Angeles Mastretta

Article Bio Works Merits Projects
crossroads:
Gender, Geschichte
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Essay, Kurzgeschichte, Novelle)
region:
America, Central
country/territory:
Mexico
city:
Puebla
created on:
June 4, 2003
last changed on:
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Article

"Mit großen Augen" – Mexiko aus Frauenperspektive

Das Werk der 1949 geborenen mexikanischen Schriftstellerin und Journalistin Angeles Mastretta kann als ein integraler Bestandteil feministischer Denkweisen im Mexiko der siebziger und achtziger Jahre angesehen werden. In ihren Essays und Kolumnen thematisiert Mastretta relevante emanzipatorische Themen, die sie in ihrem Werk in einen erzählerischen Kontext einbettet. Für ihren 1997 erschienenen Roman „Mal de amores“ („Emilia“) wurde sie mit dem namhaften lateinamerikanischen Literaturpreis Rómulo Gallegos ausgezeichnet, den vor ihr Schriftsteller wie Javier Marías, Carlos Fuentes oder Mario Vargas Llosa empfingen.
In den achtziger Jahren finden mexikanische Schriftstellerinnen einen ironischen Umgang mit der mexikanischen Geschichte und der gesellschaftlichen Situation der Frau – und damit weltweite Beachtung. Neben Laura Esquivel hat sich Angeles Mastretta mit ihren Romanen und Kurzgeschichten einen internationalen Namen gemacht. Ihr erster Roman „Arrancame la vida“ („Mexikanischer Tango“) wurde vor allem von der mexikanischen Literaturkritik sehr kontrovers und emotional diskutiert. Das Werk, von manchen Kritikern übereilt als „trivial“ gebrandmarkt, ist weit mehr als eine gut verkäufliche Liebesgeschichte.

Vordergründig die Geschichte von Catalina, einer Ehefrau und Mutter der dreißiger und vierziger Jahre, spiegelt der Roman die politischen Machtverhältnisse des postrevolutionären Mexiko wider. Den privaten Machtkämpfen zwischen Catalina und ihrem Mann – dem General Andrés Ascencio – entspricht der nationale Machtkampf und die Suche nach nationaler Identität. Beide Ebenen werden im Roman miteinander verwoben.

Eine Besonderheit des Romans, der Anklänge an einen feministischen Bildungsroman aufweist, ist auch die einfache, eher umgangssprachliche Ausdrucksweise der Ich-Erzählerin Catalina. Durch ihre leicht verständliche „massenkulturtaugliche“ Sprache“, setzt sich Mastretta bewusst von der Literatur des mexikanischen „Boom“ ab. Dabei musste sie sich nicht zuletzt wegen hoher Verkaufszahlen dem Vorwurf aussetzen, ihr Roman sei ein leicht verdauliches, für die Masse geschriebenes Werk. Die Figur Catalinas ließ sich „weder in ein stereotypes Bild weiblicher Unterwürfigkeit, (...) noch des feministischen Aufbegehrens“ einordnen – Mastretta überschreitet damit die bis dahin klar gezogenen Grenzen zwischen Hochliteratur und trivialer Massenunterhaltung." (Vgl. Kathrin Dussan: „Arráncame la vida – zwischen massenkulturellen Klischees und ‚Dekonstruktion’“, Berlin, 1996)

1990 schrieb Mastretta die Kurzgeschichtensammlung „Mujeres con ojos grandes“ („Frauen mit großen Augen“). Der Band besteht aus 37 Kurzgeschichten unterschiedlichen Umfangs, von denen jede eine andere Tía (spanisch für Tante) zur Hauptperson hat, die Mastretta als ihrer Zeit voraus charakterisiert. Die Frauen, jung, alt, verheiratet, ledig, verwitwet, hübsch oder hässlich, befinden sich an einem Punkt ihres Lebens, der ihnen eine Entscheidung abverlangt und eine ungewöhnliche Vorgehensweise. Sie stellen sich diesen Herausforderungen und begegnen ihnen durch oft verblüffende Lösungen.

Vor dem Hintergrund der Kontroverse um ihren ersten Roman konnte Mastretta ihren Kritikern mit „Mujeres con ojos grandes“ zeigen, dass ihre literarischen Fähigkeiten ein breites Spektrum inhaltlicher und stilistischer Mittel abdecken. Die Protagonistinnen des Buches sind Frauen, die unabhängig und geistesgegenwärtig in den Wirren der mexikanischen Revolution agieren, ihre Sexualität ausleben oder ihre Kinder mittels der Kraft ihrer Erzählungen noch an der Schwelle des Todes retten. Ohne feministische Thesen zu vertreten, lösen sich die Protagonistinnen von moralischen und sozialen Konventionen, wenn es für ihr Lebensglück wichtig ist.

Das Kaleidoskop beschriebener weiblicher Schicksale lässt die Bandbreite Mastrettas persönlicher Lebenserfahrung erahnen. Die Lektüre ihrer Essaybände verstärkt diesen Eindruck. „Puerto Libre“ (1993) und „El mundo iluminado“ (1998) sind Anthologien ihrer gleichnamigen Kolumne (Puerto Libre), in der Zeitschrift NEXOS, die auch in ausländischen Zeitungen wie El País oder Die Welt erschienen.

Nach „Arrancame la vida“ veröffentlichte Mastretta noch zwei weitere Romane: „Mal de amores“ („Emilia“, 1996) und „Ninguna eternidad como la mía“ (1999). In „Mal de amores“ erzählt sie die Geschichte einer menáge à trois, die zu Zeiten der Revolution spielt, und deren weibliche Hauptperson Emilia, ähnlich wie Catalina, auf subversive Weise die herrschende Gesellschaftsordnung untergräbt. In „Ninguna eternidad como la mía“ wiederum gelang es Mastretta, die Entwicklung des weiblichen Rollenverständnisses im Laufe des 20. Jahrhunderts in einer Weise darzustellen, die nichts beschönigt, aber auch keine unrealistischen Vorstellungen weckt.

Author: Monika Zessnik 

Bio

Angeles Mastretta wurde am 9. Oktober 1949 in der Provinzhauptstadt Publa in Mexiko geboren, wo sie auch ihre Kindheit verbrachte. Hier, wo sich das Leben erheblich von den “sozialen Bewegungen und politischen Repressionen“ unterschied, denen die Bevölkerung in anderen Teilen des Landes ausgesetzt war, lässt sie auch die meisten ihrer Romanfiguren ihre Kindheit und Jugend verbringen.

Nach dem Tod ihres Vaters, der sie in der Berufswahl stark beeinflusste, ging Mastretta 1971 zum Studium der Journalistik nach México D.F. an die Fakultät für Politische und Soziale Wissenschaften der UNAM (Universidad Nacional Autónoma México). Nach ihrem Abschluss arbeitete sie für zahlreiche mexikanische Tages- und Wochenzeitschriften wie „Excélsior“, „Unomásuno“, „La Jornada y Proceso“. Mit ihrer Kolumne "Del absurdo Cotidiano" (Über die täglichen Absurditäten), die bis heute regelmäßig in der Abendzeitung „Ovaciones“ erscheint, erwarb sie sich große Anerkennung im ganzen Land.

1974 erhielt Mastretta ein Stipendium des Centro Mexicano de Escritores, um gemeinsam mit namhaften Schriftstellern wie Juan Rulfo und Salvador Elizondo an einer Schreibwerkstatt teilzunehmen.
In den folgenden Jahren unterrichtete Mastretta an der UNAM und war von 1978 bis 1982 als Direktorin des universitätseigenen Museums Museo del Chopo tätig.

1985 erschien ihr Roman „Arráncame me la vida“. 1988 moderierte sie gemeinsam mit dem Autor Germán Dehesa die TV-Diskussionsendung "La almohada" (Das Kopfkissen.)

Angeles Mastretta ist Mitherausgeberin verschiedener Zeitschriften, u.a. des feministischen Magazins FEM und NEXOS, deren Chefredakteur ihr Mann, Héctor Aguilar Camín, von 1983 bis 1995 war. Regelmäßig veröffentlicht sie dort ihre Kolumne „Puerto libre."

„Arráncame la vida“, das den renommierten mexikanischen Literaturpreis Mazatlán erhielt, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Holländisch. 1997 erhielt Mastretta für „Mal de amores“ den namhaftesten lateinamerikanischen Literaturpreis Rómulo Gallegos, den vor ihr Schriftsteller wie Javier Marías, Carlos Fuentes oder Mario Vargas Llosa empfingen.

Works

¡Ehemänner!

Published Written,
2009
Suhrkamp TB: Frankfurt/M.

Emilia

Published Written,
2008
Suhrkamp TB: Frankfurt/Main

Frauen mit großen Augen

Published Written,
1992
Roman. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Mexikanischer Tango

Published Written,
1988
Roman. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Für anderssprachige Titel siehe englische Textversion

Established

Merits

Premio Mazatlán für “Arráncame la vida”, 1985
Permio Rómulo Gallegos für “Mal de amores”, 1997

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

MEXartes-berlin.de

The Mexico-festival in Berlin

(15 September 02 - 01 December 02)