Abdulaziz Hashimov & Ensemble

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crossroads:
Islam, Menschenrechte, Tradition
genre(subgenre):
Musik (traditionelle uigurische Musik)
instruments:
Tanbur
region:
Asia, Southern and Central, Asia, Eastern, Asia, Southern and Central
country/territory:
Kyrgyzstan, Kazakhstan, China, Uzbekistan
created on:
May 15, 2003
last changed on:
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 Abdulaziz Hashimov & Ensemble
Abdulaziz Hashimov

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Musik der Uiguren

Abdulaziz Hashimov, geboren 1939 im Kaschgar-Gebiet in der Uigurischen Autonomen Region Sinkiang (China), gilt als Hüter des musikalischen Erbes der Uiguren. Als Musikethnologe sammelte er in ganz Zentralasien Dokumente der alten uigurischen Musikkultur und ist ein Meister auf den Langhalslauten Dotar und Tanbur. Gemeinsam mit seinem „All-Star“-Ensemble aus Usbekistan, Kirgistan und Kasachstan bringt er die komplexe und intellektuell reiche Tradition der uigurischen Musik zur Aufführung.
Die Uiguren sind eines der großen Turkvölker Zentralasiens, die im 8. Jahrhundert über ein großes Reich verfügten, seither aber großräumig verstreut sind. Die meisten von ihnen leben heute in der zu China gehörenden Uigurischen Autonomen Region Sinkiang (etwa 50% der dortigen Bevölkerung), zwischen Tibet und den unabhängigen Republiken Zentralasiens. Uiguren haben sich auch in Afghanistan, Pakistan, Indien, Tadschikistan und Turkmenistan niedergelassen, vor allem aber im kasachischen (unteren) Ili-Tal und in Usbekistan.
Neuere Schätzungen gehen von etwa 200.000 Uiguren in Kasachstan und 300.000 in Usbekistan aus. Der historische Ablauf ihres Schicksals zeigt sich in ihrer Religionszugehörigkeit: Nacheinander waren sie Anhänger des Schamanismus, des Buddhismus und des Islam.

Das musikalische Repertoire der Uiguren variiert nach Regionen: Der Süden ist die Heimat eines monumentalen Zyklus aus 12 großen Suiten, deren Anordnung an den usbekisch-tadschikischen Schaschmaqorn oder die arabisch-andalusische Nuba erinnert. Im Norden dagegen ist das Repertoire deutlicher von den türkisch-mongolischen Wurzeln der Uiguren geprägt, der kulturelle Einfluss des Mittleren Ostens ist kaum wahrnehmbar. Ein sehr beliebtes Genre sind die Tanzsuiten mit stetig zunehmendem Tempo. In der Tradition des Nordens werden sie im Duett gespielt, bestehend aus den Lauten Dotar, einer zweisaitigen Langhalslaute, die als Königin unter den Instrumenten der Uiguren gilt, und der Tanbur, einer dreisaitigen Langhalslaute. Beide Instrumente bieten durch die außergewöhnliche Länge ihrer Hälse einen faszinierenden Anblick.

Obwohl die Uiguren heute „zwischen“ den Nationen leben und es den Bewohnern der Region Ost-Turkestans unter der Besatzung Chinas jahrzehntelang verboten war, ihre traditionelle Musik zu singen und zu spielen, ist es ihnen gelungen, ihr gemeinsames kulturelles und musikalisches Erbe zu bewahren, das auch heute noch von der chinesischen Regierung unterdrückt wird. Ihre traditionell monophonen Lieder gehen zurück auf die Musik des alten Uiguren-Königreiches sowie auf die Volksmusik der Gegend. Es handelt sich dabei meist um Sologesänge mit Instrumentalbegleitung, die im Unterschied zu dem bei uns verbreiteten Oktavsystem auf einem Fünf- bzw. Siebentonsystem beruhen. Zu den „Muqams“, wie diese Art von Liedern genannt werden, zählen sowohl Balladen, Instrumentalstücke als auch Tanzmusik.

Der Musiker und Musikethnologe Abdulaziz Hashimov gilt weltweit als Hüter des uigurischen musikalischen Erbes. 1939 im Kaschgar-Gebiet im unter chinesischer Hoheit stehenden Sinkiang geboren, ging er im Alter von 22 Jahren nach Usbekistan, um sein Leben der Musik der Uiguren zu widmen. Hashimov ist er ein Virtuose auf den Langhalslauten Dotar und Tanbur. Während seiner viele Jahre währenden Feldstudien in Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan nahm er zahlreiche Dokumente der klassischen uigurischen Musik auf und transkribierte sie. Abdulaziz Hashimov besitzt die einzige Sammlung von Muqam-Musik des nördlichen Teils von Uiguristan, der noch mehrheitlich von Uiguren bewohnten, heute zu China gehörenden Region Ilan.

Er wurde mit dem Preis der Akademie der Wissenschaften von Usbekistan ausgezeichnet, hielt zahlreiche Vorträge und gab Vorstellungen auf vielen zentralasiatischen und internationalen Festivals und Konferenzen, u.a. in Hongkong (1990), Paris (1991), Berlin (1992), Peking (1993), Istanbul (1998), Dushanbe (1999) und Samarkand (2001).

Zu seinem Ensemble gehören drei Generationen von Musikern, die gemeinsam die klassische Musik aus dem nördlichen Teil Ostturkestans aufführen und dabei die mittelalterliche höfische Tradition der Uiguren wieder aufleben lassen. Ihr Repertoire basiert auf klassischen Muqams.

Zu Hashimovs Ensemble gehören

Husandjan Rahimjanov (Gesang, Gijak): ein berühmter Musiker, der bereits in den verschiedensten Ensembles uigurischer Musik mitwirkte. Sein Instrument, die Gijak, ist eine mit Pythonhaut ausgestattete und aus Walsnussholz gefertigte viersaitige Violine. Das Schlangenleder befindet sich im Innern des zylindrischen Klangkörpers der Gijak und schwingt beim Spielen des Instruments.

Abubekri Sharipov (Gesang): ein Experte der traditionellen klassischen und volkstümlichen uigurischen Musik. Er ist Schüler von Abdulla Jorula und Giasytdina Barata und spezialisiert auf Nahsha, Sanam und andere Genres der klassischen Ili-Musik.

Shavkat Hasanov (Gesang): ein Sänger klassischer uigurischer Lieder.

Akram Hashimov (Dotar): Hashimovs Sohn. Geboren 1963, machte er am staatlichen Konservatorium in Taschkent seinen Abschluss als Komponist. Schon in seiner Kindheit spielte er auf Familienfesten und Hochzeiten die Dotar. Später komponierte er zahlreiche Stücke im uigurischen Stil.



Author: Raiza Sultanova / Jean During