Heri Dono

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crossroads:
Freiheit, Politik, Schönheit
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Grafik, Installation, Malerei, Objektkunst, Performance, Videokunst)
instruments:
Ardin
region:
Asia, Southeast
country/territory:
Philippines
created on:
March 21, 2005
last changed on:
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Article

Zeitkritik im satirischen Gewand des Schattentheaters

Heri Dono, 1960 in Jakarta/ West-Java geboren und in Jogyakarta/ Zentral-Java ansässig, gehört zu den einflussreichsten zeitgenössischen Künstlern Indonesiens und ist auch international bekannt. Seine Werke sind in zahlreichen Museen vertreten und er hat bedeutende Preise erhalten, so etwa auf der Biennale von Shanghai im Jahr 2000. Dono arbeitet vor allem mit den Medien Malerei und Installation. Auf der Basis der Figurenwelt des traditionellen javanischen Schattentheaters („wayang“), die er mit der Ästhetik moderner Massenmedien verbindet, übt er satirische Kritik an den politischen Zuständen seiner Zeit.
Der Multimedia-Künstler Heri Dono zählt zu den bekanntesten und auch einflussreichsten Kunstschaffenden Indonesiens. Sein Werk findet dort viele Nachahmer. So weist er in einem Interview augenzwinkernd darauf hin, dass sein Einfluss auf die indonesische Kunstwelt so weit gehe, dass manche Leute in Anlehnung an das englische Wort „Hedonism“ von „Heri Dono-ism“sprächen.

Er begann seine Karriere als Maler und hat sein Arbeitsfeld seit 1982 auf die Installation erweitert, ohne das Malen aufzugeben. Seine Installationen setzen sich aus Alltagsmaterialien und durch einfache Elektromotoren bewegte Elemente zusammen und enthalten Geräusche und Musik. Ihre Entstehung verdankt er auch seinen zahlreichen Mitarbeitern, die Donos Ideen mit meist einfachen Technologien realisieren. Im „realen Leben“ reparieren und verwerten sie mit geringsten Mitteln alte Fernsehgeräte und Radios. Er sieht in ihnen – wie auch im aktiv einbezogenen Betrachter – ebenfalls Künstler.

Neben Installationen produziert Dono Videos und Performances. Sein Werk wird von der Welt der Massenmedien, von Fernsehen, (Trick-)Film und Comics ebenso beeinflusst wie von der traditionellen javanischen Kunst: Rollenbilder, Hinterglasmalerei, Schattentheater („wayang“) und Gamelan-Musik. Für das Schattentheater entwarf Dono 1987 eigene Figuren. Sie wurden im folgenden Jahr in Szenen eingesetzt, die auf lokalen Erzählungen und nicht den traditionellen mythologischen Themen basierten. Figuren des „wayang“ verwendet Dono häufig in seinen Werken, sie sind als Schatten Stellvertreter des Menschen. Er versteht sie zugleich als Projektionsfläche für aktuelle Themen wie die politische Situation in Indonesien (v.a. die Jahre der „Neuen Ordnung“ bis 1998), die er mit Elementen von Humor, Ironie, Groteske, Sarkasmus und Karikatur kritisch ins Visier nimmt.

Donos Retrospektive, die 2004 in der National Gallery of Indonesia unter dem spöttisch-selbstkritischen Titel „Who’s afraid of Donosaurus“ stattfand, vereinte Malerei und Installation. In seinen Acryl-Gemälden mit Collage bedient sich der Künstler einer flächig und buntfarbig dargestellten Welt aus skurril-fantastischen Wesen, halb Mensch, halb Tier, die traditionelle wayang-Puppen mit modernen Comic-Figuren kreuzen. Auch in seinen Installationen verwendet Dono an zentraler Stelle Puppen und Masken. Gemalte und im realen Raum inszenierte Szenen reflektieren gesellschaftliche Probleme der Gegenwart, die sich durch einen „modernen Animismus“ auszeichnet – so beschreibt Dono den Zustand der virtuellen, von kommunikativen Apparaten (Fernsehen, Computer, Mobiltelefon etc.) geprägten Gesellschaft. Kunst ist für ihn ein Mittel gesellschaftlicher Aufklärung, das einer politischen wie ästhetischen Freiheit bedarf, und auch im Umgang mit der Tradition neue Wege gehen muss.

So bezieht sich Dono in seinen Gemälden beispielsweise auf die indonesische politische Elite, die er als Schachfiguren darstellt („Playing Chess“, 1994-98) und auf die immer wiederkehrende Gewalt in der indonesischen Politik („Attacking the Innocent“; „Shock Therapy for the Politician Leader”, beide 2004). Er greift sowohl die Rolle von modernen Supermächten und ihre Mechanismen der Macht an („Superman Stil”, „Learning How to Wear Underwear”, 2000; „Journey to the Mars”; „Tarzan is Catching an Astronaut”, beide 2004), als auch die Stellung des Künstlers innerhalb des Kunstmarktes („An Artist Who’s Afraid of Gallery’s Mafia”; „An Artist Who’s Afraid of Halalism”, beide 2004). In seinen Installationen setzt sich Dono sowohl kritisch mit dem defizitären indonesischen Schulsystem („Fermentation of Mind“, 1994) und mit der Ohnmacht des Individuums („Ceremony of the Soul”, 1995) auseinander, aber auch mit den Wünschen der Menschen nach Freiheit und der Möglichkeit oder Unmöglichkeit ihrer Verwirklichung („Flying Angels”, 1996; „The Angels Fallen from Sky”, „Born and Freedom”, beide 2004).

Zu seiner Arbeit „Flying Angels” für die Ausstellung „Über Schönheit“ im Haus der Kulturen der Welt in Berlin (2005) schreibt Dono: „Zu diesem Werk wurde ich von der Geschichte Flash Gordons inspiriert, die ich als Kind gesehen habe. Gordon lebte als menschliches Wesen auf dem Mars, lange bevor Neil Armstrong mit der Apollo 11 auf dem Mond landete. Diese Tatsache zeigt, wie der Geist und die Vorstellungskraft der Zeit immer voraus sind. Für mich ist der Engel gleichzusetzen mit der Inspiration. Niemand kann die Engel erreichen, sie sind das Symbol unserer Freiheit als menschliche Wesen auf dieser Erde. Sie können uns zu jeglichen, uns bislang noch unbekannten Phänomenen führen.“

Author: Michael Nungesser

Bio

Heri Dono wurde am 12. Juni 1960 in Jakarta/ West-Java (Indonesien) geboren und lebt in Yogyakarta/ Zentral-Java. Er studierte 1980-87 am Indonesian Institute of Arts und 1987-88 "wayang kulit" (Schattentheater) bei Sukasman, beide in Yogyakarta. 1990-91 hielt er sich im Rahmen des Internationalen Künstleraustauschprogrammes in Basel/ Schweiz auf. Dono war Gastkünstler in zahlreichen Ländern: 1993 24 Hours Art Gallery, Darwin/ Australien; 1994 Canberra School of Arts, Canberra/ Australien; 1995 Institute of International Visual Art, London/ UK, Museum of Modern Art, Oxford/ UK; 1996 Townsville/Australien; 2000 Queensland Art College, Brisbane/ Australien, Auckland University, Auckland/ Neu Seeland; 2000 Vermont Studio Center, Johnson/ USA; 2002 Western Front, Vancouver/ Kanada. 1999 nahm Dono am Cyfuniad International Artists Workshop in Wales/ England teil. 2004 war er Stipendiat der Rave-Stiftung beim Indonesischen Kulturinstitut in Berlin/ Deutschland und nahm am „Museum City Project“ in Hakata-ku Fukuoka/ Japan teil.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Über Schönheit

Ausstellung, Tanz, Workshops, Konferenz

(18 March 05 - 15 May 05)
images
´Flying Angels´