Arnaldo Antunes

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genre(subgenre):
Musik (Brazil Pop, Funk, Punk, Reggae, Rock)
region:
America, South
country/territory:
Brazil
created on:
June 26, 2006
last changed on:
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Arnaldo Antunes
Arnaldo Antunes. Copyright: Marcia Xavier

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Vielfältigkeit und kontinuierliche Bewegung - Arnaldo Antunes

„Tropicalia“ bezeichnet die Reaktion von Brasiliens Popkultur auf die zweite Welle der Rockmusik, welche ab Mitte der 60er die Welt eroberte. Die zu Recht nahezu mythische Größe jener Szene, welche die angloamerikanische Musik weit stärker interpretierte als sie nachzuahmen, blockierte jedoch weitere kreative Ansätze. Sicher, da gab es den großen Raoul Seixas und den Boogie Rock der späteren Solo Werke der Ex-Os Mutantes Sängerin Rita Lee, doch erst zu Anfang der 80er etablierte sich eine eigenständige Rockszene in Brasilien. Die musste nun im Schnelldurchgang an eine nicht mehr authentischen Rock beschwörende Musik anknüpfen. Tatsächlich aber endete vieles in der brasilianischen Rockmusik dann doch als Kopie, als gut gemeinter Versuch. In dieser Situation beginnt die musikalische Karriere Arnaldo Antunes. „Musikalische" muss hier betont werden, denn der 1960 in São Paulo geborene Antunes arbeitet seit geraumer Zeit ebenfalls als visueller Künstler und Autor. Bisher hat er acht Bücher veröffentlicht.
Bereits als Teenager interessiert sich Antunes für die verschiedenen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und als Schüler des Colégio Equipe sieht er im dortigen Cultural Center nicht nur Gilberto Gil und Caetano Veloso, sondern kommt in Kontakt mit brasilianischer Musik aller Stilrichtungen. Dennoch debütiert er mit einer Novelle, die von seiner Schule verlegt wird. Es folgt ein experimenteller Super 8 Film. In São Paulo wohnt er 1980 im Haus des Malers José Roberto Aguilar und partizipiert an dessen Musikprojekt Banda Performática. Auf dem Album der Banda Performática wirkt er nicht nur als Musiker, sondern komponiert ebenfalls. Als besonders fruchtbar erweist sich dabei die Zusammenarbeit mit dem Banda Performática Kollegen Paulo Miklos. Für eine ihrer Kompositionen erhält er 1980 den Preis für den besten Text auf dem FAAP Musikfestival.

Ein Jahr darauf sammeln die beiden weitere Musiker um sich; es ist die Zeit, in der Brasiliens Rockszene erste Umrisse bekommt. Antunes, Miklos und sieben weitere Musiker gründen die Band Titãs do Ieiê. Als 1984 ihr erstes Album erscheint, heißen sie nur noch Titãs und werden zur prägenden Kraft in Brasiliens junger Szene. Dabei erscheinen sie mit acht Komponisten und darunter fünf Leadsängern eher als ein vielköpfiges Kollektiv denn als Band, was dazu führt, dass sie viele der in der ersten Hälfte der 80er möglichen Popoptionen ausprobieren: Punk, New Wave-Pop, Reggae, Funk. Ein wenig werden sie zu den The Clash Brasiliens auch wenn sie nicht gänzlich ein Teil des Punk-Wave Undergrounds der frühen 80er waren. Titãs sind dennoch fern vom Image eine glatten, den Erfolg kalkulierenden Band. 1985 Antunes wegen Heroinbesitz festgenommen. Dieses Erlebnis und das brüchiger werdende Gefüge Brasiliens junger Demokratie bewegen die Band zu ihrem Meisterwerk „Cabeça Dinossauro", welches 1986 erscheint. Die Karriere der Titãs kulminiert in einer furiosen Show auf dem Hollywood Rock Festival in Rio 1988. In der Folge werden sie weltweit wahrgenommen und spielen etwa im Folgejahr in Montreux.

Daneben schreibt Antunes weiterhin Lyrik, er malt, stellt aus und publiziert Kunstmagazine. 1989 kuratiert er die Ausstellung „The Artist’s Look" im MAC, dem Museum für zeitgenössische Kunst in São Paulo. Mit 300 weiteren Künstlern nimmt er an der Perfomance „d´A Revolução Francesa", einer Darstellung des Lebens Marats, teil. Seine Beschäftigung mit visueller Poesie bringt ihn und seine Arbeiten zu den wegweisenden Ausstellungen „Transfutur, Visuelle Poesie" in Kassel und „p0es1e — digitale dichtkunst" in der Galerie Am Market in Annaberg-Burchholz. Fast nebenbei schreibt er Songs mit Jorge Ben, Marina Lima und singt auf Marisa Montes zweiter LP „Mais".

Die Begrenzungen eines Bandgefüges entfernen den viel beschäftigten Individualisten von den Titãs und er verlässt die Band. 1993 erscheint sein Solo Debüt „Nome" und im selben Jahr vertonen Caetano Veloso und Gilberto Gil sein Gedicht „As coisas" auf ihrem Album „Tropicalia 2“. 1994 werden seine Arbeiten auf mehreren bedeutenden nationalen Kunstausstellungen gezeigt und Antunes verbindet seine verschiedenen künstlerischen Aktivitäten in einer Zusammenarbeit unter dem Titel seines Debütalbums („Nome“) mit Zaba Moreau auf dem wichtigen Grazer Avantgardekunstfestival Steirischer Herbst. „Nome“ wird in der Folge noch mehrfach an verschiedenen Orten in Brasilien aufgeführt. Ein Video mit demselben Titel entsteht und wird weltweit in vielen Ländern gezeigt. 1995 kommt sein Album „Ninguém“. Produziert von Liminha fokussiert es Antunes Stil aus Anleihen an US-Alternative Stile und der Fülle brasilianischer Klänge. 1996 ist er in Marisa Montes Heimvideo „Barulhinho Bom“ neben Carlinhos Brown zu sehen und während seine Gedichte immer mehr Beachtung finden (etwa mit der Aufnahme in die Anthologie „Norte y Sur de la Poesia Iberoamericana - Argentina, Brazil, Chile, Columbia, Spain, Mexico, Venezuela") und seine Kunst ausgestellt wird, führt ihn die Musik wieder mit den Titãs für die Aufnahmen zu der DVD „Titãs Acoustic" zusammen. Bis 2001 entstehen weitere Solo Alben: „O Silêncio" (1996), „Um Som" (1998) und „Paradeiro" (2001). Letzteres wird von Carlinhos Brown produziert.

Fast scheint unvermeidlich, was dann doch in aller Stille stattfindet: Monte, Brown und Antunes treffen sich zu spontanen Sessions, schreiben Songs und produzieren in Marisa Montes Haus daraus ein Album: „Tribalistas“. Es wird 2002 in Brasilien veröffentlicht und als Sensation gefeiert. Das Projekt einer Anti-Supergruppe wächst unerwartet zum Platinstatus und zum Nr. 1 Hit in Italien und Portugal. Viele Kritiker fühlen sich von dem Album an die Tropicalistas erinnert, 2003 erhält es einen Latin Grammy. Im folgenden Jahr setzt Arnaldo Antunes mit „Saiba" seiner ersten Soloplatte auf seinem eigenen Label Rosa Celeste künstlerisch die vielteilige, unkonventionelle Freiheit der Tribalistas-Arbeiten fort. Die Tour zum Album führt ihn 2005 bis nach Europa. Doch davor wurde noch einer seiner Kindheitsträume wahr: er singt auf der CD „Hinos do Placar" die Hymne des Santos Futebol Club, den er seit seiner Kindheit verehrt.

Vielfältigkeit und kontinuierliche Bewegung zeichnen seine Arbeit auch weiterhin aus, als Performance-Künstler, Autor und Musiker bleibt er in seinen Aktivitäten kaum einzuschätzen und entdeckt in wie zwischen den Künsten neue Freiräume, die ihm nicht nur in Brasiliens aktueller Musiklandschaft eine einzigartige Position verschaffen.


Juni 2006
Author: Oliver Tepel

Bio

Arnaldo Augusto Nora Antunes wurde am 2. September 1960 in São Paulo geboren. Er ist das vierte von sieben Kindern. Nach seiner Grundschulzeit besucht er die High School der katholischen Universität in São Domingos, Perdizes. In dieser Zeit beginnt er zu malen und seine ersten Gedichte zu verfassen. Mit dem Wechsel zur Equipe High School 1975 werden seine künstlerischen Neigungen gefördert. Hier trifft er auf das Gros der späteren Bandmitglieder der Band Titãs. In dieser Zeit unterstützt die High School sein erstes Autorenwerk „Camaleão".

1979 zieht seine Familie nach Rio de Janeiro. Antunes beginnt seine ersten experimentellen Filmaufnahmen mit „Jimi Gogh", einem Super 8 Film über Van Gogh und Jimi Hendrix.

1980 kehrt Antunes ohne seine Familie nach São Paulo zurück und heiratet Go, seine erste Frau. In den ersten zwei Jahren leben sie im Haus des Künstlers José Roberto Aguilar, mit dem sie schließlich die Band Banda Performática gründen. Antunes veröffentlich außerdem das Magazin Almanak 80 und erhält gemeinsam mit Paulo Miklos den ersten Preis für seine Lyrics beim FAAP Music Festival.

1981 erscheint ein neues Magazin - Kataloki (Almanak 81), das Antunes gemeinsam mit Beto Borges, Sergio Papi und Nuno Ramos publiziert. 1982 tritt er zum ersten Mal gemeinsam mit der Band Titãs do Ieiê auf, das erste Album ( „Titãs") kommt 1984 auf den Markt, 1986 erscheint ihr Meisterwerk „Cabeça Dinossauro". Parallel zu seiner Musiker-Karriere betreibt Arnaldo weiter seine Karriere als Autor. Mit „Ou e" erscheint 1983 sein erster Gedichtband. 1989 kuratiert er die Ausstellung „The Artist Look" im Museum of Contemporary Art (MAC) in São Paulo. Zahlreiche Alben, Ausstellungen und bisher sieben weitere Buchpublikationen folgen. 2003 erhält das Album „Tribalistas" den Triple Platinum Award in Brasilien sowie Platin in Italien und Portugal.

Works

ET Eu Tu

Published Written,
2003
Cosac & Naify: São Paulo

Palavra desordem

Published Written,
2002
Iluminuras: São Paulo

Paradeiro

Published Audio,
2001
BMG

Outro

Published Written,
2001
Mirabilia: Curitiba

O Corpo

Published Audio,
2000
BMG

Doble Duplo

Published Written,
2000
Zona de Obras / Tan: Barcelona

40 escritos

Published Written,
2000
Published by João Bandeira. Iluminuras: São Paulo

Focus

Published Audio,
1999
BMG

Um som

Published Audio,
1998
BMG

2 ou + corpos no mesmo espaço

Published Written,
1997
Perspectiva: São Paulo

Nome

Published Audio,
1993
BMG

Nome

Published Written,
1993
Part of the project "Nome" with video and CD. BMG.

As coisas

Published Written,
1992
Iluminuras: São Paulo

Tudos

Published Written,
1990
Iluminuras: São Paulo

Psia

Published Written,
1986
Iluminuras: São Paulo

OU E

Established,
1983
Edition of the artist: São Paulo

Titãs

Published Audio
Tudo ao Mesmo Tempo Agora WEA – 1991 Õ Blesq Blom WEA – 1989 Go Back WEA – 1988 Jesus Não Tem Dentes no País dos Banguelas WEA – 1987 Cabeça Dinossauro WEA – 1986 Televisão WEA – 1985 Titãs WEA - 1984

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Brasil - Copa da Cultura

(14 June 06 - 14 June 08)

Www

Homepage Arnaldo Antunes