Péter Levente Szábo

Article Bio Works Projects
crossroads:
Identität, Kunstbetrieb, Migration, Politik
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Installation, partizipatorische Kunst)
region:
Europe, Eastern
country/territory:
Romania, Hungary
created on:
January 21, 2007
last changed on:
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Der kannibalisierte Kunstkritiker

Péter Levente Szábo arbeitet – wie viele junge Künstler in Ungarn – gleich in mehreren Gemeinschaftsprojekten mit Künstlerkollegen und macht darüber hinaus mit der Gruppe Alergische Platze elektronische Experimentalmusik. Seine Werke im Kunstkontext berühren politische und gesellschaftliche Fragen – so interessiert ihn das Thema Europa ebenso wie das System der Kunst. Offen(siv) geht er mit seiner Herkunft als rumänischer Ungar um.
Mit „Solarom“ (2005), einer Arbeit, die gemeinsam mit Attila Kispál, Csaba Csiki und Yvette Martini entstand, nimmt Szábo auf geradezu zynische Weise auf die Themen Nationalität, Ethnizität und Migration Bezug. Konstruiert wurde ein absurdes Objekt: eine wie ein Solarium geformte Stahlskulptur, die es dem Benutzer ermöglicht, sich mittels Sonneneinstrahlung ein der kartografischen Silhouette Rumäniens entlehntes Muster auf die Haut zu brennen - sich also gleichsam brandmarken zu lassen. Der Titel ist ein Wortspiel aus den Silben Sola (Solarium) und Rom (Romania/ Rumänien). Der Untertitel „The Self-Adjacent Country“ nimmt auf Produkt- und Werbesprache Bezug: „self-adjacent“, „self-adherent“ – das verspricht Bequemlichkeit. Etwas hält ohne Anstrengung, ganz von allein. In diesem Fall ist es die Herkunft der vier Künstler – sämtlich in Rumänien geborene Ungarn, – die an ihnen haftet und mit „Solarom“ für alle sichtbar gemacht werden kann. So wird diese Arbeit zu einem sehr persönlichen Statement.

„Europa“ (2005) bezieht sich auf die Freiheit der Meinung und der Interpretation. Als Give-away in der Zeitschrift Idea erhält der Käufer des Hefts eine Schablone mit dem Satz „It also can be interpreted this way“ und einem Piktogramm, das den Leser zur Aktivität auffordert. Jeder kann die Schablone verwenden, um die Bedeutungsoffenheit von Bildern, Gegenständen, Situationen zu markieren. Dabei bleiben die neuen Interpretationen offen und finden nur im Kopf des Betrachters statt. Die Arbeit ist eine Aktionsmöglichkeit, die – von ihrem Urheber emanzipiert – die Partizipation nicht nur desjenigen einfordert, der sprühend seine Markierungen setzt, sondern auch desjenigen, der zufällig oder absichtlich auf die Wörter trifft und zu ergründen versucht, was nun wie interpretiert werden könnte. Mit dem Titel „Europa“ bezog sich Szábo sich auf ein aktuelles politisches Ereignis. Die Schablone entstand unmittelbar nach dem Scheitern des Referendums zur europäischen Verfassung, das deutlich machte, dass auch die Idee eines gemeinsamen Europas vielseitiger interpretierbar ist und interpretiert wird, als allgemein angenommen.

Partizipatorisch ist auch die Installation „What I mostly hate about art“, in der die Ausstellungsbesucher der Budapester Studio Gallery ihre Meinung darüber, was ihnen an Kunst und ihren Institutionen missfällt, direkt auf gerahmte Tafeln aufbringen sowie Kommentare auf Tonband oder Video aufnehmen. Die Arbeit ist ein Widerspruch in sich, eine Tautologie - findet sie doch im Kunstkontext statt, spielt mit den Techniken der Kunst und produziert letzten Endes nur eines: Kunst. So wird die Kritik an der Kunst zur Kunst selbst – der Kontext und die Statements hebeln sich gegenseitig aus. Der Kritiker wird der Kunst einverleibt und lässt sich von ihr kannibalisieren.
Author: Petra Stegmann

Bio

Geboren 1978, Tirgu-Mures, Rumänien

Studien:

2003-2006
DLA, Hungarian Academy of Fine Arts, Budapest

2000
Stipendium von der Hungarian Academy of Fine Arts, Budapest

1996-2001
University of Fine and Applicative Arts, Cluj-Napoca, Rumänien

Works

Arbeiten (Auswahl)

Exhibition / Installation,
2005
Solarom. The Self-Adjacent Country Gemeinschaftsprojekt mit Attila Kispál, Csaba Csiki, Yvette Martini Europa Projekt What I mostly hate about art Installation

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Europe Now | Europe Next

(01 August 06 - 31 July 07)