Amewu

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genre(subgenre):
Musik (HipHop, Rap)
region:
Europe, Western
country/territory:
Germany
created on:
November 12, 2011
last changed on:
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 Amewu
Amewu © Jacob Erlenmeyer

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Rap ohne Getto und Gangsta

Man kann Amewu Nove mit Fug und Recht einen spirituellen Rapper nennen. Nicht nur, weil er meditiert und einen Track mit dem Titel „Lichttherapie“ aufgenommen hat. Sondern weil er keinen Satz rappt, ohne ihn zu durchdringen und in jeder Situation zu ihm zu stehen. Damit unterscheidet sich der Sohn eines Ghanaers und einer Deutschen klar von den Rappern, die die Berliner Szene im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende mit wenigen zugespitzten Attitüden und Getto- und Gangsta-Stories prägten. Als Junge mit Wut im Bauch gefiel es ihm zwar, dass sich die Stars des Labels Aggro Berlin Luft machten – doch er suchte nach einem Weg, das auf eine ehrlichere und vielschichtigere Weise zu tun. Ein Stück des US-HipHoppers Eligh von den West Coast-Underground-Stars Living Legends wies ihm dann den Weg zu einer anderen Art des Rappens: „Da ist mir klar geworden, dass man so komplexe Sachen wie eine Charakteranalyse in einer anspruchsvollen Raptechnik umsetzen kann.“
Zum HipHop kam Amewu durch ein paar CDs seines Stiefvaters– sein leiblicher Vater hatte die Familie verlassen, als er drei Jahre alt war. 1999 kaufte sich ein Mitschüler zwei Technics MK2-Plattenspieler und gemeinsam begannen die beiden Teenager, über Beats zu freestylen. Sein Freund verlor irgendwann die Lust, Amewu aber blieb dabei, nahm in seinem Jugendzimmer Tapes auf und perfektionierte seinen Rapstil – „eher einzelkämpfermäßig“, wie er sich erinnert. „Einzelkampf“ heißt auch ein Stück von seinem 2009 erschienenen Debütalbum „Entwicklungshilfe“: „Hab´ Ideale und gehör´ zu den Menschen, die das kämpfen lieben / Ich bin trotzdem immer friedlich / auch wenn ich dich niederringe“, rappt er hier.

Seine ausgefeilte Technik entwickelte er abseits der HipHop-Szene – und machte sich dann mit seinen rasant-virtuosen Raps bei Liveauftritten schnell einen Namen in der Community – damals noch unter dem Namen „Halbgott“. Seine Spezialität ist das schnelle, zungenbrechende Rappen. „Niemand drechselt die Doubletime-Flows so schnell, passgenau und verständlich wie der Berliner“, schreibt das Magazin „Juice“ und nennt ihn den „vielleicht präzisesten Rapper aus Deutschland“.

„Mich hat das immer fasziniert, wenn ich die erste Zeile schon vergessen hatte, wenn die zweite hinterher kam, weil man sich beim Hören extrem konzentrieren muss“, so Amewu. Konzentrieren, auf die Details achten, hinterfragen, um Bedeutung und Sinn ringen: Amewu macht es sich nicht einfach, wenn er an seinen Texten schraubt. „Ich geh Leuten auch damit auf die Nerven, dass ich zu viel darüber reflektiere“, sinniert er. „Ich schreib nicht einfach mal so was.“ Im Intro zu seinem Debütalbum, auf dem er unter anderem mit Chefket, Wakka und Team Avantgarde rappt, thematisiert er selbstbewusst seine Arbeit als Musiker und Texter, der sich die Zeit nimmt, seine Kunst mit Ruhe und Ausdauer auszuarbeiten: „Es hat lang gedauert – aber das hier ist der Zeitpunkt.“

Neben seiner Tätigkeit als Performer und Musiker gibt Amewu auch Rap-Workshops für Jugendliche. Eine Zeitlang studierte er an der Technischen Universität Kultur und Technik am Zentrum für Antisemitismusforschung mit dem Schwerpunkt Vorurteilsforschung. Als Afrodeutscher stellt er die eigenen Erfahrungen mit rassistischem Ressentiment jedoch nicht in den Vordergrund seiner Arbeit. „Dieses Migrationsding wird einem ja eher von außen aufgedrängt“, so Amewu, der HipHop eher als introspektive Auseinandersetzung sieht. „Man kann sich mit HipHop Probleme machen, die man vorher nicht hatte. Oder man kann Probleme verarbeiten, die man hat“, sagt er. „Ich versuche, den zweiten Weg zu gehen und möglichst positive Dinge zu erzeugen.“
Author: Christoph Twickel

Bio

Geboren 1983 in Berlin-Charlottenburg.

Works

Entwicklungshilfe

Published Audio,
2009
CD, Album. Edit Entertainment

Geisterbordell

Published Audio,
2004
EP. Mein Brenner

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Translating Hip Hop

(10 November 11 - 12 November 11)