Luis Miguel Suro

Article Bio Works Projects
crossroads:
Alltag, Tradition
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Bildhauerei, Installation, Malerei)
Design & Kunstgewerbe (Keramik)
region:
America, Central
country/territory:
Mexico
created on:
May 28, 2003
last changed on:
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Article

Zwischen Archaik und Massenproduktion

Luis Miguel Suro entstammt einer Kunsthandwerkerfamilie aus Guadalajara im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Er verwandelt die Tradition keramischer Arbeit in Plastiken und Rauminstallationen, die sich inhaltlich am modernen Design orientieren. Durch das Blow-up alltäglicher Gegenstände erhalten diese eine neue und zugleich metaphorische Dimension. In allen Werken von Suro, auch solchen in anderen naturhaften Materialien, findet sich ein ironisch-kritischer Kommentar zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen.
Luis Miguel Suro wurde in Guadalajara geboren, das durch die Vororte Tonalá und Tlaquepaque seit präkolumbianischen Zeiten für Töpferei und Kunsthandwerk berühmt ist. Er entstammt selbst einer Keramiker-Familie, setzt diese Tradition aber auf ungewöhnliche Weise fort, indem er das archaische Material anders und in neue Zusammenhänge bringt. Darüber hinaus arbeitet er als Ratgeber in der väterlichen Keramikindustrie mit, die unter anderem schon Aufträge für den bekannten kubanischen Künstler Jorge Pardo ausgeführt hat. Neben der Keramik, die Suro für große plastische Serien verwendet, benutzt er auch andere Materialien. Die Plastik, für die er 2000 den „Omnilife Prize“ gewann, besteht aus Hartkarton über einer Holzkonstruktion und zeigt in Lebensgröße eines der in Mexiko weit verbreiteten, für Lastwagen geeigneten Gehäuse zum Campieren, mit dem die Menschen auf der Suche nach Arbeit ständig unterwegs und ohne festes Zuhause sind. Der scheinbar auf einer Straße von Guadalajara geparkte Wohnraum, „Caseta de Pick-Up 1“, aus der Serie „Viviendas móviles“ erinnert an die prekären Bedingungen, unter denen viele mexikanische Familien leben müssen.

Suros keramische Arbeiten sind überdimensionale Fassungen von Computerzubehör oder anderer elektrischer Apparate. So hat er zum Beispiel ergonomisch geformte einzelne Tasten aus Keramik hergestellt und sie mit verschiedenen Worten versehen: MUTE, POWER, TALK, CANCEL, CLR, Zeichen wie +, - und Klammern oder PANIC (Serie „Pull the Button“), eine eher kleine Arbeit, die wegen ihrer metaphorischen Benennung den Titel für eine ganze Ausstellung abgab, in der Suro seine Keramikplastiken aus fünf Jahren zusammenführte. Unter dem Namen „Daily Plagiarisms“ hat er auch andere Dinge des Alltags in ironischer Form gleichsam keramisch monumentalisiert, darunter Blow-up-Versionen von Tasten einer Fernbedienung, Hustenbonbons, Kugelschreiber und Autokennzeichen.

Über eine andere Werkgruppe, „Bancos” (1999), ebenfalls aus Keramik, schreibt Cynthia Nadelman: „... he has given Mexican banks a not-so-gentle ribbing, first in a serious of bottomless piggy banks adorned with the logos of the country’s major financial institutions, and then when he created a nonworking ATM machine, installed last year \2000 in the Guadalajara suburb of Zapopan.” Suro berichtet über die zweite Arbeit, dass täglich bis zu dreißig Personen den Geldautomaten benutzen wollten, den sie hinter dem direkt von der Straße aus zugänglichen, von Suro gestalteten Eingang mit Glastür und der Aufschrift „Cajero“ vermuteten. Als sie merkten, dass sie einem Fake aufsaßen, schimpften sie über die Banken. Nadelman resümiert: „In a country saturated with older traditions, the formative influence of a modern ceramics factory seems to have given Suro a heightened sensitivity toward the clashes and the connections between craft and the sleekly anonymous, mass-produced products of today” (ARTnews, April 2001).

Im Rahmen der Ausstellung „Zebra Crossing“ zeigte der Künstler die Rauminstallation “Bureaucracy“, bestehend aus 55 Heuballen, die sich zum Titelwort formierten. Der folgende Kommentar bezieht sich auf diese Arbeit, die in Berlin ohne die Ergänzung seines Kollegen Lebrija zu sehen war: „Gonzalo Lebrija und Luis Miguel Suro kokettieren mit ihrer zuerst in England installierten Arbeit ‚Bureaucracy/Three White Horses’ (2001), die aus einem aus Strohpacken geformten Wort von Suro sowie der von Lebrija verantworteten Fotografie dieses Strohs mit drei Schimmeln besteht, mit der Arte Povera. Es entsteht eine Spannung zwischen der dargestellten Landidylle und der impliziten Kritik am sozioökonomischen System Mexikos, in dem auf dem Land selten Idylle herrscht, und wenn, dann nicht in der im Werk präsentierten Weise“ (Eduardo Abaroa im Katalog).
Author: Michael Nungesser

Bio

Luis Miguel Suro wurde am 12. Mai 1972 in Guadalajara/Jalisco geboren. Seiner Familie gehört die Fabrik Cerámica Contemporánea, in der er selbst mitgearbeitet hat und die auf sein Betreiben hin Arbeitsstipendien an Künstler vergibt. Suro studierte in Guadalajara 1989 Zeichnung, Malerei und Kunsttheorie am Instituto Cultural Cabañas, 1990-91 Architektur am Instituto Tecnológico de Estudios Superiores de Occidente (ITESO), 1994 und 1998 Workshops in zeitgenössischer Kunsttheorie an Corpus Callosum in El Callo und Fundación de Arte Contemporáneo (FARCO).

Er hat zahlreiche Artist-in-Residence-Stipendien erhalten: u.a. 1996 Altos de Chavon Cultural Center Foundation, Dominikanische Republik; Ragdale Foundation, Lake Forest/Illinois; 2001 Braziers International Artist Workshop, Oxfordshire; 2001 École Cantonale d’Art du Valais, Sierre (Schweiz); 2003 Art Omi International Artists Colony, Omi/New York. 2000 erhielt Suro den 1. Preis für Skulptur (Omnilife Prize) in Guadalajara und für 2000-2001 ein Stipendium für junge Künstler des Fondo Nacional para la Cultura y las Artes in Mexiko-Stadt.

Suros Werk befindet sich in bedeutenden Privatsammlungen, u.a. Colección Jumex in Mexiko-Stadt, Colección López Rocha in Guadalajara, Patchet Collection in Los Angeles/California, Goldberg Collection in New York und der Collection Mairlot in Brüssel. 2001 hielt der Künstler in der Schweiz Diavorträge an der École Cantonale d’Art du Valais und an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich. Luis Miguel Suro lebt und arbeitet in Guadalajara.

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Soft Machos”, Pilar Parra & Romero Galería de Arte, Madrid, Spanien 2004 „So Far So Close: Contemporary Art From Guadalajara”, The Americas Society, New York, USA „Significant Anomaly“, Scope Art Fair, New York, USA „Mexica Report“, Blue Star Art Space, San Antonio, USA „Piel Fria“, Mexican Cultural Institute, Paris, Frankreich 2003 „TEKHNE“, The Buena Vista Building, Miami, USA „SUMA 03“, Intl. Contemporary Art Museum Rufino Tamayo, Mexiko-Stadt, Mexiko „Mexico Iluminated", Freedman Gallery Of Albright College Center for the Arts, Reading, Großbritannien „In the Absence of Recombination", Bronx River Art Center, New York, USA „Eins zu Eins“, K3, Zürich, Schweiz „25 Hrs., Intl. Video Art Show“, The Video Art Foundation + UNXposed, Barcelona, Spanien „Trans-Figuration", Palazzo Mediceo, Seravezza, Lucca, Italien „Espectacular“, Spain Cultural Center, Mexiko-Stadt, Mexiko „Piel Fria“, Carrillo Gil Contemporary Art Museum, Mexiko-Stadt, Mexiko 2002 „Zebra Crossing" Haus der Kulturen der Welt, Berlin „Géneros en Transito", Méxican Cultural Institue, Paris, Frankreich „Sauvage", La Panaderia, Mexiko-Stadt, Mexiko 2001 „Sala de Recuperación", Carrillo Gil Contemporary Art Museum, Mexiko-Stadt, Mexiko „Video Screenings", 291 Gallery, London, Großbritannien „Suma Pictorica", Museum of Art of the U de G, Guadalajara, Mexiko 2000 „The Pleasure Principle", EX-Teresa Arte Actual, Mexiko-Stadt, Mexiko „3D", Sala Polivalente of the University of Guanajuato, Guanajuato, Mexiko „Blown Away", Garth Clark Gallery, New York, USA „Talleres", Mexican Cultural Institute, New York, USA 1999 „Today and Everyday", Ramis Barquet Gallery, New York, USA „Talleres", Track 16 Galley, Los Angeles, USA „Seeing Money", Portland Old Town & Culture Foundation, Portland, USA „En Busca de un Lugar No Conquistado", EX-Teresa Arte Actual, Mexiko-Stadt, Mexiko 1998 „HIPER", Carrillo Gil Contemporary Art Museum, Mexiko-Stadt, Mexiko „Pequeñas Criaturas", Cultural Institute Cabañas, Guadalajara, Mexiko 1997 „Art in Otro", Nina Menocal Gallery, Guadalajara, Mexiko „Bestias y Nahuales", S.H.C.P. Cultural Center, Mexiko-Stadt, Mexiko 1994 „Sentimientos Encontrados", Corpus Callosum El Callo, Guadalajara, Mexiko 1990 „Salon de Octubre", Cultural Institute Cabañas, Guadalajara, Mexiko

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2003 „Gallos ¼ de Proyecto”, Museum of Science & Art of the U.NAM., Mexiko-Stadt, Mexiko 2002 „PANIC", Ramis Barquet Gallery, Monterrey, Mexiko „BUREAUCRACY“, Programa Art Center, Mexiko-Stadt, Mexiko 2000 „Plagios Cotidianos", GARA Art Gallery, Buenos Aires, Argentinien „Pull the Button“, Venetia Kapernekas Fine Art Inc., New York, USA „Fake ATM“, Zapopan Project, Guadalajara, Mexiko 1998 „Ceramics, Paintings and Drawings“, Leonora Vega Gallery, New York, USA 1995 „Lo Que Resbala de la Almohada”, El Almazen de la Nave, Madrid, Spanien

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

MEXartes-berlin.de

The Mexico-festival in Berlin

(15 September 02 - 01 December 02)