Hector Babenco

Article Bio Works
crossroads:
Armut, Gender, Kinder
genre(subgenre):
Film (Action-Film, Literaturverfilmung, Melodrama, Politischer Film, Thriller)
region:
America, South
country/territory:
Argentina, Brazil
city:
Buenos Aires, São Paulo
created on:
May 16, 2003
last changed on:
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Hector Babenco
Hector Babenco www.filmfestivals.com/berlin/ 2001/gallery2.shtml

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Lateinamerika - Made in Hollywood

Hector Babenco, 1946 in Buenos Aires, Argentinien, geboren, bereiste als junger Mann mehrere Jahre Europa, Afrika und Nordamerika, bevor er sich Anfang der siebziger Jahre in São Paulo niederließ. Seine ersten Produktionen im Stil des "cinema novo" konnte der Autodidakt wegen der damals in Lateinamerika herrschenden Zensur nicht realisieren. Kritisch und unbequem blieben die Themen des erfolgreichen und vielfach preisgekrönten Regisseurs trotzdem. Auch als er Mitte der achtziger Jahre begann, in den USA zu produzieren, blieb er seinem Anliegen treu, auf die politischen Zustände in Lateinamerika aufmerksam zu machen. Armut, Korruption und Ungerechtigkeit sind die vorherrschenden Themen seiner Filme.
Begeistert von der Philosophie des Existenzialismus reiste der 1946 in Buenos Aires, Argentinien, geborene Hector Babenco im Alter von 18 Jahren nach Europa. Mit zahlreichen Aushilfsjobs verdiente er sich hier das Geld für eine mehrjährige Reise, die ihn nach Afrika und Nordamerika führte. Bei seiner Rückkehr nach Südamerika wählte er die Metropole São Paulo als neue Heimat. An der Realisierung seiner ersten Produktionen im Stil des "cinema novo" hinderte ihn die in Lateinamerika damals herrschende Zensur und er verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Dokumentar- und Kurzfilmen sowie Werbespots. 1975 dreht er seinen Debütfilm "O Rei da Noite" / "King of the Night".
Nur zwei Jahre später gelang Hector Babenco mit dem Action-Thriller "Lucio Flavio" ein phänomenaler Kassenerfolg. Die wahre Geschichte über das Leben eines Bankräubers lockte 5,4 Millionen Zuschauer in die Kinos und wurde der viert-erfolgreichste Film des Jahres. Der Film etablierte die brasilianische Filmindustrie neu und erhielt den Zuschauerpreis auf dem Internationalen Filmfestival in São Paulo.

1981 folgte "Pixote: A Lei do Mais Fraco" / "Asphalt-Haie", ein Film über die Straßenkinder in den Vororten São Paulos. Für die Hauptrolle castete Babenco den damals zehnjährigen Fernando Ramos de Silva, der aus ärmlichsten Verhältnissen stammt. Fernando spielt einen Jungen, der als Dealer, Zuhälter und Mörder auf der Straße lebt, nachdem er der Gewalt in seiner Familie und der Schule entflohen ist. Babenco erhielt für diesen Film den Preis der New Yorker Filmkritik, Marilia Pera den Preis für die beste weibliche Nebenrolle. Wenige Jahre später wurde Babencos Hauptdarsteller von der brasilianischen Polizei ermordet, als er sich einer Verhaftung widersetzte.

Seinen bekanntesten Film, "The Kiss of the Spider Woman" / "Der Kuss der Spinnenfrau" (1984), drehte Babenco nach dem Roman des argentinischen Schriftstellers Manuel Puig. Erstmalig arbeitete Hector Babenco hier mit international renommierten Partnern. Ein Arbeitsprinzip, das er beibehielt. In Hollywood war es zu dieser Zeit wesentlich leichter für ihn, einen kritischen Film zu drehen als unter den politischen Verhältnissen in Brasilien.

"The Kiss of the Spider Woman" ist ein Kammerspiel, das fast ausschließlich (und auf jeden Fall in seinen intensivsten Momenten) in einer kleinen Gefängniszelle spielt. Valentin Arregui, ein politisch Verfolgter, wird mit dem homosexuellen Sexualverbrecher Luis Molina zusammengesperrt, der ihm die Geschichten kitschig-romantischer Propagandafilme erzählt, um ihn die Qualen der Folter vergessen zu machen. Der Film lief beim Festival in Cannes, wo William Hurt den Preis als Bester Darsteller für die Rolle Molinas erhielt. Die Academy of Motion Pictures nominierte den Film für vier Oscars: Bester Film, Bester Produzent, Beste Adaption und Bester Schauspieler. Mit dem Oscar gewann William Hurt die zweite Auszeichnung für sein schauspielerisches Können, der mit dem British Academy Award noch ein dritter Preis folgte. Später wurde die Geschichte auch auf dem Broadway als Musical inszeniert.

1987 verfilmte Hector Babenco einen Roman des Pulitzer-Preisträgers William Kennedy, "Ironweed" / "Wolfsmilch". Die beiden Hauptdarsteller des Films, Jack Nicholsen und Meryl Streep, erhielten ebenfalls Oscar-Nominierungen für ihre Rollen. 1991 folgte die erste Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Produzenten Saul Zaets ("Einer flog übers Kuckucksnest", "Amadeus", "Der englische Patient"). Das Buch zu "At Play in the Fields of the Lord? / "Ein Pfeil in den Himmel? schrieb Peter Mathissen. Als Schauspieler konnte Babenco Tom Berenger und Daryll Hannah gewinnen, die in seiner Heimat am Amazonas mit ihm arbeiteten.

Ein persönlicher Schicksalsschlag unterbrach Babencos filmische Karriere. Nachdem er sich von einer Knochenmarkstransplantation erholt hatte, drehte Hector Babenco einen sehr persönlichen Film: die Jugend-Romanze "Foolish Heart" (1998), die in Cannes uraufgeführt wurde.

Im Jahr 2001 war Hector Babenco Mitglied der Jury bei den "Internationalen Filmfestspielen Berlin".


Veranstaltungen im HKW:
Freitag, 10. November 1989
Der andere Blick
Die "Dritte Welt" im Film in ausländischen und einheimischen Produktionen
Pixote: A Lei do Mais Fraco / Asphalt Haie
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Sonntag, 14. Juni 1992
500 Jahre Lateinamerika
Filmreihe
Pixote: A Lei do Mais Fraco / Asphalt Haie
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Freitag, 23. Oktober 1992
Woche des politischen Gefangenen
Pixote: A Lei do Mais Fraco / Asphalt Haie
Veranstalter: Amnesty International in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt

Mittwoch, 12. Oktober 1994
Mittwochskino
Cinema Novo
Pixote: A Lei do Mais Fraco / Asphalt Haie
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt in Zusammenarbeit mit SUR Films Köln

Author: Gabriele Gillner

Bio

Hector Babenco wurde am 7. Februar 1946 in Mar de Plata, Buenos Aires, Argentinien, als Sohn russischer und polnischer Immigranten geboren. Achtzehnjährig reist er, begeistert von der Philosophie des Existenzialismus nach Europa, wo er sich mit zahlreichen Aushilfsjobs eine mehrjährige Reise finanziert, die ihn nach Afrika und Nordamerika führt. Bei seiner Rückkehr nach Südamerika wählt er die Metropole São Paulo als neue Heimat. Die politische Zensur hindert ihn, Filme im Stil des "cinema novo" zu drehen und er verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Dokumentar- und Kurzfilmen sowie Werbespots. 1975 dreht er seinen Debütfilm "O Rei da Noite" / "King of the Night".
Bis heute lebt Babenco in São Paulo, dessen arme Bewohner im Mittelpunkt seiner Filme stehen. Nach seiner ersten amerikanischen Produktion "The Kiss of the Spider Woman" / "Der Kuss der Spinnenfrau" (1984) produzierte er alle weiteren Filme in den USA.

Works

El Pasado

Film / TV,
2007

Carandiru

Film / TV,
2003

Corazon iluminado / Foolish Heart

Film / TV,
1998

At Play in the Fields of the Lord / Ein Pfeil in den Himmel

Film / TV,
1991

Ironweed/ Wolfsmilch

Film / TV,
1987

Beijo da Mulher Aranha / Kuss der Spinnenfrau

Film / TV,
1984

Pixote: A Lei do Mais Fraco / Asphalt Haie

Film / TV,
1981

Lucio Flavio, o Passageiro da Agonia / Lucio Flavio

Film / TV,
1977

O Rei da Noite / King of the Night

Film / TV,
1975