburg, Südafrika „Nuevas prácticas colectivas”, Galeria Arte Contemporáneo, Mexiko-Stadt, Mexiko 1994 „Distant Voices”, The Puffin Space, New York, USA

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2001 „De la Serie Creencias“, Museo Universitario de Ciencias y Artes, Mexiko-Stadt, Mexiko 2000 „FIAC 2000“, Stand Galeria OMR, Paris, Frankreich 1999 „Creencias“, Instituto Mexicano de Cultura, New York, USA 1998 „Maruch Sántiz Gómez“, Galeria OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko „Creencias de Chamula“, Centro Cultural San Angel, Mexiko-Stadt, Mexiko

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

MEXartes-berlin.de

The Mexico-festival in Berlin

(15 September 02 - 01 December 02)

Www

Art-History-Mexico

web page with informations in Spanish and English

Galeria OMR

Web page of the Mexican OMR Gallery in English/Spanish with a list of exhibitions/biography
images
Canado