Csaba Szentesi

Article Projects
crossroads:
Alltag, Geschichte, Globalisierung, Konsumverhalten
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Collage, Fotografie, Grafik, Installation, Malerei)
region:
Europe, Eastern
country/territory:
Hungary
created on:
January 21, 2007
last changed on:
Please note: This page has not been updated since May 19, 2008. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Csaba Szentesi
Csaba Szentesi. Courtesy of the artist.

Article

Fresken der Alltagskultur

Künstlerische Interventionen und Re-Integrationen, der kreative Umgang mit den Dingen des Alltags und der Umwelt, die als objets trouvéts dem ursprünglichen Zusammenhang entführt, gesamplet und neu interpretiert werden: Dies sind die Techniken, mit denen der ungarische Künstler Csaba Szentesi in Collagen, Malereien, Installationen und Fotografien arbeitet. Dabei werden scheinbar nebenbei auch Fragen des Umgangs mit der Geschichte oder der Globalisierung angesprochen.
In der Werkreihe „Dutch-German Imported Clothes by Weight“ (2007) werden T-Shirts zum künstlerischen Ausgangsmaterial und zum Vehikel einer Globalisierungskritik: In Asien hergestellt, mit Motiven einer pseudo-amerikanischen Alltagskultur (oder der vagen Vorstellung einer solchen) bedruckt, in den Niederlanden und Deutschland getragen und schließlich als Altkleidung aussortiert, finden diese Billigtextilien die Endstation ihrer transnationalen Karriere in Ungarn, wo sie als secondhand Ware nach Gewicht verkauft werden. Ausschnitte dieser Kleidung mit ihren bereits verwaschenen Bildmotiven werden durch die Schichtung mit einer weiteren Lage Stoff von Szentesi verfremdet und als Bilder gerahmt. So werden die sinnfreien Logos der Konsumgesellschaft – man fragt sich, wer all diese fiktiven Logos, Botschaften und Motive erdenkt: die Girls Clubs, Segel Teams und fiktiven Colleges – aufgelöst, ephemeralisiert. Sie erhalten durch die zarte Verfremdung mit einer weiteren Lage Stoff eine eigentümliche Aura, werden zu Fresken wie von Geisterhand geschaffener Zeichen. Die banalen Erzeugnisse einer globalen Alltagskultur werden seriell sakralisiert.

In anderen Arbeiten unterbreitet Szentesi Vorschläge für die Reinterpretation öffentlicher Statuen. Denkmäler berühmter Persönlichkeiten – so der Grundgedanke Szentesis – sagen vor allem etwas über die Zeit ihrer Entstehung und die Sicht der Gesellschaft aus, die sie errichtet. So sehen wir statuenwürdige Persönlichkeiten durch die Brille der Zeit, in der sie abgebildet wurden, und vor allem durch die Brille der örtlichen Entscheidungsträger. In der Regel sind das Kommunalpolitiker, die kuratorische Entscheidungen treffen, die dem Gustus eines größten gemeinsamen Nenners entsprechen. Indem Szentesi die Statuen transformiert – so setzt er die Statue des ungarischen Nationalhelden der Musik Franz Liszt in ein florales environment – konfrontiert er den gesellschaftlichen ästhetischen Kompromiss mit einer einzelkünstlerischen Vision, interpretiert er den Dargestellten damit neu und kommentiert zugleich die kommunale Kulturpolitik.

Den öffentlichen Dialog nimmt Szentesi auch in einer Art Gemeinschaftsarbeit mit der Gesellschaft auf. Hier hat der Künstler eine freie Plakatfläche für eine bestimmte Zeit zur Verfügung. In einer ersten Phase lässt er die weiße Plakatwand ungestaltet. Sie wird zu einer Fläche, auf der sich – wie Unkraut auf Brachland – bald wild geklebte Plakate, Inschriften und Slogans zu einer durch die Öffentlichkeit gestalteten Fläche vereinen. In einer weiteren Phase trifft der Künstler die Auswahl für einen kleinen Plakatausschnitt, der abfotografiert und schließlich als Riesen-Blow up auf die gesamte Plakatfläche aufgebracht wird – als Antwort des Künstlers auf die „wilde“ Gestaltung zuvor. So wird die Auswahl eines zufällig gefundenen Ausschnitts zur künstlerischen Aussage und die Kritzeleien eines Romantikers „Heaven is Like love“ zur Plakataussage.

Gefundene Bilder verwendet der Künstler auch für sein visuelles Tagebuch „Diary“ (2001). Hier werden Ausschnitte aus Postern und Werbung zur Grundierung für die gemalten Tagebucheinträge, die wiederum Alltagsschnappschüsse sind – wie ein Beinpaar in Aufsicht, oder die Tätigkeit des Zigarettenrollens. So kommt es zur Kombination von Alltagskultur mit gelebtem Alltag, zu einer Potenzierung des Alltäglichen, aus dem Csaba Szentesi seine Anregungen bezieht.
Author: House of World Cultures

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Europe Now | Europe Next

(01 August 06 - 31 July 07)