Namdeo Dhasal

Article Works
crossroads:
Kastensystem, Politik, Realismus
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (allgemein)
region:
Asia, Southern and Central
country/territory:
India
created on:
June 17, 2005
last changed on:
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Namdeo Dhasal wurde 1947 in einem Dorf nahe Puna, Indien, geboren. Als Angehöriger der Dalits, d.h. der Kastenlosen (auch "Unberührbaren") wuchs er in größter Armut auf. Seine Jugend verbrachte er in Golpitha, einem Rotlichtviertel Mumbais/Bombays, wo sein Vater als Fleischergehilfe arbeitete.
Nach dem Vorbild der amerikanischen Black-Panther-Bewegung gründete Dhasal 1972 mit Freunden die Dalit-Panther, eine militante Organisation, die ihren radikalen politischen Aktivismus mit der Publikation provokativer Schriften begleitete. Dhasal gehörte zu den berühmtesten und provokativsten Mitgliedern dieser Vereinigung. Unter dem Titel "Golpitha" erschien 1973 seine erste, die Literaturszene in Aufruhr ver-setzende Gedichtsammlung. Es folgten weitere Lyrikbände und zwei Romane. 1982 begann sich die Dalit-Bewegung aufzuspalten. Ideologische Streitigkeiten nahmen Überhand und verdrängten das gemeinsame Ziel. Während Dhasal eine Massenbewegung auslösen wollte, sich für eine Öffnung des Begriffs Dalit für alle Unterdrückten einsetzte, beharrte die Mehrheit seiner Mitkämpfer auf der Exklusivität ihrer Organisation. Schwere Krankheit und Alkoholabhängigkeit überschatteten die folgenden Jahre, in welchen Dhasal nicht mehr viel schrieb. In den 1990er Jahren verstärkte sich sein politisches Engagement wieder. Dhasal ist heute einer der Vorsitzenden der Republikanischen Partei Indiens, zu der sich alle Dalit-Parteien vereinigt haben.

Seine Arbeit wurde mit Ehrungen und zahlreichen Preisen gewürdigt. Die Tradition der Dalit-Literatur geht weit zurück, auch wenn der Begriff erst 1958 offiziell eingeführt wurde. Entscheidende Anregungen erhielt Dhasal etwa von Baburo Bagul, der sich eines photographischen Realismus bediente, um auf die Zustände aufmerksam zu machen, in welchen die von Geburt an Entrechteten lebten. Neu an den Gedichten Dhasals war der offene Bruch mit Form- und Stilkonventionen. Er beleidigte den herrschenden literarischen Geschmack mit vulgärsprachlichen Elementen. Zwar schrieb er auf Marathi, der offiziellen Sprache seines Bundesstaates Maharashtra, aber er verwendete viele Worte und Ausdrücke, die nur die Dalits gebrauchen. In "Golpitha" etwa passte er sich der Sprache des Rotlichtviertels an und schockierte damit den mittelständischen Leser. So unterschiedlich die politischen und künstlerischen Verdienste Dhasals vom Establishment gewertet werden, so eng gehören sie für den Dichter zusammen. Um das Ziel der sozialen Kämpfe, die Beseitigung der Unzufriedenheit, zu erreichen, sagte er 1982 in einem Interview, sei Dichtung notwendig, denn sie sei ein lebendiger und machtvoller Ausdruck dieser Unzufriedenheit. "Dichten ist Politik", formulierte er später. Nach dieser Programmatik lebt Dhasal auch als Privatmensch. So äußerte er im Gespräch mit dem Fotografen Henning Stegmüller: "Ich genieße es, mich selbst zu entdecken. Ich bin ein glücklicher Mensch, wenn ich ein Gedicht schreibe, und ich bin glücklich, wenn ich eine Demonstration von Prostituierten anführe, die für ihre Rechte kämpfen."
Author: Internationales Literaturfestival Berlin (ilb)

Works

Bombay - Mumbai. Bilder einer Megastadt

Published Written,
1996
Übersetzung von Lothar Lutze, A1: München

Weitere Publikationen siehe englische Textversion

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