Yousry Nasrallah

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crossroads:
Bürgerkrieg, Gender, Identität, Metropole, Sexualität
genre(subgenre):
Film (Dokumentarfilm, Kurzfilm, Spielfilm)
region:
Africa, Northern
country/territory:
Egypt
city:
Cairo
created on:
May 26, 2003
last changed on:
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Aus Liebe zu einer Stadt

Der 1952 in Kairo geborene Regisseur und Drehbuchautor Yousry Nasrallah, Schüler des ägyptischen Regisseurs Youssef Chahine, studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften und Politologie bevor er 1973 in das Filminstitut in Kairo antrat. Bekannt wurde er mit seinem Dokumentarfilm „A propos des garcons, des filles et du voile“ (1995) und dem Spielfilm „Mercedes“ (1993).
Yousry Nasrallah, geboren 1952 in Kairo, besuchte dort die deutsche Schule und studierte im Anschluss daran Wirtschaft und politische Wissenschaften an der Universität von Kairo. 1973 schreibt er sich am dortigen Filminstitut ein. Später verließ er das Land, um 4 Jahre lang im Libanon zu leben und arbeitete dort für die Tageszeitung „As-Safir“. 1980 wendete er sich ausschließlich dem Film zu, arbeitete als Regieassistent bei Youssef Chahine beim Dreh von „La mémoire“ und als Produktionsassistent von Volker Schlöndorff bei den Dreharbeiten zu „Die Fälschung“ 1981 in Beirut.

Seinen ersten eigenen Film drehte er 1988, „Summer thefts“. 1994 dreht er für die Sendung von Canal Plus "Une journée particulière du cinéma" die Filme „Le figurant“ und „Une journée avec Youssef Chahine“. Bekannt wird Nasrallah mit dem Dokumentarfilm „A propos des garcons, des filles et du voile“ (1995) und dem Spielfilm „Mercedes“ (1993). Dieser und sein neuester Spielfilm „La ville/El Medina“ (1999) liefen auf den großen Filmfestivals der Welt.

„Mercedes“ erzählt die Geschichte von Noubi, der von seiner Mutter in eine Anstalt eingeliefert wurde, weil er ihr Vermögen der Ägyptischen Kommunistischen Partei spenden wollte. Das Kairo, das er nach seiner Entlassung vorfindet, ist ihm völlig fremd. Als sein Onkel ihn fragt, ob er ihm bei der Suche nach seinem Cousin Germal helfen will, steigt er hinunter in die korrupte Unterwelt der Stadt. Ausgerechnet dort findet er sein Glück und Menschen, die er seine „Familie“ nennen kann.

Der Protagonist von Nasrallahs Film „Medina“ ist Ali, der sein Geld im Gemüsegeschäft seines Vaters in Kairo verdient; seine große Leidenschaft aber gehört dem Theater und er versucht sich nebenbei als Schauspieler. Als die Familie ihre Existenzgrundlage verliert, geht Ali nach Paris, um dort als Schauspieler sein Glück zu versuchen, endet aber als Boxer. Yousry Nasrallah macht in seinem Film „keinerlei Konzessionen an den Exotismus. Seine Stärke ist nicht zuletzt, dass seine Reflexionen über Identität – Schauspielerei, Authentizität, Geschlechterrollen und Sexualität – vielschichtig sind, aber niemals irreführend, unehrlich, prüde oder ausweichend“, schreibt „Le Figaro“.
EL MEDINA wurde anlässlich der Uraufführung im Wettbewerb des Internationalen Filmfestivals von Locarno mit dem Spezialpreis der Jury und dem europäischen C.I.C.A.E. Preis (Arthouse-Preis) ausgezeichnet.

Momentan dreht Nasrallah eine Adaption des Romans „Das Sonnentor“ von Elias Khoury, mit dem er auch das Drehbuch schrieb.

In einem Gespräch, das er im August 1999 mit Jérôme Larcher in Locarno führte, erzählt Yousry Nasrallah über seinen Weg zum Filmemacher und seine Zeit in Beirut:

„Ich habe Kairo 1978 verlassen, um in Beirut zu leben. Ich habe mich verliebt in diese Stadt und bin vier Jahre dort geblieben. Seit ich sechs Jahre alt bin, möchte ich Filme machen. Mein erster Film, ‚Vol d´été’, entstand 1992. Ich wollte darin erzählen, was inzwischen passiert war, und gleichzeitig diesen Eindruck festhalten, dass alle Städte sich gleichen. Während der gesamten Zeit begleitete mich das grossartige Gedicht ‚La Ville’ des griechischen Dichters Constantin Cavafy, der anfangs des 19. Jahrhunderts in Alexandria lebte. Es wurde von E. M. Forster entdeckt und später von Marguerite Yourcenar übersetzt. Ich spürte, dass ich dieses Gedicht erzählen konnte, nicht anhand meiner eigenen Erfahrung, sondern anhand einer fiktiven Person.

Ich fragte mich, weshalb ich erst so spät mit dem Filmemachen begonnen hatte, wo ich dies doch seit meiner Kindheit so beharrlich wünschte. Ein wenig wie Ali, die Hauptperson von ‚EL MEDINA’, der davon überzeugt ist, dass er Schauspieler wird. Aber ich wollte nicht Filmemacher werden, um über den Weltschmerz der Jugend zu erzählen. Und am Ende der politischen Bewegung der siebziger Jahre, das mit dem Aufkommen des Fundamentalismus zusammenfiel, hatte ich Angst davor, allzu ideologische Filme zu machen, die mich zutiefst langweilten. Dies ist sicher der Grund, weshalb ich es unbewusst immer wieder aufschob, mit dem Filmen zu beginnen.

Vier Jahre in Beirut, in einem vom Bürgerkrieg heimgesuchten Land, zu leben, war eine selbstmörderische Idee, aber es hat sich als grossartige Erfahrung herausgestellt. Sicher wollte ich mir eine eigene Lebenserfahrung aufbauen, um den Leuten später Geschichten erzählen zu können.“
Author: Haus der Kulturen der Welt

Works

Ehki ya shahrazade (Scheherazade Tell Me a Story)

Film / TV,
2009

Gnenet el Asmak

Film / TV,
2008

Bab el Chams (The Gate of Sun)

Film / TV,
2003

El Medina / La ville

Film / TV,
1999

On Boys, Girls and the Veil

Film / TV,
1995

A propos des garcons, des filles et du voile

Film / TV,
1995

Le figurant

Film / TV,
1994

Une journée avec Youssef Chahine

Film / TV,
1994

Marcides / Mercedes

Film / TV,
1993

Sarikat Sayfeya / Vols d´été / Summer thefts

Film / TV,
1988

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

DisORIENTation

Contemporary Artists from Middle East

(20 March 03 - 11 May 03)

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