Su-en Wong

Article Bio Works Projects
crossroads:
Frauen, Gender, Identität, Medien, Schönheit, Sexualität
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Malerei, Porträt)
region:
Asia, Southeast, America, North, Asia, Southeast
country/territory:
Singapore, United States of America, Malaysia
created on:
September 21, 2005
last changed on:
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information provided by:
Su-en Wong

Article

Nackte Wahrheiten oder hybride Vielfalt

Die nackt posierenden, irgendwie verloren wirkenden asiatischen Mädchen auf den Porträts von Su-en Wong scheinen den Betrachter zu beobachten. Was soll der davon halten? Wollen ihn diese Blicke provozieren oder faszinieren, soll er sich einlassen oder abwenden? Mit diesem irritierenden Spiel lockt die Künstlerin den Rezipienten und setzt sich ironisch mit der stereotypen Präsentation asiatischer Frauen in den Medien auseinander.
Das klassische Selbstporträt ist eine idealisierte und gesellschaftsfähige Darstellung. Man vergewissert sich darin seiner selbst, tritt nach Außen mit einem bestimmten gesellschaftlichen Impetus auf und distanziert sich gleichzeitig von anderen, konstruiert seine Identität. Der erotischen Malerei oder im weitesten Sinne „pornografischen“ Kunst kann man jedoch bis heute – abhängig vom Kulturraum – oft nur heimlich frönen. In der Vergangenheit versinnbildlichte ein weiblicher Akt oftmals ganz bestimme Weltanschauungen oder Konzepte. Eine nackte Frau stand beispielsweise als passive Weisheit des Orients dem männlich-erobernden Okzident gegenüber, sie symbolisierte die Unschuld angesichts der Korruption, die Scham angesichts der Lüsternheit. Heute hat der weibliche Akt eine ganz andere Funktion: Vor allem junge Künstlerinnen erforschen mit Hilfe des Selbstporträts ihre Identität und ihre verborgenen Wünsche. Nur zwei Namen seien hier genannt: Valie Export mit ihren Peformances und dem darin ausgedrückten radikalen Wunsch, den weiblichen Körper von den Ansprüchen der Gesellschaft zu befreien, und Carolee Schneemann, die in ihren Arbeiten darauf verweist, dass eine Frau weit mehr als nur Objekt männlicher Begierde ist. Sind auch die Arbeiten Su-en Wongs in diesem Kontext anzusiedeln?

Su-en Wong begibt sich mit ihrem Werk auf ein gefährliches Terrain. Sie thematisiert Sexualität oder die öffentliche Wahrnehmung von Sexualität und verweist mehr auf dieses vielschichtige und komplexe Thema, als eindeutig Stellung zu beziehen. Mit der Vorstellung , dass Feminismus mit einer Ent-Sexualisierung der Frau einherzugehen habe, setzt sie sich lustvoll-provokant auseinander und offenbart einen ganz eigenen Blick auf die Pornografie, der ihr erlaubt, Sexualität neu zu definieren. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass sie eine künstlerische Strategie entwickelt hat, um sich von dem alten feministischen Postulat, dass Sexualität eine Art Gefängnis sei, zu befreien.

Su-en Wong zeichnet meist pubertierende asiatische Mädchen, die ihr ähnlich sehen. Diese treten mal allein auf, ein anderes Mal in einer Gruppe auf einem Felsen, lüstern in einem Teich oder erwartungsvoll im Paradies. Oft sind sie mit wenig mehr bekleidet als mit einer Perlenkette und hochhackigen Schuhen. Dann wieder lässt sie wie bei „Beijing Green/Limelight“ 21 Mädchen nackt mit Mobiltelefonen telefonieren, lässt eine ganze Gruppe von Barmädchen an Stangen tanzen wie auf „Apple Green“ oder posiert selbst wie ein Go-go-girl. In ihren Selbstporträts setzt sie sich in üppigen Umgebungen in Szene: Am Wasser, dann inmitten von tiefem Grün, Rot, Pink und Blau. Sie trägt die Haare offen oder zu einem Pferdeschwanz gebunden, sie ist nackt oder hat ein Kostüm angezogen. Die Mädchen auf den Bildern scheinen ähneln sich auf den ersten Blick sehr, scheinen gar geklont zu sein: Doch mal wirken sie schüchtern und verletzlich, dann wieder verspielt und ernst, mal wie ein zu früh gealtertes Kind, dann wieder verführerisch wie Lolita. Su-en Wong stellt sich in vielerlei Posen dar, die nur als sexuell stimulierend bezeichnet werden können. Der Frauenkörper gerät so in einen starken Kontrast zu dem oftmals erdrückend-monochronen Hintergrund der Bilder, wenngleich die von ihr gewählten Farben und Bordüren Wärme und Geborgenheit suggerieren. In „Flamingo Dream“ strahlt ein Mädchen mit gespreizten Beinen und einem jungenhaften Körper etwas Erwachsenes und pure Lust aus – wäre da nicht der abwesende, etwas abschätzige Blick, der in auffallendem Widerspruch zur einladenden Geste ihres Körpers steht. Letzten Endes läuft der Prozess zwischen dem voyeuristischen Betrachter und der porträtierten nackten Frau auf ein Machtspiel hinaus, das wir aus unserer Kindheit kennen: Wer blinzelt als erster, wer schaut zuerst weg.

Die monotone Einfarbigkeit der Bildhintergründe verleiht den Porträts etwas Trauriges, sogar Schwermütiges. In „Gentlemen’s Grey“ spielt Su-en Wong mit unterschiedlichen und sich widersprechenden Vorstellungen: Einerseits verleiht eine kühle Farbgebung dem Bild eine Designästhetik, andererseits befriedigen die auf einem Tigerfell ausgestreckten nackten Frauen die „Hitze“ männlicher, möglicherweise perverser Fantasien. Insofern geht es ihr in ihren beharrlichen Selbstporträts immer auch um die Bloßstellung des männlichen Blicks. Mit ihren Arbeiten möchte Su-en Wong ein anderes Bild asiatischer Frauen in den Medien schaffen. Noch immer, sagt sie, sei der westliche Blick auf die asiatische Frau „sehr konservativ, rückständig und diktiert von männlichen Wunschvorstellungen“.

Die Sorgfalt, mit der Su-en Wong ihre Frauenakte malt, wird von Kunstkritikern stets betont. Jede Ritze, jeden Spalt ihres Körpers skizziert sie fein säuberlich und so, als würde sie den Körper Strich um Strich freilegen oder entblößen. Jeden Muskel, jede Falte zeichnet sie akribisch. Ihre Technik entwickelte sie schon in der Kindheit: Sie präpariert Papierbögen, bestreicht diese mit mehreren Schichten Wandfarbe, legt sich dann wie ein Kind mit dem Bauch auf das Papier und beginnt mit Buntstiften zu malen.

Nur - weshalb malt sie sich so oft selbst?
„Meine Arbeit ist eine unentwegte Selbsterforschung. Meine Selbstporträts sind wie die Chronik meiner physischen und psychischen Entwicklung zu lesen. Ich interessiere mich sehr für die Frage der Identität und in welchem Zusammenhang sie zur Geschlechterrolle, zum Alter und der Rasse steht. Zudem fasziniert mich der Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden. In meinen Arbeiten erforsche ich die komplexen und rätselhaften psychologischen Schichten, die wir während unserer Jugend ausformen und die uns auch als Erwachsener prägen.“

Von „Variationen“ spricht die Kunstkritikerin Shelly Bahl, von diversen Rollen, die Su-en Wong spielt, um die verschiedenen Stadien aufzuzeigen, die sie als Jugendliche durchlief. Darüber hinaus sei der Künstlerin bei diesen „Variationen“ daran gelegen, den Konflikt zwischen persönlicher Identität und gesellschaftlichen Ansprüchen zu formulieren. „Ambivalente kulturelle und sexuelle Bilder kollidieren in diesen Porträts – von der Lotosblume und dem Seidenkleid zu Roller Skates, vom Diadem zur lasziven Pose.“ Man könnte hinzufügen, vom Schulmädchen zu Beginn ihrer Karriere als Malerin bis hin zu den entblößenden Selbstinszenierungen legt sich Su-en Wong Schicht für Schicht und Bild um Bild ein Stück mehr frei.

Und wie lässt sich der stets ein wenig abwesende, verlorene Blick der Mädchen und Frauen auf den Porträts erklären? Sind es Hinweise auf eine Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit, nach verlorener Unschuld oder auf Erfahrungen von sexuellem Missbrauch?
Su-en Wong: „In meinen Arbeiten zeichne ich mich oft selbst als Frau, die sich gerade in einer heiklen Phase ihres Lebens befindet und verunsichert ist. Ich glaube, dass wir als Erwachsene ständig nach etwas suchen, was wir aus der Kindheit in die Welt der Erwachsenen hinüberretten wollen, und auch danach, wovon wir uns befreien wollen.“

Zum einen geht es Su-en Wong also um eine penible Erfassung der diversen Phasen, die ein junges Mädchen durchmacht, zum anderen um die Erfahrung zwischen den Welten und den Rollen, die ihr jeweils auferlegt werden. „In meiner Kindheit funktionierte ich in einem System der Homogenisierung. Meine eigenen Erfahrungen waren verschwommen und blieben dunkel. In meinen Bildern erinnere ich mich an diese starken, manchmal schmerzlichen Erfahrungen ... Mir wurde beigebracht, nach westlichen Idealen und Normen zu streben und wie man nach westlichen Vorstellungen zu leben hat, was schön ist und was Moral.“

Der Wunsch nach spielerischer Auflösung von Gegensätzen wie Ost und West, Identität und Gesellschaft, Fantasie und Realität, Opfer und Täter zieht sich durch alle Arbeiten von Su-en Wong. Sie scheint besessen zu sein von dem Gedanken, durch ihre Selbstporträts diese Gegensätze aufheben zu können. Kaum anders ist die Beharrlichkeit zu erklären, mit der Su-en Wong sich in unzähligen Porträts und einander ähnelnden Frauenakten immer wieder aufs Neue inszeniert.

Author: Alice Grünfelder

Bio

Born in Singapore 1973
Lives and works in Brooklyn, NY.Education

Education:
1997
M.F.A., Painting and Drawing; The School of the Art Institute of Chicago; Chicago, IL.
1994
M.A., University of Wisconsin-Madison; Madison, WI.
1993
B.A., Magna cum Laude; University of Puget Sound; Tacoma, WA.
1990
L.R.S.M., piano performance; The Royal School of Music, U.K.

Fellowships/Residencies/Grants:
2004
Artist Grant, New York Foundation for the Arts; New York, NY.
2000
Artist Grant, The Joan Mitchell Foundation; New York, NY.
Artist Grant, New York Foundation for the Arts; New York, NY.
1998
The Space Program, The Marie Walsh Sharpe Art Foundation; New York, NY.
The Millay Colony for the Arts; Austerlitz, NY.
1997
Skowhegan School of Painting and Sculpture; Skowhegan, ME.
1994
The Vilas Graduate Fellowship; University of Wisconsin-Madison, WI.


Academic/Visiting Artist Positions:
2003
Visiting Artist; Harvard University; Cambridge, MA.
2002
Visiting Artist; Maryland Institute College of Art; Baltimore, MD.
1999
Visiting Artist; Association of Independent Colleges of Art and Design; New York, NY.
1998
Visiting Artist; The Phillips Exeter Academy; Exeter, NH.
1997
J.R.Hyde Visiting Artist-in-Residence; The Memphis College of Art; Memphis, TN.
1995
Instructor; Painting and Drawing Department, The School of the Art Institute of Chicago, IL.
Instructor;
Early College Program, Continuing Studies, The School of the Art Institute of Chicago, IL.






Works

Group Exhibitions (Selected)

Exhibition / Installation
2005 “Spaces and Shadows”; Contemporary Art from South East Asia, The House Of World Cultures, Berlin “Insomnia Season”; The Institute of Contemporary Art, London, UK “Contemporary Erotic Drawing”; Diverse Works, Houston, TX, and The Aldrich Museum, Ridgefield, CT. (catalogue) “In Limbo”; Myhren Gallery, The University of Denver, Denver, CO (catalogue) 2004 “Open House: Working in Brooklyn”; The Brooklyn Museum of Art, Brooklyn, NY. (catalogue) “Beauty Matter”, Tina Kim Fine Arts, New York, NY. “Conceptual Realism”; The Rotunda Gallery, Brooklyn, NY. The Exit Art Print Show; Exit Art, New York, NY. “Insomnia 48” The Arts House Singapore; Theatreworks Sinagapore & Singapore National Arts Council. “First Happiness”; SUNY Albany Art Museum, Albany, NY. “Summer Love”; Zolla/Lieberman Gallery, Chicago, IL. “Colored Pencil”; K.S. Fine Art, New York, NY. 2003 “Full Frontal: Contemporary Asian Artists from the Logan Collection”; Denver Art Museum, CO. “Self-Portraits: A Vogue Portfolio”; Deitch Projects, New York, NY. “Online”; Feigen Contemporary. New York, NY. “Re:Figure”; William E. Gahlberg Gallery Arts Center, College of DuPage, DuPage, IL. (catalogue) “Woman On Woman”; White Box, New York, NY. 2002 “Proper Villains”, Space Untitled, New Haven, CT. “Bootleg Identity”; Caren Golden Fine Art, New York, NY. The Dubrow Biennial; Kagan Martos Gallery, New York, NY. “Artist to Artist: Celebrating the Marie Walsh Sharpe Art Foundation”; Ace Gallery, New York, NY. (catalogue) 2001 “Peppermint”; Smack Mellon, Brooklyn, NY. “Buying Time: Granting Inspiration”New York Foundation for the Arts/Sotheby’s New York, N.Y. “Luscious”; Zolla/Lieberman Gallery, Chicago, IL. 2000 The Kwangju International Biennale, North American Section; Kwangju, Korea. (catalogue) Exit Art, Collectors Choice; New York, NY. Galerie Schuster; Frankfurt/Berlin, Germany. (catalogue) “Nude and Narrative”; P.P.O.W. Gallery; New York, NY. “Private Worlds”; Art in General; New York, NY. 1999 Zolla/Lieberman Gallery; Chicago, IL. 1998 “Riley, Wong & Shore”; The Lamont Art Gallery; The Phillips Exeter Academy; Exerter, NH. “Wong & Maakestad”; Tobey Gallery; Memphis College of Art; Memphis, TN. 1997 “Figure Eight”; The Rockford Art Museum. Rockford, IL. “Coming Attractions”; Zolla/Lieberman Gallery; Chicago, IL. “Dilemma”; Asain American Showcase’97; Gary Marks Gallery; Chicago, IL. 1996 New Works Four Artists”; Art Saint Louis; Saint Louis, MO. “1996 International Juried Show”; New Jersey Center for Visual Arts; Summit, NJ. Spring Selections, Gallery 2; The School of the Art Institute of Chicago; Chicago, IL. 1995 “Regional ‘95” Juried Exhibition; Indianapolis Art Center; Indianapolis, IN. The Philip Morris “Singapore Art Awards" 1995 ” Exhibition"; Takashimaya Art Gallery; Singapore.

Solo Exhibitions

Exhibition / Installation
2006 Shoshana Wayne Gallery; Santa Monica, CA. 2005 The Contemporary Arts Museum; Houston, Texas. Artspace Witzenhausen; Amsterdam, Holland. 2003 Shoshana Wayne Gallery; Santa Monica, CA. Zolla/Lieberman Gallery; Chicago, IL. Savage Gallery; Portland, OR. (catalog) 2002 Deitch Projects; New York, NY. 2001 Savage Gallery; Portland, OR. 2000 The Art Gallery of Ontario; Toronto, Canada. (catalog) 1999 Stefan Stux Gallery; New York, NY. The Chicago Cultural Centre; Chicago, IL. 1997 Lyons-Wier Gallery; Chicago, IL. 1995 The Contemporary Art Workshop; Chicago, IL.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Räume und Schatten

Zeitgenössische Kunst aus Südostasien

(30 September 05 - 20 November 05)