Wole Soyinka

Article Bio Works Projects
additional name:
Oluwole Akinwande Babatunde Oludeinde Isola Soyinka
crossroads:
Mythos, Rebellion, Ritual, Tradition
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Dichtung, Essay, Roman, Theaterstück)
region:
Africa, Western, Europe, Western, America, North
country/territory:
Nigeria, England (UK), United States of America
city:
Isara, Ithaca / New York, London
created on:
May 28, 2003
last changed on:
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Wole Soyinka
Wole Soyinka © Ekko von Schwichow

Article

Wole Soyinka, Nigerias bedeutendster Theaterautor, Lyriker, Romancier und Essayist, studierte in England und arbeitete am Royal Court Theatre, bevor er in den sechziger Jahren seine Arbeit als Erneuerer des nigerianischen Theaters aufnahm. Seine politische Haltung brachte ihm Publikationsverbote und Verhaftungen, unter anderem zwei Jahre Isolationshaft, aber auch hohe Ehrungen ein. 1986 erhielt Soyinka als erster schwarzafrikanischer Autor den Nobelpreis für Literatur. 1998 kehrte er aus den USA nach Nigeria zurück.
Der erste afrikanische Nobelpreisträger für Literatur Wole Soyinka, eigentlich Oluwole Akinwande Babatunde Oludeinde Isola Soyinka, ist in vielen Bereichen zu Hause. Seine größten Erfolge erzielte er mit der Theaterarbeit. Er ist Autor zahlreicher bedeutender Stücke, darunter "The Lion and the Jewel" (Der Löwe und die Perle), "The Trials of Brother Jero" (Die Versuchungen des Bruders Jero), "Kongi´s Harvest", (Kongis Ernte), "The Strong Breed" (Das starke Geschlecht), "Madmen and Specialists" (Die Verrückten und die Spezialisten). Soyinkas Stücke wurden vor allem in Nigeria, aber auch in England und in den USA aufgeführt und vereinen in sich die Traditionen der Yoruba wie die des europäischen Theaters.

Obwohl Soyinka in seinen Essays über theatrale Praktiken und Unterschiede in der Bewertung von Mythos und Ritual in Afrika und dem "Westen" reflektiert , ist Theater für Soyinka keine Angelegenheit der Theorie, sondern vor allem gegenwartsbezogene Beschäftigung mit einem Stoff und dessen Umsetzung auf der Bühne. 1960, nach seiner Rückkehr aus England, gründete er in Ibadan und Ife eine professionelle sowie eine Laientheatergruppe. die Maskenspiel, Tanz und Musik der Yoruba und Gegenwartsthemen integrierten. Dabei setzten Soyinka und seine Kollegen sich mit den in Europa entwickelten Theaterformen – u.a. der Verfremdungstheorie Brechts – auseinander. So ist etwa die "Opera Wonyosi" eine Adaption der "Beggars’ Opera" John Gays und der "Dreigroschenoper" Brechts.

Trotzdem Soyinka später unter verschiedensten Umständen gearbeitet hat, an US-amerikanischen Universitätstheatern oder mit Straßenkindern in Jamaika, blieben die politischen, sozialen, mentalen und spirituellen Verhältnisse in Nigeria immer im Blickpunkt seiner Arbeit.

1967, zu Beginn des Bürgerkriegs in Nigeria, wurde Soyinka fälschlich beschuldigt, die Rebellen der Provinz Biafra zu unterstützen. Ohne förmliche Anklage wurde er gezwungen, 27 Monate in Isolationshaft, hauptsächlich in Kaduna, Zentralnigeria, zu verbringen. Dort schrieb, vielmehr kritzelte er seine Aufzeichnungen auf Zigarettenpäckchen, Toilettenpapier und zwischen die Zeilen von Büchern, die er sich heimlich beschaffen konnte. 1972 erschienen einige dieser Aufzeichnungen in dem Band "The Man Died: The Prison Notes of Wole Soyinka", ein Dokument seines unbeugsamen Überlebenswillens.

Nach seiner Entlassung leitete er den Fachbereich Theater der Universität Ibadan, doch bereits im folgenden Jahr verließ er Nigeria und lebte überwiegend in Europa, wo er das führende Organ der afrikanischen Intellektuellen "Transition" herausgab. 1975 kehrte er nach Nigeria zurück, wurde Professor für Englisch an der Universität Ife und treibende Kraft der lokalen wie der nationalen Politik. In diesen Jahren schrieb er Essays, Theaterstücke und Gedichte und nahm zahlreiche Gastprofessuren an, darunter in Harvard, Yale, Cornell und Cambridge.

Schon in seinem Frühwerk, etwa dem Stück "Tanz der Wälder", 1960 anlässlich der Unabhängigkeitsfeiern Nigerias geschrieben, verbot sich für Soyinka eine Idealisierung oder Glorifizierung der Vergangenheit. Er entschied sich für eine illusionslose Abrechnung mit deren Romantisierung. So wandte er sich auch schon früh gegen das Konzept der Négritude, wie sie besonders von Léopold Sédar Senghor vertreten wurde. In der Essaysammlung "Mythos, Literatur und die afrikanische Welt" von 1976 schrieb Soyinka : "Die Vision der Négritude sollte in keinem Fall unterschätzt oder herabgesetzt werden. Was mit ihr falsch lief \... war die Vision von der Wiederherstellung und Wiederingangsetzung einer Rassenpsyche, die Verfestigung einer ganz bestimmten menschlichen Seinsform und die Glorifizierung ihrer lang unterdrückten Eigenschaften. Doch um dieses lobenswerte Ziel zu erreichen, schlug die Négritude den Weg der Übervereinfachung ein. \... Die Négritude ging in die Falle, die sie sich ursprünglich zu ihrer Verteidigung aufgebaut hatte \..., sie akzeptierte die am weitesten verbreitete Blasphemie des Rassismus, nämlich dass der schwarze Mann kein Hirn im Kopf hat...".

Soyinkas erster Roman "The Interpreters" (Die Ausleger) erschien 1965, ein dialogisch komponierter Text, dessen aus der Theaterarbeit des Autors resultierende komplizierte Struktur zunächst nur die Lesart einer spitzzüngigen Satire auf die nigerianische Gesellschaft zuließ. Erst in den achtziger Jahren war man bereit, aus den unkommentierten Reden der Figuren auch das "tragische Versagen der jungen intellektuellen Elite angesichts der desolaten gesellschaftlichen Situation ihres Landes" (Inge Uffelmann) herauszulesen und den Roman gebührend zu würdigen. In diesem Buch, wie generell in den Werken aus dieser Periode, spielt der Yorubagott Ogun eine herausragende Rolle, für Soyinka das Symbol eines dynamischen Lebensprozesses, der als ein Kontinuum von Spannungen, Krisen, Widersprüchen und Katastrophen erscheint. Seit die Urgottheit zerschmettert wurde – wie Soyinka in "Idanre", einem Passionsgedicht für Ogun 1967 beschrieb – und aus ihren Splittern die Yorubagötter entstanden sind, ist Dissonanz die Grundlage aller Existenz, die nur in temporäre Harmonie überführt werden kann, war doch die unbewegte Harmonie des Anfangs statisch und unveränderlich.

"Zeit der Gesetzlosigkeit", der zweite Roman des Autors aus dem Jahre 1973, bedient sich des Orpheus-Mythos und erzählt die Geschichte des Werbefachmannes Ofeyi und seiner von einem Kartell aus Militär, Regierung, neokolonialistischem Kapital und der Wohlstandselite verschleppten Geliebten Iriyise, die er – von Suberu bewacht – im Gefängnis von Temoko wiederfindet und befreit. Realität und Fiktion, Moderne und Klassik, Europäisches und Afrikanisches, Tatsache und Allegorie werden ineinander verwoben.

1981 erschienen unter dem Titel "Aké" Kindheitserinnerungen Soyinkas, von der Kritik einhellig als in Stil und Struktur ungewöhnlich klar und eingängig gepriesen. 1989 folgte "Isara", der wie "Aké" die Jahre von 1935 bis 1950 behandelt und aus der Perspektive der Vätergeneration geschrieben ist, die sich im Umfeld widriger Umstände behaupten muss. 1994 schließlich erschien der biografische Roman "Ibadan", in dem Soyinka die Jahre seines Studiums, seiner Zeit als Dramaturg in London und seine Rückkehr nach Nigeria bis zu seiner Haft 1967 beschreibt. Bei Soyinkas Biografien handelt es sich um keine historischen Dokumentationen, sondern um die poetischen Beschreibungen eines Autors, der mit Recht von sich sagt: "Ich habe eine Religion, an der ich beharrlich festhalte: die Freiheit des Menschen. Ich trage sie in mir, eine brennende Leidenschaft, die sich immer wieder auflehnt gegen die unausrottbare Neigung des Menschen, andere zu versklaven."

Author: Beate-Ursula Endriss

Bio

Wole Soyinka, eigentlich Oluwole Akinwande Babatunde Oludeinde Isola Soyinka, wurde am 13. Juli 1934 in Isara, in der Nähe von Abeokuta in Südwestnigeria geboren, wo er schon ab 1938 die von seinem Vater geleitete Volksschule besuchte. An der Universität in Ibadan studierte er Griechisch, Englisch und Geschichte. Ab 1954 folgte ein Studium der Literatur- und Theaterwissenschaft in Leeds/England, u.a. auch bei G. Wilson Knight. 1958 ging er nach London und inszenierte sein erstes Bühnenstück. Bis 1960 war er Dramaturg am Royal Court Theatre in London, danach kehrte er als Rockefeller Research Fellow zu Forschungsarbeiten über lokale Theatertraditionen nach Nigeria zurück. Gründung der Theatertruppe "The 1960 Masks"; bis 1967 Lehrtätigkeit in Ife, Lagos und Ibadan; 1964 Gründung der Drama Association of Nigeria. 1966 wurde Soyinka mit dem John Whiting Award und 1968 für "Die Ausleger" mit dem Jock Campbell Award ausgezeichnet. 1967 Verhaftung und Isolationshaft in Kaduna bis Oktober 1969. Danach war er Head of Department of Dramatic Art der Universität Ibadan. 1971 verließ er Nigeria und gab in Ghana die Zeitschrift "Transition" heraus, war 1973/74 zugleich in Cambridge und Sheffield als Professor tätig und erhielt die Ehrendoktorwürden der Universitäten Leeds und Yale, New Haven. 1975 kehrte er nach Nigeria zurück. Ernennung zum Generalseketär der Union of Writers of African Peoples; seit 1976 Professur an der Universität Ife. Zwischen 1984 – 1988 war er Präsident des Internationalen Theaterinstituts in Paris. 1986 erhielt Soyinka als erster afrikanischer Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur. Seit 1987 Gastprofessur an der Cornell University, Ithaca, New York. Auch in Nigeria, wohin er 1988 wieder zurückkehrte, hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. 1989 den Titel "Akoogun of Isara"; 1990 wurde er Kommandeur der Ehrenlegion und heiratete zum dritten Mal. 1994 floh Soyinka erneut aus Nigeria und lehrte als Gastprofessor an verschiedenen amerikanischen Universitäten. 1998, nach dem Ende der Militärdiktatur, kehrte er nach Nigeria zurück.

Works

Climate of Fear: The BBC Reith Lectures

Published Written,
2004

Samarkand and Other Markets I have known

Published Written,
2003

King Baabu

Published Written,
2001

The burden of memory, the muse of forgiveness

Published Written,
1999

Diese Vergangenheit muß sich ihrer Gegenwart stellen

Published Written,
1998
(Nobelpreisrede vom 8.12.1986), Zürich 1988 (Übersetzung: Inge Uffelmann)

Ibadan. Streunerjahre 1946 - 1965. Erinnerungen

Published Written,
1998
Zürich 1998 (Übersetzung: Irmgard Hölscher, Gerd Meuer und Ilse Strasmann)

The Open Sore of a Continent: A Personal narrative of the Nigerian Crisis

Published Written,
1996
New York 1996

Isara. Eine Reise rund um den Vater

Published Written,
1994
Roman, Zürich 1994 (Übersetzung: Inge Uffelmann)

Ibadan — The Penkelemes Years

Published Written,
1994
London 1994

Continuity and Amnesia. A Collection of Essays

Published Written,
1990
Abeokuta 1990

Isara. A Voyage Around Essay

Published Written,
1989
New York, Ibadan 1989

Mandela’s Earth and Other Poems

Published Written,
1988
New York 1988

Art, Dialogue and Outrage. A Collection of Essays

Published Written,
1988
Ibadan 1988

Wole Soyinka: Stücke

Published Written,
1987
(Die Verrückten und die Spezialisten; Die Bakchen des Euripides; Requiem für einen Futurologisten), Berlin/DDR 1987 (Übersetzung: Joachim Fiebach)

Aké. Jahre der Kindheit

Published Written,
1986
Zürich 1986 (Übersetzung: Inge Uffelmann)

Blues for a Prodigal

Film / TV,
1985
Nigeria 1984/5 (Text & Director: Wole Soyinka)

Requiem for a Futurologist

Published Written,
1985
London 1985

A Play of Giants

Published Written,
1984
London 1984

Six Plays (s.o.)

Published Written,
1984
London 1984

Die Ausleger

Published Written,
1983
Olten, Freiburg 1983 (Übersetzung: Inge Uffelmann)

Literatur und die afrikanische Welt: Ideologie und gesellschaftliche Vision.

Published Written,
1982
In: Rüdiger Jestel (Hg): Das Afrika der Afrikaner. Gesellschaft und Kultur Afrikas, Frankfurt am Main 1982 (Übersetzung: Eva Lohmer-Horn)

Die Still, Rev. Dr. Godspeak!

Production / Performance,
1982
Premiere: BBC African Theatre, London 1982 Audiodrama

Aké. The Years of Childhood

Published Written,
1981
London 1981

Opera Wonyosi

Published Written,
1981
London 1981

Der Mann ist tot. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis

Published Written,
1979
Zürich 1979 (Übersetzung: Ulrich Enzensberger und Melanie Walz)

Zeit der Gesetzlosigkeit

Published Written,
1977
Berlin/DDR 1977 (Übersetzung: Wolfgang Strauß)

Myth, Literature and the African World

Published Written,
1976
London 1976

Ogun Abibiman

Published Written,
1976
London 1976

Death and the King’s Horseman

Published Written,
1975
London 1975

Tanz der Wälder

Published Written,
1974
In: Joachim Fiebach (Hg): Stücke Afrikas, Berlin/DDR 1974 (Übersetzung: Olga und Erich Fetter)

Die Straße

Published Written,
1974
Ebd, Berlin/DDR 1974 (Übersetzung: Olga und Erich Fetter)

Collected Plays 2

Published Written,
1974
London 1974

Der Löwe und die Perle

Published Written,
1973
Berlin/DDR 1973 (Übersetzung: Karl Heinrich)

The Bacchae of Euripides: A Communion Rite

Published Written,
1973
London 1973

Camwood on the Leaves

Published Written,
1973
London 1973

The Jero Plays (The Trials of Brother Jero; Jero’s Metamorphosis)

Published Written,
1973
London 1973

Season of Anomy

Published Written,
1973
London 1973

Collected Plays 1

Published Written,
1973
London 1973

The Man died: Prison Notes of Wole Soyinka

Published Written,
1972
London 1972

A Shuttle in the Crypt

Published Written,
1971
London 1971

Before the Blackout

Published Written,
1971
Ibadan 1971

Madmen and Specialists

Published Written,
1971
London 1971

Kongi’s Harvest

Film / TV,
1970
Nigeria 1970 (Director: Ossie Davis)

Poems from Prison

Published Written,
1969
London 1969

The Forest of a Thousand Daemons: A Hunter’s Saga

Published Written,
1968
London 1968

Idanre and Other Poems

Published Written,
1967
London 1967

Kongi´s Harvest

Published Written,
1967
London, Ibadan 1967

Kongi´s Harvest

Published Written,
1967
London, Ibadan 1967

The Interpreters

Published Written,
1965
London 1965

The Detainee

Production / Performance,
1965
Premiere: BBC London 1965 Audiodrama

The Road

Published Written,
1965
London, Ibadan 1965

You in Your Small Corner

Film / TV,
1964
Premier: Nigeria 1964

Five Plays

Published Written,
1964
(s.o.), London, Ibadan 1964

A Dance of the Forests

Published Written,
1963
London, Ibadan 1963

A Dance of the Forests

Published Written,
1963
London, Ibadan 1963

The Lion and the Jewel

Published Written,
1963
London, Ibadan 1963

Three Plays: The Swamp Dwellers; The Trials of Brother Jero; The Strong Breed

Published Written,
1963
Ibadan 1963

The House of Banigegi

Production / Performance,
1961
Premiere: Nigeria 1961

Camwood on the Leaves

Published Written,
1960
Premiere: Nigeria Broadcasting Corporation 1960

My Fathers Burden

Film / TV,
1960
Premiere: Nigeria 1960

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

1989 - Globale Geschichten

Thementage

(19 February 09 - 22 February 09)

IN TRANSIT 2004

The Third Body

(02 June 04 - 13 June 04)