Chefket

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crossroads:
Ambivalenz
genre(subgenre):
Musik (HipHop, Rap)
region:
Europe, Western
country/territory:
Germany
created on:
November 15, 2011
last changed on:
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 Chefket
Chefket © Viktor Strasse

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Es gibt die eine Wahrheit nicht

„Am liebsten hätte ich ein Studio, wo ich den ganzen Winter verbringen kann. Und im Sommer würde ich dann nur live auftreten.“ Chefket ist ein Rapper, der viele Seiten hat. Gut, das haben wir alle. Aber, und das ist vermutlich der größte Unterschied zu anderen Rappern, er lebt sie alle aus. Während seine Kollegen meist darauf achten, ein möglichst eindimensionales Bild von sich zu zeichnen, das auch der Letzte sofort kapiert, hält Chefket anstrengende Gegensätze aus – in seiner Musik wie in seinem Leben. So ist es für den Sohn türkischer Eltern, der im beschaulichen Heidenheim im Süden Deutschlands aufgewachsen ist, auch kein Widerspruch, gleichzeitig gläubiger Muslim zu sein und das Fastengebot im Ramadan einzuhalten, auf Partys aber sehr wohl Alkohol zu trinken und zu rauchen.
Was seine Musik angeht, fühlt er sich auf der Bühne eines Freestyle-Wettbewerbs (von denen er nicht wenige gewonnen hat) ebenso zuhause wie bei spontanen Auftritten auf der Straße, nur mit einem Mikrofon und einem portablen Verstärker ausgerüstet. Als Produkt sieht er seine Musik nicht. Obwohl er seit über zehn Jahren aktiv Musik macht, hat er erst ein Album mit dem bezeichnenden Titel „Einerseits Andererseits“ herausgebracht.

In seinen Raps geht es ihm darum, verschiedene Sichtweisen abzubilden und in einen Dialog miteinander treten zu lassen. Es gibt nicht die eine Wahrheit, die von der Kanzel gepredigt wird, kein klares Gut-Böse-Schema. In seinen Reimen verschwimmen die Grenzen. Die zwischen Wahrheit und Lüge, Skepsis und Hoffnung, Selbstkritik und Kritik an anderen. Statt andere Rapper zu beleidigen oder zu erniedrigen, geht Chefket dahin, wo es weh tut und schwierig wird, sucht nach dem Sinn, nach sich selbst, nach Erlösung und Seelenruhe. Das alles aber ohne den berüchtigten Zeigefinger, ohne eine steife Belehrungshaltung und ohne kitschige Phrasen. Sondern mit aufrichtiger Leidenschaft und dem, worauf es bei einem Rapper am meisten ankommt: Massenhaft Skills. Den Titel des „End of the weak“-Freestyle-Champions trägt er schließlich nicht nur so zum Spaß.

„Ich will zeigen, was HipHop alles kann, Gefühle wecken, Stimmungen erzeugen.“ Seine Laufbahn als Rapper schlug er mit 14 ein. Damals hing Chefket oft bei seinem Kumpel ab, einem DJ, und rappte sich durch dessen Plattensammlung. Diese umfasste nicht nur Rap-Platten, sondern auch Drum & Bass, Funk oder Downbeat – der Phantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt. Chefket war es vollkommen egal, welche Musikrichtung gerade lief. Ihn interessierte nur eines: Wo ist die freie Stelle, um darauf zu rappen? Im Grunde hat sich daran bis heute nicht viel geändert. Er sucht nach wie vor freie Stellen zum Rappen, in jeglicher Hinsicht. „Meine Musik ist sehr zugänglich, ich grenze niemanden aus und bewege mich nicht nur in einem HipHop-Mikrokosmos.“

In der Folge nahm er auch eigene Rapsongs auf und brannte diese auf unzählige CDs. Doch die Provinz wurde ihm irgendwann zu eng. Mit 22 packte er seine Koffer und zog nach Berlin. Hier beginnt seine musikalische Sozialisation erst so richtig. Er lernt die Ohrbooten kennen, die zwar nicht direkt Rap machen, mit ihrem Sessionansatz, ihrer – im wahrsten Sinn des Wortes – Straßenmusik aber möglicherweise viel mehr HipHop sind als manche Studiogangster. Ihre Spontaneität prägt ihn nachhaltig, er fängt an, zu freestylen und lernt die Berliner Musikerszene kennen. Der Rest ist Geschichte. Die Chefket-Geschichte, voller Gegensätze und Widersprüche. Genau wie das Leben.
Author: Oliver Marquart

Works

Einerseits Andererseits

Published Audio,
2009
edit ent.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Translating Hip Hop

(10 November 11 - 12 November 11)

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