Geoffrey Oryema

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crossroads:
Globalisierung
genre(subgenre):
Musik (Afro-Pop, Pop, World)
region:
Africa, Eastern
country/territory:
Uganda
created on:
June 26, 2003
last changed on:
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Geoffrey Oryema
Geoffrey Oryema

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„Ich möchte universal sein”

Die Geschichte Geoffrey Oryemas, eines dread-lockigen Nachfahren der ugandischen Krieger der Acholi, übersteigt das Erwartete. Seine Eltern waren ugandische Intellektuelle und übertrugen ihre Liebe für die Kunst auf ihren Sohn, indem sie ihn von Kindesbeinen an mit Musik und Poesie umgaben. Sein Vater kombinierte als befähigter, sogar bekannter Spieler der sieben-saitigen Harfe, der Nanga, seinen Beruf als Staatsdiener mit seiner Leidenschaft für die Musik. Als Kind saß ein entzückter Geoffrey an der Seite seines musizierenden Vaters.
Seine Mutter wiederum führte die nationale Tanztruppe „Heartbeat of Africa” und nahm ihren noch kleinen Sohn auf nationale Touren der Truppe mit. Der Junge glich sein Interesse an der afrikanischen Kultur mit seiner Wertschätzung des angelsächsischen Pop und Rock aus, die er auf seiner Elite-Schule in Kampala erwarb, wo er Schulter an Schulter mit den Kindern der ugandischen Auswanderergemeinschaft lernte.

Nach der Schule entschied er sich für eine Theaterkarriere und besuchte Ugandas National School of Dramatic Art, wo er sowohl einen Ruf als Skriptschreiber wie als Schauspieler erlangte. Doch die friedlichen Tage der späten 60er-Jahre fanden 1971 mit einem Putsch ein abruptes Ende. Idi Amin stürzte den damaligen Präsidenten Milton Obote und das Land versank im Tumult. Brutalität wurde Alltag. Oryemas Vater, der im Amin-Regime zum Minister für Natürliche Ressourcen ernannt wurde, kam 1977 bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben. Amin hatte einen tiefreichenden Groll gegen die Acholi und der Tod von Oryemas Vater wird seitdem weithin für einen der zahlreichen von Amin in Auftrag gegebenen politischen Morde gehalten.

Im Alter von 24 Jahren entschloss sich Geoffrey Oryema zur Flucht. 1977 versteckte er sich im Kofferraum eines Autos und passierte die Grenze zu Kenia. Er suchte Asyl im Französischen Kulturzentrum Nairobis. Zufällig hatte das Zentrum gerade die Produktion eines seiner neueren Stücke aufgenommen, was ohne Zweifel seine Aufnahme erleichterte. Später im selben Jahr siedelte sich Oryema in Paris an, getrieben von seiner Frankophonie aber auch von der Tatsache, dass Frankreich gerade dabei war, das neue Zentrum der internationalen Entwicklung afrikanischer Musik zu werden.

Oryema brauchte eine Weile, sich in einem neuen Land zurechtzufinden, aber in den frühen 80er-Jahren machte er wieder Musik und seine Demotapes landeten auf dem Schreibtisch von Peter Gabriel, der zu dieser Zeit für einen der frühen Weltmusik-Preise Preise, den WOMAD, verantwortlich war. Gabriel lud Oryema ein, seine Studios in Großbritannien zu besuchen und nahm ihn mit seinem Label Real World unter Vertrag.

Sein erstes Album („Exile”/Real World/1990) wurde von dem selbsternannten „Pop-Intellektuellen” Brian Eno produziert, der für seine Beschaffung von Schlaumeier-Kontexten für die gerade Ideenlosen bekannt ist, darunter David Bowie, die Talking Heads und U2. Das Ergebnis, eine Mischung von Oryemas afrikanischen Wurzeln mit dem kulturellen und technologischen Drumherum Europas, wurde von der Presse wie von der Öffentlichkeit willkommen geheißen und schuf die Gussform für seine auftauchende musikalische Identität.

Sein zweites Album „Beat the Border” (Real World/1993), in dem er seinen Ansatz weiterentwickelte, geriet zu einem internationalen Erfolg und stand ganze zwölf Wochen an der Spitze der prestigeträchtigen Billboard World Music Charts. Auch mit seinem dritten Release verfolgte er die gleiche Linie – Kritiker entdeckten hier Spuren der Rolling Stones und von Roxy Music, ebenso den Einfluss von Baba Maal und Ali Farka Touré. Assistiert von seinem Kollegen Lokua Kanza wurden die afrikanischen Ursprünge seiner Muse von seinen europäischen Einflüssen in den Schatten gerückt, was zu dieser Zeit tatsächlich den Ausschlag für Kritik an seinem Werk gab. Dieses Album war nicht so erfolgreich wie das vorhergehende. Oryema nahm sich eine Auszeit von weiteren Aufnahmen, um seine Strategie zu überdenken.

Zurück mit einem neuen Label (Sony) und einem neuen Produzenten (dem Techno-Freak und Songwriter Rupert Hine), releaste er 2000 „Lost Spirit“. Der Rückkehr zu seinem Grundmuster folgte 2004 das Album „Words“.

Seine musikalische Reise erklärt Oryema als „ein Bedürfnis, weiter zu gehen, über die Erwartungen hinaus: „Meine Vorstellung davon, was es ausmacht, ein Künstler zu sein, ist in erster Linie, die Welt zwischen Root- und moderner Musik zu erkunden. Es ist eine Suche nach Identität, nach einer musikalischen Identität.“ In Antwort auf die Kritik zu seinem Mix afrikanischer und europäischer Traditionen verweist er auf die meist vorherrschende Doppelmoral. Künstler aus der „Dritten Welt“ würden oft kritisiert, wenn sie europäische Sounds übernehmen. Doch westliche Künstler wie etwa Paul Simon würden regelrecht dafür gepriesen, „die reichen Kulturen Afrikas zutage zu fördern“. „Dies“, meint er, „ist nicht länger hinnehmbar für uns.“ Seine Haltung vertritt Oryema vehement und damit letztlich auch sein Recht darauf, seine eigene musikalische Identität zu kreieren: „Meine Musik kommt aus dem Herzen. Ich möchte nicht in ein Getto abgeschoben werden, in dem ich auf ein einziges Musikgenre festgelegt werde. Ich möchte universal sein.“
Author: Martin Gordon

Bio

* 16. April 1953 in Soroti

Works

Masters at Work

Published Audio,
2004
Piri Wango Iya - Rise Ashen´s Morning Come Mix

Words

Published Audio,
2004

The Odysseus/Best of

Published Audio,
2002
Wrasse Records

Spirit

Published Audio,
2000
Sony Music

Night to Night

Published Audio,
1996

Beat the Border

Published Audio,
1993

Exile

Published Audio,
1990
Realworld

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Wassermusik 2010

Konzerte, Filme, Ausstellung, Diskussionen

(22 July 10 - 13 August 10)