Hugh Masekela

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genre(subgenre):
Musik (Afro-Pop, Fusion, Jazz, Mbaqanga)
Performing Arts (Musical)
region:
Africa, Southern, America, North
country/territory:
South Africa, United States of America
created on:
March 11, 2009
last changed on:
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Hugh Masekela
Hugh Masekela. Copyright: griot GmbH und Hugh Masekela

Article

“I don’t categorize myself”

Hugh Masekela ist neben Miriam Makeba die internationale Stimme des südafrikanischen Jazz. Er arbeitete mit Größen wie Herb Alpert, Miriam Makeba, Harry Belafonte, Fela Kuti, Bob Marley, Dizzy Gillespie und Bill Laswell zusammen. Dass Masekela nie lange an einem Ort bleiben konnte und niemals eine feste Labelheimat hatte, hätte seine Kreativität behindern können. Doch es gelang ihm, trotzdem eine buchstäblich neue Musik zu erfinden. Im Exil in England und den Vereinigten Staaten komponierte und produzierte er zahlreiche Hitsingles und Platin-Alben, wobei er die ethnische Musik Südafrikas mit Jazz, Funk, Afrobeat, Disco und Electro fusionierte. Nach dem Ende der Apartheid 1990 kehrte er in sein Heimatland zurück.
Hugh Ramopolo Masekelas Interesse am Jazz wurde durch die Schellack-Plattensammlung seines Vaters geweckt. Er hörte früh die Musik von Louis Armstrong, Jelly Roll Morton, Bessie Smith, Ma Rainey, Chick Webb, Ella Fitzgerald, Sy Oliver, Duke Ellington, Count Basie und von im damaligen Südafrika populären Gesangsgruppen wie The Ink Spots oder The Mills Brothers. Nach ersten Versuchen am Piano wählte er mit 14 Jahren unter dem Eindruck eines Films, in dem Kirk Douglas den Trompeter Bix Beiderbecke verkörperte („Young Man With a Horn“, 1950), sein Instrument: die Trompete. Obwohl er sich später auch erfolgreich dem Flügelhorn und – wie sein Vorbild Louis Armstrong – dem Kornett zuwandte und er sich als guter Sänger und Keyboarder erwies, ist sie bis heute sein bevorzugtes Ausdrucksmittel. Seine erste Trompete erhielt er von seinem Förderer, dem Apartheids-Gegner und Pastor Trevor Huddleston, Priester an Masekelas Schule St. Peter, wo Masekela die Huddlestone Jazz Band, das erste Jugendorchester des Landes, gründete.

Hugh Masekela wurde zu einer treibenden Kraft der aufblühenden Jazzszene am Kap. Er verdiente seine Sporen bei Bandleadern wie Zakes Nkosi, Ntemi Piliso, Elijah Nkwanyana, dem Saxofonisten Kippie Moeketsi, in Alfred Herberts African Jazz Revue und im Orchester des erfolgreichen Musicals „King Kong“ mit Miriam Makeba in der Hauptrolle. 1959 feierte er in der Jazzszene Kapstadts mit Moeketsi und dem Pianisten Dollar Brand (Abdullah Ibrahim) große Erfolge. Zu dieser Zeit, so Masekela, waren die Stadtviertel Sophiatown oder District Six bedrohte Refugien, in denen Liberalität und Kreativität blühten: “Der District Six war ein verdammt guter Ort ... vergleichbar mit dem alten Harlem der Harlem Renaissance. Er war großartig, mit jeder Menge Clubs, es ging dort auch sehr kosmopolitisch zu. Und er war gleich bei Downtown Kapstadt. Da ging die Post ab!“

Anders als die afro-karibisch beeinflussten Westafrikaner orientierte sich die damalige südafrikanische Szene mehr am nordamerikanischen Jazz, den populären Swingbands und Vokalgruppen und zunehmend auch am Bebop und Hardbop –Einflüsse, die Masekela förmlich aufsaugte: „Wir haben uns damals mit dem Jazz identifiziert, weil Jazz die Größe eines Volkes zeigte, das versklavt und aus Gründen der Rasse diskriminiert wurde (...) Das waren unabhängige Schwarze, die sich nicht alles haben gefallen lassen. Louis Armstrong, Billie Holiday und Count Basie standen für Triumph im Angesicht der Unterdrückung.“

Anfang der 1960er emigrierte Masekela, der in Südafrika nicht studieren durfte, nach London. Dort konnte sich mit der Unterstützung Yehudi Menuhins und Johnny Dankworths an der Guildhall´s School of Music einschreiben. Bald aber folgte er Miriam Makeba nach New York, wo sie gemeinsam an der Musik der mittlerweile erfolgreichen Sängerin arbeiteten und auch heirateten. Dank eines Stipendiums von Harry Belafonte nahm Masekela dann ein Studium an der Manhattan School of Musik auf.

In New York fand der junge Student die lebendige Szene Kapstadts wieder und er traf auf die Idole seiner Jugend: Im letzten kreativen Rausch des US-Jazz spielten Miles Davis, Thelonious Monk, Bill Evans, Charlie Mingus, Dizzy Gillespie, Cannonball Adderley in Clubs wie dem Village Vanguard, im Five Spot oder im Village Gate. Makeba hatte zu dieser Zeit mit „Pata Pata“ den ersten internationalen Charterfolg errungen, der auf einem originär südafrikanischen Rhythmus basierte und sich gut mit Jazzsoli und -harmonien kombinieren ließ – in den Clubs des District Six hatten die Musiker nichts anderes gemacht. Masekela begann, diese Formel mit Jazz und Popmusik zu synthetisieren, ein Prozess, den der Titel seines Albums „The Americanization of Ooga Booga“ 1965 ironisch aufgriff. Beeinflusst vom Funk und R&B der Hit-Fabrik Motown gründeten Masekela und James Levine im gleichen Jahr das Label Chisa und begannen, einen südafrikanischen Sound auf der Grundlage von Jazz und R&B zu formulieren. Zu ihren Bands gehörten die Crusaders, die sich auf Masekelas Anraten vom „Jazz“ im Namen trennten, sowie eine selbstbewusst „The Zulus“ genannte Band. Masekelas Song „Grazing In The Grass“, laut Levine ein „vollendeter Mbaqanga-Song“, wurde ein Hit und landete im heißen Sommer 1968 zwischen Titeln von Marvin Gaye, Sly Stone, James Brown, Motown und Stax in den Charts. Die Zeit war reif, durch die US-Bürgerrechtsbewegung rückten die Kontinente näher. Auch Masekela begab sich auf eine panafrikanische Spurensuche, bereiste mit der Band Hedzoleh Soundz aus Ghana Guinea, Liberia und Ghana und spielte in London ein Album ein, das seinen erweiterten musikalischen Horizont in Sound und Titel reflektierte: „Home Is Where The Music Is“ entstand unter dem Einfluss von Begegnungen mit Fela Kuti in London und Nigeria. Masekela erweiterte sein Ausdrucksspektrum um Elemente des westafrikanischen Afrobeat.

Während der Achtziger vollzog er den Paradigmenwechsel der US-Popmusik mit, nahm unter dem Namen Disco Kid unter anderem für das Disco-Label Casablanca Clubnummern auf, aber auch pop-affine Balladen und Songs im charakteristischen, vollelektrisierten Soundgewand der Zeit. Er verfolgte trotzdem immer sein afrikanisches Projekt. Auch über Discobeats und dem artifiziellen Klang von Linn Drums, Keyboardflächen und synthetischen Streichern setzte sich, wie in seinem 86er Clubhit „Don´t Go Lose It, Baby“, sein klares Trompeten- und Flügelhornspiel und seine Vorliebe für mehrstimmige Gesangsarrangements durch – Vorlieben, die unmittelbar auf Township-Vokalgruppen, ethnischen südafrikanischen Gesang und die Jazzblüte der fünfziger Jahre zurückgehen.

Masekela kämpfte auch weiterhin gegen die Apartheid und für die Befreiung Nelson Mandelas in seiner Heimat. So produzierte er den unmissverständlichen Hit „Bring Him Back Home“, gab 1980 gemeinsam mit Miriam Makeba ein Weihnachtskonzert in Lesotho und komponierte das Musical „Sarafina!“ über die Zustände in den südafrikanischen Townships. Auch die Gründung eines Tonstudios und der „Botswana National School of Music“ an der südafrikanischen Grenze sollte dem Kampf gegen die Apartheid dienen. Hier entstand 1984 sein Album „Techno Bush“.

Weltweite Aufmerksamkeit erregte Masekela 1988 als Gast von Paul Simons „Graceland“-Tour. Gemeinsam mit Landsleuten wie Ladysmith Black Mambazo, Miriam Makeba und Ray Phiri tourte er durch die ganze Welt – und trat auch in Südafrika auf. Obwohl die Inszenierung dieser Tour umstritten ist – ihre öffentliche Wirkung ist es nicht. Der große Bühnenauftritt der exilierten Anti-Apartheids-Aktivisten auf dem „Free Mandela“ Großkonzert zog Kreise. Nur zwei Jahre später kehrte Masekela mit dem Ende der Apartheid und der Freilassung Nelson Mandelas in seine Heimat zurück.

Seitdem ist er als Musiker und Produzent zwischen den Kontinenten unterwegs. Mit Alben wie „Time“ fand er zu einem organischeren Sound zurück, in den er auch Latin, Jazz und Mbaqanga einfließen ließ. 2004 erschien in Zusammenarbeit mit Michael Cheers seine Autobiografie „Still Grazing – The Musical Journey of Hugh Masekela“, 2007 feierte er in Südafrika das zwanzigjährige Jubiläum seines Musicals „Sarafina!“, das 1992 mit Whoopi Goldberg verfilmt wurde. Seit den Tagen von „King Kong“ war Masekelas Karriere immer eng mit der Musicaltradition verknüpft. „Sarafina!“ mit seinen bestrickenden Vokalarrangements und der im Wortsinn ansteckenden Kraft des Mbaqanga ist sein musikalisches Vermächtnis auf diesem Gebiet.

Masekela lebt und arbeitet heute in Südafrika und den Vereinigten Staaten. Vielleicht personifiziert der Mann mit der ungebrochenen Energie ja auch den Fluss der Musik und der Ideen kreuz und quer über den Black Atlantic – oder in seinen Worten: “I’m the sum total of my influences; I don’t categorize myself.”
Author: Eric Mandel

Bio

*1939 Witbank, South Africa

Works

Live at the Maerket Theatre

Published Audio,
2007
Four Quarters

The Chisa Years: 1965-1975 - Rare and Unreleased

Published Audio,
2006
BBE

Revival

Established,
2005
Heads Up

Still Grazing

Published Audio,
2004
Blue Thumb

The Collection

Published Audio,
2003
Universal/Spectrum

Grazing In The Grass: The Best of Hugh Masekela

Published Audio,
2001
Sony

Sixty

Published Audio,
2000
Shanchie

Time

Published Audio,
2000
Columbia

Black to the Future

Published Audio,
1998
Columbia

Doys Doin´ It

Published Audio,
1998
Polygram

Stimela

Published Audio,
1994
Connoisseur Collection

Reconstruction

Established,
1994
Motown

Hugh Masekela & Union of South Afrika

Published Audio,
1994
mo Jazz

Hope

Established,
1993
Live. Triloka Records

Uptownship

Published Audio,
1990
Novus/RCA

Tomorrow

Published Audio,
1987
Warner

Waiting For The Rain

Published Audio,
1985
Jive Africa

Techno Bush

Published Audio,
1984
Jive Africa

Main Event

Published Audio,
1978
With Herb Alpert. A&M

I Am Not Afraid

Published Audio,
1974
Chisa

The African Connection

Published Audio,
1973
Impulse

Masekela: Introducing Hedzoleh Soundz

Published Audio,
1973
Blue Thumb/Chisa

Home Is Where The Music Is

Published Audio,
1972
Chisa

The Promise of A Future

Published Audio,
1968
Uni

Masekela

Published Audio,
1968
Uni

The Emancipation of Hugh Masekela

Published Audio,
1966
Uni

Grrr

Published Audio,
1965
Mercury

The Americanization of Ooga Booga

Published Audio,
1965
MGM/Verve

Trumpet Africaine

Published Audio,
1960
Mercury Records

Jazz Epistle Verse I

Published Audio,
1959
Continental/SA

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Lebenslinien No1: Hugh Masekela

(15 May 09 - 17 May 09)

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