Marcela Levi

Article Bio Projects
crossroads:
Gender, Körper, Schönheit, Sexualität, Spiritualität, Transformation, Wahrnehmung
genre(subgenre):
Performing Arts (Tanz / Choreografie, Tanz / Modern Dance, Video-Performance)
created on:
June 13, 2008
last changed on:
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Eine Frage der Sinne

Die Tänzerin und Choreografin Marcela Levi, 1973 in Rio de Janeiro geboren, schloss ihr Studium des zeitgenössischen Tanzes 1996 an der Angel Vianno School of Dance ab. Acht Jahre war sie ein prägendes Mitglied der Compagnie der brasilianischen Choreografin Lia Rodriguez, bis sie 2002 begann, eigene experimentelle Performances an der Schnittstelle zwischen Tanz und bildender Kunst zu entwickeln. Oft arbeitet sie dabei mit bildenden Künstlern, Fotografen und anderen Choreografen zusammen. Levi nutzt ihren Körper als „Raum und Arbeitsmaterial“ (Levi). In ihren Arbeiten setzt sie sich intensiv mit Konzepten einer meist weiblichen Identität auseinander, erforscht den Körper und stellt Bezüge zu Kultur und kulturellen Ideologien sowie zum Blick des Betrachters her. Dabei schafft Levi in ihren Performances einen Raum der Transformation und Mehrdeutigkeit.
Ihre erste Soloarbeit „Imagem" (2002), entstanden in Zusammenarbeit mit der Fotografin Claudia Garcia, beginnt als ein Spiel: Marcela Levi betritt, mit locker sitzenden blauen Shorts und einem Top bekleidet, den Raum. Sie zieht sich aus, verändert ihre Bekleidung: mal wird die Hose zum Oberteil, mal das Top zur Hose. Mal ist sie bekleidet, mal teilweise enthüllt, mal nackt. So erzeugt sie mit einfachsten Mitteln beeindruckende Bilder, die um Konzepte wie Geschlecht, Weiblichkeit, Identität, Sexualität und Schönheit kreisen. Ihr Körper ist dabei gleichzeitig Subjekt und Medium. Die Grenzen einiger Konzepte scheinen zu verschwimmen, andere erstarren. Der weibliche Körper wird vom platten Schönheitsideal der Modeindustrie befreit und verwandelt spielerisch die Wahrnehmungen des Betrachters.

Ihre Performance „Massa de Sentidos" (Ein Frage der Sinne, 2004) antwortet auf eine Arbeit Marcel Duchamps aus dem Jahr 1951. Mit Hilfe der Paste, die Zahnärzte verwenden, um künstliche Zähne herzustellen, fertigte Duchamp damals zunächst einen Abdruck seiner Frau. Die Positivform betitelte er „Objet Dard". Mit diesem Objekt, so Marcela Levi, bestimmte Duchamp Beziehungen zwischen innen und außen sowie zwischen leer und voll - Beziehungen, mit denen auch sie sich in ‚Massa de Sentidos" auseinandersetzen wollte. In der Performance reflektiert Levi Weiblichkeit mithilfe symbolhafter Attribute wie rot gefärbtem Brotteig und Matroschkas (russische hohle Holzpüppchen, in denen sich jeweils eine weitere kleinere Puppe befindet). Die weiblichen Attribute geraten dabei in unterschiedlichster Form scheinbar zu einem Teil des weiblichen Körpers, der sich - unterstützt durch eine bedachte, langsame Darstellung - zu einem bloßen Objekt wandelt. Eine Kamera filmt Levi während der Performance auf dem quadratischen Bühnenboden und überträgt die Bilder aus der Vogelperspektive an eine Wand. Der Zuschauer wird so mit der Ambivalenz zwischen innen und außen konfrontiert: Die Leinwand zeigt das Sichtbare, Äußere, und der Körper im begrenzten Raum das Emotionale, Innere. Inneres und Äußeres, Körper und Geist, werden so als miteinander verwoben, vielschichtig und teils auswechselbar dargestellt.

2007 zeigte Levi mit „In-Organic“ eine Performance, die sie als Artist-in-Residence am Recollets in Paris entwickelte. Eine 25 Meter lange Perlenkette, ein einbalsamierter Ochsenkopf, Haarklammern, ein Kleid und ein Fahrradrücklicht treten hier in einen Dialog mit ihrem Körper. Auf der Bühne entbrennt ein Geschlechterkampf mit den Mitteln der Ironie. Die Performance bezieht sich auf Motive der brasilianischen Gesellschaft wie einem Ritual, bei dem Cowboys ihre bevorzugten Frauen mit einem Lasso einfangen: „He likes it, she likes it, and that’s how it is“. Die Performance zeigt dabei einen Körper, der in sozialen Ritualen gefangen ist, in Begrenzungen und Konventionen: „In-Organic" bietet Überlegungen, Recherchen und praktische Experimente, die von einem Körper (einer Frau), einem Körper, der sich seiner Schwere bewusst ist oder vielmehr seines Ortes oder seines Nicht-Ortes oder seines Durchreise-Ortes ausgehen. (...) Ich verwende Objekte (materielle) als Antrieb für die Bewegung. Was ich in diesem Zusammentreffen suche: den Körper (der Frau) + die Objekte oder eher Subjekte (ein Wort, dass ein Wortspiel evoziert ... Subjekte: persönliche Gegenstände des täglichen Gebrauchs, verschoben, entfunktionalisiert und subjektiviert), das Überschwappen, die Überlagerungen und Verschiebungen, die eine andere Bedeutung eröffnen (Richtung und Signifikation). “ (Zitat: M. Levi, Quelle: www.international-recollets-paris.org)
Author: Katharina Koschorreck

Bio

Die Tänzerin und Choreografin Marcela Levi, 1973 in Rio de Janeiro geboren, schloss ihr Studium des zeitgenössischen Tanzes 1996 an der Angel Vianno School of Dance ab. Acht Jahre, von 1994 bis 2002, tanzte sie bei der international renommierten La Rodrigues Dance Company und arbeitete mit Lia Rodrigues als choreografische Assistentin zusammen. 2002 begann sie, eigene experimentelle Solo-Performances an der Schnittstelle zwischen Tanz und bildender Kunst zu entwickeln. Oft arbeitet sie dabei mit bildenden Künstlern, Fotografen und anderen Choreografen zusammen. Marcela Levis Arbeiten wurden auf Festivals in Brasilien, Frankreich, Belgien, Australien, Großbritannien und Portugal gezeigt. Zwei ihrer Arbeiten wurden als bedeutendste Tanzperformances des jeweiligen Jahres nominiert. 2004 „Massa de Sentidos", das als eines der besten Tanzstücke des Jahres von der Zeitschrift O Globo nominiert wurde. „In-organic" wurde 2007 von der Zeitung Jornal do Brasil als eine der besten Tanzperformances des Jahres nominiert.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

IN TRANSIT 2008

Singularities | Einmaligkeiten

(11 June 08 - 21 June 08)