Zoltán Jókay

Article Bio Works Merits Projects Images
crossroads:
Alltag, Kinder, Liebe
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie)
region:
Europe, Western
country/territory:
Germany
city:
München
created on:
May 8, 2003
last changed on:
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Article

„Dort wo das Denken wortlos wird und ins Taumeln gerät"

Zoltán Jókay, 1960 in München geboren, gehört zu den Fotografen, die künstlerisch-dokumentarisch arbeiten. Dabei entstehen psychologisierende Porträts von jungen Menschen, die Jókay im öffentlichen Raum darstellt.
Der dicke Bub mit Batman T-Shirt und schmutzigen Knien unter der kurzen Hose hält den Kleineren in der Jogginghose an der Hand. Der Große blickt fest und mit kindlicher Ernsthaftigkeit zu Boden. Er hat die Verantwortung für den Freund übernommen und zeigt es durch seine Körpersprache. Dieser schaut ein bisschen zaghaft, fast ängstlich von unten nach oben in die Kamera. Dahinter ist ein typisches Vorstadtambiente erkennbar: Eine breite Straße, wenig Menschen, eine Mischbebauung aus alten Häusern um 1900 und Hochhäusern weiter weg. Das Bild gehört zu einer Fotoserie von 1999, für die Jókay den Förderpreis der Stadt München erhalten hat.

Eine Arbeit aus der Serie „der, die, das“ von 2001 zeigt einen etwa 9-jährigen Jungen im Sporthemd. Ungelenk zieht er die linke Schulter nach oben. Sein Lächeln schaut nach innen. Das Mädchen aus der gleichen Bilderfolge auf dem Einband des dazugehörigen Katalogs lässt seinen Bauchnabel unter dem kurzen Oberteil sehen. Es ist kurz vor der Pubertät. Unverstellt, fast trotzig, schaut sie direkt in die Kamera. Sie muss nicht lächeln, keiner erwartet es.

„Ohne Verfremdungseffekte arbeitet Zoltán Jókay, der seinen zumeist jugendlichen Protagonisten mit unverhohlener Sympathie gegenübersteht“, schreibt Ivo Kranzfelder in dem Katalog zur Ausstellung „Ich und die anderen. Fotografien und Videoarbeiten“. Die Präsentation wurde 2000 im Münchner Stadtmuseum gezeigt und stellte Jókay in eine Reihe mit sieben weiteren Fotokünstlern, unter ihnen Boris Mikhailov.

Kranzfelder beschreibt damit eine Vorgehensweise, die die Arbeit von Zoltán Jókay sehr zutreffend umreißt: Jókay mag seine Modelle und der Betrachter darf es merken. Die Bilder von Kindern und Jugendlichen, selten fotografiert der Künstler ältere Menschen, scheinen von einem tiefen Berührtsein des Autors motiviert. Man spürt, da steht einer hinter der Kamera, der auf einen bestimmten Augenblick gewartet hat, den Moment des „ganz im Hier" Seins. In den Gesichtern der Dargestellten, manchmal ist es auch ein Paar, liest der Betrachter diese eine Beziehung und dieses eine Vertrauen, das es in diesem einen Moment gibt. Wenn man den Funken zeigen kann, der das Leben verändert, der Freundschaft und Liebe anstiftet, dann hier. Zoltán Jókay sagt: „Jedem meiner Bilder kann man drei Autoren zuordnen; mich, den Porträtierten und den Betrachter.“

Das Geheimnis seiner Arbeiten ist, dass Jókay die, die er fotografiert, sein lässt. Dafür machen sie ihm das Geschenk, sich zu zeigen. Welcher 16- oder 17-jährige Junge würde sich sonst so hinstellen, wie der Junge vor dem See: Völlig entspannt, die eine Hand in der Hosentasche, Zigarette in der anderen. Die Schultern erscheinen eher schmal, die Hüften ein bisschen breit. Er schließt die Augen, lächelt und bläst dabei den Rauch aus seiner Nase. Der Fotograf drückt in diesem Moment größter Intimität auf den Auslöser: Jókays Modelle dürfen vor der Kamera eins mit sich sein und ihre Körperhaltung und Körperlichkeit mitbringen. Oft wohnen sie noch in weichen und unausgebildeten Kinderkörpern und haben keine in Form gebrachten Körper vorzuweisen. Jókays Vorliebe für Jugendliche und Kinder, die schon früher als andere ernst werden, ist dabei offensichtlich.

Zoltán Jókay wurde als Sohn ungarischer Eltern 1960 in München geboren. Ab 1984 studierte er an der Universität in Essen Kommunikationsdesign, wo er 1993 das Diplom machte. Seit 1990 erhielt der Fotokünstler eine Reihe von Stipendien und Preise.

Seine Fotoarbeiten sind kleinformatig und von einer zurückgenommenen Farbigkeit. Es gibt keine blauen Himmel und keine Schatten. Der Fokus richtet sich auf die Personen, während der nicht identifizierbare, allgemein gehaltene Hintergrund von Straßen, Brücken und Plätzen verschwimmt. Die Orte, wie die Menschen, korrespondieren häufig in einer leisen Tristesse. Das Überindividuelle dieser Menschenbilder wird durch die Reduktion des Hintergrunds verstärkt und ins Zeitlose gerückt.
Author: Cornelia Gerner 

Bio

Zoltán Jókay 1960 wurde als Sohn ungarischer Eltern in München geboren. Er studierte 1984-93 Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Universität/GH Essen und machte 1993 sein Diplom. 1990 erhielt Jókay das Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, 1994 das Kunstförderstipendium der Stadt München. 1995 wurde ihm der Artist in residence-Fotopreis, Edinburgh, zuerkannt, im gleichen Jahr der Aenne Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie. 1999 wurde Jókay mit dem Förderpreis für Fotografie der Stadt München ausgezeichnet. 2000 erhielt er ein Stipendium als Stadtfotograf in Ravensburg.

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Die Kunst Deutsche(r) zu sein", 7. Internationale Fototage, Mannheim „Bildprojekt Theresienhöhe", Wäcker & Jordanow - Galerie für Fotografie, München 2001 „Privatepublic", Aspekte Galerie Gasteig, München 2003 „Contemporary German Photography”, Contemporary Art Center, Vilnius, Litauen „Verheißung des Individuellen“, Städtische Galerie Filderhalle, Echterdingen 2002 „Erwerbungen seit 1995“, Museum Folkwang, Essen 2000 „Kinder des 20. Jahrhunderts", Städtische Galerie Jesuitenkirche, Aschaffenburg „Heimat Kunst", Haus der Kulturen der Welt, Berlin 1999 „Ich und die anderen - Positionen zeitgenössischer Fotografie aus Europa", Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal 1997 „Fotografie als Geste - Positionen zeitgenössischer Fotografie", Kunstsammlungen, Staatliches Museum, Schwerin 1993 „Photographers with grants from the von Bohlen und Halbach-Stiftung“, Museum Folkwang, Essen

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Zoltán Jókay, Frauke Eigen", Galerie Sabine Knust, München 2004 „Zoltán Jókay - Portraits 1989-2003", Sprengel Museum, Hannover 2000 „Sich begegnen", Galerie Bodo Niemann, Berlin 1996 „Zoltán Jókay, Andreas Mader", Galerie Lichtblick, Köln

Merits

1989
Deutscher Photopreis, Stuttgart
1993
Stipendiaten der von Bohlen und Halbach-Stiftung, Museum Folkwang, Essen
1995
Aenne Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie, Gera

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Heimat Kunst

Kulturelle Vielfalt in Deutschland

(01 April 00 - 02 July 00)
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"Erwachsen werden"
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