Djibril Diop-Mambéty

Article Bio Works Video
crossroads:
Globalisierung, Kolonialismus, Marginalisierung
genre(subgenre):
Film (Kurzfilm, Spielfilm)
region:
Africa, Western, Europe, Western
country/territory:
Senegal, France
city:
Colobane, Dakar, Paris
created on:
May 20, 2003
last changed on:
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Djibril Diop-Mambéty
Djibril Diop-Mambéty © C. Reguzzi (Brussels Ave.)

Article

Das Lachen der Hyäne

Der 1945 in Colobane/Senegal geborene Djibril Diop-Mambéty ist einer der herausragendsten afrikanischen Filmemacher, auch wenn er nur wenige Filme drehte. Für seinen ersten langen Spielfilm Touki Bouki (1972) erhielt er den Preis der Kritik in Cannes und den Spezialpreis der Jury in Moskau. Er starb 1998 in Paris.
Mit seinem ersten 1969 gedrehten Kurzfilm "Contras`City" hat Djibril Diop-Mambéty zugleich die erste afrikanische Filmsatire gedreht. Denn Kino war für den
1945 in Colobane bei Dakar geborenen senegalesischen Regisseur mehr als eine simple Darstellung der Welt, wie sie ist. In seinen Filmen wird die Welt
erschaffen durch die Vorstellungen und Phantasien seiner Protagonisten. Dabei interessiert er sich für die Leute am Rand der Gesellschaft, weil diese „mehr
für die Entwicklung eines Gemeinwesens tun als die Konformisten“, wie er sagte. Zu ihnen gehörten für Mambety vor allem jene, die das Träumen nicht aufgegeben haben.

In "Touki Bouki" erzählt er die Geschichte eines jungen Mannes, der mit seiner Viehherde in die Stadt, nach Dakar, kommt, dort den Traum vom modernen, „westlichen“ Leben und insbesondere von Paris und dessen von Josephine Baker gesungenen Verheissungen träumt und der das Schiff, das ihn nach Europa bringen soll, zuletzt doch nicht besteigt.

In "Touki Bouki" behält Mambety den satirischen Ton und die Schärfe seiner ersten beiden Filmen bei. Das Publikum wird durch die Collage politischer und sexueller Bilder herausgefordert, dann aber wieder durch den Gebrauch von Musik und Farbgebung verzaubert. Die zentralen Themen seines Films sind Wohlstand, Jugend und (Ent)Täuschung: Mori und Anta sind ein junges, modernes senegalesisches Paar, auf der Flucht vor den Eltern, der Heimat - und ihrer Zukunft. Sie wollen Geld für Bootstickets nach Paris auftreiben. Entscheidend in diesem Film ist aber nicht die Handlung, sondern die Art und Weise, in der Mambety die Geschichte erzählt. Sie ist in ihrer unkonventionellen, Brüche nicht scheuenden Erzählweise zu Recht mit dem brasilianischen Cinema Novo verglichen worden.

In Wolof, der Sprache Senegals, bedeutet "Touki Bouki" soviel wie „Die Reise der Hyäne“, und "Hyènes" betitelte Mambéty auch seinen zweiten langen Spielfilm –eine 1991/92 in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Produzenten Pierre-Alain Meier entstandene bildintensive Übertragung von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ in seinen Geburtsort Colobane. Die beiden Filme sind Teil einer aufgrund seines frühen Todes nicht beendeten Trilogie über Macht und Wahnsinn. In "Hyènes" geht es um menschliche Gier, geht es Mambety nach seiner eigenen Aussage darum, wie die neokolonialen Strukturen Afrikas mit den falschen Versprechungen des westlichen Materialismus die Hoffnung auf Unabhängigkeit zerstören.

„Wir haben unsere Seelen zu billig verkauft!“, resümiert Mambety, der sich nie als einen politischen Regisseur bezeichnet hat. Doch seine Filme stehen immer in Bezug zur wirtschaftlichen Realität seines Landes, das völlig von Weltbank, Währungsfonds und der französischen Wirtschaftspolitik abhängig ist. Das gilt auch für seine beiden letzten Filme. Sie waren Teil einer Trilogie der „Geschichte der kleinen Leute“ / Histoires de petites gens".

"Le Franc" und "La petite vendeuse de soleil" sind filmische Parabeln über das Leben von Menschen, für die sich jeden Morgen die immergleiche Frage stellt, wie sie sich das Allernotwendigste zum Leben beschaffen können. Die kleinen Leute seiner Trilogie sind Mambetys Gegenentwurf zur Gier der Hyänen in seinen beiden langen Spielfilmen. "Le Franc" ist die Geschichte eines armen Musikers, der in der Lotterie gewonnen hat, eine Odyssee durch den Alltag Dakars. Er wird verrückt durch das Geld, gewinnt aber am Ende dennoch, weil er die Kraft zum Träumen hat. Genauso wie die Zeitungsverkäuferin Sili in dem Film "La petite vendeuse de soleil", die auf der Straße lebt und sich mit Hilfe von zwei Krücken vorwärtsbewegt, nicht aufhört, davon zu träumen, eines Tages Zeitungsverkäuferin zu werden, obwohl das ausschließlich eine Sache für Jungen ist.

“La petite vendeuse de soleil" ist der zweite Teil einer Trilogie, mit der ich dem Mut der Straßenkinder die nötige Anerkennung zollen möchte. Die Liebe der Kinder ermutigt mich, den Alten und Korrupten und jenen zu trotzen, deren Reichtum ihre eigene Seele nicht berührt.”, sagt Mambety. Eigentlich wollte Mambety noch den dritten Teil der „Geschichte der Kleinen Leute“ und auch den dritten Teil seiner Trilogie der Macht und des Wahnsinns drehen. „Dann“, so sagte er, „wollte er sich mit Gott über den Zustand der Welt unterhalten.“


Veranstaltungen im HKW:
6. August 1999
Cinema TriContinental
Die großen Regisseure Afrikas, Asiens, Lateinamerikas
Touki Bouki
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt
Author: Ulrich Joßner 

Bio

Djibril Diop Mambety wurde 1945 in Colobane bei Dakar geboren. Er absolvierte zunächst eine Schauspielausbildung und wirkte in senegalesischen und italienischen Filmen mit. 1969 legte er den Kurzfilm "Contras´city" vor, im Jahr darauf den Spielfilm "Badou Boy" über einen Strassenjungen in Dakar. Bereits sein erster Langspielfilm sorgte dafür, dass Mambétys Name künftig mit dem seines Landsmanns Sembène Ousmane im selben Atemzug genannt wurde. Für "Touki Bouki" (1972) erhielt er den Preis der Kritik in Cannes. Im gleichen Jahr hielt er sich längere Zeit in Rom auf wo er unter anderem Pier Paolo Pasolini traf.

Seine Anteilnahme an der Arbeit der Kollegen bekundete er auch durch den Kurzfilm "Parlons Grand-mère" (1989), den er am Rand der Dreharbeiten von Idrissa Ouedraogos "Yaaba" in Burkina Faso realisierte. Anfang der neunziger Jahre eröffnete Mambety in Dakar eine Schule: die „Foundation Yaadi Koone - Pour l´enfance et la nature“. 1992 schuf er "Hyènes" nach Dürrenmatts „Der Besuch der Alten Dame“. Die letzten Jahre waren dem Projekt der Trilogie "Histoires de petites gens" gewidmet. Der erste Teil, "Le Franc", wurde 1994 am Filmfestival Locarno uraufgeführt; das Mittelstück, "La petite vendeuse de soleil", ebenfalls 45 Minuten lang und ebenfalls in Dakar spielend, wurde 1999 posthum aufgeführt. Jedoch konnte es Djibril Diop-Mambéty noch weitgehend fertig stellen, bevor er am 23. Juli 1998 in Paris an Lungenkrebs starb.

Works

La petite vendeuse de soleil

Film / TV,
1999

Le Franc

Film / TV,
1994

Hyènes

Film / TV,
1992

Parlons Grand-mère

Film / TV,
1989

Touki Bouki

Film / TV,
1972

Badou Boy

Film / TV,
1970

Contras´city

Film / TV,
1969
video

Filmausschnitt

aus "Die kleine Verkäuferin der `Sonne´/ La petite vendeuse de soleil" (1999)
Brussels Ave
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