Lila Downs

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crossroads:
Grenze, Vorfahren
genre(subgenre):
Musik (Bolero, Jazz)
region:
America, Central
country/territory:
Mexico
city:
Mexico City
created on:
May 15, 2003
last changed on:
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Lila Downs
Lila Downs Copyright Tom Le Goff

Article

Pendlerin zwischen Welten und Zeiten

Lila Downs, 1968 in Tlaxiaco, Oaxaca/Mexiko, als Tochter eines US-Amerikaners und einer Mixteken-Indianerin geboren, ist eine Wandlerin zwischen den Welten, deren Musiktraditionen und Sprachen. Ihr Repertoire ist eine kunstvolle Mischung aus Jazz, Afro-Perkussion und indianischen Rhythmen, aus eigenen Kompositionen und mexikanischen Volksliedern. Sie singt in Englisch, Spanisch und in den Sprachen Mixteco, Zapoteco, Maya und Náhatl. Ihre extrem wandelbare Stimme über drei Oktaven und provokante, politische engagierte Texte machten sie in Mexiko zum Star.
Ihre ersten musikalischen Impulse empfing Lila Downs von ihrer Mutter, einer Mixteken-Indianerin, die leidenschaftlich gern sang und ab und zu in Kabaretts oder kleinen Bars auftrat. Schon im Alter von acht Jahren trat Lila Downs mit Mariachi-Musikern auf, wenige Jahre später begann sie, Operngesang zu studieren: Zunächst in den USA, dann in Mexiko, später erneut im Land ihres nordamerikanischen Vaters. Bis heute bewegt sich Lila Downs in beiden musikalischen Welten.
Lila Downs musikalisches Repertoire reicht einmal quer durch den weiten Kontinent Amerika: ein virtuoser Remix aus Blues und Boleros, Jazz-Traditionals und Oper, Gospel und Hip-Hop, Corridos und Cumbias, prähispanischen Instrumenten und altindianischen Mythen und Melodien. Dabei arbeitet sie mit einem panamerikanischen Verbund von Musikern aus Mexiko, Argentinien, Paraguay, Kuba, Kanada und den USA zusammen, die sowohl die Jazz- und Rock-üblichen aber auch indigene Instrumente aus Holz und Ton spielen.

Die stilistische und sprachliche Vielfalt ihrer Lieder korrespondiert mit Lila Downs facettenreichem Drei-Oktaven-Mezzosopran, der die verschiedenen Seiten ihrer musikalischen Sozialisation zum Klingen bringt. "Stellen Sie sich Edith Piaf auf Spanisch singend vor, und Sie bekommen eine Idee von Lila Downs´ soulful sound.", schreibt die Los Angeles Times (1998). Überhaupt umgehen die Kritiker musikalische Klassifizierungen immer wieder gern durch Vergleiche mit Charaktersängerinnen wie Billie Holiday, Chavela Vargas oder Lucha Reyes. Doch erklimmt Lila Downs auch mühelos die leichteren und humorvollen Skalen – ihre bisweilen geradezu punkigen Ausflüge lassen gar an eine Nina Hagen denken.

Häufig wird Lila Downs auch als „singende Frida Kahlo“ bezeichnet. Und rein optisch ähnelt sie tatsächlich der berühmtesten Mexikanerin: Das markante Gesicht ist von schwarzen, langen Zöpfen gerahmt, ihre Kleidung erinnert an die farbenfrohen indianischen Trachten, Hals und Finger sind mit Silber und Steinen geschmückt. Ähnlich wie sie auf diese Weise Traditionen salonfähig bzw. sogar zur Avantgarde erhebt, verbindet sie auch in ihrer Musik Tradition und Modernität.

Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und musikalischen Partner Paul Cohen setzt sich Lila Downs seit 1993 verstärkt mit den diversen indigenen Musiktraditionen Mexikos auseinander, lernt Mixtec sowie andere indianische Sprachen, die sie – neben Spanisch und Englisch – auch in ihren Liedern verwendet. Lila Downs singt sowohl Eigenkompositionen als auch überlieferte und neuvertonte Stücke indianischer Zeugnisse. Nach einer Tradition der Mixteken, der „Wolkenmenschen“, so erzählt Lila Downs augenzwinkernd, wurde ihre Nabelschnur unter einer Agave in Oaxaca vergraben, damit sie immer wieder an diesen Ort zurückkehre.

Die wichtigste Frage für Lila Downs ist, wie sich in der Gegenwart indigene Kulturen wach halten bzw. neu beleben lassen. Was sie sich wünscht, ist, dass ihr Publikum durch ihre Lieder mit den uralten und kaum bekannten indianischen Konzepten und Traditionen Mexikos in Berührung kommen und deren universelle Dimension entdecken.

Ihre neueste, 2002 erschienene CD „Border. La Línea“ hat Lila Downs den mexikanischen Emigranten gewidmet, die beim Überqueren der nordamerikanischen Grenze starben. Eine Sammlung von bewegenden Liedern, inspiriert vom Leben an der Grenze, dem Elend der Gastarbeiter und den unter Entbehrung und Rassismus leidenden Indígenas.

Über das Leben in der Grenzregion, wo auch ihre Mutter noch heute lebt, erzählt Lila Downs: „Die Sierra Mixteca ist eine der Gegenden Mexikos, die gen Norden hin ausbluten. Jahr für Jahr machen sich junge Männer und Frauen auf den Weg ins Unbekannte, klettern über Zäune, durchqueren die Wüste, um dahin zu gelangen, wo sie für die Gringos Erdbeeren ernten und Häuser putzen dürfen, für eine Handvoll Dollars. Zurück im Hochland bleiben ihre Landsleute, die Mixtecos, das Regenvolk, neben den Zapoteken die zweite große Indiokultur Oaxacas. Nicht fröhlich, eher schwermütig und voller Scham, misstrauisch und melancholisch. ... Ständig kämpfen wir gegen die innere Traurigkeit. Wie zum Trotz gibt es die vielen Farben und Feste, auch gegen die Gewissheit, dass der Tod überall lauert.“ (zit. nach: NZZ, 4. Juli 2002)

Author: Katrin Wilke

Bio

Anna Lila Downs Sánchez wurde am 19. September 1968 als Tochter von Allen Downs und Anita Sánchez in Tlaxiaco, im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca, geboren. Ihre mexikanisch-indianische Mutter, Anita Sánchez, kommt aus San Miguel El Grande (Oaxaca), aus den Bergen der Sierra Madre del Sur. Die Mixtekin lernte Lilas Vater, Allen Downs, einen US-Amerikaner schottischer Abstammung, kennen, als er sich wegen der Arbeit an einem Dokumentarfilm in Mexiko-Stadt aufhält.
Downs war nicht nur Filmemacher sondern auch Maler und Kunstprofessor an der Universität von Minneapolis, und ein – wie seine Tochter es liebevoll ausdrückt – "verrückter und wunderbarer, radikaler Kommunist". Er organisiert Lila einen mehrjährigen Aufenthalt in Südkalifornien, wo sie ihren High-School-Abschluss machte und perfekt Englisch lernte.

Anschließend ging sie wieder zurück nach Oaxaca, wo die Mutter nach wie vor lebt. Sie fühlt sich zerrissen zwischen den beiden Kulturen und spürt die verächtlichen Blicke der weißen Mexikaner auf die Indígenas. Sie schämt sich für ihre indianische Herkunft und färbt ihr pechschwarzes Haar blond.

Zwei Jahre später und nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters geht sie erneut in die USA und beginnt, Musik und Anthropologie zu studieren. Eine weitere Identitäts- und Sinnkrise führt dazu, dass Lila Downs ihr Studium vorerst auf Eis legt. Als „Deadhead“, als Fan der Hippie-Band Grateful Dead, wendet sie sich gänzlich vom Singen ab, das ihr als müßiger, oberflächlicher Zeitvertreib erscheint. Zwei Jahre später schließt sie Anfang der neunziger Jahre ihr unterbrochenes Studium dann doch ab.

Das Gefühl, auf der Suche zu sein und eine immer wiederkehrende Aversion gegen das Singen reißen damit jedoch vorerst nicht ab. Erst als Lila Downs wieder nach Mexiko geht, beginnt sie, Musik als heilende Kraft sowie als Schlüssel zu ihrem mexikanisch-indianischen Background zu begreifen. Dass sie sich wieder dem Gesang widmet und zu komponieren beginnt, ist vor allem einer überaus schmerzhaften Erfahrung zu verdanken: Nachbarn und Bekannte bitten Lila, Totenscheine von Angehörigen – jungen Männern, die bei dem Versuch in die USA zu fliehen und Arbeit zu finden, ums Leben gekommen sind – aus dem Englischen zu übersetzen.

Die Trauer und die Verzweiflung, die sie miterlebt, verarbeitet sie musikalisch: So ist das Stück "Ofrenda" auf Downs´ Debütalbum eine Hommage an ihre verstorbenen Landsleute. Auf der dritten Platte, "Border. La Línea", zieht sich diese Grenzproblematik als roter Faden durch sämtliche Stücke.

In Oaxaca begegnet sie bei einem ihrer Auftritte Paul "Pablo" Cohen: ein vom Jazz kommender Saxofonist, Pianist und Klarinettist, der darüber hinaus auch als Zirkusclown arbeitet. Der gebürtige New Yorker spielt in Mexiko zu jener Zeit in einer lokalen Salsa-Band. Zwischen den beiden beginnt eine menschlich und musikalisch intensive Liebesgeschichte, die bis heute andauert. Cohen wird zu Lilas Arbeitspartner und Mentor, Mitmusiker und Komponist sowie Hauptarrangeur ihrer Stücke.

Seit dem Erscheinen des Debütalbums "La Sandunga" im Jahre 1997 beginnt man sich auch außerhalb von Lilas Heimatländern zunehmend für sie zu interessieren. Seitdem tritt sie auf diversen europäischen Festivals auf.

Ihre aktuelle CD „Border. La Línea“ ist den mexikanischen Migranten – vor allem den illegalen Auswanderern – gewidmet, die bei dem Versuch starben, die Grenze von Mexiko in die USA zu überwinden.

Lila und Paul leben in Coyoacán – jener von Mexiko-Stadt eingemeindeten Kolonialstadt, in der auch Lilas Vorbild, Frida Kahlo, zeitlebens ansässig war.

Works

La Cantina - Entre Copa y Copa

Published Audio,
2006
Peregrina

Una Sangre

Published Audio,
2004
Narada

Frida

Film / TV,
2002
Film music

Border. La Línea

Published Audio,
2002
Narada/Peregrina Music

Yutu Tata. Arbol De La Vida / Tree Of Life

Published Audio,
2000
Narada/Virgin

La Sandunga

Published Audio,
1997
Hit Records/Filantropía, Educación y Cultura, A.C.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

MEXartes-berlin.de

The Mexico-festival in Berlin

(15 September 02 - 01 December 02)

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Homepage der Künstlerin

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Porträt
video

"Coraconzito Tirano"

vom Album "Border La Linea"
2002
© 2002 Narada World
Peregrina Music
www.peregrinamusic.de
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