BLK JKS

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genre(subgenre):
Musik (Dub, Mbaqanga, Rock, Township Jazz, Zulu)
region:
Africa, Southern
country/territory:
South Africa
created on:
June 11, 2010
last changed on:
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 BLK JKS
BLK JKS © Mikhael Subotzky

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Jo’Burgs psychedelischer Avantgarde-Rock

Was auf den ersten Blick wie die sperrige Abkürzung eines Konzerns klingen mag, ist ein Name, hinter dem sich eine der ungewöhnlichsten Bands ganz Afrikas verbirgt. Die Johannesburger „Black Jacks“ – denn so sprechen sie sich – haben ein Genre aus der Taufe gehoben, das von der Presse hilflos mit verschiedensten Namen betextet wurde: Zulu-Rock, Dub Metal, Afrogothic. Die Roots Südafrikas, gepaart mit der Klangsprache weißer Rocker wie Led Zeppelin und Hendrix – eine gewagte, wuchtige Synthese ohne Vorläufer.
Im Jahre 2000 gründen Leadsänger Linda Buthelezi und Gitarrist Mpumi Mcata aus Spruitview im Südosten des Großraums Johannesburg die Band, seit Kindertagen kennen sie sich. Mit Bassist Molefi Makananise und Drummer Tshepang Ramoba, beide aus Soweto und beide mit der Tradition des Township Jazz groß geworden, komplettiert das Quartett sein Line-Up und probt zunächst in einem kleinen Club. Das zufällig anwesende Publikum jedoch wird von der ungewöhnlichen Musik derart in den Bann gezogen, dass aus den Proben Konzerte werden und sich der Ruf der BLK JKS als ultimativer Geheimtipp schnell verbreitet. Doch es schlagen ihnen auch Vorbehalte entgegen: „Da war eine Menge Feindseligkeit am Anfang“, erinnern sie sich. „Rock wurde immer als etwas Weißes gesehen, die Musik der Gegenseite. Doch bald haben die Leute gemerkt, dass das, was wir machen, viel mehr zu tun hat mit dem heutigen Südafrika als die Popmusik, die die Radios spielen.“

Tatsächlich bekommen die BLK JKS bald die Chance, in den SABC-Studios von Johannesburg Aufnahmen zu machen. Ein psychedelischer, mäandrierender Sound entwickelt sich während dieser Session, dahinter steht eine freigeistige Philosophie, die man eher aus der kollektiven Improvisation des Free Jazz kennt. Kein Wunder, dass sich die Band nicht – wie etwa ihr weißes Gegenstück, die Parlotones mit ihren schnörkellosen, aber auch konservativen Mainstream-Vokabeln – als internationales Erfolgsrezept schnell vermarkten lassen. Und man muss wohl kaum betonen, dass auch die BLK JKS selbst sich nicht als typisch südafrikanische Band sehen: „Wir sind wie ein Gewächs, ein Abszess, der implodieren, explodieren, oder dem Kontinent Superpower verleihen könnte“, sagten sie dem amerikanischen Magazin Fader.

Die Muttersprachen der Bandmitglieder sind Xhosa, Zulu, Tswana und Pedi, doch sie sind ohnehin zweitrangig. Denn für das unorthodoxe Quartett zählt zunächst die Melodie, dann erst die Worte, mit denen sie den desolaten Zustand des neuen Südafrika unter die Lupe nehmen, dazu dienen ihnen abgedrehte Metaphern, die von Maschinen und medizinischen Horrorszenarien bevölkert werden. Die traditionellen Grundsubstanzen drängen immer wieder hervor, etwa im Groove des Mbaqanga, jener genuin südafrikanischen Popmusik mit ihrem schnellen Rhythmus, oder in einem Anti-Apartheids-Tanz, den sogenannten Toyi-Toyi. Doch die komplexen, muskulösen Rock-Strukturen von Led Zeppelin und Black Sabbath sind eben genauso zu spüren, die wirbelsturmartigen Gitarreneskapaden eines Hendrix, sogar die irre glissandierenden Vocals eines David Byrne.

So kommt es auch, dass die BLK JKS keinerlei Berührungsängste vor verschiedenartigsten Zuhörern haben. Sie sind im Apartheid-Museum aufgetreten, im Umfeld des Kwaito, jenem südafrikanischen Abkömmling des House, und im Benefiz-Rahmen zur Unterstützung ländlicher Fußballteams. Und endlich, 2007 wird man auch international auf sie aufmerksam: Vermittelt durch den New Yorker Produzent Diplo lädt man sie an den Hudson ein. Brandon Curtis spielt mit ihnen in New York zunächst die EP „Mystery“ ein, vier Tracks, die den Township Blues ins 21. Jahrhundert übertragen und aus der Quelle des Spiritual Jazz eines Carlos Garnett trinken. Schauplatz der Aufnahmen sind die legendären Electric Ladyland-Studios, die auch bei der Fertigung des ersten langen Albums „After Robots“ zur Verfügung stehen.

Hier ziehen die BLK JKS denn auch alle Register ihrer Selbstfindung, die noch immer nicht abgeschlossen ist. Denn „After Robots“ klingt mit seinen vielen rhythmischen Brüchen, seinem atemberaubenden Wall Of Sound, seinen martialischen grungeartigen Gitarren, garagenhaften Beats und fast schockierenden Bläserfanfaren wie ein Werk, das über seinen eigenen Wagemut erschrocken ist. Als ob die BLK JKS selbst erst vorsichtig anerkennen, dass sie als einzige schwarze Rockband Afrikas auch noch die avantgardistischste sind. Ihr Weg scheint unaufhaltsam: Im Juni 2010 stehen sie nun beim Kick Off-Konzert zur Fußball-WM neben kommerziellen Weltstars wie Shakira und Alicia Keys auf der Bühne des Orlando-Stadions ihres Mutterbodens Soweto. Parallel verbünden sie sich mit Vieux Farka Touré, einem anderen progressiven Rock-Heroen des schwarzen Kontinents, um den Europäern die Schlagkraft des neuen Afro-Rock vor Ohren zu führen. Mit diesem Quartett verändert sich das Gesicht der afrikanischen Musik für immer.
Author: Stefan Franzen

Works

Mystery

Published Audio,
2009
Secretly Canadian (EP)

After Robots

Published Audio,
2009
Secretly Canadian

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Cup of Cultures

Public Viewing, Pop and Poetry

(11 June 10 - 11 June 11)

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