Demas Nwoko

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crossroads:
Christentum, Demokratie, Moderne, Tradition
genre(subgenre):
Architektur (allgemein)
Bildende Kunst (Malerei)
Performing Arts (Kabarett)
region:
Africa, Western
country/territory:
Nigeria
created on:
July 10, 2003
last changed on:
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Eine neue Kunst für Nigeria

Der 1935 geborene nigerianische Maler, Schauspieler und Architekt Demas Nwoko zählt zu den renommierten Künstlern seines Heimatlandes. Ursprünglich als Maler ausgebildet, widmete er sich bald auch der Bühnenbildnerei, trat selber als Theaterregisseur in Erscheinung und war Ende der siebziger Jahre Mitherausgeber der Kunstzeitschrift New Culture. Sowohl in seiner Arbeit für das Theater als auch in seinen Bildern und Aufsehen erregenden architektonischen Werken hat Nwoko sich stets für die Umdeutung der traditionellen nigerianischen Kunst in eine moderne Formensprache engagiert.
Demas Nwoko ist ein Multitalent: Sowohl als Schauspieler als auch als Architekt und Maler gehört er zu den bekanntesten Künstlern Nigerias. Nwoko war einer derjenigen, die, wie auch sein Malerkollege Uche Okeke oder die Schriftsteller Chinua Achebe und Nobelpreisträger Wole Soynika, zu Anfang der sechziger Jahre intensiv und sehr erfolgreich über eine neue, zeitgemäße und dabei genuin nigerianische Ästhetik in Wort und Bild nachdachten. Doch hat Nwoko nicht nur durch seine Kunst internationale Reputation erlangt, sondern auch durch seine Beteiligung an der nigerianischen Unabhängigkeitsbewegung.

Demas Nwoko begann seine künstlerische Laufbahn 1957 mit einem Studium der Malerei am Nigerian College of Arts, Science and Technology in Zaria. Noch während des Studiums gründete er zusammen mit Uche Okeke und Bruce Onobrapkeya die Zaria Art Society, eine der Keimzellen der aktuellen nigerianischen Kunst. Nach dem Ende seines Studiums in Zaria ging Nwoko 1961 nach Paris und anschließend nach Japan, um sich im Fach Bühnenbild weiterzubilden. Danach widmete er sich neben der Malerei intensiv dem Theater, was sich auch in seiner Lehrtätigkeit niederschlug: Von 1963 bis 1978 unterrichtete er an der Universität von Ibadan Theatre Arts. 1966 wurde seine Inszenierung von Amos Tutuolas Stück „Palm Wine Drinkard“ auf dem ersten Negro Arts Festival in Dakar uraufgeführt. Darüber hinaus war Demas Nwoko Mitglied im Mbari Artists and Writers Club in Ibadan und arbeitete Ende der siebziger Jahre zeitweilig als Redakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift New Culture: A Review of Contemporary African Arts.

In seiner Arbeit für das Theater stand Nwoko der Orisun-Bewegung nahe. Diese Bewegung zeichnete sich dadurch aus, dass sie in ihren Produktionen aktuelle Ereignisse und politische Missstände aufgriff und in einer an das europäische Kabarett erinnernden Mischung aus szenischen Darstellungen, Gesangseinlagen und komödiantischen Texten humorvoll verarbeitete. Die Anhänger der Orisun-Bewegung verstanden Theater als „Prozess, in dem es stets um Improvisation geht“, wie der nigerianische Nobelpreisträger Wole Soynika in seinem Aufsatz „From Ghetto to Garrison: A Chronic Case of Orisun“ schrieb. Im Rahmen seiner Zusammenarbeit im Mbari/Orisun-Umkreis veranstaltete Demas Nwoko, so berichtet es Soynika, auch Workshops in Malerei und Zeichnung.

Nwokos malerischer Stil kann als lyrisch-figurativ beschrieben werden. Wie zum Beispiel in seinem zwischen 1963 und 1965 entstandenen Zyklus „The Adam and Eve Series“ sind seine Kompositionen oft nicht räumlich korrekt, sondern symmetrisch-ornamental angeordnet. Manchmal sind die Personen und Accessoires im Bild bis zur Emblematik vereinfacht: Nichts soll vom Kern der Botschaft ablenken, alles ist der Erzählung und der sinnbildhaften Darstellung untergeordnet. Insofern fällt es schwer, Nwokos Kunst realistisch zu nennen – immer wieder streift sie die Grenze zur Abstraktion.

Die Motive, die Nwoko für seine Bilder wählt, stammen nicht selten aus der Bibel. Seine Verbundenheit mit der christlichen Religion hat sich auch in seinem architektonischen Schaffen niedergeschlagen. Im Lauf seiner Karriere hat Nwoko einige Gebäude entworfen, die meisten davon für die katholische Kirche, so auch eines seiner Hauptwerke, das Dominikaner-Kloster in Ibadan (1966-70). Auch hier hat sich Nwoko um eine moderne Gestaltungsweise bemüht, die ihre traditionellen Wurzeln nicht verleugnet und gleichzeitig als Ausdruck einer neuen eigenen Identität angesehen werden kann. Für das Dominikaner-Kloster und die angeschlossene Kirche hat Nwoko Mauerwerk aus gebrannten Ziegeln verwendet, einen keilartigen, fast expressionistisch spitz zulaufenden Glockenturm dazu gestellt und das Ganze durch großflächige, abstrakte Mosaike in kräftigen Farben ergänzt. Das Resultat ist ein architektonisches Meisterwerk, dessen Bedeutung und Rang weit über die Region hinaus reichen.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1935 in Idumuje-Ugboko geboren
1957-61 Studium der Malerei am College of Arts, Science and Technology, Zaria
1961-63 Studienaufenthalte in Frankreich und Japan
1963-78 Lehrtätigkeit in Theatre Arts an der University of Ibadan, Ibadan
1978/79 Mitherausgeber der Zeitschrift „New Culture: A Review of Contemporary African Arts“

Works

Publications on Demas Nwoko

Published Written,
2000
Jean Kennedy: New Currents, Ancient Rivers, Contemporary African Artists in a Generation of Change, Washington und London 1992 The Short Century (cat.), München, London, New York 2001

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2001 „The Short Century - Befreiungsbewegungen in Afrika“, Villa Stuck, München „The Short Century - Befreiungsbewegungen in Afrika“, Haus der Kulturen, Berlin 1987 Centre for Cultural Studies, University of Lagos, Lagos, Nideria 1985 National Theatre, Lagos, Nigeria 1980 Tropenmuseum, Amsterdam, Niederlande 1979 Staatliche Kunsthalle, Berlin 1972 Narpstek Museum, Prag, Tschechien 1970 Museum für Völkerkunde, Wien, Österreich Musée de l’Homme, Paris, Frankreich 1968 Exhibition Centre, Lagos, Nigeria 1963 Mbari Club, Ibadan, Nigeria Galerie Lambert, Paris, Frankreich 1961 Mbari Club, Ibadan, Nigeria

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)