Lewis Nkosi

Article Bio Works www
crossroads:
Apartheid, Exil, Gewalt
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (allgemein)
region:
Africa, Southern
country/territory:
South Africa
created on:
June 17, 2005
last changed on:
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Article

Der 1936 im südafrikanischen Durban geborene Lewis Nkosi gilt allgemein als einer der bedeutendsten Literatur- und Kulturkritiker nicht nur seines Landes, sondern seines ganzen Kontinents. Seitdem er in den fünfziger Jahren in Johannesburg für die legendäre Zeitschrift „Drum“ schrieb, hat er nicht mehr aufgehört, mit scharfer Feder die kulturelle und politische Entwicklung Afrikas zu kommentieren.
Dabei durfte Nkosi seine Kritik schon bald nicht mehr in seinem Heimatland äußern: Als er 1961 mit einem Stipendium zum Studium nach Harvard ging, wusste er, dass ihm die südafrikanische Regierung die Wiedereinreise nicht gestatten würde. Fortan lebte Nkosi, der heute in der Schweiz wohnt, als Publizist und Literaturwissenschaftler unter anderem in den USA, Sambia und England, von wo aus er über das kulturelle Geschehen berichtete und gegen die Politik der Apartheid in seiner Heimat anschrieb.

Sein im engeren Sinne belletristisches Oeuvre ist angesichts der enormen Fülle an essayistischen und wissenschaftlichen Schriften vergleichsweise schmal. Neben einigen Kurzgeschichten und Theaterstücken – darunter „The Rhythm of Violence“ (Der Rhythmus der Gewalt, 1964) über den Rassenkonflikt und Polizeibrutalität im Johannesburg der frühen 1960er und „The Black Psychiatrist“ (Der schwarze Psychiater, 1978), eine Meditation über die Frage afrikanischer Identität – hat Nkosi bislang zwei Romane verfasst. In dem mehrfach aufgelegten „Mating Birds" (1983 dt. „Weiße Schatten“, 1987) erzählt er die Geschichte eines jungen Schwarzen, der aufgrund seiner Beziehung zu einer weißen Frau wegen einer angeblichen Vergewaltigung zum Tode verurteilt worden ist. Mit dramaturgischem Geschick gelingt es Nkosi, jenseits der Schilderung dieser verhängnisvollen Affäre, die Abartigkeit des Apartheid-Regimes zu dekuvrieren.

Sein aktueller Roman „Underground People“ (Untergrundmenschen, 2002) bewegt sich zwischen allen Genres. Cornelius Molapo, Prototyp des urbanen Dandys, wird überraschenderweise auserkoren, auf dem Land eine Revolution anzuzetteln. Erst allmählich wird ihm klar, dass hinter diesem Auftrag der Nationalen Befreiungsbewegung mehr steckt .. Komische Elemente und einfühlsame Beobachtungen fügen sich zu einem politischen Thriller, der die Machenschaften von Politikern, die Bemühungen von Menschenrechtsaktivisten und Szenen dörflichen Lebens miteinander verquickt und so das Südafrika der 1980er Jahre wiederaufleben lässt, das von Unrecht regiert, von blutigen Kämpfen überzogen wurde.
Dirk Naguschewski
Author: Internationales Literaturfestival Berlin (ilb)

Bio

Lewis Nkosi verstarb am 5. September 2010 nach langer Krankheit in Johannesburg.

Works

Weiße Schatten

Published Written,
2003
Übersetzung von Eva Bornemann, dtv: München

Englische Titel siehe englische Textversion

Published Written

Www

Nachruf in der Sunday Times

7. September 2010