Koji Ueno

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genre(subgenre):
Musik (Filmmusik, Fusion, Jazz, klassische Musik, Kunstmusik, Pop, Punk)
instruments:
Klavier / Piano
created on:
August 20, 2007
last changed on:
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Koji Ueno

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Vom Punk via Soundtracks und Klassik zum Jazz

„Ich habe immer Musik aus anderen Teilen der Welt beobachtet und mich selten um unsere eigenen Traditionen gekümmert", umreißt Koji Ueno seine Inspirationsquellen. Dabei hat der japanische Pianist und Komponist über Dekaden hinweg eine enorme stilistische Spannweite von Punk über Kunstmusik bis Jazz entwickelt. Dennoch ist Ueno bis heute noch nie außerhalb seiner Heimat aufgetreten.
Mit Konventionen beschäftigt sich Koji Ueno von je her allenfalls, um sie zu brechen. Entsprechend hat er seine aktuelle Bigband relativ unorthodox besetzt: Holz- und Blechbläser sind überwiegend klassisch ausgebildete, teilweise recht junge Musikerinnen, den Takt bestimmen Schlagzeug, Marimba und Perkussion, darüber erheben sich zuweilen die Stimmen einer klassischen Sängerin oder eines Rock-Sängers.

Ergänzt wird das 14-köpfige Ensemble durch eine Tänzerin, die sich buchstäblich zwischen den Disziplinen bewegt. Auf dem in sehr ähnlicher Besetzung eingespielten Album „Polystyle" von 2004 klingt die Band recht frei von stilistischen Ein- und Abgrenzungen. Typische Bigband-Phrasen, präzise Unisonos und hitzige Dialoge, zappaesk verschachtelte Arrangements und knapp bemessene Solos signalisieren neben handwerklicher Präzision auch viel Esprit. Vermeintliche Improvisationen lassen allerdings gerne im Unklaren darüber, ob es sich dabei tatsächlich um impulsive Ideen oder um lebendig umgesetzte Notierungen handelt. Das Spiel mit Images und Imaginationen, das die versierten Instrumentalisten in ausgefeilten Kompositionen betreiben, entwickelt bisweilen cineastische Ausstrahlung. Ueno und sein Ensemble gehen zwar akribisch, aber nicht akademisch mit den Kompositionen um. Humorvoll changiert die Sängerin als überdrehte Diva zwischen opernartiger Grandezza und subtiler Parodie, begleitet von schnittigen Bläsern, die Jazz modulieren, aber letztlich doch bei imaginärer Filmmusik landen. Mitunter klingen Trompeten und Saxophone, als wollten sie Ikonen wie Charlie Chaplin oder dem europäischen Kino der 60er Jahre zeitgemäße Referenz erweisen.

„Nach vielen Soundtracks und Stücken für klassische Musiker, die ich in den letzten Jahren schrieb, überlegte ich, wie ich eine gelassenere Stimmung in meine Musik bringen könnte", beschreibt Koji Ueno seine Motivation zum Jahrtausendwechsel. Daraus entstand zunächst ein Jazz-Trio, dann das Bigband-Projekt. In Abgrenzung zur artifiziellen, mal fein ziselierten, mal scharfkantigen Kunstmusik der vorangegangenen Dekade ging es Ueno nun um vergleichsweise einfache Strukturen, denen gleichermaßen „Reife und Entspannung" inne wohnt. Selbstverständlich dachte er dabei nicht an Easy Listening, zumal er sich schon als Teenager für Jazz vorwiegend New Yorker Prägung begeisterte. „Zunächst war ich, wie viele japanische Musiker, überzeugt davon, dass der Fusion-Jazz der 70er Jahre die einzig wahre Entwicklung war," erinnert sich Ueno. Allerdings hielt diese Vorliebe nicht lange an. Alsbald wandte er sich dem Hard Bop der 50er zu, ließ sich von Thelonious Monk, Wynton Kelly oder Horace Silver inspirieren. Kein Wunder, dass Uenos Engagement in einer Fusion-Band wenig später mit seinem Rausschmiss endete – seine Improvisationen und rhythmischen Variationen sprengten das strenge Bandkonzept.

Frustriert wandte sich Ueno dem New Wave zu und stieg 1978 bei der Band Eight and a Half ein. 1980 ließ er Punkrock aber schon wieder hinter sich und gründete das Projekt Guernica. In der Performance mit dem bezeichnenden Untertitel „Rewriting History" adaptierte Ueno Lieder aus der Zeit zwischen den Weltkriegen und kreuzte sie mit japanischer Popkultur. Eine operettenhafte Sängerin, Elektropop-Elemente, zeitweise absichtsvoll kitschige Streicherklänge und chansonartige Klaviermotive prägten die Songs von Guernica, dessen erste von drei CDs auf Haruomi Hosonos Label „Yen" erschien. 1983 ließ er sich von den Arbeiten des Lyrikers und Grafikers Keiichi Ota zu einer ersten Solo-Produktion inspirieren, danach wandte sich Ueno der elektro-akustischen Vertonung dadaistischer und surrealer Stummfilme zu und lotete dabei Spannungsfelder zwischen kammermusikalischem Ensemble, präpariertem Klavier und Computermanipulationen aus. 1986 und ´87 schrieb er mit Ryuichi Sakamoto mehrere Soundtracks, darunter jenen für „Last Emperor" („Der letzte Kaiser"), gleichzeitig begann Koji Ueno eine dreijährige, mal klassisch, mal elektronisch angelegte Kooperation mit dem Tokioter Ballett Tutuland Academy.

Nonkonformistisch, traditionsbewusst, avantgardistisch

1989 abstrahierte Koji Ueno im preisgekrönten Soundtrack zu „Untama Giru" überlieferte Themen der Volksmusik Okinawas und kleidete sie wiederum in ein elektro-akustisches Gewand. Die Stücke wechseln von beinahe meditativen Momenten mit sparsamen Melodien zu perkussiven Linien mit komplexen rhythmischen Versetzungen. Virtuelle Loop-Sequenzen verdichten die zeitweise tranceartige Ästhetik. Ein Jahr später wurde Ueno vom Nationaltheater Japan beauftragt, traditionelle Lieder für Gesang und Kammerensemble zu arrangieren. 1992 produzierte er „Pro Musica Japonia", ein Ensemble mit verschiedenen originär japanischen Instrumenten. Damit endete Uenos Ausflug in die einheimische Musikhistorie und er wandte sich wieder der Zukunft zu. Mit Synthesizer, Orchester und elektronischen Instrumenten spielte er 1993/94 „Resonances of Gadget – Quasi-Symphonique Movements und Noise Montages" ein: Sinfonische bis lautmalerische Kompositionen mit Mut zu Dissonanzen, komplexen Schichtungen und assoziativen bis minimalistischen Momenten. Stilistisch zwischen Soundtrack, klassischer Moderne und Improvisation nutzt Ueno den Klang eines großen Orchesters ebenso konsequent wie Sounds aus undefinierbaren Quellen, Rückwärts-Montagen und elektronische Manipulationen.

Es ist keine Überraschung, dass zu den von Koji Ueno geschätzten Komponisten neben Strawinsky und Satie auch Paul Hindemith, Arthur Honegger oder Nino Rota gehören. Generell ist der Graben zwischen Klassischer Moderne und improvisierter Musik weniger tief als mancher denken mag. Vielleicht finden intellektuell geschulte Musiker auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ebenso zwangsläufig zum Jazz wie dessen amerikanische Pioniere einst europäische Klassik studierten, um ihre Visionen umzusetzen.

Zum Jahrtausendwechsel war Koji Ueno jedenfalls soweit, sich seiner alten Jazzliebe zu erinnern. Neben der Arbeit an Fusionen von freier Improvisation und Klassik konzentrierte er sich auf sein Koji Ueno Trio (KUT) mit Bassist Takayoshi Matsunaga und Schlagzeuger Tomo Tsuruya. „Ich brauchte viel Courage als ich entschied, mit KUT zu beginnen", deutet Ueno die Schatten seines alten Jazz-Traumas an, die es nun endlich zu überwinden galt. „Vielleicht hab ich zu diesem Zeitpunkt den Jazz gewählt, weil ich meinen verlorenen Traum endlich erfüllen wollte?" Jedenfalls kam er seinen einstigen Hard Bop-Vorbildern vermutlich nie so nahe wie in diesem Trio, das auf dem Album „Ionospheric Call" tatsächlich so gelassen swingt wie bei einer mitternächtlichen Session in einem New Yorker Club.
Author: Norbert Krampf

Works

Instrumentalmusik

Production / Performance
souvenir (vc/pf : original pf-solo) (1979/99) divertissements for marimba and piano (1989) amnesia (pf) (1987) fantasia (pf) (1987) Chamber ensemble with vocal misogynie (vo(vowel)/b-clr/hr/prc/p-pf/vn/vc) (1992) suite on Japanese folk songs (vo*/fl/cl/a-sx/prc/pf/2vn/vl/vc/cb) (1990) *Japanese traditional vocal arrangements Japanese instruments le roi de ritz (various Japanese instruments) (1997) sifonietta rurale (various Japanese instruments) (1992) Electronics, synthesizer overdubbing, ensemble includes electronic instruments quasi-symphonique movements and noise montages (1993-4) connotations (1993) (e-gtr/e-vn/a-sx/e-ky/m-c/e-dr) ballet mécanique (1985) la nuit des encyclopédistes (1991) Orchestral accompaniment songs ginrin wa utau (1982) maronie dokuhon (1982) the sea end (1988) the waltz of skulls (1988) Film Soundtracks mugen ryukyu tsuru-henry (1999) oshie to tabisuru otoko (the man who travels with the padded cloth pictures) (1994) okinawan childai (the fim "untama giru" (chivalrous robber of untama woods) (1989) teito taisen (1989) Annimated film soundtracks gadget trips / mindscapes (Haruhiko Shono) a full cg movie (1994) oshie to tabisuru otoko (Touru Kawashima) (1992) untama giru (Go Takamine) (1989) (TV) Commercial Music Daimaru Peacock (1983) vo, pf, a-sx, synth-overdub Bridgestone Golfball (unused) 1983) cel, hrp, pf, str Subaru Alcione - Auto Manufacturer (1985) Contac - Medicine for cold (1989) synth-overdub Nichimo - Real estate agent (1990) synth-overdub tadano - Tractor maker (1990) synth-overdub Assix - Shoe maker (1990) str-qrt Teijin (1993) str-qr Furukawa Denko (1993) fl, vn, hr, vc, cb, synth-overdub Calnage heart - computer game (1995) digital sampler overdub canal city - shopping mall (1996) digital sampler overdub Toshiba Community Care (1998) vc, pf NTT Tohkai -Telephone Company (1999) s-sx, a-sx, t-sx, br-sx QP - mayonnaise dressing (1999) str-qr, pf, cb, dr, conga Solo and Group projects (full albums) ionospheric call (Koji Ueno trio) (2000) netsuzo to´ gansaku (Netsuzo to´ Gansaku) (1999) piano music (1998) chamber music (1998) resonances of gadget (1995) ballet suites (1993) 3 movimenti per sassofono contralto, piano ed archi, etc (1992) réservoir (1991) outside (E.O.A) (1989) denriso karano manazashi (the regard from ionosphere) (Guernica) (1989) shinseiki eno unga (canal to the new century) (Guernica) (1988) music for silent movies (1985) Ohta Keiichi no jingai daimakyo (Keiichi Ohta presents "the savage terrifying places") (1983) kaizo eno yakudou (throbing to the alteration) (Guernica) (1982) Group 81/2 (1985) Halmens´ 20th century (1981) Halmens´ modern gymnastics (1980) shonen homeruns (1979/1987) Collaborations (part of album; as composer, arranger, performer, etc) white landscape (Kaeko Mukouyama (cellist)) (1999) hello (Kan Takagi) (1999) rodeo de paris (Miharu Koshi) (1997) chanson solaire (Miharu Koshi) (1995) soulce d´espoire (Miharu Koshi) (1992) der vater und die pistole (Miharu Koshi) (1991) symphonic buck-tick in berlin (Buck-Tick) (1990) takagi boo densetsu (kinnikusyoujotai) (1989) syouwa kyounen (Jun Togawa) (1989) last emperor Soundtrack (Ryuichi Sakamoto, etc) (1988) bandoneon no jaguar (Morio Agata) (1987) oneamisu no tsubasa (Ryuichi Sakamoto, etc) (1986) koneko monogatari (Ryuichi Sakamoto, etc) (1986) kawattakatachinoishi (Naoto Takenaka) (1984) yume no ningyo (Tokiko Katoh) (1983) philharmony (Haruomi Hosono) (1982) h (Hajime Tachibana) (1982) minzoku no saiten (Kouichi Makigami) (1981) pink no kokoro (Nomiya Maki) (1981)

Kammermusik

Production / Performance
Trans saturnian(vc/vb&mrmb/pf/cb/dr) (1999) quartetto di sassofoni (1995) burlesca fantastica (cl/vn/vl/vc) (1984/91) emak bakia (a-sx/pf/str-qr) (1985) entracte (a-sx(b-cl)/cmbl/str-qr) (1985) l´étoile de mer (str-qr) (1984) anemic cinema (b-cl/p-pf/str-qr) (1984) retour à raison (cl(b-cl)/pf/str-qr) (1984)

Werke für Kammerorchester

Production / Performance
ritratti di n.r. (fl/fg/2sx/vb(mrmb)/acc/pf/2vn/vl/vc/cb) (1994) three movements in the name of Bach (str) (1985/92) suite pour l´eau crante (picc(a-fl)/b-cl/a-sx/t-sx/br-sx/tr/trb/2prc/mrmb/vb/hrp/cmb/pf/cb) (1991) 2 eclogues (fl/ob/cl/fg/2hr/str) (1985/91) Sarasvati and Muses (cel/hrp/pf/str) (1989)

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

New York

Exhibition, Film Programme, Music, Conferences

(23 August 07 - 04 November 07)

Www

Homepage des Künstlers