Mariana Baraj

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genre(subgenre):
Musik (Latin Folk, Latin Jazz)
region:
America, South
country/territory:
Argentina
created on:
August 31, 2004
last changed on:
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information provided by:
Mariana Baraj

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Neue Farben in der argentinischen Musik

Seit 1991 ist Mariana Baraj als Perkussionistin und Sängerin im argentinischen Rock, Pop und Jazz aktiv. Ihr Ende 2002 veröffentlichtes Debütalbum "Lumbre" überraschte indessen auch langjährige Fans. Im Quintett mit progressiven Instrumentalisten aus Buenos Aires lotet Baraj Verbindungen zwischen der wieder entdeckten heimischen "Folklorica" und internationaler Improvisations-Ästhetik aus. Auf dem Weg zum Ziel lässt sich die Band zu kleinen Abstechern verlocken. Afrikanische Traditionen klingen an, brasilianische Erinnerungen werden geweckt. So schlägt Mariana Baraj einen Bogen von Einflüssen ihrer musikalischen Familie zu Erfahrungen aus dem kreativen Underground der argentinischen Metropole.
"Ich wollte eine andere Haltung gegenüber der Folklore einnehmen", erklärt Mariana Baraj ihre Variationen von Songs bekannter argentinischer Autoren oder regionaler Volkslieder. Es gehe um neue Klangfarben und Stil-Fusionen, stellt die Musikerin Jahrgang 1970 fest, doch sollten die musikalischen Wurzeln klar erkennbar bleiben. Mit dieser Position zählt Baraj ohne Zweifel zum wachsenden Kreis ihrer Generation, die ehemals als "konservativ" abgelehnte folkloristische Traditionen neu entdecken. Dabei erinnern sie sich auch der "Folklorica"-Bewegung der sechziger und siebziger Jahre. Zu deren Köpfen zählte der Gitarrist Ramón Ayala, dessen Song "Posadeña linda" ebenso in Mariana Barajs Repertoire zu finden ist wie zwei Klassiker von Gustavo "Cuchi" Leguizamóns. Dieser einflussreiche Folk-Singer/Songwriter kam ursprünglich aus der Provinz Santiago del Estero im Norden Argentiniens und Lieder dieser Region kennt Mariana Baraj schon seit ihrer Kindheit – ihre Großmutter stammte ebenfalls von dort. Andere Volksweisen von der CD "Lumbre" wurzeln in der Provinz Tucumán, wobei sich Baraj auf die Bearbeitungen der populären Sängerin Leda Valladares stützt.

Das experimentierfreudige Geschichtsbewusstsein, mit dem sich Mariana Baraj überlieferten Stilen wie Chacarera oder Zamba nähert, ist im heutigen Argentinien keine Seltenheit mehr. Der Gitarrist Fernando Tarrés zählt zu den Schlüsselfiguren der progressiven Szene in Buenos Aires. Schon früher spielte er mit Baraj zusammen und die Songs von "Lumbre" lassen immer wieder seine Handschrift durchschimmern. Tarrés´ musikalisches Spektrum reicht von Latin-Pop bis zu europäischer Klassik; in den vergangenen Jahren arbeitete er mit internationalen Stars wie Tito Puente, Paquito D´Rivera, Tom Harrell, Danilo Pérez, Rubén Blades oder Gary Burton und in Ensembles der Filarmónica de Bologna, Sinfónica de Maracaibo, Filarmónica de Yale oder dem Orquesta Sinfónica de Panamá. Als Produzent betreut er unter anderem die Folk-Serie des Labels BAU Records.

Zusammen mit Mariana Baraj schrieb Fernando Tarrés nuancierte Arrangements, deren feinsinnige Reduktion viel Raum für fragile bis expressive Vokalmelodien und individuelle Improvisationen lässt. Dabei reicht die dynamische Spannweite von traumverlorenen Balladen bis zu schwungvollen, zum Tanzen ansteckenden Rhythmen. Während Jerónimo Carmonas Kontrabass souverän trocken swingt,changieren Saxophon- und Klarinetten-Modulationen von Rodrigo Domínguez zwischen Barjazz-Ästhetik und weitsichtigen Abstraktionen. Domínguez ist auch als Komponist seit den frühen neunziger Jahren im argentinischen Jazz präsent und begegnete dem interessierten europäischen Publikum 2003 als Gastsolist bei dem Projekt "Tango Crash".

Zu den hintergründig leuchtenden Klängen der Instrumentalisten tänzelt die Sängerin zuweilen kraftvoll durch Oktaven, dann wieder schwebt sie gleichsam schwerelos und zart wie eine Wolke am Nachmittagshimmel vorbei. Als Perkussionistin hält sich Baraj dagegen überraschend zurück. Eine sparsame Begleitung einzelner Rasseln wird abgelöst von Flamenco-verwandten Einlagen der akustischen Gitarre, die in einen Latino-Blues überleiten. Manche Ballade kleidet sich in zurückhaltende Pickings der Gitarre und eine sanfte Saxophon-Phrase, an anderer Stelle weckt eine repetitive Tonfolge Erinnerungen an Glockenspiele oder ein afrikanisches Daumenklavier. Lyrische Bilder der Texte verdichten die Romantik der Musik. Die beschworene Liebe zur Natur, zu Tieren und Pflanzen lässt sich immer wieder auch als Metapher für Leidenschaft unter Menschen lesen.

Manchen jungen Fans Mariana Barajs mag "Lumbre" wie eine überraschende musikalische Wendung erscheinen, sie selbst empfindet ihre CD dagegen als logische Entwicklung. Die Karriere der studierten Musikerin begann 1991 im Quintett ihres Vaters, des in großen Teilen Lateinamerikas gefeierten Jazz-Saxophonisten Bernardo Baraj. Nebenbei suchte Mariana nach anderen Erfahrungen und fand sie in der "Independent"-Szene von Buenos Aires. Sie folgte den Spuren ihres Bruders Marcelo in die Gruppe Catupecu Machu, die sich erst mit recht skurrilen Shows einen Namen als Rock-Avantgarde machte, mittlerweile aber im Mainstream angekommen ist und mehrere Tausend Zuschauer zu ihren Konzerten lockt. Ebenso arbeitete Mariana Baraj mit Todos Tus Muertos, der von Fidel Nadal (Manu Negra) gegründeten Punk-Band, die in den neunziger Jahren zur Fusion von Reggae, Ska und Punk konvertierte und gewissermaßen zur argentinischen Vorhut des "Mestizo"-Rock avancierte. Sie habe sich in diesen Gruppen immer wohl gefühlt, sagt Mariana Baraj rückblickend, selbst wenn sich Rockmusik ständig am Rande des Chaos bewege, weil sie eben diese spezielle Energie entwickele.

Zum Ausgleich spielte Baraj mit der viel gefragten Folk- und Tango-Sängerin Liliana Herrero oder mit der legendären Teresa Parodi. An diesen populären Künstlerinnen schätzt Mariana Baraj unter anderem ihre Großzügigkeit: "Sie ließen mich singen, obwohl ich als Perkussionistin engagiert war." Außerdem beteiligte sich Baraj an verschiedenen Theater- und Filmproduktionen wie "Espejos y Laberintos", einer Hommage an Jorge Luis Borges von Leonor Manso, "Teatro po la identidad 2001" von Silvina Katz oder "Cante y baile flamenco" von Laura Manzella. Angesichts einer solchen Vielseitigkeit innerhalb einer Dekade ist es nicht auszuschließen, dass Mariana Baraj in ihrem nächsten Projekt erneut überraschende stilistische Haken schlägt.
Author: Norbert Krampf

Works

Deslumbre

Published Audio,
2006
Los Años Luz Discos

Lumbre

Published Audio,
2002

Margarita y Azucena

Published Audio,
2000

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Black Atlantic

(17 September 04 - 15 November 04)

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