Gerard Sekoto

Article Bio Works Projects
crossroads:
Alltag, Armut
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Malerei, Porträt)
region:
Africa, Southern, Europe, Western
country/territory:
South Africa, France
created on:
July 13, 2003
last changed on:
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Die Townships von Paris

Gerard Sekoto, 1913 in der Nähe von Middelburg geboren, gilt als einer der Väter der modernen südafrikanischen Kunst. Bekannt geworden ist er durch Bilder, in denen er das alltägliche Leben in den Townships der vierziger Jahre in kräftigen expressiven Farben schilderte. 1947 zog er nach Paris, was seinen Stil und die Wahl seiner Motive jedoch kaum beeinflusste. Sekoto, dessen Gemälde heute in allen wichtigen südafrikanischen Museen hängen, war darüber hinaus ein besonders einfühlsamer Porträtist. Er starb 1993 in der Nähe von Paris, ohne Südafrika jemals wieder besucht zu haben.
Es gibt nicht wenige, die Gerard Sekoto für den „Vater der südafrikanischen Kunst“ halten. Sekoto wurde 1913 in einer lutherischen Mission in der Nähe von Middelburg im Transvaal geboren und sollte zunächst wie sein Vater den Beruf eines Lehrers ergreifen. Doch schon bald wandte er sich der Kunst zu, angeregt durch angehende Maler wie Ernest Mancoba, Louis Makenna und Nimrod Ndebele, die er noch während seiner Lehrerausbildung getroffen hatte. Nachdem er 1937 bei einem Wettbewerb der Universität von Fort Hare den zweiten Preis errungen hatte (der erste Preis ging seinerzeit an Georges Pemba, einen anderen der großen Künstler Südafrikas), konzentrierte sich Sekoto ab 1939 ganz auf die Malerei. Er kündigte seine Stellung als Lehrer und zog nach Sophiatown/Johannesburg.

Das rege Treiben in dem fast ausschließlich von Schwarzen bewohnten Viertel inspirierte Sekoto so sehr, dass er es zum Mittelpunkt seiner Kunst machte. Er zeigte in seinen Bildern das Leben der Armen und Unterpriviligierten ungeschönt, ohne in Mitleid zu verfallen, aber auch nicht teilnahmslos – eine zur damaligen Zeit seltene künstlerische Haltung. Dieser sozial engagierte Realismus ließ Sekoto nicht mehr los. Auch nach seiner Übersiedlung nach Paris 1947 war sein Schaffen von Motiven aus den Townships bestimmt. In Paris schlug sich Sekoto die ersten Monate mehr schlecht als recht durch und verdiente sein Geld als Barpianist.

Der Durchbruch als Künstler kam erst, als er als einziger Schwarzer an der Ausstellung „Contemporary South African Paintings, Drawings and Sculpture“ teilnahm, die 1948/49 in der Tate Gallery in London zu sehen war. Die Guildhall Gallery in Chicago kaufte einige seiner Werke. In der Folge wurde er vermehrt zu Gruppenausstellungen in Paris eingeladen. Einzelausstellungen in zahlreichen Museen und Galerien in Europa und den USA schlossen sich an, und allmählich wurde er in der Kunstszene der französischen Hauptstadt zu einem bekannten Mann.

Was sich durch den Aufenthalt in Frankreich nicht grundlegend änderte, war sein malerischer Stil: Der war, wie das heute in der Johannesburg Art Gallery verwahrte „Mädchen mit Orange“ (1943-44) bezeugt, bereits in Südafrika so ausgeprägt und reif, dass er im Laufe der Zeit nur noch einige wenige immanente Modifikationen erfuhr – von einem durch die Übersiedlung nach Paris hervorgerufenen künstlerischen Bruch im Schaffen Sekotos kann also nicht die Rede sein. Seine bevorzugten Motive behielt der Maler in Frankreich bei: die Menschen, Straßen, alltäglichen Szenen aus den Townships, die er nun aus der Erinnerung malte, denn er sollte nie wieder nach Südafrika zurückkehren.

Unter Sekotos frühen Gemälden ragen neben den auch dokumentarisch interessanten Township-Bildern vor allem seine einfühlsamen, eindringlichen Porträts heraus, so das bereits erwähnte „Mädchen mit Orange“ oder auch „Olga on Bernard’s Knee (The proud father)“. Ihr erzählerischer Realismus wird in seiner unmittelbaren Wirkung durch eine kräftig-expressive Farbpalette unterstützt und oft, zum Beispiel in „Two Friends“ von 1941 oder „Houses: District Six“ von 1943-45, von koloristischen Dreiklängen in einem leuchtenden Rot und Gelb und einem abgetönten Grün beherrscht. In den sechziger Jahren dann neigte Sekoto immer deutlicher zur Stilisierung der Formen, die Körper wurden flächiger, die Kompositionen in ihrer Anlage immer abstrakter. Wenn er Menschenansammlungen darstellte, waren die Arrangements zunehmend grafisch angelegt.

Sekotos Werke wurden schon zu seinen Lebzeiten in zahlreichen Museen und Galerien in Afrika und Europa gezeigt. Sie befinden sich in etlichen privaten und öffentlichen Sammlungen, gerade auch in Südafrika, wo unter anderen die Johannesburg Art Gallery, das Pretoria Art Museum, die South African National Gallery in Kapstadt sowie mehrere Universitäten das Schaffen des Exilanten ehren.

Gerard Sekoto starb im März 1993 in einem Altersheim in der Nähe von Paris.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1913 geboren in Botshabelo, Middelburg, Südafrika
Lehrerausbildung am Diozesan Training College/Pietersburg
1934-38 Unterricht an der Khaiso Secondary School in der Nähe von Pietersburg
1938 Umzug nach Sophiatown/Johannesburg
1947 Umzug nach Paris
1993 verstorben in Paris

Works

The Short Century (Kat.), Munich, London, New York

Published Written,
2001

Gerard Sekoto., My Life and Work

Published Written,
2000

Barbara Lindop, The Art of Gerard Sekoto

Published Written,
2000

Mona de Beer, Gerard Sekoto, in: Art & Artists of South Africa, An illustrated biographical Dictionary and historical survey of painters, sculptors & graphic artists since 1875, Cape Town

Published Written,
1983

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „South African Art: 1948 Till Now”, Michael Stevenson Contemporary Gallery, Kapstadt, Südafrika 2003 „Integrating Cultures“, Cotempoary Art Gallery, Kapstadt, Südafrika 2001 „The Short Century - Befreiungsbewegungen in Afrika“, Villa Stuck, München „The Short Century - Befreiungsbewegungen in Afrika“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 1988 Natalie Knight Gallery, Johannesburg, Südafrika Cassirer Fine Art, Johannesburg, Südafrika South African National Gallery, Kapstadt, Südafrika 1986 Academy Gallery, Paris, Frankreich Alliance Française, Pretoria, Südafrika 1984 South African National Gallery, Kapstadt, Südafrika 1980 Maison de l´Afrique, Paris, Frankreich Rand Afrikaans University, Johannesburg, Südafrika 1973 Galerie du Maraias, Bourges, Frankreich 1970 Gallery Randers, Stockholm, Schweden 1968 South African Association of Arts, Pretoria, Südafrika 1966 Adler Fielding Gallery, Johannesburg, Südafrika 1965 Piccadilly Gallery, London, Großbritannien Adler Fielding Gallery, Johannesburg, Südafrika 1964 Adler Fielding Gallery, Johannesburg, Südafrika 1963 Adler Fielding Gallery, Johannesburg, Südafrika 1962 Adler Fielding Gallery, Johannesburg, Südafrika 1961 Galleria Santo Stefano, Venedig, Italien Adler Fielding Gallery, Johannesburg, Südafrika 1960 Salon d´Automme, Paris, Frankreich Lawrence Adler Gallery, Johannesburg, Südafrika 1959 Lawrence Adler Gallery, Johannesburg, Südafrika 1958 Lawrence Adler Gallery, Johannesburg, Südafrika 1956 Galerie Art Primier, Paris, Frankreich 1955 Petit Palais, Paris, Frankreich Lawrence Adler Gallery, Johannesburg, Südafrika Galerie Reflets de Paris, Hôtel du Parc, Paris, Frankreich 1948 Tate Gallery, London, Großbritannien South African National Gallery, Kapstadt, Südafrika 1946 Gainsborough Galleries, Johannesburg, Südafrika 1944 Argus Gallery, Kapstadt, Südafrika Gainsborough Galleries, Johannesburg, Südafrika Jerome Gallery, Kapstadt, Südafrika 1943 Gainsborough Galleries, Johannesburg, Südafrika 1942 Duncan Hall, Johannesburg, Südafrika 1941 Selborne Hall, Johannesburg, Südafrika 1940 Gainsborough Galleries, Johannesburg, Südafrika Selborne Hall, Johannesburg, Südafrika 1939 Selborne Hall, Johannesburg, Südafrika Gainsborough Galleries, Johannesburg, Südafrika

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Gerard Sekoto - From the Paris Studio", Iziko-SA National Gallery, Kapstadt, Südafrika 1978 Galerie Art Premier, Paris, Frankreich 1975 Atlantic Art Gallery, Kapstadt, Südafrika 1969 Galerie Christiane, Paris, Frankreich 1968 Senegalese Embassy, Paris, Frankreich Galerie Marthe Nochy, Paris, Frankreich 1960 Galerie Saint-Placide, Paris, Frankreich 1950 Galerie Vincent, Pretoria, Südafrika 1949 Galerie Else-Clausen, Paris, Frankreich 1948 French Overseas Colonial House, Paris, Frankreich 1947 Gainsborough Galleries, Johannesburg, Südafrika 1939 Marlborough Gallery, Johannesburg, Südafrika

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)