Souleymane Cissé

Article Bio Works
crossroads:
Mythos, Tradition, Wüste
genre(subgenre):
Film (Spielfilm)
region:
Africa, Western
country/territory:
Mali
city:
Bamako
created on:
May 22, 2003
last changed on:
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Souleymane Cissé
Souleymane Cissé © www.proto.bifi.fr/cineregards/ article.asp?rub=1&sp_ref=41

Article

Das Licht des afrikanischen Films gegen den weißen

Der 1940 in Mali geborene Souleymane Cissé gilt mit Recht als der „Patron“ des afrikanischen Films. Sein Meisterwerk "Yeelen – Das Licht" erhielt 1987 den Preis der Jury in Cannes. Seine Filme beschreiben in poetischen Bildern das Alltagsleben seiner Heimat. Er ist Vorsitzender der „Union des créateurs et entrepreneurs du cinéma et de l`audiovisuel de l`Afrique de l`Ouest“.
„In Afrika" gibt es alles, „aber nichts existiert wirklich. Es gibt alles, weil es eine außerordentliche menschliche Leistungsfähigkeit, eine kulturelle Leistungsfähigkeit gibt. Darin liegt ein ungeheurer Reichtum; manche versuchen ihn zu leugnen, aber dennoch ist er eine Realität, die sich tief in der afrikanischen Kultur, in ihrer Mannigfaltigkeit, ihrer Tradition und ihrem Glanz niedergeschlagen hat, in all dem, was man in Yeelen beinahe im Rohzustand wiederfindet. Aber ich habe den Eindruck, dass diejenigen, die die Macht in ihren Händen halten, sich dieser Lage der Dinge nicht bewusst sind. Die unternehmen nichts, um diesen kulturellen Reichtum zu kanalisieren und aufzufangen. Meine Pflicht ist es, mich in dieser Kultur zu verwurzeln, um sie teilweise übernehmen zu können.“ So charakterisiert der 1940 in Bamako/Mali geborene Souleymane Cissé den Ansatz seines 1987 auf dem Filmfestival in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichneten Films Yeelen.

Mit "Yeelen – Das Licht" hat Cissé, der Philosophie und Film in Moskau studierte, wohl den ersten großen afrikanischen Film geschaffen. Er gehört zu den Regisseuren, die eine afrikanische Filmästhetik wesentlich geprägt und dem afrikanischen Film in den achtziger Jahren internationale Anerkennung verschafft haben. Souleymane Cissés Film, dessen vorherrschende Farbe der Sonnenglanz ist, deutet wie kaum ein anderer gleichzeitig auf die Realität wie auf die Visionen Afrikas. Der Film zeigt ein Initiationsdrama der Peulh, einen mythischen Vater-Sohn-Konflikt. "Yeelen" heißt "Das Licht", und auf unterschiedlichen Ebenen steht Licht im Zentrum des Films. Ein gleißendes, zerstörendes Leuchten ist die größte Magie in dieser mythischen Geschichte vom guten und bösen Zauber; vom Meister der geheimen Riten, der nicht zulassen will, dass sein Sohn ihm in der magischen Kunst gleichkommt.

Wie die Tradition fordert, soll Nianankoro einmal das Wissen der Bambara bewahren. Doch sein Vater, ein Zauberer, will lieber den Sohn töten als seine Macht weiterzugeben. Die Mutter flieht mit dem Kleinkind und nimmt den "Flügel des Kôré" mit, das Symbol für die Schnelligkeit des menschlichen Geistes. Es ist das einzige, was mit der Stärke der "Komo" konkurrieren kann, der Inkarnation des göttlichen Wissens, über die der Vater verfügt. Auf der jahrelangen Flucht reifen Nianankoros Kräfte, und er stellt sich dem Kampf.

"Yeelen" ist zum Teil gegen die ethnographischen Filme aus Europa gemacht, sagt Cissé. „Ich wollte auf einen Blick von außen reagieren, auf den Blick von weißen Gelehrten und Technikern, auf einen fremden Blick, der manchmal dazu neigt, die Afrikaner zum Objekt zu machen, zu Tieren, die man in ihren exotischen Riten zeigt.“

"Yeelen" ist der zweite Teil einer Trilogie, zu denen "Finyé – Der Wind" (1982) und "Waati – Die Zeit" (1995) gehören. "Waati" ist ein Film über „Hitze und Glut, und dann vor allem auch über den Sand und die Wüste, die in den Menschen ist“, wie die 10jährige Aïcha Dicko, die die Adoptivtochter der Protagonistin Nandi spielt, erklärt. Der Film erzählt die Geschichte ihres Lebens. Die Tochter eines schwarzen Landarbeiters wehrt sich gegen die Willkür des südafrikanischen Apartheid-Regimes und muss ihre Heimat fluchtartig verlassen. Als Nelson Mandela freigelassen wird, wagt sie die Rückkehr nach Südafrika, muss jedoch feststellen, dass sich in den langen Jahren ihrer Abwesenheit nichts verändert hat.

Ein engagierter Film, der beispielhaft die Heimatlosigkeit des afrikanischen Kontinents spiegelt und zugleich zeigt, dass die Zeit ("Waati") nicht alle Wunden heilt. Wie in allen seinen über 30 Filmen drückt Cissé auch in seinem bis jetzt letzten Werk Respekt und Mitgefühl für die einfachen Leute aus und setzt sich mit dem Missbrauch der Macht im postkolonialen Afrika auseinander.

Darum geht es auch im ersten Teil der Trilogie. In "Finyé - Der Wind" rebellieren die Studenten Bah, Sohn eines Häuptlings und Batrou, Tochter des Militärgouverneurs, gegen das Herrschaftssystem in Mali. Als studentische Demonstrationen mit Militärgewalt niedergeschlagen werden, kommt es für beide zu einem offenen Konflikt mit ihren Eltern. Bah muß sich den traditionellen Regeln der Familie beugen; Batrou überwirft sich mit ihrem Vater. Aufgrund ihrer politischen Aktionen werden sie verhaftet und müssen lernen, die nötige Kraft für ihren Kampf zu finden.

Veranstaltungen im HKW:
13. August 1999
Cinema TriContinental
Die großen Regisseure Afrikas, Asiens, Lateinamerikas
Yeelen
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt
Author: Ulrich Joßner 

Bio

Souleymane Cissé wurde am 21. April 1940 in Bamako in Mali geboren. Er studierte Philosophie und Film in Moskau. Nach einigen Kurzfilmen begann er auch lange Spielfilme zu drehen. Seine Filme sind auf vielen Festivals, u.a. in Cannes, Berlin, Ouagadougou und Karthago, gezeigt worden. Für seinen Film "Yeelen – Das Licht" erhielt er 1987 in Cannes den Preis der Jury.

Works

Waati/ Die Zeit

Film / TV,
1995

Yeelen/ Das Licht

Film / TV,
1987

Finyé/ Der Wind

Film / TV,
1982

Baara / Die Arbeit

Film / TV,
1978

Den Muso/ Das Mädchen

Film / TV,
1974

Cinq Jours d´une vie

Film / TV,
1972

l´Aspirant

Film / TV,
1968

Sources d´inspiration

Film / TV,
1966

L´Homme et les idoles

Film / TV,
1965