Uzo Egonu

Article Bio Works Projects
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Collage, Malerei)
region:
Africa, Western, Europe, Western
country/territory:
Nigeria, England (UK)
created on:
June 22, 2003
last changed on:
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Drei Farben für den Piccadilly Circus

Der nigerianische Maler Uzo Egonu, geboren 1931, gehört zu den herausragenden Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in England, Egonus Wahlheimat seit 1945. Beeinflusst von der europäischen Klassischen Moderne und der traditionellen westafrikanischen Kunst gleichermaßen, schuf er Gemälde, in denen sich abstrakte Muster und figürliche Darstellungen in Pop-Art-Manier zu oft poetischen Metaphern vereinen. Egonu, dessen Werke sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen befinden, starb im August 1996 in London.
Links oben im Bild erkennt man einen eleganten Damenschuh, rechts davon eine Frau, um deren Gesicht modische Stoffe geschlungen sind wie ein orientalischer Schleier oder Turban. Und dann sind da noch zwei seltsame Gestalten – eine Umrisszeichnung und ein Schemen im roten Mantel –, ein Ausriss aus einer deutschen Modezeitschrift und ansonsten abstrakte Muster, Karos, unbestimmte voluminös erscheinende Formen ohne vordergründige Bedeutung. „Man Stealing a Shoe for his Wife“ lautet der Titel dieser Collage aus Malerei, Fotografie und Text von Uzo Egonu; sie stammt aus dem Jahr 1965 und ist in der beschwingten Disparatheit ihrer Einzelheiten typisch für das Werk des gebürtigen Nigerianers.

Ein zeitgenössischer Kritiker hat Egonu einmal einen „Meister der Metapher“ genannt. Doch die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge sinnfällig in eine eigene Bildersprache zu übersetzen ist nur ein Merkmal des Schaffens des Malers und Grafikers, der zu den herausragenden künstlerischen Persönlichkeiten Nigerias und seiner Wahlheimat England in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt. In seinen Gemälden und Arbeiten auf Papier vereinen sich Gegenständlichkeit und Abstraktion, karikaturhafter Witz und Fotorealismus, geometrische Konfigurationen und ins Bild geschriebene Worte zu koloristisch kraftvollen, symbolisch aufgeladenen Kompositionen.

So etwa in dem Gemälde „Piccadilly Circus“, welches vier Jahre nach „Man Stealing a Shoe for his Wife“ entstand: Hier hat Uzo Egonu einen der belebtesten Plätze Londons in einen kunstvoll dynamisierten Dreiklang aus Weiß, Rot und Blau verwandelt. Im Zentrum sieht man die berühmte Amor-Statue auf ihrem Sockel, der sich in einem merkwürdig kubistisch gebrochenen Zustand befindet, und auch der tänzerisch bewegte Amor, der eigentlich mit seinem Pfeil auf die Shaftesbury Avenue zielt, erweckt den Eindruck als sei er ein Scherenschnitt von Henry Matisse. Um dieses Zentrum herum gruppieren sich Werbesprüche, Häuserfassaden und die roten Doppeldecker von London Transport, die sich dort kopfüber im Kreis drehen.

Wo oben ist und wo unten in diesem Bild, ist nicht leicht zu entscheiden: Alles – die Gebäude, die Fahrzeuge, die Menschen – scheint unablässig um einen Mittelpunkt zu wirbeln wie in einer imaginären Zentrifuge und dabei zu einem homogenen Ganzen zu verschmelzen. Selten wurde der ziemlich schmutzige, laute und anstrengende Piccadilly Circus so heiter und poetisch dargestellt. Auch die Verbindung von idealistischer ästhetischer Sehnsucht und sozialer Anteilnahme ist ein Kennzeichen Egonus Kunst. Dabei sind die Traditionen, in denen der Künstler steht, überaus vielfältig: Sie reichen von Kubismus und Dada über Einflüsse überlieferter nigerianischer Ornamentik bis zur damals in Großbritannien gerade aufblühenden Pop-Art.

Am 25. Dezember 1931 in der Stadt Onitsha am Niger geboren, kam Uzo Egonu im Alter von dreizehn Jahren – also noch zu Zeiten der Kolonialherrschaft – nach England, wo er fortan meist lebte. Nur einmal kehrte er in den siebziger Jahren für zwei Tage in sein afrikanisches Heimatland zurück. Nachdem er schon in Nigeria ersten Malunterricht erhalten hatte, besuchte er von 1949 bis 1956 die Camberwell School of Fine Arts and Crafts in London, an der er Freie Malerei studierte. Seine Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in England und anderswo gezeigt. Etliche davon befinden sich heute in Museen in öffentlichem Besitz, darunter das Victoria and Albert-Museum und das Africa Centre in London, das Centre for Black and African Arts and Civilisation in Lagos, das Commonwealth Institute in Edinburgh und das Nationalmuseum für Moderne Kunst in Bagdad. 1983 berief ihn die International Association of Art zu einem ihrer Berater auf Lebenszeit, eine Ehre, die Egonu mit Malern und Bildhauern wie Henry Moore, Joan Miro und Louise Nevelson teilte. Uzo Egonu starb am 14. August 1996 in London.
Author: Ulrich Clewing

Bio

Geboren am 25. Dezember 1931 in Onitsha, Nigeria
1945 Übersiedlung nach England
1949-1956 Studium an der Camberwell School of Fine Arts and Crafts, London
1952-1960 Studienreisen durch mehrere Länder Europas
1983 Berater auf Lebenszeit der International Association of Art
1984 Internationaler Preis für Grafik, Biennale Krakau
1985 Fellow des Asele Institute, Nimo
Uzo Egonu verstarb am 14. August 1996 in London

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2001 „The Short Century“, Villa Stuck, München „The Short Century“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 1990 Herbert Art Gallery and Museum, Coventry, Großbritannien 1989 Hayward Art Gallery, London, Großbritannien 1973 Commonwealth Institute Art Gallery, London, Großbritannien 1975 „Ljubljana Graphic Art Biennial”, Graphic Art Biennial, Ljubljana, Slowenien

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2004 „Uzo Egonu´s London”, Museum of London, London, Großbritannien

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)