Uchqun Nazarov

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crossroads:
Gender, Macht, Wendepunkt
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Märchen, Roman)
region:
Asia, Southern and Central
country/territory:
Uzbekistan
city:
Taschkent
created on:
May 26, 2003
last changed on:
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Article

Frauen in den Hauptrollen

Der 1943 in Usbekistan geborene Uchqun Nazarov ist Regisseur und Schriftsteller. Sein 2002 in deutscher Übersetzung erschienener Roman „Das Jahr des Skorpions” spielt in Taschkent zum Ende des Zweiten Weltkriegs und ist das Porträt einer Gesellschaft, in der sich sowjetische und traditionelle islamisch-asiatische Elemente auf ebenso irritierende wie faszinierende Weise durchdringen.
Uchqun Nazarov, der in Taschkent und Moskau als Kinoregisseur ausgebildet wurde, drehte mehr als zehn Filme und veröffentlicht seit Anfang der sechziger Jahre Erzählungen und Romane auf Usbekisch und in russischer Sprache.

Die zentralen Figuren in Uchqun Nazarovs Werk sind meist Frauen – er beschreibt ihr Schicksal und ihre Versuche, Fesseln und Schleier abzuwerfen, die es laut Gesetz nicht gibt, in denen sie jedoch aufgrund öffentlicher Moralvorstellungen gefangen sind.

Die Missstände einer Gesellschaft, sagte er in einem Interview mit der taz (18.4.2002), seien daran zu erkennen, wie mit Frauen umgegangen werde. Und so sind auch die Hauptfiguren seiner ersten 1960 erschienenen Erzählung „Die Leute“ Frauen.

Mit seinem Roman „Das Jahr des Skorpions”, der 2002 in der deutschen Übersetzung von Ingeborg Baldauf im Dagyeli-Verlag erschienen ist, stellt Nazarov die auch heute in Usbekistan aktuelle Frage nach dem Verhältnis von Macht, Recht und individuellen Lebensmöglichkeiten der Bürger.

Nazarov erzählt in dem im Taschkent der vierziger Jahre angesiedelten Roman von einer fast unübersehbar dichten Kette provinzieller Machenschaften. Er poträtiert eine Gesellschaft, in der es wenige Drahtzieher gibt und viele, die ihnen ausgeliefert sind. Murod Khoja gehört zu den Mächtigen von Taschkent. Er ist reich, hält die religiösen Bräuche ein, steht gut mit der Partei, hat seine Leute an den entscheidenden Kanälen sitzen. In seinem Vorzimmer finden sich stets Bittsteller ein. Khojas Zukunft sieht rosig aus. Aber seine Familie beginnt auseinander zu brechen, weil die Kinder die traditionellen Regeln des Familienlebens nicht mehr akzeptieren. Seine Tochter verliebt sich in einen mittellosen jungen Mann, der auf Khojas Geheiß bald darauf an die Front geschickt wird. Auch sein Sohn bereitet ihm Schwierigkeiten. Er möchte freiwillig an die Front - was Khoja verhindert, indem er ihm Plattfüße attestieren lässt. Später, als sich auch der Sohn in eine vermeintlich „schlechte Partie" verliebt und als abtrünnig erweist, veranlasst Khoja, dass der Bescheid rückgängig gemacht und auch der Sohn einberufen wird.

Wie Ruhepole zwischen den zahlreichen Dialogen und die in sie hineinmontierten Beobachtungssequenzen wirken seine ausführlichen Raumbeschreibungen. Zimmer sind bei Nazarov Zufluchtsorte, in denen die Dinge ihren Platz haben und so etwas wie Dauer und Bestand garantieren, während die Menschen, die sich in diesen Räumen aufhalten, zu Besuchern geraten.

Bio

Der 1934 geborene Nazarov hat Theater studiert, ging danach zum Film und arbeitete in usbekischen Filmeinrichtungen. Seine erste Erzählung hieß "Die Leute" und erschien 1960. Bald darauf wurde sie für den Druck in einer Moskauer Literaturzeitschrift aus dem Usbekischen ins Russische übertragen. Mit der Niederschrift seines Romans "Das Jahr des Skorpions", eben auf Deutsch im Dagyeli-Verlag erschienen, begann Nazarov kurz vor Beginn der Perestroika. Als Kinoregisseur hat Uchqun Nazarov für Usbekfilm mehr als zehn Filme gedreht.

Works

Das Jahr des Skorpions

Published Written,
2002
Roman. Dagyeli: Berlin

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Abseits der Seidenstraße

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