Richard Onyango

Article Bio Works Extra
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Malerei)
region:
Africa, Eastern
country/territory:
Kenya
created on:
May 14, 2003
last changed on:
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Leben in der Beschleunigung

Zwei Landschaften Afrikas breitet der kenianische Maler Richard Onyango vor unseren Augen aus: Der Blick in die eine ist von Säulen und Arkaden gerahmt. Hier lebt man im Schatten, auf großen überdachten Terrassen, von Swimmingpools und Ventilatoren gekühlt. Das ist die Bühne für Drosie, weiß und üppig, Modell und Mäzenatin des Malers. Dieser gesicherten Zone des Privaten stehen weite und dunkle Landschaften gegenüber, ungeschützt und hungrig nach Opfern. Durch sie lässt Onyango Busse, Landrover und Jeeps rasen, die sein Pinsel gerade noch erwischt, bevor sie die Leitplanke der Brücke durchbrechen oder sich im Schlamm festfahren. Richard Onyango wurde 1960 geboren. Er lebt und arbeitet in Malindi, einer Stadt an der Küste Kenias.
Das Leben ist ein Katastrophengebiet in den Bildern von Richard Onyango. Doch die grausigen Schauder, die uns das mitten in der Luft explodierende Flugzeug oder der Jeep am Rande des Sumpfes über den Rücken jagen, inszeniert Onyango mit einem gewissen grimmigen Humor. Seine dramatisierende Erzählweise folgt den Spuren des Kinos. Der Betrachter wird zu einem Komplizen der Angst und des Schreckens, der sich die Spannung erhalten möchte.

Richard Onyango wurde 1960 in Kisii in Kenia geboren. 1982 gewann er einen nationalen Wettbewerb für junge Künstler. Er hatte schon als Busfahrer und Zimmermann, Bauer und Tierbändiger gearbeitet, als er 1990 Mitglied der Künstlergruppe Malindi Artist´s Proof wurde und seine Arbeit als Künstler zu professionalisieren begann. Onyango nahm an der Popularisierung der noch jungen Gattung Tafelbildmalerei in Kenia teil, die in Malindi einen eigenen Kunstmarkt mit einigen Galerien hervorgebracht hatte. Auf diesem Wege wurde er bald über Kenia hinaus bekannt und zeigte Ausstellungen in Italien, Deutschland und England.

Richard Onyangos Bilder der neunziger Jahre galten vor allem zwei Themen, dem Leben mit der irritierenden Drosie - seinem Modell und seiner Mäzenatin - und der Mobilität. In beiden Sequenzen könnte man fast eine Parodie des Blicks der Kolonisatoren, ihrer Ängste und Begehren, vermuten. Mit der Figur der Souzy Drosie, einer üppigen Engländerin, baut er ein Szenario auf, das die Unsicherheit über die noch junge soziale Rolle des Künstlers ironisch reflektiert. Neben der ausufernden Landschaft ihres rosigen Fleisches, das sich meist träge ausbreitet und nur selten im Stil des „Get a sweat" in Schwingung versetzt wird, malt er sich als dünnen jungen Mann und Liebhaber, der ihrem Gewicht und Missmut wenig entgegenzusetzen hat. Er ist ihren Launen ausgeliefert, solange er sich in ihrer Welt bewegt. Onyango kehrt damit die tradierten Muster im Spannungsverhältnis zwischen Mann und Frau, Schwarz und Weiß um, die den Kampf um Dominanz auf dem Feld der Sexualität austragen. Seine Bilder antworten ganzen Generationen von kolonialen Träumen und Unterwerfungsgesten, die das Objekt der Begierde exotisch ausstaffierten.

Einmal schmiegt sich Drosie an den Rücken eines weißen Büffels, als hätte sie ihn womöglich eben im Zweikampf niedergeworfen. Meist aber konsumiert sie die Landschaft von einer Terrasse aus, im Hintergrund sieht man Luxuslimousinen. Sich einen Künstler und Kunst zu leisten, das liefern die Bilder im Subtext mit, gehört zu einem aufwändigen Lebensstil. Kunst als soziale Aufstiegsmöglichkeit lässt sich immer auf bestimmte Konditionen des Westens ein. So kommentiert Richard Onyango bissig die Tatsache, dass eine Malerei, die den Markt als Bühne braucht, Teil des postkolonialen Erbes ist. Zugleich findet er damit eine Formel für die Ambivalenz der neuen Identität.

Auch in seinem zweiten Themenkreis greift Onyango die jüngste Vergangenheit der Landnahme und Eroberung seiner Heimat auf, ebenso wie ihr Scheitern. Bulldozer, Straßenbaumaschinen, Landrover, Busse: Der größte Teil der technischen Instrumentarien, die notwendig sind, um in das Land vorzudringen, ist importiert. Die Straße wird zu einem Leitmotiv, an dem sich die Brüchigkeit der ökonomischen und sozialen Situation ablesen lässt. An ihren Rändern stranden die, die aus alten Systemen gerissen worden sind und in neuen noch keinen Platz gefunden haben. Die öffentlichen Transportsysteme sind technisch vernachlässigt und überbeansprucht zu einer Chiffre für die Gefährdung des Lebens geworden, für das Glücksspiel des täglichen Überlebens. Bild um Bild lässt Onyango dem Betrachter Busse entgegenrollen, oft von einer geisterhaften, unheimlichen Präsenz im Nirgendwo. Sie sind Boten einer heimatlos gewordenen, unter den Druck der Mobilität geratenen Gesellschaft, die keine Chance mehr hat, das Hier und Jetzt zu leben. Ihre Geschwindigkeit ist immer zu hoch; zu hoch für die Sicherheit der Insassen, zu hoch für die Unwägbarkeiten des Untergrunds, zu hoch für die technische Ausstattung. In diesem forcierten Tempo greift Onyango den Druck der Veränderung auf, einer aus ihrem Rhythmus geratenen Welt.






Author: Katrin Bettina Müller

Bio

Richard Onyango wurde 1960 in Kisii, im Distrikt South Nyanza, in Kenia geboren. 1982 gewann er einen nationalen Wettbewerb für junge Künstler. 1990 wurde er Mitglied der Künstlergemeinschaft Malindi Artist´s Proof, die von Sarenco und anderen afrikanischen Künstlern gegründet wurde. Onygano lebt und arbeitet in Malindi.

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2006 „Africa Remix“, Mori Art Museum, Tokio, Japan 2005 „African Art Now”, Museum of Fine Art, Houston, USA „Africa Remix“, Centre Georges Pompidou, Paris, Frankreich „Africa Remix“, Hayward Gallery, London, Großbritannien „Ousmane Ndiaye Dago - Georges Lilanga - Richard Onyango”, Africa Fondazione Albizzini, Città di Castello, Italien „Arts of Africa“, Grimaldi Forum, Monaco, Frankreich 2004 „Africa Remix“, Museum Kunst Palast, Düsseldorf 2002 „Inaugurazione“, Trevi Flash Art Museum, Trevi, Italien 1999 „La Tua Africa“, Monte Di Pieta, Messina, Italien 1996 „Sarenco and the Malindi Connection”, Black Gallery, Verona, Italien „Neue Kunst Aus Afrika“, Haus Der Kulturen Der Welt, Berlin 1995 „Seven Stories about Modern Art in Africa”, Whitechapel Art Gallery, London, Großbritannien 1993 „Presenze Africane“, Rocca Centro per l´Arte Contemporanea, Perugina, Italien

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2003 „Laboratorio di Rochard Onyango“, Atelier del Baglio di Stefano, Ghibellina, Italien 2001 „Franco Cancelliere Arte Contemporanea”, Messina, Italien 2000 „A. Bonito Oliva“, Fabbrica EOS, Mailand, Italien 1999 „Richard Onyango“, Fabbrica Eos, Mailand, Italien „Richard Onyango”, Franco Cancelliere Arte Contemporanea, Messina, Italien „Richard Onyango - Drosie and me - 1990-1995“, Mamco - Musée d´art moderne et contemporain, Genf, Schweiz 1993 „Afrikanissimo", Sparkasse und Marktplatz, Werne 1992 „The African Way of Painting”, Gallery of Contemporary East, Nairobi, Kenia 1991 „One Man Exhibition“, Malindi Art Gallery, Malindi, Kenia
extra

Werk: Titel unbekannt

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