Peter Weir

Article Bio Works
crossroads:
Mystik, Natur, Zivilisation
genre(subgenre):
Film (Abenteuerfilm, Historienfilm, Komödie, Thriller)
region:
Australia and New Zealand
country/territory:
Australia
city:
Sidney
created on:
May 30, 2003
last changed on:
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Gratwanderungen zwischen den Kulturen

Peter Weir (geb. 1944) gehört zu den australischen Filmemachern, die den erfolgreichen Wechsel von der Arbeit des engagierten Autodidakten zum Regisseur perfekter Mainstream-Unterhaltung à la Hollywood geschafft haben. Nur ein Jahr nach seinem Low Budget-Erstling "The Cars That Ate Paris" / "Die Killerautos von Paris" (1974) gelang ihm mit "Picnic at Hanging Rock" / "Picknick am Valentinstag" (1975) ein internationaler Erfolg. Weir gilt als Regisseur, der aus Genre-Darstellern ihr wirkliches Talent herausholt – was er u.a. in der Zusammenarbeit mit Harrison Ford, Robin Williams oder Jim Carrey unter Beweis stellte.
Weirs zweitem Spielfilm, "Picnic at Hanging Rock" / "Picknick am Valentinstag", wird eine Schlüsselrolle für die australische Filmwirtschaft zugeschrieben. Der internationale Erfolg machte die Filmwelt 1975 darauf aufmerksam, dass es in Australien eine Kinokultur gibt, die im Begriff war, sich ihre Eigenständigkeit vom britischen Mutterland zu erkämpfen.

"Picnic at Hanging Rock" spielt um die Jahrhundertwende und basiert auf einer wahren Begebenheit. Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe schwärmerischer Internatsschülerinnen und ihrer beiden Lehrerinnen aus dem viktorianisch-strengen "Appleyard College", die bei einem Ausflug verschwinden. Eine Produktion, die als subtiler Horrorfilm konzipiert ist und seine Zuschauer entlässt, ohne die mysteriösen Ereignisse am "Hanging Rock" aufzuklären.

"Hanging Rock" enthält bereits alle Themen, die Weir in seinen späteren Filmen weiterentwickeln wird. Die freie Lustentfaltung der Mädchen, die sich an der Natur und dem Archaischen orientiert, steht im Kontrast zu der rigiden Gesellschaftsmoral mit ihrem Unterwerfungs- und Konformitätsdruck und zeigt exemplarisch die Spannungsfelder diametral entgegengesetzter Kulturen, wie wir sie so häufig in Weirs Filmen finden. Häufig konfrontiert der Regisseur seine Figuren mit dem Übersinnlichen, Mysteriösen und Unerklärlichen, das in Verbindung mit einer älteren, ursprünglichen Kultur steht.

Dies gilt auch für "The Last Wave" / "Die letzte Flut" aus dem Jahr 1977: Der junge australische Anwalt David Burton gelangt durch die Begegnung mit Aborigines zu der Erkenntnis, dass der Menschheit eine neue Sintflut bevorsteht. Burton taucht in die faszinierende Traumwelt der alten Kultur ein und entfernt sich von seinem früheren Leben.

Weirs 1981 publizierter Film "Gallipolli" handelt von dem Eintritt Großbritanniens in den ersten Weltkrieg. Mit einem brillanten Mel Gibson in der Hauptrolle, gewann der Film fast alle australischen "Sammy Awards" und wurde ein weltweiter Kinoerfolg.

In "The Year of Living Dangerously" / "Ein Jahr in der Hölle" (1982) ringt der unerfahrene, aber ehrgeizige australische Rundfunkreporter Guy Hamilton bei seinem ersten Einsatz in Djakarta um seine Karriere. Doch bald erkennt er die menschenverachtende Seite seines Metiers und lässt sich von der indonesischen Mythenwelt begeistern. Zu Gunsten einer Liebesbeziehung verzichtet er auf seinen Erfolg.

Nach dieser amerikanischen Produktion arbeitet Weir weiterhin in Hollywood. Er bleibt dabei aber seinem Team treu, zu dem u.a. der Kameramann John Seale und der Komponist Maurice Jarre gehören. "The Witness" / "Der einzige Zeuge" (1985) gilt als einer der besten Thriller der achtziger Jahre. Ein zynischer, gewalttätiger Polizeidetektiv aus Philadelphia kommt bei der Bearbeitung eines Mordes und Korruptionsfalles in das Gebiet der Amish, einer puritanischen, deutschsprachigen Sekte, die alle Errungenschaften der modernen Zivilisation ablehnt. Auch hier steht die Konfrontation verschiedener Lebensauffassungen im Zentrum des Films und wieder fällt die Entscheidung zu Gunsten der "besseren Welt". Zwar kommen die Liebenden nicht zusammen, dennoch ist John Book (Harrison Ford) nach dieser Erfahrung ein anderer. "The Witness" erhielt acht Nominierungen für den "Academy Award", u.a. in den Kategorien "Beste Regie" und "Bester Film".

Mit Robin Williams dreht Weir 1988 "Dead Poets Society" / "Der Club der toten Dichter", der außerordentlich erfolgreich in den Kinos läuft. Der Englischlehrer John Keating vermittelt seinen Internatsschülern sein Ideal des "Carpe Diem" sowie viele andere Aspekte einer intellektuellen und humanen Weltsicht, die die Jungen mit großem Interesse aufnehmen. Kritiker dieses Films loben das Plädoyer für Individualität, Selbstentfaltung und Lebensfreude, vermissen aber die rebellierende und kompromisslose Haltung des Protagonisten, die früheren Filmen Weirs eigen war. Weir wurde für einen "Academy Award" als "Bester Regisseur" nominiert und erhielt einen "BAFTA Award" für den "Besten Film" und den "Donatello Award" für die Beste Regie.

1990 dreht Weir seine erste Komödie "Green Card" / "Green Card – Schein-Ehe mit Hindernisse" mit Andie MacDowell und Gerard Depardieu in den Hauptrollen. "Green Card" ist der kommerziell sicherlich erfolgreichste Film seines Oeuvres und wird zusätzlich mit einem Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch belohnt. Dennoch: Auch der Kassenerfolg seines Films "The Truman Show" / "Die Truman Show" aus dem Jahr 1998 braucht sich hinter "Green Card" nicht zu verstecken.

Der gutmütige Held dieser Mediensatire ist Truman Burbank. Der Versicherungsvertreter lebt in einem idyllischen Städtchen namens Seaheaven und braucht Jahre, ehe er begreift, dass jede Minute seines Lebens seit seiner Geburt von 5.000 Kameras aufgezeichnet und weltweit gesendet wird. Seine Frau, seine Mutter, seine Kollegen und Freunde, alle sind bezahlte Schauspieler, die rund um die Uhr im Einsatz sind und ihre Rolle spielen. Alle, die Truman warnen wollen, werden in diesem totalitären Unterhaltungsuniversum entfernt. Weir treibt mit dieser "Reality-Soap" Tendenzen der Fernsehgegenwart auf die Spitze.


Veranstaltungen im HKW:
Sonntag, 5. November 1989
Der andere Blick
Die "Dritte Welt" im Film in ausländischen und einheimischen Produktionen
Wo die grünen Ameisen träumen (Regie: Werner Herzog)
Die letzte Flut (Peter Weir)
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt


Author: Gabriele Gillner 

Bio

Peter Weir wurde am 8. August 1944 in Sydney, New South Wales, Australien, als Sohn eines Grundstücksmaklers geboren. Kurzfristig trat Weir nach einem abgebrochenen Kunst- und Jurastudium in seine Fußstapfen. Im Anschluss an eine längere Europareise, auf der er die Heimat seiner Vorfahren kennen lernen wollte, begann er bei "Channel 7" als Bühnenarbeiter und drehte erste Kurzfilme. 1974 gab er mit "The Cars That Ate Paris" / "Die Killerautos von Paris" sein Kinodebüt.

Weirs Ehefrau Wendy Stites ist bei seinen Filmen häufig als Ausstatterin oder Produktionsleiterin tätig.

Works

The Truman Show/ Die Truman Show

Film / TV,
1998

Fearless/ Fearless – Jenseits der Angst

Film / TV,
1993

Green Card/ Green Card – Schein-Ehe mit Hindernissen

Film / TV,
1990

Dead Poets Society/ Der Club der toten Dichter

Film / TV,
1989

Mosquito Coast/ Mosquito Coast

Film / TV,
1986

Witness/ Der einzige Zeuge

Film / TV,
1985

The Year of Living Dangerously/ Ein Jahr in der Hölle

Film / TV,
1982

Gallipolli/ Gallipolli – An die Hölle verraten

Film / TV,
1981

The Plumber/ Wenn der Klempner kommt

Film / TV,
1979

The Last Wave/ Die letzte Flut

Film / TV,
1977

Luke’s Kingdom

Film / TV,
1976
(TV-Mini-Serie)

Picnic at Hanging Rock/ Picknick am Valentinstag

Film / TV,
1975

The Cars That Ate Paris/ Die Killerautos von Paris

Film / TV,
1974

Homesdale

Film / TV,
1971