Idrissa Ouedraogo

Article Bio Works Video
crossroads:
Aids, Alter, Identität, Jugend, Moderne, Tradition, Wüste
genre(subgenre):
Film (Autorenfilm, Komödie, Spielfilm)
region:
Africa, Western
country/territory:
Burkina Faso
city:
Ouagadougou
created on:
May 26, 2003
last changed on:
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Idrissa Ouedraogo
Idrissa Ouedraogo © Brussels Ave

Article

Der 1954 in Burkina Faso (Obervolta) geborene Idrissa Ouedraogo ist der international bekannteste schwarzafrikanische Regisseur. Für seine Spielfilme "Yaaba", "Tilai", "Samba Traoré" und "Kini & Adams" erhielt er zahlreiche internationale Auszeichnungen.
"Das afrikanische Publikum erwartet von uns gute Qualität, Inspiration und intelligente Unterhaltung", postulierte Idrissa Ouedraogo anlässlich einer Diskussion über afrikanisches Kino im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Nur so könnten afrikanische Regisseure auch in afrikanischen Kinos bessere Erfolge erzielen.
Der 1954 in Banfora (damals Obervolta, heute Burkina Faso) geborene Regisseur wendet sich damit gegen die Devise, die den schwarzafrikanischen Film seit der Unabhängigkeit lange Zeit dominierte. Kino sollte vor allem erziehen, aufklären, Bewusstsein schaffen und informieren.

Ouedraogo grenzt sich mit Vehemenz gegen Klischees über das afrikanische Kino ab. "Das afrikanische Kino gibt es nicht. Wenn man unsere Verschiedenheit nicht individuell betrachtet, werden wir an den Rand gedrängt. Das trägt nicht gerade dazu bei, Vielfalt zu fördern." 1993 wies Ouedraogo auf der Berlinale darauf hin, dass die Vorstellung eines afrikanischen Kinos auch ein ökonomisches Ausschlusskriterium ist: "Man finanziert nur einen Film aus Afrika pro Jahr – nicht nur, weil das Publikum für solche Filme begrenzt ist, sondern weil sie als austauschbar betrachtet werden." Nicht nur deshalb möchte der Filmemacher die Folklore-Ecke meiden: "Ich möchte vor allem aus der Situation des Bemitleidetwerdens und der folkloristischen Inszenierung Afrikas herauskommen." Seine Hoffnung: "Unser Kampf als afrikanische Filmemacher besteht darin zu beweisen, dass wir uns von Euch nicht mehr unterscheiden als Ihr Euch von uns: der einzige Unterschied ist ein ökonomischer."

Mit "Kini & Adams", Eröffnungsfilm des Festivals "FESPACO ´97" ("Festival Panafricain du Cinéma et de la Télévision") in Ouagadougou und Gewinner der Goldenen Palme in Cannes, wird der burkinische Regisseur seinen eigenen Ansprüchen mehr als gerecht. "Kini & Adams" ist eine Tragikomödie über zwei Männer, die sich aus tausend Einzelteilen ein Auto basteln, um aus ihrem Dorf in die Stadt fliehen zu können. Die beiden simbabwischen Arbeiter träumen gemeinsam den großen Traum vom Erfolg in der Stadt. Die unvermutete Chance Geld zu verdienen, soll sie dem Ziel ihr Dorf zu verlassen, näher bringen, doch was zu Anfang als Glücksfall erschien, führt am Ende dazu, daß sich die beiden Freunde gegenseitig betrügen. Es geht um die universellen Themen Freundschaft und Verrat, Liebe und Eifersucht, gedreht in einer Bergwerkssiedlung in Simbabwe. Mit geistreichen knappen Dialogen und raffiniert einfachen, oft langen Bildeinstellungen ist der Film trotz seiner Einzigartigkeit typisch für das afrikanische Kino. Er wurde in Simbabwe gedreht und koproduziert und mit südafrikanischen Schauspielern besetzt.

Ein universales Thema behandelt Idrissa Ouedraogo auch in "Samba Traoré" (1993), auch wenn es in Burkina Faso angesiedelt ist. Schon in der Eingangsszene distanziert sich der Regisseur vom "klassischen" afrikanischen Film. Ein Raubüberfall auf eine Tankstelle, bei der Samba Traoré viel Geld erbeutet und sein Kumpan stirbt. Die Beute bildet die Basis des Reichtums, mit dem Samba Traoré in sein Dorf zurückkehrt. Dort heiratet er Saratou und alles könnte gut werden. Doch Ouedraogo macht von Anfang an klar, dass Samba sich quälen wird, weil er Unrecht getan hat.

"Samba Traoré" besticht durch seine Einfachheit und Gradlinigkeit. Auch die Kamera sorgt nicht für Unruhe. Im Gegenteil, ruhig wandern wir durch weites Feld, sehen die Hitze und die Trockenheit. Und oft ersetzt ein Zirpen die ohnehin kargen Dialoge. Die Charaktere sind archetypisch: Da sind die sich sorgenden Eltern, die misstrauischen Nachbarn und der zurückgewiesene Liebhaber, der schließlich den Dieb verrät. Das Böse in Sambas Haus zerstört der Vater mit der Fackel.

"Ihr Film hat ein universales Thema, er nimmt Bezug auf Dostojewskis ´Schuld und Sühne´... Ich bin enttäuscht zu sehen, dass Ihr Film europäischen Themen Tribut zollt, dass wirklich afrikanische Themen nicht behandelt werden," wandte auf der Berlinale 1993, wo "Samba Traoré" einen Silbernen Bären erhielt, ein Kritiker ein. Geduldig, doch deutlich verteidigte der schwarze Filmemacher aus Afrika das Recht, sich von Dostojewski oder auch vom "Film Noir" beeinflussen zu lassen. "Dass ich schwarz bin, heißt nicht notwendigerweise, daß ich weder Kant noch Molière gelesen habe..." Und er fügte hinzu. "Europa hat keinen Begriff von Personen, von Individualität in Afrika." Die Gefühle eines verliebten Burkiner seien im Prinzip dieselben wie die eines Verliebten aus Brüssel. Und die Angst eines Mannes auf der Flucht sei in gewisser Weise universal – in Glasgow wie in Ouagadougou.

Mit "Yaaba" (1989) enthüllt Idrissa Ouedraogo alle Widersprüche im Leben eines Dorfes in Burkina Faso. "Yaaba" bedeutet in der Sprache der Mooré in Burkina Faso "Großmutter". So nennt der zwölfjährige Bila die alte Sana, die bei den Dorfbewohnern als Hexe gilt und aus der Gemeinschaft verstoßen wurde. Langsam fassen der Junge und die einsame Greisin Vertrauen zueinander. Als Bilas Cousine Nopoko an Tetanus erkrankt, wird Sanas "böser Blick" dafür verantwortlich gemacht. Bila bittet die alte Frau um Hilfe. Die vermeintliche Hexe macht sich auf den Weg zu einem Heiler. Mit dessen Medikament kann Nopoko geheilt werden. Danach kehrt wieder Ruhe im Dorf ein. Allerdings finden die beiden Jugendlichen am Ende des Films Sana friedlich an ihre Hauswand gelehnt – tot. Zusammen mit dem anderen Außenseiter des Films, dem Trinker Noaga, begraben sie die Alte.

"Yaaba" ist eine liebevoll gestaltete, detailreiche, poetisch-märchenhafte Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden. Gleichzeitig verkörpern die beiden Jugendlichen in ihrer Wissbegier und ihrem Wunsch nach Gerechtigkeit und Fortschritt das Bedürfnis der afrikanischen Gesellschaft nach Emanzipation – nicht nur vom Kolonialismus, sondern auch von der traditionell überlieferten Kultur. Doch Idrissa Ouedraogo verliert dabei nie die Achtung vor der Tradition. Er erzählt von der Schönheit der Steppe Westafrikas, vom Gang der würdigen Greisin und von der unbekümmerten Spielfreude der Kinder. Er bedient sich dabei überwiegend ruhiger Bilder und langer Einstellungen, die dem Betrachter Zeit geben, Einzelheiten zu erfassen. Die Schauspieler sind ausnahmslos Laien und stammen überwiegend aus dem Dorf, das als Drehort diente. Die alte Frau, die die Rolle der Sana spielt, hatte in ihrem Leben zudem nie zuvor einen Film gesehen. "Yaaba" ermöglicht einen intimen, dabei aber nicht voyeuristischen Einblick in die Kultur Burkina Fasos.

In "Scenarios from the Sahel" (2000), widmet sich Idrissa Ouedraogo dem Kampf gegen die Ausbreitung von Aids in Afrika. Die ersten drei schon 1997 gedrehten Kurzfilme Ouedraogos sind Teil eines großen Anti-Aids-Projekts des "HIV and Development Programme" des UNDP in Burkina Faso, Senegal und Mali. Jugendliche bis 24 Jahre sollten Geschichten für Filme von ein bis drei Minuten einreichen. Ouedraogo war beeindruckt von der Humanität des Blicks der jungen Autoren, die von ihrem Alltagsleben erzählen.

Schon in "Afrique, Afrique..." (1995) hatte der Regisseur mit dem populären Musiker Ismael Lo das Thema Aids aufgegriffen. Ismael Lo spielt darin einen jungen Mann, der Musiker werden will und in die Stadt zieht. Dort trifft er seine Jugendliebe, die inzwischen Prostituierte geworden ist. Als sie an Aids stirbt, stellt er sein musikalisches Talent in den Dienst der Aufklärung über Aids.


Veranstaltungen im HKW:
Kinderkino
Fremde Kulturen im Kinderfilm
Sonntag, 23. August 1992
Dienstag, 25. August 1992
Sonntag, 24. Oktober 1993
Dienstag, 26. Oktober 1993
Mittwoch, 5. März 1997
Sonntag, 2., 9., 16., 23. und 30. März 1997
Yaaba

Sonntag, 14. November 1993
Dienstag, 16. November 1993
A Karim na Sala / Karim und Sala

Sonntag, 19. Dezember 1993
Dienstg, 21. Dezember 1993
Les Eucuelles / Schalen
Issa, le Tissérand / Issa, die Seidenweberin

Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt


Cinema Afrika
Retrospektive des "Festival Panafricain du Cinéma et de la Télévision de Ouagadougou"

Samstag, 23. Oktober 1993
Donnerstag, 28. Oktober 1993
Samba Traoré

Sonntag, 28. November 1993
Poko

Sonntag, 23. Januar 1994
Tilaï

Montag, 16. Februar 1998
Dienstag, 17. Februar 1998
Sonntag, 22. Februar 1998
Kini & Adams

Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

1993: Haus der Kulturen der Welt in Zusammenarbeit mit den Freunden der Deutschen Kinemathek e.V.


Author: Ulrich Joßner 

Bio

Idrissa Ouedraogo wird am 21. Januar 1954 in Banfora (Burkina Faso, damals Obervolta) geboren. Er studiert Film am "Institut Africaine d’Etudes Cinématographiques" in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos. Schon für seinen 1981 gedrehten Kurzfilm "Poko" erhält er den Preis der Kritik des "FESPACO". Nach weiteren Studien in Moskau und Paris macht er das Diplom in Kinematographie der Sorbonne in Paris. 1989 erhält er den Kritikerpreis in Cannes für "Yaaba", 1990 die Goldene Palme in Cannes für "Tilai", 1993 den Silberner Bären in Berlin für "Samba Traoré". Sein großer Publikumserfolg "Kini & Adams" war 1997 für die Goldene Palme in Cannes nominiert. In "Afrique, mon Afrique …" (1995) und "Scenarios from the Sahel" (2000) setzt er sich mit der wachsenden Ausbreitung von Aids in Afrika auseinander.

Works

Scenarios from the Sahel

Film / TV,
2000

Afrique, mon Afrique …

Film / TV,
1997

Kini & Adams

Film / TV,
1997

Les Parias du Cinéma

Film / TV,
1997

Le Cri du cœur

Film / TV,
1994

Samba Traoré

Film / TV,
1993

Obi

Film / TV,
1991

Karim et Sala

Film / TV,
1991

Tilai

Film / TV,
1990

Yaaba

Film / TV,
1989

Yam Daabo / Le choix

Film / TV,
1986

Issa le tisserand

Film / TV,
1985

Tenga

Film / TV,
1985

Ouagadougou, Ouaga deux roues

Film / TV,
1984

Les écuelles

Film / TV,
1983

Les funérailles du Larlé

Film / TV,
1983

Pourquoi?

Film / TV,
1981

Poko

Film / TV,
1981
video

Filmausschnitt

aus "Tilai" (1990)
Brussels Ave
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