Antonio Olé

Article Bio Works Projects
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie, Fotomontage)
Film (Dokumentarfilm, Video)
region:
Africa, Central
country/territory:
Angola
created on:
July 9, 2003
last changed on:
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Wände fangen an zu sprechen

Antonio Olé, 1951 in Luanda geboren, zählt zu den bedeutendsten Künstlern Angolas. Der international renommierte Fotograf und Filmemacher hat in zahlreichen Dokumentarfilmen und Fotoserien ein reiches Panorama der jüngeren Geschichte seines Landes geschaffen. Seine Werke sind in Ausstellungen, auf Festivals und Kunst-Biennalen in aller Welt zu sehen. Der konzeptuelle, ästhetisch streng einheitliche Stil Olés verleiht seinem Schaffen den Charakter eines unverwechselbaren, in sich geschlossenen Oeuvres.
Der Maler, Fotograf und Filmemacher Antonio Olé gehört zu jenen angolanischen Künstlern, die weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt geworden sind. Seit zwanzig Jahren zirkulieren seine Werke im internationalen Kunstbetrieb. 1984 waren Arbeiten von Olé zum ersten Mal außerhalb Angolas zu sehen, im Museum of African American Art in Los Angeles. Seitdem hat der Künstler an Ausstellungen in aller Welt teilgenommen: 1987 war er auf der São Paulo Biennale vertreten, danach folgten Ausstellungen in Glasgow, Harare, Lissabon, Jerusalem und Berlin. Dreimal gastierte Olé auf der Havanna-Biennale (1986, 1988 und 1997) und zweimal auf der Johannesburg Biennale (1995, 1997). 1992 stellte er im Afrika-Pavillon der Expo in Sevilla aus, 2003 wurden Olés Fotoserien im Rahmen der Venedig-Biennale in der Sonderschau „Structure of Survival“ gezeigt.

Antonio Olé wurde 1951 als Sohn einer halb angolanischen, halb portugiesischen Familie in Angolas Hauptstadt Luanda geboren. Schon als junger Mann bildete er sich autodidaktisch in der Fotografie weiter, später absolvierte er ein Studium am American Film Institute in Los Angeles. Seit 1975 hat er neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch Videos und Dokumentarfilme über das Leben in Angola gedreht und gilt heute als einer der wichtigsten Chronisten der jüngeren Geschichte seines Landes.

Zu Anfang seiner künstlerischen Laufbahn beschäftigte sich Olé hauptsächlich mit der Fotomontage. „Unfälle“ nannte er einmal die Werke, die er damals schuf. Erst später wandte er sich der quasi neutralen Fotografie zu, mit der er weithin bekannt geworden ist: Es entstanden Fotoserien, auf denen er angolanische Großfamilien porträtierte oder bestimmte Themen metaphorisch darzustellen versuchte – wie etwa in dem Projekt „Das Salz“, in dem er unterschiedliche Aspekte der Gewinnung und des Verbrauchs von Salz beleuchtete.

Oft dauert die Arbeit an diesen Vorhaben über Jahre an. Eines der Langzeitprojekte, durch die Olé sein Renommé erlangt hat, ist die Fotoserie „Wände“, für die der Künstler Bilder von Fassaden von Hütten und kleinen Wohnhäusern in einer Reihe anordnete. In dieser Serie tritt das Leitmotiv der Kunst von Antonio Olé besonders deutlich zutage: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Angolas. Die „Wände“-Bilder sind Bilder des Verfalls, der Zerstörung und des Krieges, aber auch Bilder des Überlebenswillens, des Trotzes, der Hoffnung und des Neubeginns. Obgleich Olé jedwede politische Intention abstreitet, führen diese Arbeiten die Misere seines Heimatlandes eindringlich vor Augen.

Gleichzeitig offenbart die „Wände“-Serie den konzeptuellen Charakter in Olés schöpferischer Methode. Ähnlich wie bei den deutschen Fotografen Bernd und Hilla Becher sind Gebäude und Fassaden bei Olé stets von ein und demselben Standpunkt auf ein und dieselbe Art aufgenommen: streng en face, symmetrisch-mittig komponiert, häufig in einer leichten Untersicht, die bewirkt, dass das Motiv das Bildformat vollständig ausfüllt. Diese Fotografien besitzen ein weiteres Merkmal, das sich auch bei den Bechers finden lässt: Immer sind die Bilder menschenleer, auf ihnen scheint alles Lebende abwesend.

Damit erreicht Olé eine Konzentration des Blicks, die durch kein optisches Beiwerk von der zentralen Bildaussage abgelenkt wird. Unweigerlich vertieft sich der Betrachter in die schrundigen, aufgebrochenen, bröckelnden Oberflächen des Putzes, starrt in leere Fensterhöhlen und Türöffnungen. Die Reste der abgeplatzen Farbe verleihen den Fassaden noch zusätzlich Ambivalenz, die zwischen Heiterkeit, Chaos und Morbidität schwankt.

Die Arbeiten Olés sind in zahlreiche private und öffentliche Sammlungen eingegangen, so in das Museu de Angola in Luanda, das Wilfredo Lam Centre in Havanna, das Detroit Institute of Arts und das Museum of African American Art in Los Angeles.

Olé lebt und arbeitet in Luanda.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1951 in Luanda, Angola, geboren
Ausbildung zum Filmemacher am American Film Institute, Los Angeles
Lebt und arbeitet in Luanda

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2006 „The Great Wall 2006”, The Great Wall, Hamburg „Africa Remix”, Mori Art Museum, Tokio, Japan 2005 „Africa Remix”, Centre Pompidou, Paris, Frankreich „Africa Remix”, Hayward Gallery, London, Großbritannien 2004 „Afrika Remix”, Museum Kunst Palast, Düsseldorf 2003 „Dreams and Conflicts:The Dictatorship of the Viewer“, Biennale Venedig, Venedig, Italien 2001 „The Short Century”, Haus der Kulturen der Welt, Berlin „The Short Century”, Villa Stuck, München „Mens Momentanea”, BARAKK, Berlin 1998 „Eye Africa”, S.A. National Gallery, Kapstadt, Südafrika 1997 „6. Biennale Havanna 1997“, Biennale Havanna, Havanna, Kuba 2000 „L´Afrique à Jour”, Biennale de Dakar, Dakar, Senegal 1997 „Alternating Currents”, 2nd Johannesburg Biennial, Johannesburg, Südafrika „Die Anderen Modernen“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin „Havana Biennale“, Havana Biennale, Havanna, Kuba 1996 „Remote Connections”, Art Focus, Zürich, Schweiz 1995 „Johannesburg Biennale”, Johannesburg Biennale, Johannesburg, Südafrika 1987 „São Paulo Biennale”, São Paulo Biennale, São Paulo, Brasilien 1986 „Havana Biennial”, Havana Biennial, Havanna, Kuba

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)

Die Anderen Modernen

Contemporary Art from Africa, Asia & Latin America

(08 May 97 - 27 July 97)