Zwelethu Mthethwa

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crossroads:
Armut
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie, Malerei)
region:
Africa, Southern
country/territory:
South Africa
created on:
June 22, 2003
last changed on:
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Armut muss kein Verlust von Würde sein

Zwelethu Mthethwa ist einer der bekanntesten Künstler der mittleren Generation in Südafrika. Die künstlerischen Anfänge des 1960 in Durban geborenen Malers und Fotografen fallen noch in die Zeit der Apartheid, in Fahrt kam seine Karriere, nachdem Mthethwa Ende der achtziger Jahre mit einem Fulbright-Stipendium in die USA nach Rochester/N.Y. übersiedeln konnte. International bekannt wurde der Künstler durch stark farbige Pastelle und Fotoserien, mit denen er die Bewohner von Armensiedlungen porträtierte.
Eine Frau steht in einem Zimmer, das gleichzeitig ihr ganzes Haus ist. Am oberen Rand des Fotos erkennt der Betrachter gerade noch die groben Holzlatten, aus denen das Dach der Hütte geschreinert ist. An den Wänden ist weißes, mit feinen Blütenmustern bedrucktes Papier befestigt – an manchen Stellen wellt es sich, daher sieht man beim näheren Hinschauen, dass die Tapete eigentlich nur Tapetenersatz ist. Außerdem sind da: ein Tisch mit Tischdecke darauf, ein Küchenschrank, dessen Öffnungen von weißer Spitze verdeckt werden, ein paar Bilder, eine Sitzbank, drei, vier Zimmerpflanzen. Der blaue Kittel der Frau ist frisch gewaschen und säuberlich gebügelt, auf dem Kopf trägt sie ein gehäkeltes weißes Barett. Was diese Aufnahme allerdings zu einer besonderen macht, ist der Blick, mit dem die Frau dem Betrachter entgegen tritt, ein Blick, den man nicht so leicht vergisst: schwankend zwischen Stolz und Selbstbewusstsein, Verletzung, Unsicherheit und Sehnsucht nach Anerkennung.

Das Foto mit dem Titel „ohne Titel“ stammt von Zwelethu Mthethwa und ist Teil einer Serie, die der südafrikanische Maler und Fotograf seit dem Jahr 1998 angefertigt hat. Sie zeigt die Bewohner von Paarl, einer wild ausufernden Siedlung sechzig Kilometer östlich von Kapstadt, die überwiegend von arbeitssuchenden Immigranten aus dem Landesinneren errichtet wurde. Man könnte diese Siedlung eine Armensiedlung nennen, doch sprechen die Fotos Mthethwas eine andere Sprache: Sie zeigen Menschen, die zwar wenig Geld haben, sich aber dessen ungeachtet und trotz alledem Würde, Träume, Sehnsüchte, den Drang zum Glück bewahrt haben.

Fotos wie dieses sind typisch für das Werk Zwelethu Mthethwas, der seit einigen Jahren zu den bekanntesten und international gefragtesten Künstlern Südafrikas gehört. Mthethwa wurde 1960 in Durban geboren und hatte das Glück, dort die Open School besuchen zu können. Die Open School war eine Schule, die aus einer unabhängigen Initiative hervorgegangen ist und eine der wenigen im Lande war, die jungen Schwarzen die Gelegenheit bot, eine Ausbildung in den schönen Künsten zu erhalten. Dies wiederum ermöglichte Mthethwa etwas, das im Südafrika der Apartheid ausser ihm nur einer geringen Zahl seiner Generationsgenossen offen stand: den Besuch der Kunstfakultät der Universität von Kapstadt, der Michaelis School of Fine Art, den er 1985 mit Diplom abschloss. 1989 kam Mthethwa in den Genuss eines Fulbright-Stipendiums, welches ihn in die USA nach Rochester ans dortige Institute of Technology führte. Zurück in Südafrika, übernahm der Künstler 1994 selber Lehrtätigkeiten an seiner Alma Mater in Kapstadt, zunächst als Dozent und dann ab 1998 als sogenannter Research Associate.

Mthethwa ist ein Künstler, der Malerei und Fotografie gleichberechtigt nebeneinander praktiziert, was bei ihm wechselseitig Auswirkungen auf beide künstlerischen Gattungen hat. Seine Fotografien sind in der Positionierung der Porträtierten, in der Verteilung der Formen und Farbflächen im Bild so streng komponiert, als handele es sich dabei um abstrakte Gemälde. Seine oft sehr stark farbigen Malereien und Pastellbilder wiederum sind so aufgebaut, dass man ihnen den fotografischen oder besser: filmischen Blick auf Anhieb ansieht. Wer wie Mthethwa um 1960 geboren wurde, gehört zur ersten Generation, die von klein auf vom Fernsehen geprägt wurde. Und so entsprechen auch Mthethwas Gemälde durch die Kamera beeinflussten Wahrnehmungsgewohnheiten: dem sequentiellen Sehen, welches Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund häufig betont collagenhaft und isoliert aneinander reiht.

In den letzten Jahren wurden Zwelethu Mthethwas Werke auf so vielen Ausstellungen gezeigt wie sonst bei kaum einem anderen Künstler seines Landes: in Museen und Ausstellungshallen in den USA und in Europa, in Afrika und Asien.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1960 in Durban geboren
1984 Diplom in den Schönen Künsten, Michaelis School of Fine Art, Universität von Kapstadt (UCT)
1989 Master of Fine Arts in Imaging Art, Institute of Technology, Rochester, N.Y., USA
1994-98 Dozent (Lecturer) für Fotografie und Zeichnung an der Michaelis School of Fine Arts, UCT Kapstadt
1998-2000 Appointed Senior Lecturer, Michaelis School of Fine Arts, UCT
Seit 2000 Research Associate, Michaelis School of Fine Arts, UCT

Merits

1981 Simon Gerson Prize (UCT)
1985 Irma Stern Scholarship
1987 Fulbright Scholarship
1993 City of Abidjan Prize, Abidjan Biennale, Abidjan
1995 Vice-Chairman of the S.A. Association of Arts, Western Cape

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)
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Werk: Titel unbekannt, Südfafrika, 1995-1996
Werk: Titel unbekannt, Südafrika