Ray Abshire

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crossroads:
Tradition
genre(subgenre):
Musik (Cajun)
region:
America, North
country/territory:
United States of America
created on:
July 7, 2009
last changed on:
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Ray Abshire
Ray Abshire. Promo

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Let the good times roll: Der Akkordeonklang der Pioniere

Wie alle anderen traditionellen Stile der USA hat auch die Cajun-Musik in den letzten Jahrzehnten eine Wandlung erfahren und sich mit Rock, Pop und Blues vermischt. Doch die unverfälschte Spielart jener akkordeon- und fiddlebetonten Klänge Louisianas gibt es noch. Wer diese sucht, ist bei Ray Abshire gut aufgehoben. Abshire ist ein Purist im besten Wortsinne. Mit seiner strikten Treue zu den Wurzeln sorgt er dafür, dass das Erbe der Cajun-Community erhalten bleibt – nicht im Museum, sondern auf der Bühne und in den Tanzsälen. „Ich spiele die Cajun-Musik so, wie sie mir von den wahren Pionieren übergeben worden ist. Es ist ein nationaler Schatz, eine ursprüngliche Musik des Volkes und die sollte für künftige Generationen bewahrt werden“, sagt er überzeugt. Der Akkordeonist war im Laufe seiner Biografie stets „nah dran“ an den großen Persönlichkeiten authentischer Cajun-Sounds.
Ihre Wurzeln hat die Musik in der Kultur der französischen Einwanderer von Acadia im amerikanischen Nordosten. Mitte des 18. Jahrhunderts im Zuge der britischen Eroberungszüge deportiert, kamen viele von ihnen nach Louisiana und ließen sich als Farmer, Fischer und Handwerker nieder. Auf ihren Wochenend-Partys pflegten die unterprivilegierten Immigranten, die aus dem nicht gerade liebevollen Prädikat „Cajuns“ (von Acadians) bald eine Tugend machten, ihre Walzer, Mazurkas, Polkas und Square Dances. Dies zunächst zum rudimentären Rhythmus einer improvisierten Triangel und zur Fiddle. Später nahm das Akkordeon mit seinem durchdringenden Klang die zweite Königsposition ein. Bereits 1928 sind erste Einspielungen dokumentiert, die den immer präsenten Einfluss kreolischer Musik und des Blues auf die Cajun-Musik offenkundig werden lassen. Cajun stand seitdem unter dem ständigen Vorzeichen zunehmender Durchmischung mit Country, Texmex und Pop. Mischformen mit dem ebenfalls in Louisiana entstandenen Zydeco etablierten sich, einem kraftvollen Hybrid aus kreolischer Musik und Rhythm’n’Blues. Die authentische Spielweise hat sich parallel dazu jedoch immer gehalten.

Auf diese Authentizität beruft sich Ray Abshire. Im Süden Louisianas in der Gemeinde Vermilion geboren, macht er sich bereits mit 15 Jahren einen Namen als professioneller Akkordeonspieler. Er hat das Glück, mitten in der „Dance Hall Era“ aufzuwachsen, jener Periode der 1940er bis 60er, in der ganz Louisiana von einem neuen Interesse an der französischen Sprache und lokalem Brauchtum erfasst wird. Es ist die Zeit, in der der Kanon der Cajun-Musik definiert wird, von heute legendären Musikern, deren Namen Ray Abshire aufblitzen lässt, wenn man ihn nach seinen Vorbildern fragt: Sein Cousin Nathan Abshire, Lawrence Walker und Octa Clark gehören für ihn zu den wahren Helden – mit ihnen allen teilt er zu dieser Zeit die Bühnenbretter. Später steigt Abshire bei den Balfa Brothers ein, die vor allem in den frühen 70ern Meilensteine des Cajun-Plattenkatalogs einspielen und ihre Musik nach Europa bringen.

Doch fühlt er sich dazu berufen, das kulturelle Erbe auch jenseits der Bühne zu bewahren. Und so gerät Ray Abshire neben seinen Auftritten bei Folk Festivals zu einem der rührigsten Cajun-Lehrer Louisianas. Von Lafayette aus gibt er sein Wissen und seine Erfahrungen in zahllosen Workshops und Camps weiter, um das Bewusstsein für und die Liebe zum Cajun landesweit zu erwecken. „Als Cajun-Akkordeonist musst du Harmoniewechsel und Oktavsprünge beherrschen und ganz besonders musst du wissen, wo du Staccato einsetzen darfst und wo nicht“, erläutert er. „Cajun-Musik hat einen ganz eigenen Drive und ist auch ganz anders synkopiert als der Zydeco, mit dem sie sich nicht vermischen sollte.“ Sehr trocken, knackig sei der Sound des Cajun-Akkordeons, so Abshire. Er produziert ihn auf einem einreihigen diatonischen Melodion.

Das mag für Außenstehende etwas spröde klingen, doch Abshire ist überzeugt, dass er gerade mit diesem Klang die optimale Voraussetzung zum Tanz liefern kann, ganz anders als die elektrisch verstärkten Cajun-Bands mit Keyboards und E-Bass, die in Lafayette wie Pilze aus dem Boden schießen. Denn der Tanz ist nicht bloße Beigabe bei einer Cajun-Darbietung. Er ist integraler Bestandteil der ganzen Kultur. „In den letzten zehn Jahren habe ich einen deutlichen Anstieg von Interesse an der alten Form des Cajun erlebt“, sagt er bewegt. „Dieses Interesse sollte es dem Cajun ermöglichen, in die nächste Generation hineingetragen zu werden. Ich bin stolz, dass meine beiden Söhne, die Akkordeon, Bass und Gitarre spielen, dieses Erbe weiterführen.“ Mit ihnen hat der Altmeister nun zu seiner Bühnenpräsenz zurückgefunden. Verstärkt wird seine Band durch den Drummer Jay Miller und den Fiddler Henry Hample, ein New Yorker, der sich so vehement für die Cajun-Kultur begeistern konnte, dass er sein Leben neu ordnete, nach Louisianas zog, dort ein Cajun-Girl heiratete und nun mittendrin steht in der Szene. „Laissez les bons temps rouler“: Der typische Cajun-Ausruf wird dank Ray Abshire noch eine ganze Weile durch die Ballsäle Louisianas und über sie hinaus tönen.



Von einem Interview des Autoren mit dem Künstler.
Author: Stefan Franzen

Works

Arrête pas la Musique

Published Audio,
2005
Swallow Records

Pour les bons vieux temps

Published Audio,
2003
Swallow Records

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

WASSERMUSIK 2009

(09 July 09 - 25 July 09)

Www

Homepage des Künstlers