Keith Piper

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crossroads:
Identität, Postkolonialismus
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Bildhauerei, Fotografie, Installation, Malerei, Videokunst)
region:
Europe, Western, America, Central
country/territory:
England (UK), Mexico
city:
London
created on:
August 30, 2004
last changed on:
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Article

Pan-Afrika in Birmingham

Er sei „Historiker und Historienmaler“ in einer Person, schrieb einmal ein Kritiker über den britischen Maler, Bildhauer, Fotograf, Videokünstler und Autor Keith Piper. Pipers Filmarbeiten und raumgreifende Video-Installationen handeln von der Gewalt gegen ethnische Minderheiten, von Identität und Ausgrenzung, Gruppenzugehörigkeit, Gruppenzwang und rassistischen Klischees. Seit 2003 lehrt Keith Piper Media Production an der School of Cultural & Innovation Studies der University of East London.
Der 1960 auf der Insel Malta geborene Engländer Keith Piper gehört zu den Künstlern, die ihre Karriere als Maler und Bildhauer begannen, inzwischen aber fast ausschließlich mit dem Medium Film arbeiten. Seine erste Ausstellung hatte Piper im Jahr 1981 als Mitglied der BLK Art Group, einer Vereinigung von schwarzen Kunststudenten, die bis zu ihrer Auflösung 1984 vor allem in den stark von Zuwanderern aus der Karibik, aus Indien und aus Pakistan geprägten West Midlands um die Stadt Birmingham aktiv war. Die Ausstellungsserie „The Pan African Connection“ (an der auch Künstler wie Eddie Chambers, Claudette Johnson und Donald Rodney beteiligt waren) stellte den Versuch dar, sich Anliegen und Problemen des politischen Engagements von Schwarzen mit Mitteln der Kunst zu nähern.

Mitte der achtziger Jahre wandte Piper sich in seinen Arbeiten dann verstärkt Multi-Media-Elementen zu. Es entstanden Installationen, in denen Toneffekte, Dia-Projektionen, Videoaufnahmen und der Einsatz von Computern eine immer größere Bedeutung erlangten. In den neunziger Jahren intensivierte Piper die Verwendung von digitalen Techniken noch, produzierte interaktive Internet-Auftritte und CD-Roms. Eines seiner größten Projekte, das gegenwärtig im Netz zu finden ist, nennt sich „Relocating the remains“ und ist ein Auftragswerk des Institute of International Visual Arts (InIVA).

Immer wieder kehrendes Generalthema seiner Installationen und Filme wie „A Ship Called Jesus“ (1991), „Trade Winds“ (1992), „Go West Young Man“ (1987), „Unclassified are Surveillances: Tagging the Other“ von 1992, „Four Corner“ von 1995 und seinem wahrscheinlich bekanntestem Werk „Step into the Arena“ von 1991 ist die Stellung der schwarzen Minderheit im postkolonialen Großbritanien von heute, wobei Fragen der Historie, der Identität, der sozialen und der allgemein gesellschaftlichen Positionierung eine zentrale Rolle einnehmen. Vorurteile gegenüber Angehörigen der ethnischen Minderheiten, rassistisch motivierte Benachteiligungen und Verbrechen, wie sie überall in Europa herrschen, werden in seinen Arbeiten ebenso kritisch beleuchtet wie angebliche Gruppenzugehörigkeiten und andere subtile Formen der sozialen Druck ausübenden Repräsentation.

Formal greift Piper dabei auf alle möglichen technischen Kunstgriffe zurück, auf Collagen, Überblendungen, Farbverfremdungen. Er verwendet gefundenes Material aus historischen und ethologischen Archiven und kombiniert dieses mit Stilmitteln der Pop-Music und Video-Kultur zu äußerst vielschichtigen Gesamtarrangements. Oft operiert der Künstler auch mit einer Erzählerfigur, die einen Text spricht, welcher das Gezeigte erklärt und kommentiert.

In der ersten Version seiner später zu einer großen Installation ausgebauten Arbeit „The Exploded City“ aus dem Jahr 1994 hinterfragt Piper zwei Phänomene, die unser Dasein wohl noch auf lange Zeit nachhaltig prägen werden: die durch Digitalisierung und Vernetzung immer stärker anschwellende Flut an Informationen und die damit zusammen hängende immer größere so genannte soziale Mobilität. Da sich letztere fundamental von Emigration und unfreiwilliger Entwurzelung unterscheidet, lenkt Piper in „The Exploded City“ die Aufmerksamkeit auf jene Mechanismen der Abgrenzung, die auf Rassismus und Klassendenken, auf mangelnder Ausbildung und Toleranz basieren. „Keith Piper“, schrieb der Kritiker und Kurator Sebastian Lopez über „The Exploded City“, „hebt sich von anderen ab durch seine reflektierte Annäherung an das aktuelle Chaos in den urbanen Räumen.“ Piper sei, so Lopez, auf seine Art beides, „sowohl Historiker als auch Historienmaler“.

1998 präsentierte Piper dann die großer Version von „The Exploded City“. Auf drei Leinwänden waren nebeneinander drei verschiedene, mit Geräuschen aus der Kakophonie der Großstadt unterlegte Filmsequenzen zu sehen. Auf den beiden äußeren laufen Szenen, in denen schwarze Jugendliche mit Polizeigewalt konfrontiert werden, in der Mitte rezitiert die Schauspielerin Parm Kaur einen Text, der die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt. Wie bei allen seinen Arbeiten setzt Piper auch hier auf die suggestive Kraft einer Sample- und Collagetechnik, die auf harten Kontrasten aufgebaut ist. Keith Piper, der auch als Hochschullehrer und Autor arbeitet, lebt in London.


Author: Ulrich Clewing

Bio

1960 geboren in Malta
1963 Umzug der Familie nach Birmingham
1980-1983 BA(hons) Fine Art, Trent Polytechnic, Nottingham.
1984-1986 MA Environmental Media, Royal College of Art, London.
2000-2003 Gastprofessor an der Carnegie Mellon University, Pittsburgh/USA; Assitenzprofessor ebendort in 2000; Ehrendoktor der University of Wolverhampton
Seit 2003 Leiter der Abteilung Media Production an der School of Cultural & Innovation Studies der University of East London.

Works

Publications

Published Written
Unpacking Europe: Towards a Critical Reading, Rotterdam, Museum Boijmans Van Beuningen and Nai Publishers, 2001 Powell, Richard J.: Black Art and Culture in the 20th Century, London 1997 Boxer: An Anthology of Writings on Boxing and Visual Culture, London, Institute of International Visual Arts, 1996 Keen, Melanie: Recordings - A Select Bibliography of Contemporary African, Afro-Caribbean and Asian British Art, London, Institute of International Visual Arts and Chelsea College of Art and Design, 1996 Lucie-Smith, Edward: Race, Sex, and Gender in Contemporary Art, New York 1994 Wombell, Paul: Photovideo: Photography in the Age of the Computer, London 1991 Kwesi, Owusu (Hg.): Storms of the Heart - An Anthology of Black Arts & Culture, London 1988

Exhibitions (choice)

Exhibition / Installation
1986 Whitechapel Art Gallery London; I.C.A. London; Fruitmarket Gallery Edinburgh 1990 Hayward Gallery London 1991 Ikon Gallery Birmingham 1992 Het Kijkhuis Den Haag 1994 Havanna Biennale, Kuba 1995 Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia Madrid 1996 National Gallery of Victoria, Melbourne; Institute of Contemporary Arts Boston. 2002 The Studio Museum in Harlem, New York

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Black Atlantic

(17 September 04 - 15 November 04)
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"Black Atlantic Website Composite 4 of 6",  2004