Alejandro González Iñárritu

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crossroads:
Gewalt, Identität, Metropole
genre(subgenre):
Film (Spielfilm)
region:
America, Central
country/territory:
Mexico
city:
Mexico City
created on:
May 23, 2003
last changed on:
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Alejandro González Iñárritu
Alejandro Gonzalez Inarritu © Promo

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Das Hundeleben des Menschseins

1963 in Mexiko-Stadt geboren, hat Alejandro González Iñárritu zunächst als Radio-DJ und Fernseh-Produzent erfolgreich gearbeitet, bis ihm mit seinem Spielfilm "Amores perros" (1999) ein überraschendes Kino-Debüt (u.a. Oscar-Nominierung als bester ausländischer Spielfilm) gelang.
1963 in Mexiko-Stadt geboren, hat Alejandro González Iñárritu zunächst als einer der jüngsten Fernseh-Produzenten in der TV-Geschichte Mexikos auf sich aufmerksam gemacht. Für sein Kino-Debüt „Amores perros“ (1999) wollte er sich nicht in die Abhängigkeit staatlicher Förderung begeben und es gelang ihm, ein paar befreundete Produzenten für sein Projekt zu interessieren. Es soll zwar 36 Drehbuchfassungen gegeben haben, bis er und Autor Guillermo Arriaga Jordan mit der Vorlage einverstanden waren, aber die Insistenz hat sich in jeder Weise ausgezahlt.

Alejandro González Iñárritu greift ein naheliegendes Thema auf, mit dem sich gerade die junge Generation mexikanischer Filmemacher häufig beschäftigt: die Metropole Mexico City, der Stadt-Moloch von über 20 Millionen Einwohnern, das ausufernde Chaos, die zum Alltag gewordene Gewalt, der zynische Reichtum, die Unmenschlichkeit der Verhältnisse, die Brutalität der Beziehungen – für viele ein Hundeleben.

Als letzte Hoffnung versuchen sich die Gestrandeten im verbotenen Glücksspiel, in Hahnenkämpfen z.B., wie sie unzählige mexikanische Filme gezeigt haben. Alejandro González Iñárritu begnügt sich damit nicht, sondern führt den Hundekampf als noch stärkere Metapher ein bzw. führt ihn bis zur letzten Konsequenz vor. Er ist für ihn ein Stellvertreter-Kampf: die Hunde zerfleischen sich wie die gewaltbereiten Mitglieder der Gang oder selbst die Partner im Geschlechterkampf.

Drei Geschichten, drei an sich getrennte Welten prallen blutig aufeinander: die von Octavio und seinem Kampfhund Cofi, der am Verbluten ist; die von Valeria, dem blonden Model, das als Riesenreklame Hauswände ziert, und ihrem Schoßhund Richie; sowie die von Chivo, der früher ein Guerrillero war und heute ein Auftragsmörder ist, aber eigentlich als Penner inmitten von Hunden haust. Die Menschen – so zeigt der Film in doppelter Absicht – sind auf den Hund gekommen, doch ihre Beziehung zum Tier ist meist von mehr Gefühl geprägt als die zu ihresgleichen.

Octavio rast auf der Flucht vor der ihn verfolgenden Gang in den Wagen von Valeria. Das Model wird dadurch zum Krüppel und deshalb von ihrem reichen Galan im Stich gelassen. Auch der Bruder Octavios kommt bei dem Unfall beinahe um: es wäre ein Lichtblick für seine von ihm ständig bedrohte Frau Susana, die eigentlich und tatsächlich Octavio liebt. Chivo, der den Unfall beobachtet, schnappt sich den halbtoten Cofi, auch er ein Killer, um ihn zu kurieren; später befreit ihn Cofi von der Meute seiner Köter und ermöglicht ihm eine erstaunliche Wandlung – der einzige Hoffnungsblick in diesem düsteren Film.

Alejandro González Iñárritu hat für jede der drei Episoden einen eigenen Stil und Rhythmus gefunden, die er aus dem sozialen Milieu der einzelnen Figuren entwickelt. Die Atmosphäre aseptischen Reichtums (in der Geschichte der schönen Valeria) schiebt sich zunächst wie ein Fremdkörper in den schmuddeligen Kleinkosmos der Marginalität (von Octavio und Chivo), bis die Gewalt von außen in die scheinbare Idylle vordringt und das Appartement – wie Valerias Leben – verwüstet. Mit „Amores perros“ ist dem Regisseur ein überragender Film gelungen, in dem das Hundeleben des Menschseins einen ebenso grandiosen wie beklemmenden Ausdruck findet.

Nach diesem großen Erfolg wurde Iñárritu in die USA eingeladen, um „21 gramos“ zu drehen. Brennpunkt des Geschehens bildet ein Verkehrsunfall, der die Schicksale von drei Personen und ihren Familien miteinander verknüpft. Die Geschichte entfaltet sich als Rückblick, der nicht chronologisch, sondern bruchstückhaft aufgerollt wird. Sein neues Werk, sagt Iñárritu, sei „eine Meditation über Verlust, Sucht, Liebe, Schuld, Zufall, Rache, Verpflichtung, Glaube, Hoffnung und Erlösung“. (Zit. nach: Karin Müller, Wie viel weigt die Seele?, www.mybasel.ch/freizeit_kino_archiv.cfm).

Author: Peter B. Schumann/Gabriele Stiller

Bio

1963 in Mexiko-Stadt geboren, studiert Alejandro González Iñárritu zunächst Theaterregie bei dem polnischen Regisseur Ludwig Margules und anschließend Filmregie in Maine sowie bei Judith Weston in Los Angeles. Mit 23 Jahren ist er bereits Direktor, Produzent und Diskjockey von WMF, dem wichtigsten mexikanischen Rundfunksender für Rockmusik. 1987 leitet er die Fernsehshow „Magia Digital“. Zwischen 1988 und 1990 komponiert er die Musik für sechs mexikanische Spielfilme (u.a. „Garra de tigre“ von Hernando Name, 1989). Mit 27 Jahren wird er 1990 einer der jüngsten künstlerischen Direktoren von Televisa, des größten mexikanischen Fernseh-Imperiums. 1991 gründet er „Zeta Film“, eine Gesellschaft zur Produktion von Kurz- und Werbefilmen sowie Fernsehprogrammen. 1995 dreht er seinen ersten halblangen Fernsehfilm „Detrás del dinero“. 1999 erreicht er ohne staatliche Förderung mit seinem Kino-Debüt „Amores perros“ einen überraschenden internationalen Erfolg (Preis für den besten Spielfilm der ‚Semaine de la Critique’ und Kritiker-Preis in Cannes 2000, Oscar-Nominierung, mehrere mexikanische Filmpreise etc.). 2002 wird er daraufhin in die USA eingeladen, um „21 gramos“ zu drehen, eine Produktion der Universal/Focus mit einem Budget von etwa 20 Millionen Dollar.

Works

Biutiful

Film / TV,
2010
Drama. Mexiko/Spanien. Script zusammen mit Armando Bo, Nicolás Giacobone, Regie

Chacun son cinéma ou Ce petit coup au coeur quand la lumière s´éteint et que le film commence

Film / TV,
2007

Babel

Film / TV,
2006
Spielfilm. Frankreich/USA/Mexiko (Script und Regie)

21 gramos

Film / TV,
2003
(Spielfilm)

Powder Keg

Film / TV,
2001
(Spielfilm)

Amores perros

Film / TV,
1999
(Spielfilm-Debüt)

Detrás del dinero

Film / TV,
1995
(halblanger Fernsehfilm)

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

MEXartes-berlin.de

The Mexico-festival in Berlin

(15 September 02 - 01 December 02)

Www

Informationen zum Film "Amores perros"

(auf Spanisch)

Filmkritik auf Spanisch zu "Amores perros"

Videointerview mit dem Künstler

zu seinem Film "Amores perros"
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Amores Perros