Param Vir

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genre(subgenre):
Musik (Zeitgenössische Musik)
region:
Asia, Southern and Central, America, North
country/territory:
India, General North America
created on:
October 9, 2003
last changed on:
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Der Komponist Param Vir wurde 1952 in Delhi geboren. Als Kind erhielt er Tabla Unterricht, den er aber bald abbrach. Erst als er im Alter von neun Jahren begann, Klavier zu lernen, begeisterte er sich für Musik. Als 14jähriger fing er an zu komponieren und lernte den deutschen, damals in Delhi lebenden Komponisten Hans-Joachim Koellreutter kennen, der ihn in Kontrapunkt und Harmonielehre einführte und mit der Zwölftonmusik bekannt machte. Als Schüler einer katholischen Schule lernte er auch früh die westliche christliche Musik kennen. Im Rückblick auf seine musikalische Ausbildung sagt Param Vir: „In der Bibliothek des Goethe-Instituts fand ich Schallplatten mit Karajans Symphoniekonzerten. Ragas, Talas, Kirchenmusik, Palestrina, Strauss, Zwölftonmusik und die geistlichen Modi der griechischen Musik trafen damals in der Seele eines Teenagers im postkolonialen Delhi zusammen. Es war eine unglaubliche Fülle von Einflüssen, die sich da zufällig miteinander verbanden und auf mich wirkten!“ (Zit. nach: Param Vir interviewd by Huw Rhys James, 1999) Da er in Indien als Komponist keine Berufsperspektive sah, gab Param Vir sein Musikstudium am Ende seiner Schulzeit auf und studierte Geschichte und Philosophie an der Delhi University. Nach dem Abschluss seines Studiums (1974) kehrte er zur Musik zurück und arbeitete als Musiklehrer an einer Volksschule in Delhi, wo er außergewöhnliche Formen der Musikerziehung entwickelte. So studierte er z.B. mit seinen Schülern westliche Operetten und Musicals ein und 1979 gründete den „Music Theatre Workshop“ zur Förderung von Musiktheaterprojekten für Kinder aus Delhi. 1983 studierte er an der Dartington Summer School of Music / Devon Komposition bei Peter Maxwell Davies, Bernard Rands und Robert Saxton. Im selben Jahr begann Param Vir ein Studium in London bei dem Komponisten Oliver Knussen. In Europa fanden Param Virs Werke sehr bald Anerkennung. 1985 erhielt er den Kompositionspreis der Guildhall School of Music; 1986 war er Fellow in Komposition am Tanglewood Music Center in Massachusets und bekam den Kucyna International Kompositionspreis in Boston, dem 1987 der Benjamin Birtten- und der Michael Tippet-Kompositionspreis folgten. 1988 ermöglichte das Homi Bhabha Fellowship, Bombay, die szenische Darstellung der mit dem „Music Theatre Workshop“ erarbeiteten Oper „Krishna“ in Delhi. 1989 studierte Param Vir Computermusik am IRCAM, Paris. Im selben Jahr wurde bei den Donaueschinger Musiktagen sein Werk „Brahma, Vishnu, Shiva“ für sechs Solostimmen (1988) uraufgeführt. Seit Herbst 1992 lehrt Param Vir am Oberlin College in Oberlin, Ohio. Internationale Anerkennung erlangte Param Vir durch seine 2 Opern „Snatched by the Gods“ und „Broken Strings“, die von Hans Werner Henze für die Münchner Biennale 1992 in Auftrag gegeben wurden. Dort wurde Param Vir mit dem Preis als bester Komponist ausgezeichnet. Auf die Frage, ob er sich als einen indischen Komponisten und sein Werk als Teil der indischen Kultur begreife, antwortet Param Vir in einem Interview: „Die Welt von heute ist ein Treffpunkt divergierender Identitäten, Kulturen, Sprachen, Denkweisen und Ideologien – alles drängelt sich in einem erstaunlichen Tanz, dessen geheime Absicht noch enthüllt werden muss. Wir alle leben in einer Hall of Mirrors – und können den Zerrspiegel von Anderssein, von Differenz, nutzen, um uns selbst klarer zu sehen und zu größerer Selbsterkenntnis zu gelangen.“ (Quelle: „Komponisten der Gegenwart“, herausgegeben von Hanns-Werner Heister und Walter-Wolfgang Sparrer, edition text und kritik, München)
Author: House of World Cultures
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