Gina Athena Ulysse

Article Bio Works Projects www
crossroads:
Dekonstruktion, Kolonialismus, Macht, Spiritualität, Stille, Vodou
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Malerei)
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Dichtung, Essay, Vorlesung)
Medienkunst (Multimediainstallation)
Performing Arts (Performance)
region:
America, Caribbean, America, North
country/territory:
Haiti, United States of America
created on:
August 31, 2004
last changed on:
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information provided by:
Gina Athena Ulysse
copyright: Andy Vernon-Jones

Article

Ich wuchs auf kolonialisiert / jetzt ist meine Seele müde / und ich fühle all diese Wut

Gina Athena Ulysse, geboren 1966 in Pétionville/Haiti, aufgewachsen in den USA, schwarzfeministische/antikolonialistische Aktivistin und Kulturwissenschaftlerin mit Spezialgebiet Frauen/Karibik. Lyrikerin, Malerin und Performance- Künstlerin. Seit 2001 Assistenzprofessorin für Afroamerikanische Studien und Anthropologie an der Wesleyan University, Middletown/Connecticut, USA.
Gina Athena Ulysse spricht von sich selbst als Wanderin zwischen den Disziplinen. Daher kann sie als Wissenschaftlerin, die auch als Aktivistin und Künstlerin arbeitet, beschrieben werden, oder umgekehrt als Aktivistin und Künstlerin, die sich auch wissenschaftlich betätigt. Ihre frühe Jugend verbrachte sie auf Haiti, anschließend kam sie mit ihrer Familie in die USA. Aufgewachsen an der Ostküste, promovierte sie 1999 an der Universität Michigan im Fach Anthropologie mit einer Arbeit über die Symbolik von sozialer Klasse und Hautfarbe auf Jamaika. Seit 2001 arbeitet sie als Assistant Professor für Afro-Amerikanische Studien und Anthropologie an der Wesleyan University/Middletown (Connecticut, USA). Seit 1998 veröffentlicht sie Gedichte und betätigt sich als Bildende Künstlerin.

Innerhalb kurzer Zeit hat sich Ulysse als eine der wichtigsten Stimmen innerhalb der Gruppe afrokaribischer Schriftsteller und Poeten in den USA etabliert. Neben der Romanautorin Edwige Danticat (*1969), mit der sie auch bei Buchprojekten zusammenarbeitet, gehört sie zu den herausragenden Vertretern ihrer Generation und ihrer Abstammung. Seit der Kindheit war Schreiben ein wesentlicher Teil ihres Alltags. Ihre ersten Veröffentlichungen finden sich in High School- und College-Publikationen.
Seit dem Beginn ihres Graduiertenstudiums wuchs die Lyrik zu einem immer wichtigeren Medium künstlerischen Ausdrucks. An der Universität Michigan wurde sie Mitglied einer Lyrikervereinigung von Studenten, die unter dem Namen „Four Big Badass Women, One mean Queen and a Couple of Boys“ auftrat. Seit 1991 hatte sie daneben schon an verschiedenen Orten an Lesungen teilgenommen. In dieser Zeit begann sie auch ihre ersten Werke auf dem Gebiet der Bildenden Kunst. Sie malt, fotografiert, stellt Collagen her und Arbeiten, die Bild und Text verbinden.

Ihre ausdrucksstarken poetischen Texte mischen Sprachen (Englisch und Kreolisch) und überwinden die Grenzen wissenschaftlicher Wirkungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Kulturanthropologie. Sie benutzt spoken word poetry als „alterednative“ Form der Ethnographie, um die in strukturalen Untersuchungen oftmals außen vor bleibende „Bauch“-Dimension von Geschichte und Kultur zu verdeutlichen. Sie benutzt dieses Genre zur künstlerischen Verarbeitung ihrer eigenen, sich überschneidenden Identitäten, aber auch zur Auseinandersetzung mit sozialer Gerechtigkeit und Spiritualität sowie als Forum, um ihrer Wut über die Auswirkungen und die Schrecken des an vielen Stellen dieser Welt weiterhin vorhandenen (Post-)Kolonialismus Ausdruck zu verleihen.

Zu ihren wichtigsten Gedichten gehören “Concepts of Home” (2004), “I Came of Age Colonized Now my Soul is Tired and I am feeling All this Rage” (2002), “A Poem about why I can’t wait / going home again and again and again“ (2003), “Homage to Those Who Hollered Before Me” (2003), “Water Spirits and Revolutionary Barbies” und “Ode to the Metres: On Going Home and Learning How to Glide” (2003).

Auf wissenschaftlichem Gebiet beschäftigt sich Gina Athena Ulysse mit politischer Ökonomie, Postkolonialismus, Geschlechtsrepräsentation, Rassen- und Sozialverhalten im Kontext der schwarzen Diaspora. In ihrer Doktorarbeit beleuchtete sie die Dialektik zwischen dem Unternehmertum jamaikanischer Frauen, die als unabhängige internationale Händlerinnen agieren und den modischen Selbstdarstellungen. Das Ergebnis ist eine politisch-ökonomische Studie über die Arbeit und das Verhalten weiblicher inoffizieller Im- und Exporteure in Kingston (Jamaika).

Teilergebnisse dieser umfassenden Untersuchung hat sie in mehreren Artikeln veröffentlicht, so 2002 “Conquering Duppies in Kingston: Miss Tiny and Me, Fieldwork Conflicts and Being Loved and Rescued”, in: Anthropology and Humanism, Bd. 27/1:10-26, und 2004 “Uptown Ladies and Downtown Women – Female Representations of Class and Color in Jamaica”, in: Research Review 5, African Caribbean Institute of Jamaica (ACIJ), The Institute of Jamaica, Kingston.
Author: Alexander Knaak

Bio

Gina Athena Ulysse wurde am 20. Oktober 1966 in Pétionville/Haiti geboren. Nach einigen Jahren emigrierte ihre Familie in die USA, wo sie sich an der Ostküste niederließen. Dort ist sie aufgewachsen, und lebt – seit dem Abschluss ihrer Studien an der Universität Michigan – wieder dort, in Middletown/Connecticut. Sie erwarb 1991 einen B.A. (Bachelor of Art) Abschluss am Upsala College in Anthropologie und Englisch (magna cum laude) und 1995 einen M. A. (Magister Artium) in Anthropologie an der Universität Michigan. Dort promovierte sie 1999 mit einer Dissertation zum Thema: “Uptown Ladies and Downtown Women: Informal Commercial Importing and the Social and Symbolic Politics of Class and Color in Jamaica”, eine schwarz-feministische Ethnographie zur Arbeit und der modischen Selbstinszenierungen weiblicher Händlerinnen, bekannt als Informal Commercial Importers (ICI). Seit 1995 arbeitete sie als Lehrbeauftragte an der Universität Michigan am Center for African American Studies. 1999 erhielt sie einen Ruf als Assistant Professor for African American Studies am Bates College, 2001 übernahm sie eine Assistenzprofessur für die gleiche Disziplin im Fachbereich Anthropologie an der Wesleyan University.

Sie unterrichtet derzeit haitianische Anthropologie, schwarzfeministische Theorie und Praxis, Farbigkeit in der Karibik, zeitgenössische anthropologische Theorie, Haiti – Mythos und Realität sowie die kritische Lektüre geschlechtlicher Verhaltensdarstellungen.

Gina Athena Ulysse hat vor kurzem ihr erstes Langgedicht unter dem Titel „I Came of Age Colonized then Rodin’s Kiss became Dambala and Aidowedo“ im Manuskript abgeschlossen und bereitet es zur Publikation vor. Bereits in Druck ist die überarbeitete Fassung ihrer Dissertation, „Downtown Ladies – Informal Commercial Importing and Self-Fashioning in Jamaica“. Sie beinhaltet die Ergebnisse ihrer Feldforschung in Jamaika, die sie zwischen 1992 und 1998 durchführte.

Ein größeres Projekt von G. Ulysse für 2004ff. nennt sich „Illuminating the past“. Es steht in Verbindung mit dem 200jährigen Jubiläum der Sklavenrevolte auf Haiti (1804) und dem internationalen Boykott der Feierlichkeiten auf Haiti im Januar 2004. Als alterednative (verändert-eingeborenes) narratives, ethnogeschichtliches Multimedia-Projekt soll ein reales Labyrinth entstehen, das – ganz in Dunkel gehüllt – nur einige von einheimischen (haitianischen) Handwerkern hergestellte Lämpchen erhellen. Neben den Lämpchen finden sich jeweils Texte bzw. Materialien, die eine alternative Geschichtsdarstellung wiedergeben. Besucher sollen vor dem Betreten des Labyrinths nach ihrem bisherigen Wissen über die Geschichte Haitis befragt werden. Nachdem sie das Labyrinth durchlaufen haben, werden sie in einem processing centre nach ihrer jetzt veränderten (oder nicht veränderten) Sicht auf die haitianische Geschichte befragt, die Antworten sollen dokumentiert werden.

Das Konzept geht zurück auf eine Untersuchung des Kulturwissenschaftlers Michel-Rolph Trouillot aus dem Jahre 1996 (Silencing the Past – Power and the Production of History). Dieser hatte der westlichen Geschichtsschreibung vorgeworfen, die reale Geschichte Haitis zu verfälschen und verfälscht im öffentlichen Bewußtsein verankert zu haben (durch ihre entsprechende Darstellung in den wissenschaftlichen und populären Medien).

Im „Illuminating the Past“-Labyrinth sollen folgende Schwerpunkte gesetzt werden: die geschlechtsspezifische Teilnahme an der haitianischen Revolution von 1804 (der einzigen erfolgreichen Sklavenrevolte der Neuzeit), die anschließende sechzigjährige Isolation Haitis durch die ehemalige Besatzungsmacht Frankreich und ihre Verbündeten, den 90 Millionen Francs-Tribut, den der französische König Charles X. Haiti auferlegte, um die Unabhängigkeit anzuerkennen, den Abzug erheblicher Finanzmittel nach der Revolution durch deutsche, britische und italienische Handelskonzerne, die die haitianische Wirtschaft dauerhaft zum Erliegen brachten, die Geschichte der wiederholten Seeblockaden gegen Haiti durch die US-Marine sowie die kulturelle Überlieferung verschiedener Afrikanismen im haitianischen Vodou (die Schreibweise Voodoo ist mit der westlich-verfälschten Überlieferung dieser autochthonen Religionsform konnotiert und wird daher abgelehnt).

Die Installation „Illuminating the Past“ soll weltweit gezeigt werden, parallel dazu soll es eine permanente Version auf Haiti geben.

Works

Zeitschriftenartikel

Published Written
2004 “Uptown Ladies and Downtown Women: Female Representations of Class and Colour in Jamaica.” Reprint. Research Review Nr. 5, African Caribbean Institute of Jamaica (ACIJ), The Institute of Jamaica, Kingston. (in Druck) 2002 “Conquering Duppies in Kingston: Miss Tiny and Me, Fieldwork Conflicts and Being Loved and Rescued.” Anthropology and Humanism. Vol 27 no. 1. 10-26

Ethno-Performances / Poetry Readings

Production / Performance
2004 “ Concepts of Home” Reading at Centre for Caribbean Thought Conference in honor of Stuart Hall. University of the West Indies, Kingston, Mona, Jamaica. June 19th. 2004 “I Came of Age Colonized and Now I’m Feeling all this Rage” Invited speaker Department of Anthropology and African American Studies, University of Florida, Gainesville, Florida. April 4th. 2002 “Going Home Again and Again.” Invited reading, African Studies Program Conference, Central Connecticut State University, New Britain, Connecticut, November. 2002 “I Came of Age (Excerpts).” Invited reading, Festival of Caribbean Literature, Hartford Public Library, Hartford, Connecticut, September 21. 2002 “Concepts of Home.” Invited reading, Multicultural Center, Carleton College, Northfielfd, Minnesota, May 17. 2000 “I Came of Age (Excerpts).” Invited reading, PRISM Conference, Emerson College, Boston, Massachusetts, February 26.

Beiträge in Sammelbänden und Lexika

Published Written
2004 “Women Traders of the Caribbean” Encyclopedia of African American Culture and History: The Black Experience in the Americas. Colin Palmer, editor. New York: Macmillan. (im Druck) 2003 “Cracking the Silence on Reflexivity: Negotiating Identities, Fieldwork and the Dissertation in Ann Arbor and Kingston.” In Decolonizing the Academy: Diaspora Theory and African New World Studies. Carol Boyce-Davies, editor. Princeton, New Jersey: Africa World Press. 285-301 1999 “Uptown Ladies and Downtown Women: Female Representations of Class and Color in Jamaica.” In Representations of Blackness and the Performance of Identities. Jean M. Rahier, editor. Connecticut: Greenwood Press. 147-172.

Kurzmonographien

Published Written
1997 Democracy in Haiti: A Strategic Assessment. Michel-Rolph Trouillot, Michel Acacia, Gina Ulysse, Ira Lowenthal and Malcolm Young. Submitted by Development Associates Inc. Port-au-Prince, Washington D.C: USAID. 1996 Informal Markets Location and Relocation Survey: Metropolitan Parks and Markets Informal Markets Location and Relocation Programme Study. Stephen Rodrigues and Gina Ulysse, co-authors. Metropolitan Parks and Markets, Urban Development Center. Kingston, Jamaica.

Im Web

Published Written
1999 “In Their Own Words: Persistent Patriarchies across Parties: How Women Maneuver South Africa’s Parliament” www.womensnet.org.za/election/gina.htm 1996 “Survival Kit for the Field” www.umich.edu/`newsinfo/MT/97/Fal97/mt14f97.html

Gedichte

Published Written
2005 “My Country in Translation” in Resisting Racism and Xenophobia: Global Perspectives on Race, Gender, and Human Rights. Faye V. Harrison, editor. New York: Alta Mira Press. (im Druck) 2005 “The doorway series’ in Resilience and Resistance: Women of Color Respond to Violence. Maria Ochoa and Barbara Ige, editors. (Im Druck) 2004 “Concepts of Home” in Women on the Verge of Home. Bilinda Straight, editor. Albany: State University of New York. (im Druck) 2003 “Water Spirits and Revolutionary Barbies” and “Ode to the Metres: On Going Home and Learning How to Glide” Ma Comere vol 5. 2003 “Homage to Those Who Hollered Before Me” in Meridians: Feminism, Race and Transnationalism. Vol 3 no 2 March. 2002 I Came of Age Colonized (Excerpts) Jouvert: A Journal of Postcolonial Studies http://social.chass.ncsu.edu/jouvert/v7is1/con71.htm 2001 “A Poem About Why I Can’t Wait: Going Home Again and Again and Again” in The Butterfly’s Way: Voices From the Haitian Diaspora in the United States” Edwidge Dandicat, editor, New York: Soho Press. 1999 Concepts of Home (excerpts) http://haitiforever.com/windowsonhaiti/gina.shtml

Artikel

Published Written
2002 Short Takes no. 5, Association for Feminist Anthropology. Anthropology News December. 1999 Classing the Dyas: Can the Dialogue be Fruitful? Haitian Times. October 27. 1999 In Their Own Words: Persistent Patriarchies across Parties: How Women Maneuver South Africa’s Parliament. www.womensnet.org.za/election/gina.htm

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Black Atlantic

(17 September 04 - 15 November 04)

Www

Offizielle Webseite