Danius Kesminas

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crossroads:
Geschichte, Ironie
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Bildhauerei, Film, Malerei, Performance, Videokunst)
Musik (Pop, Rock)
region:
Australia and New Zealand, Europe, Baltic
country/territory:
Australia, Lithuania
created on:
October 6, 2007
last changed on:
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Article

Never mind the Pollocks

Ist Danius Kesminas ein Gotthilf Fischer des Kunstbetriebs? Wo immer sich der Australier aufhält, scheint er eine Band zu gründen. Mindestens drei solcher Projekte verfolgt der hyperaktive Künstler zurzeit – immer mit starken Bezügen zur bildenden Kunst. So verbinden sich Kunstgeschichte, Gegenwartskunst und Rock-Cover-Songs. Parallelen zwischen Kunst- und Popwelt scheinen auf, die den Kunst-Zirkus auf entlarvende Weise persiflieren.
Eine Concept-Art-(Heritage)-Rock-Cover-Band sind die Histrionics, eines von Kesminas’ Band-Projekten. Der Name verweist auf die „Histrionic Personality Disorder“, eine mit extremem Aufmerksamkeitsbedürfnis verbundene Persönlichkeitsstörung, und ist zugleich ein phonetischer Anklang an „history“ – und so spielt die Kunstgeschichte, spielen ihre Stars und Themen eine Rolle in vielen Texten. Diese werden mit den Hits der Rock- und Popmusik – eingesetzt im Duchamp’schen Sinne als objets trouvés – verbunden. So röhrt die Band eine der britischen Skandalkünstlerin Tracey Emin gewidmete Ballade zum Sound des Ohrwurms „Roxanne” (Police): „Tracey/Named the men you shagged in a tent site/Those days are over/Now you sell your body for the limelight/Tracey/Your blood stained knickers are so trite/Sell soiled sheets for money/On Charles Saatchi’s YBA satellite.” Und zur Musik von „Dreadlock Holiday” (10cc) tönen die Histrionics eine Hommage an den vor allem durch seine Koch-Installationen bekannt gewordenen Rirkrit Tiravanija: „I don’t like Rirkrit, no, no/I love him, yeah/I don’t like your bean curd/Don’t mean no disrespect/I don’t like your tofu/If this dish is an art object.” So wird die Band zu einer Art Bänkelsänger der Kunstwelt, die neben ihren Künstlerporträts auch theoretische und juristische Fragen aufwirft: „You want to use appropriation/Well, you know, we all want to change the words...“ (zur Melodie des Beatles-Songs „Revolution“). Die Histrionics, die bei Performances Anzüge in Pollocks Drip-Optik tragen (eine ihrer Touren hieß denn auch „Never mind the Pollocks“), als Schelme abzutun, wäre viel zu kurz gegriffen, zielen sie mit ihren Texten doch treffsicher ins Schwarze und üben so Kunstkritik mit anderen Mitteln – z.B. mit einem Klangwerk zur Videokunst: „The focus is blurry/The close-ups are wobbly/The editing is ghastly/Looping projections/Banal confessions/For 30 minutes sessions... ”

In völligem Kontrast zu den Histrionics steht die von Kesminas in Indonesien mit Kunststudenten gegründete Band Punkasila. Sie macht – im wortwörtlichen Sinne – die Konzertsäle unsicher: Die Gruppe spielt auf meisterlich handgefertigten Mahagoni-Instrumenten in der Optik von Schnellfeuerwaffen und tritt in Militärkleidung auf. Die Song-Texte basieren auf für das indonesische Staatswesen typischen ideologischen Akronymen und Abkürzungen – so trägt ihre erste CD den Titel „Acronym Wars“ – ein mutiges Statement in einem von Ideologie und Militär geprägtem Staat.

Als Australier litauischer Herkunft hat Kesminas ein besonderes Interesse an George Maciunas, dem in Litauen geborenen und 1978 in New York verstorbenen Fluxus-Begründer. Vor allem der skurrile Kontakt zwischen Maciunas und seinem ehemaligen Schulfreund Vytautas Landsbergis (später der erste Präsident des wieder unabhängig gewordenen Landes) findet seinen Widerhall in einem dritten Band-Projekt, den Slave Pianos.

Maciunas und Landsbergis hatten vor allem in den 60er Jahren korrespondiert. Maciunas als litauischer Emigrant in New York, der das Fluxus-Netzwerk aus der Taufe hob und immer neue Pläne für den Export dieser neuen „konkretistischen“ Kunstrichtung in die Sowjetunion entwickelte, und Vytautas Landsbergis als Musikwissenschaftler und Ciurlionis-Experte und -Interpret in Vilnius. Die Korrespondenz dieser beiden von Nam June Paik einst als „Mini-Giants“ bezeichneten Helden, Fluxus-Kompositionen, Fluxus-Speisen (Wodka-Jelly), Tagebucheinträge, Briefe, Manifeste, Tanz, Spiele, Kunst und Nicht-Kunst gehen in das antiphonische akustische Theater Dissident Consonances der Gruppe ein, die Kesminas gemeinsam mit Rohan Drape, Neil Kelly und Michael Stevenson bildet. Auch Vytautas Landsbergis selbst trat bereits mit den australischen Künstlern auf. Aber nicht nur Fluxus, auch andere „Helden“ der Kunstgeschichte wie der seit 1975 bei einer Atlantik-Überquerung vermisste Bas Jan Ader (The Strange Voyage of Bas Jan Ader), John Cage, und viele andere – werden zum Stoff für konzertante Werke.

Neben den künstlerisch-musikalischen Cross-over Projekten arbeitet Kesminas auch in klassischeren Gefilden der bildenden Kunst: in Installationen, Grafik und Video. Mitunter lässt er sich auch von tagesaktuellem Geschehen inspirieren: So recherchierte er in seinem fast schon soziologisch-ethnologischen Projekt „Vodka Sans Frontières“ (2005) die illegalen Wodka-Pipelines, die durch das Land seiner Väter Litauen fließen. Immer wieder waren solche Pipelines entdeckt worden, mit denen Wodka-Schmuggler Zoll und Bestechungsgelder zu vermeiden suchten. Dank Kesminas liegt für Litauen nun nahezu das Gesamtnetz dieser Pipelines vor. Interessanterweise zeichnet es vor allem die für Fluxus wichtigen Orte nach. Pipelines fließen unter dem Geburtshaus von George Maciunas, und unter dem Amtssitz von Vytautas Landsbergis. Es bleibt die Frage, ob es eine geheime Verbindung zwischen Kunst und Schmugglern gibt? Ob diese vom Fluxus-Virus erfasst – oder gar selbst „vertarnkappte“ Fluxus-Künstler sind.

Auch das Wodka-Projekt ist intermedial: Musik spielt auch hier eine große Rolle. So ist die Wodka-Orgel ein Teil der Arbeit. Sie ist ein Instrument von gigantischem Ausmaß, in dem sich Wodka, Staubsauger, Plastikflaschen, Holz und Teekisten zu einer Spieluhr vereinen, die immerhin in der Lage ist, Monteverdis „Zefiro Torna“, die Lieblingsmusik von George Maciunas, zu orgeln.

Works

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

Exhibition / Installation,
2007
2007 Saloon at Moscow Biennale, Moskau, Russland 2004 A Constructed World, VCA Gallery, Melbourne, Australien Concern, Cemeti Art House, Yogyakarta, Indonesia and VCA Gallery, Melbourne, Australien 2003 This was the future…Australian Sculpture of the 1950’s, 1960’s, 1970’s + Today, Museum of Modern Art, Melbourne, Australien 2002 Elvis has left the building – Urban Legends, Perth Institute of Contemporary Arts, Perth Cultural Centre, Perth, Australien 40 Jahre: Fluxus und die Folgen, (kuratiert von Rene Block), Kulturamt Wiesbaden, Wiesbaden, Deutschland 2001 The Broccoli Maestro and The Strange Voyage of Bas Jan Ader, Kammeropern der Slave Pianos, Neuer Aachener Kunstverein, Aachen, Deutschland Wiederaufnahme – Retake, Neuer Aachener Kunstverein, Aachen, Deutschland The Broccoli Maestro. A Chamber Opera in Two Acts for Six Voices and Six Players. Libretto der Slave Pianos, präsentiert in Zusammenarbeit mit Chamber Made Orchestra, North Melbourne Town Hall, Melbourne, Australien Burnout 2001: art meet street meet, ein Ben Morieson Projekt, Docklands, Melbourne, Australien 2000 Uncommon Worlds, National Gallery of Australia, Canberra, Australien Non-Objective Brass, Slave Pianos with The Burley Griffin Brass Band, National Galley of Australia, Canberra, Australien Slave Pianos, 4th Sergey Kuryokhin Festival, Leningrad Palace of Youth, St.Petersburg, Russland Rent, Overgaden, Kopenhagen, Dänemark, Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne, Australien 1999 What Your Children Should Know About Conceptualism, (mit Michael Stevenson), Neuer Aachener Kunstverein and Brandenburgischer Kunstverein Potsdam, Potsdam, Deutschland The Queen is Dead, Stills Gallery, Edinburgh, Schottland Toi, Toi, Toi, mit Michael Stevenson, Museum Fridericianum, Kassel, Deutschland 1998-2000 Close Quarters, Contemporary Art from Australia and New Zealand, Wanderausstellung; Monash University Gallery and ACCA, Melbourne, Institute of Modern Art, Brisbane, Canberra School of Art Gallery, Canberra, Govett-Brewster Gallery, New Plymouth, Dunedin Public Art Gallery, Dunedin und Auckland Art Gallery, Neuseeland 1998 Strolling, the art of arcades, boulevards, barricades, publicity, Museum of Modern Art, Heide, Melbourne, Australien 1997 Art=Advertising, Robert Lindsay Gallery, Melbourne, Australien 1996 The Expanded Field, mit Callum Morton und Anna Nervegna, 200 Gertrude Street, Fitzroy, Australien Room of Circles, RMIT Gallery, Melbourne, Australien 1995 5.25.41 (Kurator und teilnehmender Künstler), 41 Gold Street, Collingwood, Australien P.S., mit Alexandra Bertram, University of Melbourne gallery, Melbourne, Australien 1994 john doe, 200 Gertrude Street, Fitzroy, Australien 1993 (un)authorized duplication, 200 Gertrude Street, Fitzroy, Australien 1992 Globality, Installation gemeinsam mit Basis, 183 Collins Street, Melbourne, Australien Subterror, mit Natalie Jeremijenko, Spencer Street underpass, Melbourne, Australien 1991 Incendiary 14.09.91, Installation und Dokumentation in Zusammenarbeit mit Basis, 41 Gold Street, Collingwood, Australien

EINZELAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

Exhibition / Installation
2007 Embedded with PUNKASILA, Darren Knight Gallery, Sydney, Australien PUNKASILA – Conspicuous Objects, Kedai Kebun Forum, Jogjakarta, Indonesien 2006 PUNKASILA Band-Projekt Cemeti Art Foundation (CAF), Indonesian Institute of Art, Jogjakarta, Indonesien 2005 Vodka Sans Frontiers, Klaipeda Art Exhibition Hall, Klaipeda, Litauen Museum Fatigue, Silvershot, Melbourne, Australien 2004 The Histrionic Heretical Missionaries of Conceptual Art/ Rock Evangelism present Museum Fatigue CD Launch, Cherry Bar, Melbourne, Australien Konzeptuelle Kunste Karaoke, The Farm Brisbane, Australien 2003-2004 Never Mind the Pollocks – Here’s The Histrionics, Darren Knight Gallery, Sydney, Australien 2003 Flogging a Dead Source, Ausstellung zur Einführung des Histrionic Albums „Never Mind the Pollocks“, Künstlerhaus Bethanien, Berlin, Deutschland Pretty Flagrant, Ausstellung zur Einführung des Histrionic Albums „Never Mind the Pollocks“, Kjubh, Köln, Deutschland International Studio Programme, Künstlerhaus Galerien, Künstlerhaus Bethanien, Berlin, Deutschland 2002 Vorstellung der kommenden CD der Histrionics, Single Performance, Neuer Aachener Kunstverein, Aachen, Deutschland Hughbris, Darren Knight Gallery, Sydney, Australien 2001 The Broccoli Maestro and The Strange Voyage of Bas Jan Ader, Kammeropern der Slave Pianos, (mit Michael Stevenson, Rohan Drape und Neil Kelly), Malksten, Düsseldorf, Deutschland 2000 Daily Practice, (mit Michael Stevenson), ACCA, Melbourne, Australien, Centre for Contemporary Photography, Melbourne, Australien, Artspace, Auckland, Neuseeland Slave Pianos Internationale Biennale 2000 – Songs of Life, (mit Michael Stevenson, Rohan Drape und Neil Kelly), RMIT Gallery, Court House Hotel und ACCA, Melbourne, Australien Slave Pianos, (mit Michael Stevenson, Rohan Drape und Neil Kelly), China Art Objects Gallery, Los Angeles, USA, Lovers, Melbourne, Australien The Compromised Economy of Desire and Fear, mit dem Slave Pianos Collective, The Public Office Carpark, Melbourne, Australien 1999 Slave Pianos (mit Michael Stevenson, Rohan Drape und Neil Kelly), Darren Knight Gallery, Sydney, Australien !! Emancipate the dissonance!! (mit den Slave Pianos) Lombard/Freid Fine Arts, New York, USA 1998 Logos (mit Ben Morieson), Adelaide Festival, Memorial Drive Tennis Centre, Adelaide, Australien 1997 TRANS, mit Pat Scull, h., Melbourne, Australien Kiddies Kube, Darren Knight Gallery, Sydney, Australien 1996 Live Injection, 1st Floor, Fitzroy, Melbourne, Australien The Expanded Field (with Callum Morton), 200 Gertrude Street, Melbourne, Australien Hot Property (Event mit Ben Morieson), Avondale Heights, Melbourne, Australien 1994 False Day, Studio 12, 200 Gertrude Street, Melbourne, Australien 1993 Playing Field, 41 Gold Street, Collingwood, Melbourne, Australien 1992 Pure Difference, 41 Gold Street, Collingwood, Melbourne, Australien Speculum, 52 Provost Street, North Melbourne, Australien

Merits

2002
Künstlerhaus Bethanien Studio Residency, Berlin

1993-95
Studio Residency, Gertrude Street Artist’s Spaces, Melbourne, Australien

1991
Heidelberg School Art Award

1989
Nexus Designs Traveling Art Award for Sculpture

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

New York

Exhibition, Film Programme, Music, Conferences

(23 August 07 - 04 November 07)

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