Wen Hui

Article Bio Projects
additional name:
The Living Dance Studio
crossroads:
Demokratie, Gender, Identität, Moderne
genre(subgenre):
Performing Arts (Doku-Performance, Tanz, Tanz / Choreografie, Theater)
created on:
May 23, 2003
last changed on:
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Article

Ringen um die Autonomie des Ausdrucks

Im Kontext der Herausbildung einer unabhängigen Kunst- und Kulturszene Chinas angesiedelt, ist das Living Dance Studio in Beijing, 1994 von der Choreographin Wen Hui gegründet, ein wichtiger Faktor bei der Erarbeitung neuer szenischer Formen. Die Aktivitäten des Living Dance Studio werden zwar staatlich geduldet, aber nicht gefördert. Aufführungen finden im Rahmen privater Einladungen statt. Die 1999 entstandene, bekannteste Produktion des Living Dance Studio, “Report on Giving Birth”, zeichnet ein Panorama der Umbrüche und Wechselfälle der chinesischen Gesellschaft der letzten 50 Jahre aus der Sicht von Frauen.
Die Entstehung unabhängiger Kunstzirkel in der Volksrepublik China ist ein bis heute schwieriger Prozess, der erst in den neunziger Jahren in Schwung kam, dann aber auch rasch international wahrgenommen wurde. Waren zunächst Bildende Kunst und das Kino Vorreiter (mit “Das Kornfeld” und “Die Rote Laterne” gewannen um 1990 chinesische Filmepen Preise auf Filmfestivals der A-Kategorie), war es im Bereich von Tanz und Theater schwieriger, Genres jenseits der klassischen tradierten Formen zu entwickeln und in den Westen zu kommunizieren.

1996, beim Festival Theater der Welt in Dresden, war das 1993 gegründete “Xu Ju Che Jian”, das “Theater Garage” aus Beijing mit einer Produktion des Regisseurs Mou Sen zu sehen, der seit 1987 freies, dokumentarisches Theater macht. Die Tänzerin Jin Xing, 2002 beim ersten Berliner InTransit-Festival in der Produktion “Person to Person” zu sehen, hatte 1994 gegen erhebliche Widerstände ihre unabhängige Modern Dance Company in Shanghai gegründet.

Ebenfalls 1994 rief die Choreographin Wen Hui in Peking das Living Dance Studio ins Leben, eine der wenigen experimentellen Einrichtungen dieser Art in China überhaupt. Es versteht sich eher als kollektives Arbeitsforum für Choreographen und andere Künstler aus dem Bereich der Performing Arts. Zum Ziel gesetzt hat es sich eine Reflexion der aktuellen chinesischen Gesellschaft mit den Mitteln eines neuen, multimedial und interdisziplinär geprägten Tanztheaters, welches die herkömmliche stilistische Orientierung überwindet. “Für mich ist moderner Tanz ein Ausdruck von Identität, eine Interpretation des eigenen Lebens”, sagt Wen Hui.

In Übereinstimmung mit dem wachsenden Interesse an Formen der Wahrnehmung persönlicher Lebensschicksale und individuellen Erlebens von Geschichte und gesellschaftlichen Veränderungen hat Wen Hui im Rahmen des Living Dance Studio das Projekt “Report on Giving Birth” initiiert. Es ist auf Grundlage vieler Einzelinterviews mit Frauen entstanden, die ein oder mehrere Kinder zur Welt gebracht haben. Vertreterinnen aller sozialen Schichten und Berufsgruppen im Alter zwischen 20 und 90 Jahren wurden über ihr Geburtserlebnis befragt und darüber, wie sie sich in dem jeweiligen gesellschaftlichen Makroklima (sozialistischer Gesellschaftsumbau, Kulturrevolution, sozialistischer Kapitalismus, Marktorientierung) eingebracht haben.

Inszeniert mit zahlreichen anderen Bühnenmitteln, audiovisuellem Material und einem Skript der Schriftstellerin Feng Dehua sowie Filmmaterial des renommierten Dokumentarfilmers Wu Wenguang, stellen “Report on Giving Birth” und die Arbeit des Living Dance Studio einen wichtigen Entwicklungsschritt des unabhängigen Tanztheaters in China dar. 1999 uraufgeführt, wurde “Report on Giving Birth” bei zahlreichen europäischen Festivals und Theatern gezeigt.
Author: Franz Anton Cramer

Bio

Wen Hui wurde 1960 in der chinesischen Provinz Yunnan geboren. Sie begann ihre Ausbildung zunächt im Bereich der traditionellen Tanztechniken an der Kunsthochschule von Yunnan (1974 bis 1980). 1985 bis 1989 wurde sie an den Fachbereich Choreographie der Pekinger Tanzakadmie zugelassen. Weitere Ausbildungsstationen waren das Limón Institute, die Erik Hawkins School of Dance sowie die Trisha Brown Company, alle in New York. Auf der Grundlage dieser reichen künstlerischen Erfahrungen choreographierte Wen Hui für das “Oriental Song and Dance Ensemble of China”, ehe sie 1994 das Living Dance Studio gründete. Es kommt vollständig ohne staatliche Zuwendung aus, die Produktionen dürfen in der Regel nicht öffentlich gezeigt werden. Die Arbeit von Wen Hui findet daher in einer halböffentlichen Grauzone staatlicher Duldung statt.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

LIFT Seekers Programme

(12 May 06 - 12 May 08)

IN TRANSIT 2003

Customs – Nothing to declare

(30 May 03 - 14 June 03)