Malick Sidibé

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crossroads:
Jugend
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie)
region:
Africa, Western
country/territory:
Mali
created on:
July 13, 2003
last changed on:
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Bilder voller Musik

Malick Sidibé ist ein Senkrechtstarter der internationalen Kunstszene: Seit einer viel beachteten Ausstellung 1995 in Paris reißen sich Kuratoren und Galeristen in aller Welt um die Bilder des in einem kleinen Dorf in Mali geborenen Fotografen. In seinem Heimatland ist Sidibé schon seit Jahrzehnten als Chronist der Jugendkultur bekannt. Die Fotos, die er auf Partys und in Tanzlokalen, aber auch in Armenvierteln und auf den Straßen von Bamako macht, zeichnen sich aus durch unmittelbare Nähe, Intensität und Authentizität.
Eine Gruppe Jugendlicher, die am Samstag abend vor einem Club wartet; ein Paar, das ausgelassen den „Mali-Twist“ tanzt; eine von den Lichtblitzen eines Stroboskops beleuchtete Disko, deren Besucher traditionelle und europäische Kleidung im wilden Mix durcheinander tragen und fröhlich feiern: Mit Fotos wie diesen ist der malinesische Fotograf Malick Sidibé in den letzten Jahren zu einem internationalen Star der Kunstszene avanciert. Seit seinem Aufsehen erregenden Auftritt 1995 in der Fondation Cartier in Paris wurden seine Bilder in einer Vielzahl von Ausstellungen in Museen in Europa, Afrika und den USA präsentiert. Erst kürzlich ist ihm als erstem afrikanischen Fotografen der renommierte Internationale Preis für Fotografie 2003 der schwedischen Hasselblad-Stiftung zuerkannt worden.

Malick Sidibé wurde 1935 in dem kleinen Dorf Soloba im damaligen Französisch-Sudan (dem heutigen Mali) geboren. Schon früh fiel sein zeichnerisches Talent auf und seine Lehrer animierten ihn, die Hochschule für sudanesische Kunst in Bamako zu besuchen, wo er zunächst einen Studiengang als Designer und Goldschmied absolvierte. Doch dann entdeckte Sidibé seine Passion für die Fotografie, ging in Bamako beim Gründer der „Photo Service Boutique“ Gérard Guillat, genannt „Gégé la pellicule“ („Gégé, die Filmrolle“), in die Lehre und eröffnete 1958 mit dem „Studio Malick“ sein eigenes Fotostudio. Bamako war zu der Zeit ein Zentrum malinesischer Fotografie, in dem außer Guillat und Sidibé weitere Fotopioniere wie Seydou Keïta, Sakaly und Félix Dialo arbeiteten. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten: Sidibé wurde zum Chronisten der selbstbewussten Jugendkultur der Jahre nach der malinesischen Unabhängigkeit und die Fotos, die er auf Partys und in Lokalen mit seiner handlichen Kleinbildkamera aufnahm, machten ihn in seinem Heimatland bald weithin bekannt.

Was Sidibés Bilder besonders auszeichnet, ist ihr Schnappschuss-Charakter, obwohl sie alles andere als zufällig entstanden sind. Sidibé fotografiert nicht aus der Distanz, sondern geht sehr nah an seine Motive heran. Wenn er etwa einen Mann und eine Frau auf der Tanzfläche zeigt, dann füllen die beiden fast das gesamte Bild aus, die Umstehenden und anderen Tanzenden sind in dem vom Fotografen gewählten Ausschnitt nur bruchstückhaft zu sehen. Dadurch entsteht der Eindruck, der Betrachter sei selbst unmittelbar Teil des Geschehens. Entsprechend scheint es fast, als würde man die Musik hören, zu der sich die jungen Leute auf Sidibés Fotos so übermütig bewegen, die schrillen Schreie des Entzückens und das Klacken der Absätze auf dem Tanzboden.

Ein weiteres Merkmal seiner Fotos ist ihre klare, konzentriert komponierte Bildsprache. Stets ist seine Aussage ganz unzweideutig zu erkennen, ohne dabei plakativ, oberflächlich oder effektheischend zu sein. Sidibés Bilder verströmen eine bezwingende Authentizität, der man sich nur schwer entziehen kann. Wo sie eine sorglose, fröhliche und leichte Atmosphäre verbreiten sollen, transportieren sie eine unbändige Lebensfreude. Und wo sie die Kehrseiten des Daseins in der Großstadt offenbaren, die Arbeitslosigkeit, den Alkoholismus, da sind sie ergreifend bis zur Schmerzhaftigkeit. Es ist diese Intensität der Darstellung, die Sidibés Schaffen nicht nur für Ausstellungskuratoren, sondern auch für westliche Verlage hat interessant werden lassen - was sich unter anderem in aufwändig im Duoton-Verfahren gedruckten Publikationen niedergeschlagen hat.

Malick Sidibé lebt und arbeitet in Bamako.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1935 (oder 1936) in Soloba, im heutigen Mali, geboren
1955 Diplom als Designer und Goldschmied an der École des Artisans Soudanais, Bamako
1955-58 Ausbildung als Fotograf im Studio „Photo Service Boutique“, Bamako
1958 Gründung des Fotostudios „Photo Malick“, Bamako
Lebt und arbeitet in Bamako

Works

The Short Century (Kat.), Munich, London, New York

Published Written,
2001

art, das Kunstmagazin, July

Published Written,
1999

Malick Sidibé et al., Snap me one (Kat.), Munich

Published Written,
1998

André Magnin, Malick Sidibé, Zurich

Published Written,
1998

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Another World", Maison Africaine de la Photographie, Bamako, Mali „Contact", Toronto Photography Festival, Toronto, Kanada „Gallery Du Jour Agnès B. presents ...", Alliance Française Toronto, Toronto, Kanada 2004 „=weiß = schwarz=white=black=“, IWALEWA-Haus, Bayreuth „Fotografi i Fokus“, Fotografi i Fokus, Malmö, Schweden „with Hamburg Kennedy Photographs“, Scalo Project Space, New York, USA „Mois de la Photographie“, JM I Patras, Paris, Frankreich „Common Ground”, The Corcoran Gallery of Art, Washington, USA „Image and Identity”, The Sheldon Art Galleries, St. Louis Missouri, USA „Four Years”, Fifty One Fine Art Photography, Antwerpen, Belgien „New Acquisitions: Local and Global Contemporary Photography”, Bates College Museum of Art, Lewiston, USA „Pretty World”, Aeroplastics Contemporary, Brüssel, Belgien „Collection Agnès B”, Les Abattoirs - Frac Midi-Pyrénées, Toulouse Frankreich „Stage Realities“, Michael Stevenson, Kapstadt, Südafrika „Nous Remontons de la "Calle" Toutes les Photographies!", Galerie du Jour agnès b., Paris, Frankreich 2003 „Summertime Blues”, Galerie Conrads, Düsseldorf „Portraits of Pride”, Preus fotomuseum, Horten, Norwegen „You Look Beautiful Like That”, National Portrait Gallery, London, Großbritannien 2001 „Afrika: eine Hommage", Villa Stuck, München 2000 „Portrait Africa", Haus der Kulturen der Welt, Berlin 1998 „Snap me one", Stadtmuseum, München 1997 „Retrats de l´anima“, Fundació la Caixa, Barcelona, Spanien 1996 "In/sight: African Photographers, 1940 to the present" Solomon R. Guggenheim Museum, New York, USA 1995 Fondation Cartier pour l´art contemporain, Paris, Frankreich

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „2004 års Hasselbladspristagare från Mali“, Fotogalleri Format, Malmö, Schweden „Malick Sidibé“, Jack Shainman Gallery, New York, USA 2004 „Studio Malick“, La Galerie de La Filature, Mulhouse, Frankreich „Malick Sidibé“, Museet for Fotokunst, Odense, Dänemark „2003 års Hasselbladspristagare“, Fotografins Hus, Stockholm, Schweden „Malick Sidibé“, CAV Coimbra Visual Arts Centre, Coimbra, Portugal „Hasselbladspristagare 2003“, The Regional Museum, Kristianstad, Schweden 2003 „2003 års Hasselbladspristagare“, Haselblad Center, Göteborg, Schweden „Malick Sidibeé: Studio Malick, Bamako”, Jack Shainman Gallery, New York, USA „Bathing“, Galerie Conrads, Düsseldorf 2002 „Malick Sidibé“, Galerie Claude Samuel, Paris, Frankreich „Shimon Attie - White Nights, Sugar Dreams / Malick Sidibé – Mali”, Jack Shainman Gallery, New York, USA 1999 „Malick Sidibé: The Clubs of Bamako”, Deitch Projects, New York, USA „Malick Sidibé”, Museum of Contemporary Art Chicago – MCA, Chicago, USA „Malick Sidibè – Photographie“, Dany Keller Galerie, München

Merits

2003 Hasselblad International Prize for Photography

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)
images
Werk: Titel unbekannt, Mali 1970
Werk: Titel unbekannt, Mali