Marise Sistach

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crossroads:
Gender, Identität, Metropole
genre(subgenre):
Film (Spielfilm)
region:
America, Central
country/territory:
Mexico
city:
Mexico City
created on:
May 28, 2003
last changed on:
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Das schwierige Leben zu zweit

1952 in Mexiko-Stadt geboren, hat sich Marisa Sistach in ihren wichtigsten Filmen mit Beziehungs- und Familienproblemen auseinandergesetzt – dem zentralen Thema der Generation junger Frauen, die in den achtziger Jahren begannen, sich endlich in der mexikanischen Kinematografie durchzusetzen. Doch anders als beispielsweise María Novaro hat sie ihre Spielfilme, mit Ausnahme ihres ersten „Los pasos de Ana“, zusammen mit ihrem Lebenspartner José Buil als Co-Autor bzw. als Co-Regisseur realisiert. Besonders auffallend an ihren abendfüllenden Arbeiten ist die fortgesetzte Beschäftigung mit den audiovisuellen Medien Film und Video, die sie wiederholt in die Handlung einbezieht.
Nach sorgfältiger Ausbildung und umfangreicher Fernsehpraxis gelingt es Marisa Sistach 1989 ihren ersten langen Spielfilm zu verwirklichen: „Los pasos de Ana“, eine Geschichte mit autobiografischen Zügen. Zusammen mit ihren zwei Kindern führt die 30jährige, geschiedene Ana ein bewegtes Leben. Von ihrem Traum, Filme zu machen, hat sie die Manie bewahrt, ihr Leben auf Video festzuhalten. Als Regieassistentin hat sie immerhin eine Aufgabe gefunden. Doch nun muss sie eine Entscheidung fürs Leben treffen und zwischen einem ihrer drei Liebhaber wählen, die sie während der Dreharbeiten kennen gelernt hat. Und gleichzeitig will sie alle Wechselfälle, einschließlich ihrer Beziehungsturbulenzen, in Form eines intimen Video-Tagebuchs dokumentieren.

Ein sympathischer Film über den Versuch, trotz Kinder und Männer ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ihn zugleich im Medium selbst zu reflektieren. Wie sagt doch die Protagonistin: „Mehr noch als eine bestimmte Art zu leben, interessiert mich eine bestimmte Art zu sehen.“ Dieses „Glaubensbekenntnis“ setzt Marisa Sistach spielerisch um, lässt es nicht zu einem ästhetischen Dogma erstarren. Genauso wenig wie sie diese Geschichte der Emanzipation zu einem feministischen Streitobjekt macht. Aber sie zieht selbstbewusst ihre Kreise und lässt sich keineswegs von ihren drei Männern fremd bestimmen. Der Lernprozess, der hier stattfindet, ist ein männlicher, das heißt er ist begrenzt. Ana lebt vor – ihren Geschlechtsgenossinnen und den unvermeidlichen Pendants – wie Frau, ohne sich anzupassen, ohne sich aufzugeben und ohne einen ständigen Kleinkrieg zu führen, sich selbst verwirklichen kann.

An diesen manchmal fast heiteren Film will die mexikanische Filmbürokratie zunächst nicht glauben. Fast zwei Jahre lang liegt das 1988 auf Super 16 gedrehte und auf Video geschnittene Werk auf Eis. Niemand will das Blow-up finanzieren. Erst als das Internationale Forum des Jungen Films der Berlinale „Los pasos de Ana“ einlädt, kann es fertiggestellt, 1991 in Berlin uraufgeführt und wenig später auch in Mexiko gezeigt werden.

In „Anoche soñé contigo“ (1991) verlegt Marisa Sistach ihre Studien der zwischenmenschlichen Beziehungen ins Blickfeld zweier Jungen, die gerade den Sex im Leben entdecken. Doch diesmal gelingt es ihr nicht, die Spontaneität und Frische ihres Debütfilms zu erreichen. Sie vermischt allzu viele filmische Ingredienzien zu einem sehr bemühten Komödienstil.

Ausgangsstoff von „La línea paterna“ (1995) ist das Filmmaterial, das der Großvater von José Buil in den zwanziger und dreißiger Jahren in Veracruz gedreht hat und das allmählich zu verrotten droht. Es wird sorgfältig restauriert und auf das heutige Bildformat umkopiert. Aus diesen einmaligen Dokumenten entwickeln beide ‚die väterliche Linie’ ihrer Familiengeschichte, zugleich ein Stück Zeit- und Kulturgeschichte von einer Region Mexikos, von der nicht mehr viele Filmaufnahmen erhalten sind. Eine sorgfältige und langwierige, mitunter recht poetische Meditation über die Verwüstungen, die die Zeit im Film und im Leben anrichten kann.

In „El Cometa“ (1998) bleiben beide der Geschichte verhaftet, verlagern die Handlung von der jungen revolutionären Valentina an den Anfang des 20. Jahrhunderts, in die letzten Zuckungen der Diktatur des Porfirio Díaz, die von der Revolution schließlich beseitigt wird. Valentina ist in geheimer Mission als Mitglied eines Wanderzirkus unterwegs. Sie entdeckt die Liebe und die Liebe zum Kino an der Seite ihres Víctor, der, fasziniert vom Kinematographen, die politischen Turbulenzen der Zeit festhält, die sie auf ihrer abenteuerlichen Reise erfahren. Marisa Sistach rückt in diesem recht konventionell erzählten Werk noch weiter von ihren erfolgreichen Anfängen weg.
Author: Peter B. Schumann 

Bio

Am 1. September 1952 in Mexiko-Stadt geboren als Marise Sistache Perret. (Nach diversen Schreibweisen des Namens – Maryse, Marysa – hat sich inzwischen die vereinfachte Form durchgesetzt: Marisa Sistach.) Zunächst Studium der Anthropologie an der Iberoamerikanischen Universität in Mexiko-Stadt, danach Regie-Studium am staatlichen Centro de Capacitación Cinematográfica. Mit der Abschlussarbeit, dem Kurzfilm „Y si platicamos de agosto?“, gewinnt sie 1980 die höchste mexikanische Auszeichnung, den Ariel für den besten Kurzspielfilm. 1983 dreht sie den einstündigen Film „Conozco a las tres“ und macht damit die Filmkritik auf sich aufmerksam. Sie wird Regieassistentin von Felipe Cazals und Jorge Fons.

Ab 1985 beteiligt sie sich mit einer Reihe von Kurzfilmen an der Fernsehserie „Los libros tienen la palabra“ von TV Cultura und realisiert verschiedene Kurzspielfilme für Imevisión: „El juego de los besos“, „La cirquerita“ (beide 1985), „Agata, un cuento esquimal“, „Motivos personales“ (beide 1986), „Gilberto Owen, lo recuerdo olvidado“ (1987) sowie den kurzen Dokumentarfilm „Nyhere“ (1986), der Beginn ihrer Zusammenarbeit mit José Buill, ihrem Ehemann, der zunächst als Co-Autor fungiert. 1988 kann sie ihren ersten langen Spielfilm verwirklichen, „Los pasos de Ana“, der ihr auch internationale Anerkennung verschafft. 1991 folgt ihr zweiter: „Anoche soñé contigo“. Sie macht auch weiterhin in den neunziger Jahren kurze Dokumentarfilme: „Un planeta mejor para los niños“, „Londres“, „Ginebra“, „Sidney“. 1995 dreht sie zusammen mit José Buill den langen Dokumentarfilm „La línea paterna“ und 1998 den Spielfilm „El cometa“. 2000 erhält sie ein Stipendium der Guggenheim-Stiftung.

Works

El cometa

Film / TV,
1999

La línea paterna

Film / TV,
1998

Los pasos de Ana

Film / TV,
1988

Y si platicamos de agosto

Film / TV,
1980

Projects

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MEXartes-berlin.de

The Mexico-festival in Berlin

(15 September 02 - 01 December 02)
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Perfume de Violetas