Yang Zhichao

Article Works Projects
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Performance)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
China
created on:
March 10, 2006
last changed on:
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Yang Zhichao
Yang Zhichao. Courtesy of the artist

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Durchgangsstadium: Schmerz

Yang Zhichao ist ein Performance-Künstler, der seine Einsichten durch die Erfahrung von Schmerz gewinnt.
Was veranlaßt einen Künstler, mit einer Mischung aus seinem Blut und roter Tusche Porträts von Ausstellungsbesuchern zu malen; was, sich die Nummer seines Personalausweises auf den Rücken brennen zu lassen? „Für mich hat Kunst durchaus eine religiöse Dimension. Ich denke da zum Beispiel an die buddhistischen Mönche, denen in China die schwere Aufgabe zukommt, trotz starker Repressionen an ihrem Glauben festzuhalten. Indem sie ihr Leben in den Dienst des friedlichen Miteinanders stellen und dafür im Ernstfall sogar bereit sind zu sterben, geben sie uns die Kraft, an eigenen Idealen festzuhalten. Was im Zeichen der Religion hinter Klostermauern stattfindet, transportiert die Kunst in die Öffentlichkeit.“

1998 in Peking angekommen, beschreibt Yang die Wirkung dieser Megastadt als Schock. Ein krasserer Gegensatz zum Leben auf dem tibetischen Hochplateau seiner Heimatprovinz Gansu ist kaum vorstellbar. Seine Performance „Iron“ (2000) artikuliert das Aufeinanderprallen dieser Welten. Durch seine Kindheitserinnerungen geprägt von einer Lebensauffassung, in der Religiosität und Naturnähe ihren fest angestammten Platz haben, kann eine Stadt wie Peking, die international als ein Exempel radikalster Modernisierungsprozesse gilt, nur als zutiefst irritierend, wenn nicht gar bedrohlich empfunden werden. Indem sich Yang die Nummer seines Passes in den Rücken brennen läßt, visualisiert er die im wahrsten Sinne des Wortes prägende Konfrontation der Außenwelt mit seiner bis dato als Selbst empfundenen Persönlichkeit. Unsichtbar durchlittene Pein und zwangsläufig erfolgende Veränderungen der Identität werden bei dieser Aktion sichtbar gemacht.

Bei der Performance „China Red“ (2004) erzeugt bereits der Titel eine ganze Palette von Assoziationen. Überhaupt ist die Farbe Rot in China omnipräsent: man denke an die roten Papierlaternen, rote Glücksbringer, rote Hochzeitskleidung, die roten Tore und Mauern der traditionellen Gebäude und schließlich die chinesische Nationalflagge. Yangs gleichnamige Performance, in der er Tropfen seines eigenen Blutes – nach einem Schnitt in den Finger – mit roter chinesischer Tusche und Farbpigmenten mischt, in einen Federhalter füllt und damit unbekannte Menschen auf Seide porträtiert, referiert auf die ganz elementare, nämlich physische Metaphorik der Farbe Rot. „Rot ist das Blut, und Blut ist die Essenz des menschlichen Lebens. Indem ich Blut mit Tusche und Pigmenten mische, fließen Kunst und Leben symbolisch zusammen. Bei den Beobachtern löst diese Performance unterschiedlichste Reaktionen aus. Sie verunsichert, wie ein unebener Boden. Zwischen dem Porträtierten und mir entsteht eine Nähe und damit eine Nähe zur Kunst. Da Tusche und Seide traditionell chinesische Materialien sind, erhält „China Red“ außerhalb Chinas noch die Komponente des Dialogs zwischen den Kulturen.“

Yangs Heimatprovinz Gansu liegt am Gelben Fluss. In seiner Performance „Earth“ (2004) lässt Yang sich von einem Arzt Erde des Flussufers in die Bauchdecke implantieren. „Ich weiß, dass diese Sehnsucht, die Trennung zwischen dem Menschen und dem Universum aufzuheben, immer unerfüllt bleiben wird. Es gelingt uns ja noch nicht einmal in einem harmonischen Verhältnis mit der Natur zu leben. Genau diese Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit spiegelt sich in „Earth“. Auch wenn ich die Schmerzen auf mich nehme, mein Körper stößt die Erde ab. Die Menschen hingegen verbindet die Sehnsucht, diese Trennung zu überwinden.“

Für manch einen mögen Yangs Beweggründe eigenwillig anmuten. Ließen sich diese von ihm als „humanistische Botschaften“ bezeichneten Intentionen seiner Performances nicht auch auf einer abstrakteren Ebene umsetzen? Der Künstler verneint lächelnd, aber bestimmt. „Erst die eigene Schmerzerfahrung lässt mich zu Erkenntnissen kommen, die abstrakt nicht zu erreichen sind. Die Schmerzen sind Durchgangsstadium zu einem anderen Lebensgefühl. Indem ich das Thema ‚Schmerz´ enttabuisiere und in die Öffentlichkeit bringe, hoffe ich auch auf einen internationalen Dialog. Denn als Grunderfahrung ist psychisches und physisches Leiden ein grenzüberschreitender Bestandteil des menschlichen Daseins.“

Author: Ulrike Münter

Works

Chinese Red

Production / Performance,
2004

Earth

Production / Performance,
2004

Take Out

Production / Performance,
2004

Tail

Production / Performance,
2003

Ba

Production / Performance,
2003

Hide

Production / Performance,
2002

Iron

Production / Performance,
2000

Planting Grass

Production / Performance,
2000

Jiayu Pass

Production / Performance,
1999

Inside the Fourth Ring Road

Production / Performance,
1999

Love Story

Production / Performance,
1996

Professional Babysitter

Production / Performance,
1995

Gender Culture

Production / Performance,
1994

Preaching

Production / Performance,
1989

Rolling Canvas

Production / Performance,
1987

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2006 „China – Zwischen Vergangenheit und Zukunft“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2005 „China Live“, Chinese Arts Centre, Manchester, Großbritannien „China Live“, Greenroom, Manchester, Großbritannien „China Live“,Chapter, Cardiff, Großbritannien „China Live“, Warwick Arts Centre, Coventry, Großbritannien „China Live“, BALTIC Centre for Contemporary Art, Gateshead, Großbritannien „China Live“, Bluecoat Arts Centre, Liverpool, Großbritannien „China Live“, Colchester Arts Centre, Colchester, Großbritannien „China Live“, Arnolfini, Bristol, Großbritannien „China Live“, Victoria & Albert Museum, London, Großbritannien 2004 „DaDao Live Art Festival”, DaDao Live Art Festival, Peking, China 2003 „Distance”, Guangdong Museum of Art Contemporary Art, Gouangzhou, China „Live Art Festival", Live Art Festival, Peking, China 2002 „Cut in”, China Art Archives & Warehouse (CAAW), Peking, China 2001 „Individual Expression", BASH, Peking, China 2000 „Fuck off ", Eastlink Gallery, Shanghai, China

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Postkarten Projekt

(01 March 07 - 31 December 08)

China - Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Ein Projekt zur zeitgenössischen Kunst Chinas

(24 March 06 - 14 May 06)